WählerwanderungKraft sahnt vor allem bei Röttgen ab

Die Christdemokraten in NRW haben Verluste in zwei große Richtungen hinnehmen müssen: Viele Wähler verabschiedeten sich zur SPD, aber auch die Liberalen profitierten. von dpa und reuters

SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann von den Grünen

SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann von den Grünen  |  © Kai Pfaffenbach/Reuters

Das Erstarken der SPD bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hängt unmittelbar mit den Verlusten der Christdemokraten zusammen. Die CDU verlor die meisten Wähler an die SPD: laut ARD-Deutschlandtrend etwa 270.000. Aber auch zur FDP wanderten etwa 190.000 ab. Die SPD zog zudem etwa 160.000 Nichtwähler an.

Die Analyse der Wählerströme wird erst im Laufe des Montags abgeschlossen sein. Klar ist, dass der Einzug der Piraten durch Zuwächse aus verschiedenen Lagern möglich wurde. Neben deren Stammwähler stimmten 60.000 bis 70.000 bisherige Wähler der CDU, SPD, der Grünen und der Linken für die Piraten. Hinzu kamen ebenfalls Nichtwähler.

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Die SPD hatte die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen deutlich gewonnen und kann nun die Koalition mit den Grünen mit stabiler Mehrheit fortsetzen . Bei der vorgezogenen Abstimmung wurde die Partei von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit Abstand stärkste Kraft (39,1 Prozent, 4,6 Punkte mehr als 2010).

Sie verwies die vor zwei Jahren noch gleichauf liegende CDU deutlich auf den zweiten Platz. Sie erhielt 26,3 Prozent der Stimmen und erzielte mit ihrem Spitzenkandidaten, Bundesumweltminister Norbert Röttgen , ihr schlechtestes Ergebnis bei einer NRW-Landtagswahl – 8,3 Prozentpunkte Verlust.

Röttgen geht

Drittstärkste Kraft bleiben die Grünen mit 11,3 Prozent. Die FDP schaffte den Wiedereinzug in den Düsseldorfer Landtag mit 8,6 Prozent, die Piratenpartei kommt erstmals mit 7,8 Prozent ins Parlament des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Hingegen scheiterte die Linkspartei wie schon vor einer Woche in Schleswig-Holstein an der Fünf-Prozent-Hürde.

Schon zehn Minuten nach Bekanntwerden der ersten Prognosen um 18.00 Uhr erklärte CDU-Spitzenkandidat Röttgen seinen Rücktritt als CDU-Landeschef. Er sagte, er sei fassungslos angesichts des schwachen CDU-Ergebnisses. "Die Niederlage ist bitter, und sie tut richtig weh." Sein Rücktritt sei angesichts dieses Ergebnisses "ganz zwingend".

Neuwahl wegen Haushalt

Die Wahlbeteiligung war sehr niedrig. Laut ARD-Hochrechnung gaben nur 59 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

Die vorgezogene Landtagswahl war nötig geworden, weil die rot-grüne Minderheitsregierung unter Ministerpräsidentin Kraft ihren Haushalt für 2012 nicht durch das Parlament bringen konnte. Daraufhin hatte es sich Mitte März einstimmig aufgelöst.

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Leserkommentare
  1. Finde nicht, dass man sich so enorm über Röttgen lustig machen muss.

    "Zunächst sagt er, recht gedrungen, es sei AUCH "meine Niederlage" und AUCH "meine Themen" gewesen. Nach der Aufzählung diverser "Verdienste" und Einbindungen seiner Person als Spitzenkandidat, Inhaltelieferer, seine Überzeugungen, die er angeblich postulierte, etc. ist er dann wieder kraftvoll ohne "auch" unterwegs."

    vgl. http://mokanterbeobachter...

    • webwiz
    • 14. Mai 2012 12:10 Uhr

    In der Formel 1 gibt es einen schönen Ausdruck für das Gefühl, das man braucht, um zu erkennen mit wieviel Schwung man Kurven nehmen kann und wann der Grip fehlt, auch allgemein für den Zustand des Fahrzeugs - der 'Popometer'!
    Herr Röttgen hat den politischen 'Popometer' leider nicht eingebaut. Anders lässt sich der fehlende Instinkt während des Wahlkampfs nicht erklären. Man muß doch spüren, wenn der Wähler sich aufgrund des fehlenden Bekenntnisses zum Land abwendet. Man muss doch spüren, daß trockenes Zahlenwerk dem Wähler wie ein Gestrüpp vorkommt, durch das er sich nicht mal durchschlagen möchte, wenn er die Zeit und den nötigen Hintergrund dazu hätte. Man muss doch spüren, daß man sehr sorgfältig mit seinen Aussagen sein muss und -nicht mal zum Spaß- die Autorität des Wählers infrage stellen darf. Man muß doch spüren, daß eine schnöselige, arrogante Art von oben herab keine positive Regung beim Wähler auslöst.
    Röttgen hat einfach kein Gespür für diese Wahl entwickelt und ist vor allem deshalb an Hannelore Kraft gescheitert. Es ist so, wie er selbst gesagt hat: Er allein ist schuld an diesem Debakel. Der Wähler hat entschieden, das darf der Wähler nunmal. Leider!

  2. "Die CDU verlor die meisten Wähler(...) Aber auch zur FDP wanderten etwa 190.000 ab."

