NSU-UntersuchungsausschussPolizei lockte Mörder mit eigenem Döner-Imbiss

Auf der Suche nach den Mördern mehrerer Migranten hat die Polizei einen eigenen Schnellimbiss betrieben – mit zweifelhaften Mitteln. Abgeordnete reagierten entrüstet.

Fotos der NSU-Täter auf einem Protestplakat

Fotos der NSU-Täter auf einem Protestplakat  |  © Uwe Zucchi/dpa/lhe

Um den Mördern mehrerer Einwanderer auf die Spur zu kommen, hat die Sonderkommission Bosporus monatelang einen Schnellimbiss in Nürnberg betrieben. Bei der Vernehmung des bayerischen Oberstaatsanwalts Walter Kimmel im Untersuchungsausschuss des Bundstages stellte sich heraus, dass Polizisten ein halbes Jahr lang Döner verkauften. Um die Täter anzulocken, waren sie den Lieferanten Zahlungen schuldig geblieben. Die Polizei vermutete, dass möglicherweise ein Inkasso-Team in die Morde verwickelt war.

Zusätzlich wurde im Ausschuss bekannt, dass eine als Journalistin getarnte Ermittlerin unter türkischen Gewerbetreibenden unterwegs war. Sie war ebenfalls auf der Suche nach Spuren in der Organisierten Kriminalität.

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Der Ausschuss soll Behördenversagen bei den Ermittlungen zu der Mordserie an neun Migranten und einer Polizistin durch die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund aufklären. Die Sonderkommission hatte die Täter jahrelang im Bereich der Organisierten Kriminalität vermutet und keinen Rechtsextremismus-Verdacht geschöpft. Als ein Video der Täter bekannt wurde, wurde das tatsächliche Motiv klar.

Zwischen 2000 und 2006 waren acht türkische und ein griechischer Kleinunternehmer, 2007 eine Polizistin in Heilbronn ermordet worden. Die Sonderkommission Bosporus bildete sich in Bayern, weil die Täter dort zuerst töteten. Sie arbeitete auch mit Ermittlergruppen in anderen Bundesländern zusammen.

Ungläubige Nachfragen

Polizeiintern und in Berichten war lange von "Döner-Morden" die Rede – vor dem Hintergrund der neuen Information besonders absurd.

Die Information von dem Döner-Imbiss führte in der Abgeordnetenrunde zum Eklat. Ungläubig fragte Ausschusschef Sebastian Edathy bei Staatsanwalt Kimmel nach: "Wie habe ich mir das vorzustellen mit dem Döner-Stand? Da stehen dann Scharfschützen rund um die Uhr?" Der sichtlich verärgerte FDP-Parlamentarier Hartfrid Wolff verlangte, die Sitzung sofort zu unterbrechen und die Öffentlichkeit auszuschließen.

Edathy hatte die Information erst am Abend vorher von dem Ermittlungsbeauftragen erhalten – die anderen Fraktionen schienen darüber nicht im Bilde zu sein. Im geheimen Teil der Sitzung entschuldigte sich Edathy bei den anderen Abgeordneten dafür, dass er die Information über die Dönerbude für sich behalten hatte.

Neonazi-Terror in Deutschland
Morde, ungeklärte Anschläge und Reaktionen
1996 und 1997

© Frank Doebert/Ostthueringer Zeitung/dpa

Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe fallen 1996 zum ersten Mal auf. Sie sollen eine Puppe mit gelbem Davidstern an einer Autobahnbrücke aufgehängt haben. 1997 deponieren sie einen mit Hakenkreuz bemalten Sprengstoffkoffer in der Jenaer Innenstadt.

Januar 1998

© Heinz Hirndorf/dpa

In Jena hebt die Polizei die Bombenwerkstatt der drei mutmaßlichen Rechtsterroristen aus. Das Labor war in einer Garage versteckt. Die Fahnder stellen Rohrbomben sicher, die mit dem Sprengstoff TNT gefüllt sind. Das Trio flieht. Noch offen ist, wer ihnen bei der Flucht half.

