Flughafen BBIWowereit redet das Flughafen-Problem klein

Der Regierende Bürgermeister findet den Hauptstadt-Flughafen immer noch "grandios". Eigene Verantwortung an dem Debakel will er sich nicht in die Schuhe schieben lassen. von 

Eine solche Schlagzeile hat es in sich. "Berlin kriegt keinen hoch" , betitelte die linke Zeitung taz das Debakel um die Absage der geplanten Hauptstadtflughafen-Eröffnung . "Warum nur hat ein ERSTklassiges Land wie Deutschland eine so ZWEITklassige Hauptstadt?", schrieb außerdem die konservative Bild -Zeitung. Seit 16 Jahren sei der internationale Flughafen nun in Planung, befand das Boulevardblatt: "Die alten Ägypter brauchten gerade mal vier Jahre länger, um das Weltwunder Cheops-Pyramide zu errichten." Per Hand, versteht sich.

Airport-Eröffnung als "wichtigstes Datum" für 2012

Das Flughafen-Problem ist auch das Problem des Regierenden Bürgermeisters. Klaus Wowereit weiß das. Es geht um die konkrete Verantwortung für die viel zu spät kommunizierten Sicherheitsmängel. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist Wowereit alles andere als ein Unbeteiligter. Viel wird im Moment außerdem über einen möglichen Imageschaden für die deutsche Hauptstadt geredet. "Die halbe Welt lacht über Berlin ", sagt die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus , Ramona Pop. Das mag übertrieben sein, klar aber ist: Das Berliner Erscheinungsbild ist immer auch mit Klaus Wowereit verbunden.

Anzeige

Seit bald elf Jahren regiert der SPD-Mann hier, er hat also weite Teile der Flughafenplanung mit begleitet. Der Willy-Brandt-Flughafen, das geplante internationale Flughafendrehkreuz, eines der größten Infrastrukturprojekte Deutschlands, ist auch sein Prestigeprojekt. Als "wichtigstes Datum" 2012 hatte Wowereit die für den 3. Juni geplante Eröffnung noch zu Jahresbeginn bezeichnet. Fünf Monate später muss er bekanntgeben, dass dieses Prestigedatum nicht einzuhalten ist. Weil der Brandschutz nicht stimmt. Das ist peinlich, auch weil die die Vorbereitungen der Eröffnung schon im vollen Gang waren. Das ist außerdem teuer, weil nun komplette Flugbewegungen neu geplant werden müssen.

Wowereit weiß, dass diese Panne sich einreiht in die bereits bekannten Infrastrukturmängel, mit der die hoch verschuldete Stadt zu kämpfen hat. "Berlin ist arm, aber sexy", sagte der Regierende einmal. Dieser Satz wird von politischen Gegnern süffisant wiederholt, wenn etwas in der Hauptstadt gerade mal wieder nicht funktioniert. Die S-Bahn fährt nicht immer, vor allem nicht im Winter. Vor zwei Jahren im Februar war Berlin mit einer dicken, knubbeligen Eisschicht bedeckt, der Räumungsdienst kam nicht nach. Wowereit hängt außerdem hartnäckig das Image des Partykönigs an, der Geld nur in Kultur investiert, aber andere, wichtige Probleme nicht in den Griff bekommt.

Lisa Caspari
Lisa Caspari

Lisa Caspari ist Redakteurin im Ressort Politik bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Entsprechend gehässig bediente die Bild -Zeitung auch nach Bekanntwerden der Flughafen-Panne wieder dieses Wowereit-Klischee.  Sie schrieb : "Fotos zeigen, wie er am Montagabend, als er schon von der peinlichen Baupanne wusste, gut gelaunt auf einer Berliner Party feierte. Das Hemd weit geöffnet, in der Hand ein kühler Drink, verschmitztes Grinsen – so sieht der Mann aus, dem gerade sein wichtigstes Infrastruktur-Projekt (2,5 Milliarden Euro Kosten) abschmiert." Wowereit müsse zurücktreten, forderte außerdem der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin . Als Aufsichtsratschef sei der Bürgermeister sicherlich schon lange über die Probleme im Bilde gewesen.