    Eine Aufschlüsselung wäre interessant, wie viele von den Wechselwählern sich aus taktischen Gründen (Machtoption ohne FDP in NRW 0%) mit Alles oder Nichts verzockt haben; oder eine Friedrich Merz CDU wollen, weil Merkels Kurs zu "sozialdemokratisch" ist.

    Beide Motive sind politisch verständlich. Sie haben aber mit den Herausforderungen vor denen NRW steht, nichts zu tun.

    • mugu1
    • 14. Mai 2012 13:34 Uhr

    ...für die CDU. Lerneffekt: Ich denke mal gegen Null. Augen zu und durch, wird das Motto der Kanzlerin sein. Das allerdings wäre ein grober Fehler.
    Ich denke zwar nicht, dass die NRW-Wahl 1:1 auf die Bundesebene übertragen werden kann. Die Wähler in NRW haben regional entschieden. Fr. Kraft ist einfach das kleinere Übel u. strahlte beim "Blinde-Kuh-Spiel" mehr Kompetenz aus als Hr. Röttgen. Zudem hatte der sich schon frühzeitig selbst abgeschossen durch sein eindeutigen Bekenntnis gegen NRW. Ich hatte bisher auf Landesebene immer CDU gewählt, diesmal aus diesem Grunde nicht. Die Klatsche,die die CDU zurecht gestern erhielt, sollte der Partei zu denken geben. Einige wenige unbedachte Äußerungen haben den Ruf der CDU in NRW so ziemlich ruiniert. Wenn da also bundespolitisch nicht gegengesteuert wird, kann die nächste Bundestagswahl für Fr. Merkel böse enden. Die gut 13 Mio. Wähler in NRW können nicht, nein, sie werden den Ausschlag geben. Denn wenn die CDU bei der Bundestagswahl in NRW nicht mindestens rd. 35% holt, wird sie keine Chance haben, diese Wahl bundesweit zu gewinnen. Und im Moment, dank Hr. Röttgen, ist sie davon Lichtjahre entfernt.
    Aber...die SPD sollte aufpassen mit ihrem Wahlsieg. Wenn nämlich die Probleme in NRW nicht bald professionell angegangen werden, kann sich dieser Sieg auch sehr schnell als Bumerang erweisen. Und Professionalität sehe ich weder bei der SPD, noch den Grünen in Land und Bund. Eher das, was sie anderen gerne selber vorhalten: Populismus.

  3. NRW-Wahlen,; Wer hat gewonnen und wer hat verloren.?
    Genau gesehen, niemand hat Gewonnen und niemand hat Verloren, - Herr Röttgen auch nicht- es gibt aber doch einen Gewinner, die Menschen, die, die Jahreslange Musik nicht mehr Hören wollen wie sie sparen müssen.
    Das ständige Singen und Musizieren von Sparen und Pleiten, wollten sie nicht mehr davon wissen,
    - Doch das ist So.-
    Sparen, wer soll bitte sparen? wie kann ein Mensch sparen? Wasser muss er Trinken, Essen muss er auch, Schuhe u Kleidung muss er auch haben, die Bleibe Kostet auch viel.
    Fazit,; Wo und wie kann er jetzt noch bitte sparen? aber siehe da,! da ist dem Menschen auf Einmahl gekommen. - Natürlich,! es gibt die anderen die das Sparen Predigen, aber nicht Sparen wollen oder können.!
    Genau denen will man deutlich machen was Sie zutun haben... Und genau die, die das viele Geld bekommen, aber nicht damit Vernünftig umgehen können oder wollen, will man Deutlichmachen. Leute machen sie ihre Hausaufgabe, oder sie werden in die Schule geschickt.

    So deutlich wie man es an verschieden Orten getan hat, zeigt eindeutig den Verlierer,
    weil die Menschen es auch genau Wissen, - nur als Beispiel, - die Banken müssen nicht Sparren, weil sie Ihren ´Rohstoff´ billig von der Zentralbank bekommen, den sie dann sehr
    Teuer Verkaufen...

  4. Bildzeitungsheadline:
    "Kraft sahnt vor allem bei Röttgen ab"

    Dabei ist diese Wahl so langweilig ausgegangen. Ich hatte auf 30 % für die Piraten gehofft, damit hier mal jemand zur Besinnung kommt. Denkt jemand noch daran, dass es eigentlich darum geht, etwas für Land und Leute zu tun, als um den "Gewinn" von Ämtern? Wahlen sollten nicht als Lotterie verstanden werden.

  5. wähler. Wer nicht wählt, trifft weder eine parteitaktische noch überhaupt eine politisch relavante Aussage. Er könnte ja über irgend eine Partei aktiv Einfluss nehmen oder einzeln oder organisiert selbst versuchen, politisch Einfluss zu nehmen. Wer sich stattdessen in den Schmollwinkel zurückzieht, stellt de facto den mehrheitsfähigen Parteien einen Blankoscheck aus. Mensch ist nun mal ein soziales Wesen, das ohne Interaktion und Kooperation insgesamt auf Dauer nicht wirklich überlebensfähig ist. Wer sich bei der unumgänglichen Organisation der Gesellschaft enthält, stimmt de facto für die mehrheitsfähige Entscheidung unter denen, die sich nicht enthalten.
    Also haben Sie de facto SPD, im erweiterten Sinn wahrscheinlich rot-grün gewählt, ohne es gewusst zu haben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte SPD | CDU | FDP | Grüne | Norbert Röttgen | Die Linke
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