28. September und 19. Dezember 1998

© Wolfgang Kumm/dpa

Auf das Grab des früheren Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, werden zwei Anschläge verübt. Der Fall wurde nie aufgeklärt, die Ermittler untersuchen mögliche Verbindungen zu den drei Neonazis.

1999 bis 2011

© Polizeidirektion Gotha/dpa

14 Banküberfälle werden Böhnhardt und Mundlos zugeordnet: Chemnitz: 6. und 27.10.1999, 30.11.2000, 23.9.2003, 14. und 18.5.2004, 22.11.2005; Zwickau: 5.7.2001, 25.9.2002 und 5.10.2006; Stralsund: 7.11.2006 und 8.1.2007; Arnstadt: 7.9.2011; Eisenach: 4.11.2011. Sie fliehen mit dem Fahrrad. 

27. Juli 2000

© Christian Ohlig/dpa

Ungeklärt ist auch der Splitterbombenanschlag an einer Düsseldorfer S-Bahn-Station. Zehn Einwanderer aus Osteuropa werden schwer verletzt, eine Frau verliert ihr ungeborenes Kind. Der Anschlag läuft ähnlich ab wie der in Köln 2004. War auch hier das Jenaer Trio beteiligt?

9. September 2000

© dpa

In Nürnberg wird der 38-jährige türkische Blumenhändler Enver S. erschossen. Eine der verwendeten Waffen ist die bei allen folgenden Taten genutzte Pistole, eine Ceska, die später in der Zwickauer Brandruine gefunden wird. Enver S. ist das erste Opfer der Mordserie.

19. Januar 2001

© Jan Woitas/dpa

Eine Deutsch-Iranerin wird in einem Kölner Lebensmittelgeschäft durch einen in einer Keksdose versteckten Sprengsatz schwer verletzt. Hinweise darauf, dass das Trio hinter dem Anschlag steckte, finden sich auf der in der Zwickauer Brandruine (Bild) gefundenen DVD.

13. Juni 2001

© dpa

In Nürnberg stirbt der 49 Jahre alte, türkische Änderungsschneider Abdurrahim Ö. Er wurde mit zwei Kopfschüssen niedergestreckt. Ein Komplize des Täters soll draußen in einem Auto gewartet haben.

27. Juni 2001

© dpa

In Hamburg wird der 31-jährige Gemüsehändler Süleyman T. in seinem Laden ermordet. Drei Schüsse haben ihn in den Kopf getroffen. Die Polizei geht von zwei Tatwaffen aus.

29. August 2001

© dpa

In München wird der 38 Jahre alte, türkische Gemüsehändler Habil K. erschossen. Auch er wird in den Kopf getroffen, mit zwei Schüssen.

25. Februar 2004

© dpa

In Rostock wird der 25 Jahre alte Dönerladen-Aushilfsverkäufer Yunus T. ermordet. Der Türke war erst zehn Tage in Deutschland.

9. Juni 2004

© Federico Gambarini/dpa

Durch einen Nagelbombenanschlag in Köln werden 22 Menschen verletzt. Im November 2011 wird der bislang ungeklärte Fall neu aufgerollt, weil die Neonazis sich auf ihrer DVD zu dem Anschlag bekannt haben.

9. Juni 2005

© dpa

In Nürnberg stirbt an seinem Dönerstand der 50 Jahre alte Besitzer Ismail Y. Ein Kunde findet ihn hinter der Theke. Fünf Schüsse haben ihn getroffen. Zeugen sagen, zwei Männer hätten auf ihn geschossen.

15. Juni 2005

© dpa

Der 41-jährige Theodorus B. wird in seinem Laden, einem Schlüsseldienst in München, erschossen. Er stammt als einziges Opfer aus Griechenland.

4. April 2006

© dpa

In Dortmund wird in den Mittagsstunden an einer vielbefahrenen Straße der türkischstämmige Kioskbesitzer Mehmet K. mit mehreren Kopfschüssen getötet. Der 39-Jährige hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

6. April 2006

© Uwe Zucchi/dpa

Halit Y., der 21 Jahre alte türkische Betreiber eines Internetcafés in Kassel, wird ebenfalls mit Kopfschüssen getötet. Am Tatort befand sich ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes. Er soll auf dem Dachboden seines Hauses Bücher zur Nazizeit gehortet haben.

