Eine Mutter liest ihrem Kind vor © Adam Berry/Getty Images

Die Sache mit dem Betreuungsgeld wird immer peinlicher. Vor Kurzem wies die OECD auf die negativen Effekte hin , die diese Art der Familienunterstützung in skandinavischen Ländern entfaltet hat. Nun kann die Bundesregierung auch in einem von Bund und Ländern in Auftrag gegebenen nationalen Bildungsbericht nachlesen , was Wissenschaftler von der geplanten Geldleistung für Daheim-Erziehende halten: gar nichts.

Der geplante Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren stelle den Staat vor eine große Herausforderung, lautet das Hauptargument der Bildungsbericht-Autoren. Die gleichzeitige Einführung einer Förderung für Kinder, die zu Hause betreut werden, überfordere ihn. Dem ist sicher wenig hinzuzufügen.

Stutzig macht allerdings Folgendes: Die Wissenschaftler fordern, der Staat solle sich auf den Ausbau der Kita-Betreuung konzentrieren. Untersuchungen hätten den Nutzen frühkindlicher Bildung in Betreuungseinrichtungen eindeutig belegt, heißt es in der Studie. Zumindest soweit sie bisher bekannt ist. Offiziell wird der Bericht erst am Freitag vorgestellt.

Auch mit Betreuungsgeld kann es frühkindliche Bildung geben

Einmal mehr wird hier suggeriert, Kleinkinder seien in der Kita per se besser aufgehoben als in der Familie. Ohnehin kann man in der erregten Debatte über das Betreuungsgeld mitunter den Eindruck gewinnen, diese Leistung werde eine ganze Generation von Bildungsversagern produzieren.

Diese Argumentationslinie ist überzogen. So haben die Forscher im aktuellen Fall übersehen, dass das Betreuungsgeld laut den aktuellen Plänen der schwarz-gelben Koalition nur für unter Dreijährige gezahlt werden soll. Wenn also in dem neuen Bildungsbericht darauf verwiesen wird, dass Kinder, die mindestens drei Jahre eine Kita besuchen, besser auf die Schule vorbereitet seien als andere Altersgenossen, so ist dies kein Argument gegen das Betreuungsgeld. Denn auch wer erst mit drei Jahren in eine Kita kommt, verbringt dort bis zum Schulbeginn noch weitere drei Jahre.

Auch für Kinder von Migranten, für die Kritiker besonders negative Auswirkungen des Betreuungsgeldes befürchten, gilt: Selbst wenn sie erst mit drei Jahren in die Kita kämen, hätten sie immer noch sehr gute Chancen, bis zum Schulanfang richtig gut Deutsch zu lernen.

Fragwürdig erscheinen auch einige andere Argumente, die derzeit gegen das Betreuungsgeld vorgebracht werden. So zum Beispiel die häufig geäußerte Befürchtung, vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien würden durch das Betreuungsgeld vom Kita-Besuch abgehalten. Tatsächlich ist der Anreiz, das Betreuungsgeld zu beziehen, umso höher, je niedriger das Arbeitseinkommen ist. Doch ist wenig Geld zu verdienen wirklich automatisch gleichbedeutend mit ungebildet sein? Die unter dem Generalverdacht der Bildungsferne stehenden Hartz-IV-Empfänger sollen von der neuen Leistung ohnehin nicht profitieren.