Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit © Tobias Schwarz/Reuters

Das gab es bisher nicht. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit , der selbst niemals SPD-Landeschef sein wollte, kann nach der Vorstandswahl die eigene Partei nicht mehr als natürlichen Verbündeten sehen. Er muss künftig sogar mit Widerstand aus den eigenen Reihen rechnen.

Ist Klaus Wowereit durch die SPD-Vorstandswahl geschwächt?

Ja. Mit dem bisherigen SPD-Landeschef und engen Vertrauten Michael Müller hat er den direkten Draht zur eigenen Partei verloren. Mit dessen Nachfolger Jan Stöß kommt er zwar menschlich recht gut aus, aber politisch leben sie in unterschiedlichen Welten. Wowereit muss damit rechnen, dass ihm die Mehrheit der Partei künftig bei wichtigen Entscheidungen nicht folgt, gelegentlich sogar in den Rücken fällt. Die frühere Geschlossenheit von Senat, Abgeordnetenhausfraktion und Partei droht verloren zu gehen und damit die wichtigste Grundlage für ein stabiles, erfolgreiches Regieren. Außerdem hat der Führungsstreit in der Berliner SPD den Blick darauf gelenkt, dass bis zur nächsten Wahl 2016 ein Nachfolger für den seit 2001 amtierenden Regierungschef gesucht werden muss. Ein Regierender Bürgermeister auf Abruf – diese Diskussion hätte Wowereit gern noch zwei, drei Jahre hinausgeschoben.

Welche Rolle spielt der Berliner Landesverband für die Bundes-SPD?

Lange galt Klaus Wowereit in der Bundes-SPD als wichtige Führungsfigur. Als beliebter und in Wahlen erfolgreicher Regierungschef galt er zeitweilig sogar als einer der heimlichen Anwärter für höhere Ämter. Zumal Klaus Wowereit – nicht immer zum Gefallen der SPD-Spitze – kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um Fragen der Gerechtigkeit, etwa bei den Rentenbeschlüssen der SPD, geht. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Berliner Vorzeigesozi hat seit Längerem bundespolitisch kaum noch eine Rolle gespielt. Längst gilt sein Hamburger Amtskollege Olaf Scholz als erfolgreicher und ernst zu nehmender, wenn es in der SPD um politische Fragen in Großstadträumen geht.

Das monatelange Gerangel um den Vorsitz im Berliner Landesverband wird im Willy-Brandt-Haus aber nicht unbedingt aus Sorge um das Ansehen von Klaus Wowereit mit einem Kopfschütteln beobachtet. Die SPD-Spitze macht sich vielmehr Gedanken um die nahe und fernere Zukunft ihrer Partei in Berlin . Der Landesverband gilt als zerstritten und ohne inhaltliches Potenzial. Persönliche Rangeleien und Machtkämpfe scheinen aus dem Blickwinkel der Bundes-SPD mehr das Parteigeschehen zu beeinflussen als der gemeinsame Kampf für eine starke Hauptstadt-SPD.

Von der Einbeziehung der Mitglieder und Interessenten in Entscheidungen, wie sie die gesamte SPD erst vor Kurzem auf ihre Agenda gehoben hat, ganz abgesehen. Kommen in den nächsten Monaten jetzt noch Streitereien zwischen Partei und Senat um die Politik in der Berliner Koalition dazu, fürchten die Strategen in der SPD-Zentrale noch größeren Ansehensverlust der Partei in der Bundeshauptstadt. Wenn in gut einem Jahr ein neuer Bundestag gewählt wird, könnte das die Bereitschaft der Berliner, ihr Kreuzchen hinter der SPD zu machen, schmälern. Hinter vorgehaltener Hand heißt es deshalb an die Adresse des Berliner Landesverbandes: Bringt endlich den eigenen Laden in Ordnung!