25. April 2007

© Norbert Försterling/dpa

In Heilbronn wird Michèle Kiesewetter, eine aus Thüringen stammende, 22 Jahre alte Bereitschaftspolizistin, erschossen. Ihr Kollege überlebt schwer verletzt.

4. November 2011

© Carolin Lemuth/dpa

Nach einem Banküberfall werden Bönhardt und Mundlos tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil bei Eisenach gefunden. In Zwickau geht ihre Wohnung in Flammen auf. In den Trümmern werden Waffen und eine DVD entdeckt, mit Bekenntnis zu den Morden und einigen Anschlägen.

8. November 2011

© Jan Woitas/dpa

Beate Zschäpe stellt sich der Polizei in Jena und wird wegen dringenden Verdachts der Gründung der Neonazi-Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) festgenommen. Seither sitzt die 36-Jährige in Untersuchungshaft.

13. November 2011

© Franziska Kraufmann/dpa

Holger G. wird in Niedersachsen festgenommen. Er soll Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) sein und dem Trio Ausweise überlassen haben. Holger G. wurde schon 1999 observiert, doch der niedersächsische Verfassungsschutz stufte ihn nur als Mitläufer ein.

15. November 2011

Die CDU fasst auf ihrem Parteitag in Leipzig einstimmig den Beschluss, ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD zu prüfen. Auch die SPD fordert wieder, die Partei zu verbieten. In dem Zusammenhang wird auch diskutiert, ob der Einsatz der V-Leute vom Verfassungsschutz überprüft werden muss. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will ein Zentralregister einrichten, in dem alle Informationen über Neonazis gespeichert werden sollen.

Am gleichen Tag wird bekannt, dass das Neonazi-Trio eine Liste angefertigt hatte, auf der auch Politiker verzeichnet waren.

16. November 2011

© Polizei Sachsen/dpa

Beate Zschäpe trägt nichts zur Aufklärung der Mordserie bei. Sie schweigt. Derweil wird die Liste der Fahndungspannen immer länger. Polizei und Verfassungsschutz hatten offenbar Dutzende Chancen verpasst, die Neonazi-Gruppe zu finden.

18. November 2011

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger will als Reaktion auf die Ermittlungspannen die Zahl der Verfassungsschutzämter in Deutschland reduzieren. Die Länder sind dagegen. Vereinbart wird auf einem Krisengipfel aber, ein Abwehrzentrum Rechts und eine zentrale Neonazi-Datei einzurichten.

21. November

© Christof Stache/AFP/Getty Images

Es wird bekannt, dass Uwe Mundlos durch eine Behördenpanne an gefälschte Ausweispapiere kam. BKA-Chef Ziercke verwirrt mit der These, die Polizistin Michèle Kiesewetter sei doch gezielt getötet worden. "Unsinn", heißt es dazu aus Thüringen.

22. November
Kristina Schröder

© Sean Gallup/Getty Images

Die Mittel für Initiativen gegen Rechtsextremismus sollen, anders als von Familienministerin Kristina Schröder ursprünglich geplant, nun doch nicht gekürzt werden. Zudem will die Bundesregierung die Angehörigen der Opfer entschädigen.

24. November

© Franziska Kraufmann/dpa

In Brandenburg wird der 32-jährige André E. festgenommen. Er soll die Bekenner-DVD der NSU produziert haben. Im Mai 2009 soll er dem Trio Bahncards überlassen haben, die auf ihn und seine Frau ausgestellt waren.
 

29. November

© Uli Deck/dpa

Der ehemalige NPD-Funktionär Ralf W. wird in Jena verhaftet. Dem 36-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen, der Neonazi-Gruppe eine Schusswaffe und Munition besorgt zu haben. W. war bis Mai 2008 Vize-Chef der thüringischen NPD.

11. bis 13. Dezember

Der mutmaßliche Unterstützer Matthias D. wird gefasst. Der 36-Jährige, der wie André E. aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt stammt, soll in Zwickau zwei Wohnungen für die Gruppe angemietet haben.

