PflegeversicherungZahlen und Fakten zum Pflege-Bahr

Wie viel kostet eine private Pflege-Zusatzversicherung und was bekommt man dafür? ZEIT ONLINE dokumentiert die wichtigsten Änderungen. von dpa

Die schwarz-gelbe Koalition hat sich darauf geeinigt, private Pflegezusatzversicherungen künftig zu bezuschussen.

Wer bekommt den Zuschuss und wie hoch ist er?

Den Zuschuss von monatlich fünf Euro ab 2013 sollen alle bekommen, die zusätzlich zur gesetzlichen Versicherung privat für den Pflegefall vorsorgen – und zwar unabhängig vom Einkommen. Sie erhalten also vom Staat im Jahr 60 Euro dazu. Dies soll ein Anreiz zum Abschluss solcher Versicherungen sein, um die Lücke zu schließen zwischen den tatsächlichen Pflegekosten und den niedrigeren Geldleistungen der gesetzlichen Versicherung.

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Abschließen können eine solche staatlich geförderte Police sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte. Eine Altersbeschränkung ist nicht vorgesehen. Versicherer dürfen nach derzeitigen Plänen keinen Bewerber ablehnen und keine Gesundheitsprüfung verlangen. Allerdings soll es dem Vernehmen nach eine fünfjährige Karenzzeit geben. Leistungen werden also erst nach dieser Zeit erbracht.

Warum ist eine Pflegeversicherung nötig?

Pflegebedürftigkeit wird zunehmend zum Problem, weil immer mehr Menschen immer älter werden. So nahm die Zahl derer, die sich allein nicht mehr helfen konnten, zwischen 1999 und 2009 um 16 Prozent auf 2,34 Millionen zu. Experten erwarten, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 auf 3,4 Millionen steigt. Die Pflegeversicherung wurde 1995 als Pflichtversicherung eingeführt. Die Beiträge entrichten Arbeitgeber und -nehmer je zur Hälfte.

Und warum sollen Bürger zusätzlich bei der Pflege vorsorgen?

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt wie eine Teilkasko die Kosten nur zum Teil ab. Der größere Rest bleibt an den Betroffenen hängen. Derzeit gibt es für die Pflege in Heimen 450 Euro in Pflegestufe 1, 1.100 Euro in Stufe 2 und 1.550 Euro in Stufe 3. In dieser letzten Stufe würde ein Heimplatz für Pflegebedürftige in der Regel aber mehr als 3.000 Euro im Monat kosten. Für die ambulante Pflege zu Hause werden 235 Euro in Pflegestufe 1 gezahlt, 440 in Stufe 2 und 700 Euro in Stufe 3.

Was kostet eine private Pflege-Vorsorge?

Das hängt vom Alter und vom Geschlecht ab. Wer alle drei Pflegestufen absichern will, zahlt als Mann in den Altersstufen 25/35/45 Jahre monatlich derzeit etwa 11, 18 oder 29 Euro. Für 50-Jährige sind es bereits knapp 37 Euro. Für Frauen liegen die Beträge bei 17, 27 und 44 Euro, für 50-Jährige bei 57 Euro im Monat. Billiger wird es nächstes Jahr für Frauen mit Inkrafttreten der neuen "Unisex-Tarife". Im Gegenzug müssen Männer dann aber mehr bezahlen.

Die geförderten Zusatz-Policen könnten zudem teurer ausfallen als die Zusatzversicherungen, die es heute schon gibt. Zumindest dann, wenn die Versicherer wirklich niemanden ablehnen dürfen und keine Risikoprüfung vornehmen dürfen.

Wie viel Geld steht für die Förderung zur Verfügung?

Schon bisher waren in den Haushaltseckpunkten für 2013 dafür 100 Millionen Euro eingeplant. Bei dieser Obergrenze soll es bleiben. Demnach würde das Geld rein rechnerisch für die Förderung von 1,67 Millionen Policen reichen, wobei man bisher von 1,5 Millionen Verträgen ausgeht. Damit kämen zunächst weniger als 2,5 Prozent aller gesetzlich Pflegeversicherten in den Genuss dieser Förderung.

