Das Erstarken der SPD bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hängt unmittelbar mit den Verlusten der Christdemokraten zusammen. Die CDU verlor die meisten Wähler an die SPD: laut ARD-Deutschlandtrend etwa 270.000. Aber auch zur FDP wanderten etwa 190.000 ab. Die SPD zog zudem etwa 160.000 Nichtwähler an.

Die Analyse der Wählerströme wird erst im Laufe des Montags abgeschlossen sein. Klar ist, dass der Einzug der Piraten durch Zuwächse aus verschiedenen Lagern möglich wurde. Neben deren Stammwähler stimmten 60.000 bis 70.000 bisherige Wähler der CDU, SPD, der Grünen und der Linken für die Piraten. Hinzu kamen ebenfalls Nichtwähler.

Die SPD hatte die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen deutlich gewonnen und kann nun die Koalition mit den Grünen mit stabiler Mehrheit fortsetzen . Bei der vorgezogenen Abstimmung wurde die Partei von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit Abstand stärkste Kraft (39,1 Prozent, 4,6 Punkte mehr als 2010).

Sie verwies die vor zwei Jahren noch gleichauf liegende CDU deutlich auf den zweiten Platz. Sie erhielt 26,3 Prozent der Stimmen und erzielte mit ihrem Spitzenkandidaten, Bundesumweltminister Norbert Röttgen , ihr schlechtestes Ergebnis bei einer NRW-Landtagswahl – 8,3 Prozentpunkte Verlust.

Röttgen geht

Drittstärkste Kraft bleiben die Grünen mit 11,3 Prozent. Die FDP schaffte den Wiedereinzug in den Düsseldorfer Landtag mit 8,6 Prozent, die Piratenpartei kommt erstmals mit 7,8 Prozent ins Parlament des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Hingegen scheiterte die Linkspartei wie schon vor einer Woche in Schleswig-Holstein an der Fünf-Prozent-Hürde.

Schon zehn Minuten nach Bekanntwerden der ersten Prognosen um 18.00 Uhr erklärte CDU-Spitzenkandidat Röttgen seinen Rücktritt als CDU-Landeschef. Er sagte, er sei fassungslos angesichts des schwachen CDU-Ergebnisses. "Die Niederlage ist bitter, und sie tut richtig weh." Sein Rücktritt sei angesichts dieses Ergebnisses "ganz zwingend".

Neuwahl wegen Haushalt

Die Wahlbeteiligung war sehr niedrig. Laut ARD-Hochrechnung gaben nur 59 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

Die vorgezogene Landtagswahl war nötig geworden, weil die rot-grüne Minderheitsregierung unter Ministerpräsidentin Kraft ihren Haushalt für 2012 nicht durch das Parlament bringen konnte. Daraufhin hatte es sich Mitte März einstimmig aufgelöst.