Derweil wächst bei Schwarz-Gelb die Skepsis gegenüber einem erneuten NPD-Verbotsverfahren. Man fürchtet angesichts der vielen V-Leute in der NPD (offenbar mehr als 130) einen erneuten Misserfolg.

In den folgenden Tagen wird bekannt, dass die Ermittler auch Spuren der Terrorzelle nach Berlin und in die Schweiz untersuchen. Möglicherweise war sie an einem Mord in Zürich beteiligt.

Januar 2012
01 Sebastian Edathy im Untersuchungsausschuss

© Sean Gallup/GettyImages

Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages geht den Ermittlungsfehlern nach. Dabei kommt heraus, dass die bayerische Polizei bei der Fahndung gar einen Dönerimbiss betrieb. Auch in Thüringen und Sachsen untersuchen die Parlamente die Vorgänge.

Februar 2012
Staatsakt

© Sean Gallup/Getty Images

In einem Staatsakt wird der NSU-Opfer gedacht. Eine Straße in Kassel soll nach einem der Opfer benannt werden. Jetzt untersucht auch eine Bund-Länder-Kommission die fehlgeschlagene Suche nach dem Trio.
 

März 2012
02 Beate Zschäpe

© BKA/dpa

Die Bundesanwaltschaft arbeitet daran, Beate Zschäpe eine direkte Beteiligung an den Morden nachweisen zu können. Zschäpe soll der Motor der Gruppe gewesen sein, Haushalt und Finanzen verwaltet haben.

2. Mai 2012
03-Untersuchung nach Mord

© Marcus Föhrer/dpa

Acht Männer türkischer Abstammung ermordeten die Rechtsextremen. Doch auch die türkischen Behörden glaubten nur an ein kriminelles Killerkommando aus dem eigenen Land, wie die ZEIT herausfindet.

15. Mai 2012

In Thüringen wurde bei der Suche nach den untergetauchten Terroristen von 1998 bis 2001 geschlampt, urteilt ein Gremium der Landesregierung unter Vorsitz von Ex-Bundesrichter Gerhard Schäfer. Bereits zu Jahresbeginn haben die Landesverfassungsschützer eingeräumt, dass über einen Mittelsmann Geld an die Neonazis fließen sollte, um an deren Tarnidentitäten zu kommen. Der Plan scheiterte. Für die Observation des Trios stellt auch die Parlamentarische Kontrollkommission des Sächsischen Landtages dem eigenen Verfassungsschutz ein verheerendes Zeugnis aus.

Ende Mai 2012

Der mutmaßliche NSU-Helfer Holger G. ist auf freiem Fuß. Er soll den drei Rechtsextremisten Waffen besorgt haben. Der Bundesgerichtshof entschied: G. wusste eventuell nicht, wofür sie eingesetzt werden. Zwei Wochen später werden auch Carsten S. und Matthias D. aus der Untersuchungshaft entlassen. Im Juni wird der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen NSU-Helfer André E. aufgehoben. Er soll an dem Bekennervideo der NSU mitgearbeitet haben, der BGH hält ihn aber nicht für dringend tatverdächtig

2. Juli 2012
Die Terrorzelle

© BKA/dpa

Ein Referatsleiter des Bundesverfassungsschutzes hat im November 2011 Akten zu V-Leuten aus dem Umfeld der NSU vernichtet. Bis Ende Juni war das dem Geheimdienstchef angeblich nicht  bekannt.

Juli 2012

Als Konsequenz aus der "Reißwolf-Affäre" bittet Verfassungsschutzchef Fromm um seine frühzeitige Pensionierung. Wenige Tage später verliert der Präsident des Thüringischen Geheimdienstes, Thomas Sippel, seinen Posten. Auch der Leiter der sächsischen Behörde, Reinhard Boos, tritt zurück.  Protokolle einer Telefonüberwachung des Bundesamtes von Ende 1998 waren nicht an die Untersuchungsausschüsse weitergegeben worden.

5. Juli 2012

Fromm spricht vor dem Bundestagsausschuss. Er offenbart Chaos in seiner Behörde, weiß nicht, warum sensible Akten vernichtet wurden. Die Vermutung der FDP, Zschäpe sei als Informantin angeworben worden, wird dementiert.