Daniel Bahr hat aber durchgesetzt, dass ab 2014 so viele Versicherungen gefördert werden, wie abgeschlossen werden. Das heißt, wenn die 100 Millionen dafür nicht reichen, muss der Bund dann eben mehr bezahlen.

Die bereits abgeschlossenen gut 1,9 Millionen privaten Pflege-Policen sollen nur dann gefördert werden, wenn für sie ebenfalls gilt, dass niemand von ihnen ausgeschlossen werden kann und es keine Risikoprüfung gibt. Dies dürfte allerdings so gut wie nie der Fall sein.

Reichen die Mittel aus dem Bundeshaushalt denn überhaupt?

Das wird die weitere Nachfrage zeigen. Kassenwirksam wird es für den Bund erst 2014. Aus Sicht der Branche dürfte eine Förderung von fünf Euro im Monat kaum reichen für eine breit angelegte private Vorsorge. Würden acht Millionen Bürger mitmachen, wären 480 Millionen Euro an Fördergeldern fällig. Bei 15 Millionen Verträgen – so viele Policen gibt es derzeit für die als Vorbild dienende Riester-Rente – wären es 900 Millionen Euro, die der Staat zuschießen müsste. 

Was sagen Kritiker?

Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände kritisieren die private Pflege-Zusatzversicherung als Klientelpolitik zugunsten der Versicherungswirtschaft. Geringverdiener könnten sich eine private Zusatzversicherung gar nicht leisten. Die Kritiker fordern, das zunehmende Pflegerisiko durch höhere Beiträge zur solidarischen Pflegeversicherung abzudecken. Im staatlichen Zuschuss sehen sie eine Vergeudung von Steuergeldern.
 

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Leserkommentare
  1. Die private Pflegezusatzversicherung ist vor allem Klientelpolitik zugunsten der Versicherungswirtschaft.
    Die weit überwiegende Mehrzahl Bürger wird mit dem Fünf-Euro-Zuschlag für eine private Zusatzversicherung einen Heimplatz im schweren Pflegefall kaum bezahlen können. Denn der kostet immerhin runde 3500 Euro im Monat. Und die Geringverdiener wiederum, die auch einmal pflegebedürftig werden können, werden wegen 5 EURO Zuschuss noch lange keine Zusatzversicherung für 35 bis 50 EURO/Monat abschließen. Die können nur darauf hoffen, dass sie nicht mal pflegebedürftig werden. Ihnen wäre bestimmt mehr geholfen, wenn diese Regierung sich endlich zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns entschließen könnte. Jetzt aber wird Geld ausgegeben für eine Lösung, die nichts bringt. Genauso wie beim Betreuungsgeld.
    Wenn das weiterhin die große politische Linie der Regierung bis zur Bundestagswahl bleiben soll, dann muss man darauf hoffen, dass es irgendwie doch noch zu einem vorgezogenen Wahltag kommt.

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    Jetzt sagen sie doch so etwas nicht ! Dem Bahr wird es sich in bar (!)auszahlen. Schnell noch mal Kasse machen, bevor nächstes Jahr ein Sozi (der wahrscheinlich auch irgendeinem Vericherungsbeirat angehört)den Job bekommt.
    Was für ein verlotterter Haufen !!

  2. Das Betreuungsgeld als einkommensunabhängige staatliche Prämie für die Nichtinanspruchnahme subventionierter Kita-Plätze wie der einkommensunabhängige Pflegezuschuss sind jeweils fragwürdige Leistungen aus Steuermitteln, wie auch in der ZEIT diskutiert.

    Die CDU war gegen den Pflegeversicherungszuschuss (vernünftig),
    die FDP war gegen das staatliche Betreuungsgeld (vernünftig).
    Und wie sieht der Kompromiß aus? Man nehme von beiden Sachentscheidungen die jeweils schlechtere Alternative
    = unvernünftig x 2

  3. Jetzt sagen sie doch so etwas nicht ! Dem Bahr wird es sich in bar (!)auszahlen. Schnell noch mal Kasse machen, bevor nächstes Jahr ein Sozi (der wahrscheinlich auch irgendeinem Vericherungsbeirat angehört)den Job bekommt.
    Was für ein verlotterter Haufen !!

