Freiwilligendienst: Bufdis statt Zivis
Seit einem Jahr haben Freiwillige die früheren Zivildienstleistenden abgelöst. Von denen gibt es viel mehr als erwartet. Doch es fehlen die Stellen.
An den Namen haben sich viele noch nicht gewöhnt. "Bufdis, ach, das sind doch diese...", heißt es selbst in der Pressestelle eines großen Sozialverbandes, obwohl dieser Träger für Hunderte der so Benannten zuständig ist. Den Ausdruck "Bufdi" fänden viele Freiwillige selbst auch schrecklich oder gar beleidigend, steht in einer Studie der Hertie School of Governance.
Doch auch wenn die Abkürzung für "Bundesfreiwilligendienstleistender", wie die komplette beamtendeutsche Wortschöpfung lautet, sich noch nicht etabliert hat: Was sich dahinter verbirgt, ist jedenfalls viel erfolgreicher als erwartet.
Mit der Abschaffung der Wehrpflicht fiel vor genau einem Jahr auch der Zivildienst weg. Um Sozialverbände und andere Einrichtungen, die von der billigen Arbeit der Wehrdienstverweigerer stark profitiert hatten, vor dem personellen Kollaps zu bewahren, hatte die Bundesregierung in aller Eile den neuen Freiwilligendienst aus dem Boden gestampft. Am ersten Juli 2011 traten die ersten Bufdis ihre Stellen an.
35.000 Stellen fördert der Bund durch Zuschüsse, 48.000 Vereinbarungen wurden bis Ende Juni dieses Jahres bereits unterzeichnet. 32.008 Freiwillige waren in diesem Monat beschäftigt. Anders als bei den bestehenden Freiwilligendiensten Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) gibt es beim Bundesfreiwilligendienst keine Altersbeschränkung.
Der Dienst ist im Prinzip offen für alle Männer und Frauen ab 16 Jahren, die Zeit und Muße dafür haben und es sich leisten können. Denn die Bezahlung fällt mit maximal 336 Euro bescheiden aus, Unterkunft und Verpflegung werden nur im Einzelfall gestellt.
Dennoch ist das Interesse an dem Dienst so groß, dass die Verbände darüber klagen, dass sie viel mehr Bufdis beschäftigen könnten, wenn der Bund nur das Geld dafür bereitstellen würde. Vor einem Jahr fürchteten sie noch, es würden sich keine Freiwilligen finden.
Die Zahl der Stellen für die Bundesfreiwilligen solle verdoppelt werden, fordert etwa der Paritätische Gesamtverband. "20 Prozent mehr könnten wir ohne weiteres beschäftigen", heißt es von der Diakonie. Das Deutsche Rote Kreuz teilt mit, statt 2.500 Bufdis könne man auch 5.000 gebrauchen. Gerade die großen Verbände führen längst lange Wartelisten.
Handelte es sich bei den früheren Zivildienstleistenden um eine recht homogene Gruppe – männlich, jung, zumeist mit Abitur – so sind die Bufdis viel bunter zusammengewürfelt. Zwar sind 64 Prozent von ihnen unter 27 Jahre, 20 Prozent sind allerdings auch älter als 50. Männer sind in allen Altersgruppen etwas stärker vertreten als Frauen, was insofern interessant ist, als freiwilliges Engagement ja häufig als weibliche Domäne gilt und Frauen unter FSJ-lern und FÖJ-lern in der Überzahl sind.
Und auch, wenn die Gruppe der Schulabgänger, die sich nach dem Abschluss eine Orientierungsphase gönnen, unter den Bufdis die größte ist, so sind es eben auch Hausfrauen, Rentner, Arbeitslose oder Hartz-IV-Empfänger, die den Freiwilligendienst als Möglichkeit nutzen, neue Erfahrungen zu machen. In Ostdeutschland arbeitet sogar überwiegend die zweite Gruppe für den Dienst. 70 Prozent der Bufdis sind dort nach Angaben des Paritätischen Gesamtverbandes über 27 Jahre alt, im Westen sind dagegen 80 Prozent jünger.
Für Hartz-IV-Empfänger ist der Anreiz, eine Bufdi-Stelle anzunehmen gestiegen, seit sie statt 60 Euro 175 Euro ihres Taschengeldes zusätzlich zu ihrem Hartz-IV-Bezügen behalten dürfen.
Umso wichtiger sei es allerdings, auch für Menschen über 27 Jahren den Freiwilligendienst mit einem verbindlichen Weiterbildungsangebot zu verknüpfen, fordert etwa Sönke Rix, SPD-Bundestagsabgeordneter und Obmann seiner Fraktion im Bundestagsausschuss Bürgerschaftliches Engagement. Bisher müssen nur die Jüngeren im Rahmen ihres Dienstes 25 Seminartage absolvieren. Generell müsse der Bildungsanteil am Freiwilligendienst ausgeweitet werden, findet Rix. Die Organisation soll den Trägern überlassen werden. Eine Kritik, die von den Wohlfahrtsverbänden geteilt wird.