Juli 2012

© Michael Gottschalk/dapd

Noch nachdem die Straftaten des NSU bekannt wurden, sind zahlreiche weitere Akten zu den drei Rechtsextremisten vernichtet worden. Die Behörden erklären das mit dem Datenschutz, die Opposition vermutet Vertuschung.

Juli 2012

© Jim Lo Scalzo/EPA/dpa

Zwei Kollegen der Polizistin Michele Kiesewetter sind zeitweise Mitglieder im rassistischen Ku-Klux-Klan (KKK) gewesen. Einer von ihnen war ihr Gruppenführer, wusste also, wo sie sich aufhielt. Einen Zusammenhang mit dem Mord schließt der Innenminister Friedrich aus.

September 2012

© BKA/dapd

Der Militärgeheimdienst MAD hat 1995 eine Akte über die rechtsextreme Gesinnung des Wehrdienstleistenden Uwe Mundlos erstellt. Der Verteidigungsminister wusste dies seit März. Der Bundestagsuntersuchungsausschuss wurde nicht informiert.

14. September 2012

© Steffi Loos/dapd

Ein früherer Vertrauter des NSU hat jahrelang für das LKA Berlin gespitzelt. Thomas S. lieferte 2002 Hinweise auf den Aufenthaltsort der Truppe in Thüringen. Innensenator Frank Henkel wusste seit März von S., gab die Information aber nicht an den Ausschuss weiter.

Aber auch der Leitende Staatsanwalt Kimmel hat die Brisanz offenbar nicht erkannt: Er habe zwar davon gewusst, die Aktion mit dem Imbissstand aber nicht angeordnet, rechtfertigte er sich. Wie genau alles vor sich gegangen sei, könne er nicht sagen. Die SPD-Abgeordnete Eva Högl sagte, es falle ihr schwer, sich "vorzustellen, dass Sie trotz täglicher Besprechungen mit den Beamten von so einer Aktion keine Kenntnis gehabt haben wollen".

Falsche Spur aus der Türkei

Högl hatte auch in einer persönlichen Anmerkung erklärt, sie hätte vom Staatsanwalt, der für die jahrelangen Ermittlungen in die falsche Richtung Organisierte Kriminalität die juristische Verantwortung trägt, gern ein "Wort des Bedauerns" gehört. Das sei man auch den Opfern und ihren Angehörigen schuldig. Kimmel sagte aber lediglich, man habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.

In der falschen Richtung bestätigt wurden die deutschen Ermittler auch durch die Türkei: Nach Informationen der ZEIT hatten türkische Behörden den deutschen Beamten Ermittlungen im Bereich der Organisierten Kriminalität nahegelegt. Gestützt wurde die These auch von Hinweisen, dass drei der Mordopfer tatsächlich Verbindungen zur Organisierten Kriminalität hatten.

Die rechtsextremistischen Täter töteten in insgesamt fünf Bundesländern. Als Hauptverdächtige sitzt Beate Zschäpe in Untersuchungshaft, die zwei weiteren mutmaßlichen Täter Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten sich kurz vor Enttarnung der Neonazi-Gruppe selbst getötet. Weitere mutmaßliche Helfer sind ebenfalls inhaftiert.

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Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

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    Eine "Polemik" (die zur Löschung geführt hat) konnte ich in "Grellsehers" Anmerkung nicht finden. Abgesehen davon, dass ein ausländerfeindlicher oder rassistischer Hintergrund immer als Spur zu verfolgen war, waren eben auch andere Spuren zu verfolgen, solange die Polizei weitgehend im Dunkeln tappte. Darunter waren auch die Hinweise türkischer Behörden auf mafiöse Kriminalität relevant. Auch unabhängig davon, ob die türkischen Angaben letzlich noch für die deutschen Fälle relevant waren oder vielleicht gar eine Taktik türkischer Behörden dahinter stand, die mit den konkreten Fällen vielleicht gar nichts zu tun hatte. Nach meiner Erinnerung wurde über die türkischen Hinweise berits damals, also vor Jahren, auch in der Presse berichtet und es handelt sich keineswegs um neue Informationen, wie man anhand der Darstellung "Nach Informationen der ZEIT hatten türkische..." und Ihrer jüngsten Berichterstattung verleitet sein könnte, zu vermuten.