  4. ...doch Alle: Das Steuergeld der Bürger kann nicht dem Bürger zu Gute kommen - es wird für "Anderes" (U- Boote, Bankenrettung, Kriege) benötigt.

    • propac
    • 05. Juni 2012 22:29 Uhr

    für den Homo Normalo. Aber im Ernst, wird da nicht wieder Geld mit den Ängsten der Menschen verdient ?
    Aber Versicherungen scheinen in Deutschland einen wichtigen Wirtschaftfaktor einzunehmen. Als ich im August 96 eine Ausbildung begann, standen die Anzug-Menschen unaufgefordert
    vor der Tür. Ich fand es schon damals dreist, auf eine so billige Art und Weise Adressen zu fischen.
    Noch krasser fand ich die Sterbeversicherung meines Vaters, die er zwei Jahre vor seinem Tode abschloss. Für mich absolut pervers, zumal jedes Tagesgeldkonto mehr gebracht hätte und der monatliche Hinweis auf dem Kontoauszug hätte er sich auch erspart.

    Wir sind schon lange keine Bürger mehr, allen Falls noch Konsumenten.

  5. ..., die Hartz4-Aufstocker wurden und deshalb monatlich trotz Vollzeitjob 'ihre Hosen runterlassen müssen - beim Amt', haben vermutlich effektive kapitalbildende Versicherungsverträge kündigen müssen, um in den Hartz4-Genuss kommen zu können. Nun droht das Pflegeelend und die Versicherungwirtschaft lässt "Null-Nummern"-Vertäge durch die Politik bewerben.

  6. Dieser Beitrag ist so objektiv, dass ich jetzt eigentlich nur noch einen ausdruckbaren Antrag für meine staatlich subventionierte Pflegetagegeld-Versicherung unter dem Artikel vermisse. Kein Wort darüber, dass Gesundheitsminister Bahr bis 2009 im Beirat der ERGO Versicherungen saß (siehe Wikipedia) und bis heute hervorragende Kontakte zur Assekuranz pflegt. Ebenfalls kein Wort darüber, dass "Pflege-Bahr" einen weiteren Schritt weg von der paritätischen Finanzierung der Sozialsysteme bedeutet. Last but not least kein Wort darüber, dass die erwartete Zahl der Pflegebedürftigen in anderen wissenschaftlichen Szenarien deutlich niedriger ausfällt (z.B. durch Faktoren wie bessere Gesundheitsversorgung und Prävention), als im obigen Artikel von "Experten" für 2030 extrapoliert.

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    Der Artikel ist schlichtweg schlecht recherchiert worden!

    "Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt wie eine Teilkasko die Kosten nur zum Teil ab. Der größere Rest bleibt an den Betroffenen hängen. Derzeit gibt es für die Pflege in Heimen 450 Euro in Pflegestufe 1, 1.100 Euro in Stufe 2 und 1.550 Euro in Stufe 3."

    Diese Zahlen sind definitiv falsch! Für die Vollstationäre Pflege wird derzeit in Heimen in Pf 1 1023.-€, Pf 2 1279.-€ und in Pf 3 bis zu 1825.-€ zugezahlt!

    • inecht
    • 06. Juni 2012 8:29 Uhr

    Die Provision, die von der PKV gezahlt wird, liegt zwischen 8 und 14 Monatsbeiträgen (also incl. Verwaltungskosten ein Jahresbeitrag und mehr!), dann folgen 2% ständiger Betreuungsprovision... Die gesetzliche Provisionsbegrenzung gilt nicht für Ergänzungstarife.
    Also geht die vermeintliche Förderung voll in die Taschen der Vermittler!
    wer jetzt Aktien von 3-Buchstaben-Vertrieben kauft....

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Pflegeversicherung | Bundeshaushalt | Daniel Bahr | Euro | Pflege | Riester-Rente
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