Leserkommentare
  1. 1. Brumm

    Die Hauptstadt hat nicht nur einen Problem-BER, sondern derer zwei. Neben dem Flughafen ist auch der Partykönig von Berlin, Klaus W., ein ebensolcher.
    Es mag ja sein, dass Herr Wowereit "seinen" Flughafen "immer noch grandios" findet. Aber das muss den "Normalwähler" und "-steuerzahler" ja nun wirklich nicht beeindrucken.
    Man könnte natürlich aus BER auch eine "Spreephilharmonie" machen.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • essilu
    • 10. Mai 2012 20:12 Uhr

    ...Kommentar zu Herrn Klaus Wowereit.
    Eine Personnage in Pose...siehe auch Titelfoto.

    • essilu
    • 10. Mai 2012 20:12 Uhr

    ...Kommentar zu Herrn Klaus Wowereit.
    Eine Personnage in Pose...siehe auch Titelfoto.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Brumm"
  2. Sonderbar, immer wieder gibt es Probleme mit diesen Objekten zur monumentalen Prestigepflege. In Hamburg der Tempel der Musik, in Berlin der Airport. Auf den Autobahnen gibt es Lifetime Baustellen. Die Bahn wurstelt und baut fröhlich und nicht selten sinnlos durch die Landschaft. Was wird wohl und warum aus Stuttgart 21? Wer aber bezahlt die Zeche und wer übernimmt die Verantwortung.

    Eine Leserempfehlung
    • incei
    • 10. Mai 2012 20:33 Uhr

    hauptsache sein gehalt wird pünktlich gezahlt.. ;)

    4 Leserempfehlungen
  3. Künast oder Wowereit für unsere Hauptstadt. Ole' von Beust oder jetzt Olaf Scholz für Hamburg. Unsere größten Städte hätten Besseres verdient. Kaum vorstellbar, dass einmal Persönlichkeiten wie Willy Brandt oder Richard von Weizsäcker die Hauptstadt regiert haben. Arme Berliner.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist der Gedanke, daß Diepgen noch schlimmer war.

    Gab es eigentlich mal Zeiten, als Demokratie noch mehr war, als die Wahl des geringsten Übels?

    • ribera
    • 10. Mai 2012 21:51 Uhr

    eigentlich mi einer finanziellen Vergütung verbunden?

    3 Leserempfehlungen
  4. Bevor irgendwer "Wowi" in die berühmte Bredoullie bringt, fängt man eher einen Zitteraal mit der Hand ... Eigentlich wundere ich mich schon lange, dass Wowi nicht "ganz oben" in der deutschen Politik angekommen ist. Das andere (öffentlich wahrnehmbare) SPD-Personal wirkt neben Wowi verhältnismäßig unbeholfen ... wer oder/und was "verhindert" seinen weiteren Aufstieg ?

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Eigentlich wundere ich mich schon lange, dass Wowi nicht "ganz oben" in der deutschen Politik angekommen ist.

    Wohin soll er denn noch steigen? Er ist stellvertretender Vorsitzender der SPD. Damit sitzt er neben einigen anderen SPD-Politikern direkt hinter Sigmar Gabriel.

    • Eva S.
    • 10. Mai 2012 22:27 Uhr

    Herr Wowereit sitzt schon zu lange auf seinem Sessel. Er ist noch eitler, bequem und träge geworden. Wie viele Politiker will er sich mit einem Grossprojekt brüsten. Kostensteigerungen muss der Steuerzahler einfach schlucken.

    Nicht nur, dass die deutschen BürgerInnen nicht wenigstens über Grossprojekte abstimmen können, sie haben auch bei allfälligen exorbitanten Folgekosten nichts zu husten und müssen für die Eitelkeiten ihrer (selbst gewählten) Possenreisser murrend aufkommen.

    Ich warte auf den Tag, an dem es wieder eine echte Bedeutung hat für jemanden, in der Politik zu agieren. Und nicht Geld und die Ansicht "Hauptsache ich komm gut rein, sitz fett drin und brauch nicht wieder raus" den Ausschlag geben.

    4 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Klaus Wowereit | Matthias Platzeck | CDU | CSU | Grüne | Abgeordnetenhaus
Service