  2. welcher der beiden Vorgänge erschreckender ist. Die Tatsache, dass die SK Bosporus versuchte die Täter mithilfe eines Dönerstandes unter Millionen in Deutschland und nicht gezahlten Rechnungen anzulocken, oder die Tatsache, dass nach Bekanntwerden dieser Absurdität an Ermittlungsarbeit im Untersuchungsausschuss sofort beschlossen wurde die Öffentlichkeit auszuschließen. Und diesen Leuten sollen wir die Vorratsdatenspeicherung ermöglichen?

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    • Ranjit
    • 10. Mai 2012 15:12 Uhr

    Ich finde die Tendenz zur Geheimpolitik auch mit am erschreckendsten. Man sollte unsere Politiker daran erinnern, dass Justitia eine Augenbinde braucht, nicht die Bevölkerung.

    Was mich auch etwas gestört hat war folgende, unglückliche Formulierung:
    "Zusätzlich wurde im Ausschuss bekannt, dass eine als Journalistin getarnte Ermittlerin unter türkischen Gewerbetreibenden unterwegs war. Sie war ebenfalls auf der Suche nach Spuren in der Organisierten Kriminalität."

    Sollte dass nicht heißen "auf der Suche nach Spuren organisierter Kriminalität"? "in der Organisierten Kriminalität" bezogen auf türkische Gewerbetreibende setzt organisierte Kriminalität unter Geschäftsleuten dieser Ethnie ja direkt voraus. Wahrscheinlich aber nur ein Formulierungsfehler.

  3. ob ich nun lachen oder weinen soll...

    Aber mir ist eines sauer aufgestoßen:

    "Der sichtlich verärgerte FDP-Parlamentarier Hartfrid Wolff verlangte, die Sitzung sofort zu unterbrechen und die Öffentlichkeit auszuschließen."

    Dagegen. Ich kenne den Wolff zwar nicht, aber Türen schließen und den Bürger aussperren löst keine Probleme.

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    Die Freiheit im Namen und die Unfreiheit in den Taten!

  4. Ich verstehe die Entrüstung nicht! In einem solchen Fall sind alle Mittel legitim, die zur Ergreifung des Täters führen können!

    Ich fordere weniger Scheu, in der deutschen Polizeiarbeit auch unkonventionelle Methoden einzusetzen! (Wenn nötig auch an der Legislative vorbei.)

    Mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbuerger

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Pjotr_
    • 10. Mai 2012 15:02 Uhr

    "Ich fordere weniger Scheu, in der deutschen Polizeiarbeit auch unkonventionelle Methoden einzusetzen! (Wenn nötig auch an der Legislative vorbei.)"

    Zack! Und damit wurde eines der Kernprinzipien westlicher Demokratien im Allgemeinen und des deutschen Staates im Speziellen leichtherzig abgefertigt. Herzlichen Glückwunsch! Soll ich den Verfassungsschutz anrufen?

    Und nein, das hat rein gar nichts mit periculum in mora zu tun.

    "Alle Mittel sind legitim."
    "Auch unkonventionelle Mittel."

    Folter auch? - Wird in vielen Länder eingesetzt?

    • Bashu
    • 10. Mai 2012 16:28 Uhr

    den Migrantenmord aufzuklären, wären die Buh-Rufe aus anderer Ecke erschallt: die Polizisten hätten nicht gründlich genug gesucht, womöglich sogar mit rechten Strömungen sympathisiert.

    Solange unkonventionelle und kreative Methoden keine Gesetze brechen, verstehe ich diese demonstrative künstliche Aufregung der Politiker nicht.

    Aber, und da muss ich Ihnen widersprechen, wenn man die Regeln der Rechtsstaatlichkeit aufweicht, verabschiedet man sich vom Weg der Tugend. Das öffnet Tür und Tor für Willkürstaaten, wie es sie überall auf der Welt gibt - Bitte nicht in Deutschland!