Opposition und Verbände beklagen zudem, dass durch den Bundesfreiwilligendienst eine Doppelstruktur bei den Freiwilligendiensten entstanden ist, die für die Träger mehr Verwaltungsaufwand bedeute und außerdem dazu führe, dass Freiwillige unterschiedlich behandelt würden.
"Langfristig muss die rechtliche Grundlage für alle Freiwilligendienste angeglichen werden", fordert Rix. Alle müssten die gleichen Möglichkeiten haben, sich ihr Engagement etwa für Studium oder Ausbildung anrechnen zu lassen oder von Vergünstigungen zu profitieren.
Doch auch wenn es sicher noch Verbesserungsbedarf gibt, fällt auf: Der Abschied von den Zivis, die jahrzehntelang als wichtige Stütze des gesamten sozialen Sektors galten, ist erstaunlich schmerzfrei verlaufen. Rainer Hub, Fachreferent der Diakonie für freiwilliges Engagement, bestätigt das: "Gejammer nach dem Motto 'uns fehlen die Zivis' gebe es bei den Einrichtungen seines Verbandes nicht. Zwar beschäftige man heute weniger Bufdis als einst Zivis. Doch 90 Prozent der Freiwilligen blieben ein ganzes Jahr, die Dienstzeit der Wehrdienstverweigerer betrug zuletzt nur noch sechs Monate. "Dadurch ist mehr Kontinuität gewährleistet", sagt Hub.
Natürlich seien nicht alle Angebote gleichermaßen beliebt. Stellen in der Altenhilfe seien besonders schwierig zu besetzten. Dies sei zu Zeiten der Zivildienstleistenden allerdings auch nicht anders gewesen. Dafür stellen die Träger fest, dass die Bereitschaft sich für alte Menschen zu engagieren umso größer wird, je älter die Freiwilligen seien. Auch insofern eröffne der Bundesfreiwilligendienst durchaus neue Perspektiven.
Die Chancen stehen also gut, dass den Deutschen die Abkürzung "Bufdi" irgendwann einmal genauso selbstverständlich über die Lippen gehen wird wie einst der "Zivi".






Jeder vom Baby bis zum Greis kann sich dafür melden. Unter dem Deckmantel der Solidarität wird möglicherweise reguläre Beschäftigung durch staatliche Föderung gefährdet. Da muss man ganz genau hinschauen wo Gemeinnützigkeit aufhört und wo unlauterer Wettbewerb anfängt.
Eine Grundregel für den Bundesfreiwilligendienst lautet, dass die Arbeitsmarktneutralität gewährleistet sein muss, damit keine normalen Arbeitsstellen kaputt gemacht werden.
Gegen die 100 %ige Beachtung der Arbeitsmarktneutralität spricht aber z. B. die häufige Praxis der Arbeitsagenturen, Arbeitslose bzw. Hartz-IV-Bezieher als Bewerber zu Bufdi-Einsatzstellen zu schicken (das ist auch vermutlich die Ursache des angeblichen "enormen Bewerberandrangs"!), wo es dann oft um ganz normale Jobs handelt, wie Verwaltungskraft im Seniorenheim oder Kitaangestellte. Die Leute arbeiten dann in Jobs, die häufig recht anstrengend sind und oft Vorkenntnisse wie bei normalen Tätigkeiten verlangen, für 350 Euro, 40 Stunden in der Woche. Ich sehe diese Entwicklung sehr kritisch, weil der Ausbeutung Tor und Tür geöffnet wird. Die Banken und Zocker erhalten Milliarden für ihre Spielverluste, das Volk schuftet für lau.
hat einen wert.
arbeitsmarktneutrale stellen gibt es also nicht.
Wenn Arbeit einen Wert hat, dann soll sie menschenwürdig bezahlt werden! 350 Euro für einen Vollzeitjob sind unanständig.
Wer im Bundesfreiwilligendienst arbeitet, kann von seiner Hände Arbeit allein nicht überleben, was sind das für Zustände!
Den Unterhalt von Bufdis müssen andere bezahlen, die auch oft nicht viel Geld haben, z. B. Eltern, Ehepartner oder Lebenspartner. Bei Hartz-IV-Bezieher, die immer mehr zu den Bundesfreiwilligen-Jobs getrieben werden, bezahlen die Steuerzahler den Lebensunterhalt.
hat einen wert.
arbeitsmarktneutrale stellen gibt es also nicht.
Wenn Arbeit einen Wert hat, dann soll sie menschenwürdig bezahlt werden! 350 Euro für einen Vollzeitjob sind unanständig.
Wer im Bundesfreiwilligendienst arbeitet, kann von seiner Hände Arbeit allein nicht überleben, was sind das für Zustände!
Den Unterhalt von Bufdis müssen andere bezahlen, die auch oft nicht viel Geld haben, z. B. Eltern, Ehepartner oder Lebenspartner. Bei Hartz-IV-Bezieher, die immer mehr zu den Bundesfreiwilligen-Jobs getrieben werden, bezahlen die Steuerzahler den Lebensunterhalt.