    Das Eröffnen einer Dönerbude ist sicher nicht mit dem Anwenden von Folter vergleichbar, es ist m.E. einfach nur sehr naiv.

    Der Kommentar hat mich trotzdem erschreckt. Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel. Sich dieses Recht allein herauszunehmen und gleichzeitig allen anderen zu verweigern, ist Willkür und Despotismus.
    Wenn die Gesetze in diesem Land nur eingeschränkt gelten, sind sie überflüssig.

    • pamsen
    • 10. Mai 2012 14:26 Uhr
    5. Ernst?

    Irre ich mich im Datum und wir haben den 1. April?

    Ich bin kein Polizist oder etwas ähnliches, aber das kann doch wirklich kein ernst gemeinter Ermittlungsversuch gewesen sein!?

  5. "..Polizei lockte NSU-Täter mit eigenem Dönerimbiss"

    Es drängt sich der Verdacht auf, dass das Wort NSU unbedingt ein zweites Mal in die Überschrift musste.

    "Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten sich kurz vor Enttarnung der Neonazi-Gruppe selbst getötet. ".. und dann den Wohnwagen angesteckt.

    Hier etwas weniger, dort etwas mehr.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten sich kurz vor Enttarnung der Neonazi-Gruppe selbst getötet. ".. und dann den Wohnwagen angesteckt."

    ...so sicher ist das nicht.

  6. Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

  7. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten sich kurz vor Enttarnung der Neonazi-Gruppe selbst getötet.

    [...] Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke. Die Redaktion/kvk

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie dürfen drei mal in vier Jahren Kreuzchen Machen, und gut ist. Mehr gibt unsere Demokratie nicht her!

    Den Rest müssen sie glauben, oder bei der nächsten Wahl bei den Piraten das Kreuzchen machen!

    Genau das frage ich mich seid die NSU bekannt wurde. Mal davon abgesehen das es schwer ist sich zu erschießen und dann den Wagen anzustecken, fehlt wer oder wie sie denn nun enttarnt wurden.
    Das wird, wenn überhaupt,nur angedeutet. Na ja vlt kommt das ja noch.

    Ich weis noch das ein Kollege meinte die wurden erwischt und beseitigt.
    Ich hielt ihn für Paranoid.

    "Irgendwie hab Ich da wohl was nicht verstanden. Vor welcher Enttarnung standen sie. Hätten sie sich nicht abgefackelt wüßte bis heute niemand von der Mördertruppe"

    Kleiner Wikipedia-Auszug gefällig: "Am 4. November 2011 fuhren Mundlos und Böhnhardt auf Fahrrädern zur Filiale der Wartburg-Sparkasse am Nordplatz in Eisenach und überfielen diese ... Sie flüchteten mit der Beute auf Fahrrädern zu ihrem in einiger Entfernung abgestellten Wohnmobil... Als sich Beamte gegen 11:30 Uhr dem verdächtigen Wohnmobil näherten, vernahmen sie zwei knallartige Geräusche und gingen in Deckung. Wenig später geriet das Fahrzeug in Brand."

    Sie wollen also ernsthaft behaupten, die beiden wären bei einer erfolgreichen Verhaftung nur für den Sparkassen-Überfall eingebuchtet worden?

    • M.R.K
    • 10. Mai 2012 17:29 Uhr

    Hatten immerhin Tatwaffen im Bus sowie wietere Tatwaffen und Bekennervideo zuhause! Die Polizei war ihnen auf der Spur. Warum wären sie ohne Selbstmord nicht enttarnt worden?

    Da mordet eine politische Terrorgruppe fast ein Jahrzehnt lang, es gibt nicht einmal einen Versuch die Taten politisch auszuschlachten und dann bringen sich zwei Mitglieder ohne erkennbaren Anlass selbst um und die dritte Kameradin begibt sich in Schutzhaft. Innerhalb kürzester Zeit hat die Polizei dann die ganze Geschichte aus den Trümmern einer abgebrannten Wohnung rekonstruiert.

    Die These das da Zeugen beseitigt wurden klingt hier tatsächlich nicht so abwegig wie die offizielle Geschichte.

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