"Der Dienst ist im Prinzip offen für alle Männer und Frauen ab 16 Jahren, die Zeit und Muße dafür haben und es sich leisten können"
"Um Sozialverbände und andere Einrichtungen, die von der billigen Arbeit der Wehrdienstverweigerer stark profitiert hatten, vor dem personellen Kollaps zu bewahren, hatte die Bundesregierung in aller Eile den neuen Freiwilligendienst aus dem Boden gestampft."
Darauf kann es nur eine Antwort geben:
"Verweigert Euch!"
Wie war das noch mit "JEDE ARBEIT IST ZUMUTBAR"?
Ich will nicht wissen, wieviele massiv von den ARGEN unter Druck gesetzt wurden.
Es nur noch eine Frage der Zeit bis aus
"Bundesfreiwilligendienstes" ein "Bundes(arbeits-)dienst" wird!
Ist schon geklärt ob ein abgeleisteter Wehr- oder Sozialdienst angerechnet wird?
Ich hab einmal in meinem Leben einen FREIWILLIGEN (Wehrdienst) abgeleistet. Mir reichts!
Nicht aus finanziellen Motiven sollt ihr euch engagieren, sondern fuer das generelle Wohl eurer Mitmenschen.
Ich bezweifle, dass das Konzept des Bufdi dies foerdert.
Ja, ja, die Wohltat am Menschen. Das ist natürlich keine wirkliche Arbeit und deshalb muss sie kaum bezahlt werden!
Deshalb erhalten Kranken-und Altenpfleger und Kitaerzieherinnen Löhne, von denen sie kaum eine Familie ernähren können. Wegen der harten Arbeit, bei dem für Deutschland sehr schlechtem Lohn, fehlen uns die Pflegekräfte. Deshalb werden Bufdis gerne genommen, die wiederum helfen, dass die Löhne immer niedriger werden. Das ist ein Teufelskreis. So einen Wahnsinn gibt es sonst nirgends auf der Welt. Die Deutschen sind eben das gutmütigste und leichtgläubigste Volk der Welt, das wusste schon Napoleon.
"Nicht aus finanziellen Motiven sollt ihr euch engagieren, sondern fuer das generelle Wohl eurer Mitmenschen."
Ja, ja, die Wohltat am Menschen. Das ist natürlich keine wirkliche Arbeit und deshalb muss sie kaum bezahlt werden!
Deshalb erhalten Kranken-und Altenpfleger und Kitaerzieherinnen Löhne, von denen sie kaum eine Familie ernähren können. Wegen der harten Arbeit, bei dem für Deutschland sehr schlechtem Lohn, fehlen uns die Pflegekräfte. Deshalb werden Bufdis gerne genommen, die wiederum helfen, dass die Löhne immer niedriger werden. Das ist ein Teufelskreis. So einen Wahnsinn gibt es sonst nirgends auf der Welt. Die Deutschen sind eben das gutmütigste und leichtgläubigste Volk der Welt, das wusste schon Napoleon.
"Nicht aus finanziellen Motiven sollt ihr euch engagieren, sondern fuer das generelle Wohl eurer Mitmenschen."
Ja, ja, die Wohltat am Menschen. Das ist natürlich keine wirkliche Arbeit und deshalb muss sie kaum bezahlt werden!
Deshalb erhalten Kranken-und Altenpfleger und Kitaerzieherinnen Löhne, von denen sie kaum eine Familie ernähren können. Wegen der harten Arbeit, bei dem für Deutschland sehr schlechtem Lohn, fehlen uns die Pflegekräfte. Deshalb werden Bufdis gerne genommen, die wiederum helfen, dass die Löhne immer niedriger werden. Das ist ein Teufelskreis. So einen Wahnsinn gibt es sonst nirgends auf der Welt. Die Deutschen sind eben das gutmütigste und leichtgläubigste Volk der Welt, das wusste schon Napoleon.
hat einen wert.
arbeitsmarktneutrale stellen gibt es also nicht.
"Nicht aus finanziellen Motiven sollt ihr euch engagieren, sondern fuer das generelle Wohl eurer Mitmenschen."
Tja, mcharlie, das ist ja das, was eine ganze Generation in Deutschland von ihren Künstlern erwartet: Dass sie umsonst arbeiten ...
Zwei Fragen hätte ich da auch noch an die investigativen Journalisten dieser Welt:
Wieviel Geld bekommt, sagen wir, der Paritätische Dienst für die Sozialleistungen, die die Bufdis erbringen?
Werden HartzIV Empfänger von der Agentur für Arbeit unter Druck gesetzt, diesen Dienst auszuüben?
"Tja, mcharlie, das ist ja das, was eine ganze Generation in Deutschland von ihren Künstlern erwartet: Dass sie umsonst arbeiten ..."
auch das finde ich völligst daneben.
"Tja, mcharlie, das ist ja das, was eine ganze Generation in Deutschland von ihren Künstlern erwartet: Dass sie umsonst arbeiten ..."
auch das finde ich völligst daneben.
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