U-Boote : Deutschland rüstet Israel seit Jahrzehnten auf

Seit mehr als 20 Jahren baut und liefert Deutschland U-Boote nach Israel. Auch die Schröder-Regierung genehmigte ein solches Geschäft.

"Die Bundesregierung steht mit der Lieferung von U-Booten an Israel in der Kontinuität ihrer Vorgängerregierungen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Damit reagierte er auf Kritik und neue Hinweise darauf, dass Israel die U-Boote mit Atomwaffen aufrüstet .

In der Tat baut und liefert Deutschland seit mehr als 20 Jahren U-Boote nach Israel . Drei U-Boote der GAL-Klasse wurden 1976 und 1977 an Israel geliefert – gebaut wurden sie mit deutscher finanzieller Hilfe allerdings in der Vickert-Werft in Großbritannien .

1989 unter der Regierung von Helmut Kohl ( CDU ) wurde ein Vertrag zwischen den USA , Israel und Deutschland über den Bau einer moderneren U-Boot-Klasse (Dolphin) für Israel unterzeichnet, aus dem die USA jedoch ausstiegen. Während des zweiten Golfkriegs 1990/91, als der Irak Scud-Raketen auf Israel abfeuerte, sagte die Kohl-Regierung Israel dann die Lieferung von zwei U-Booten des neuen Typs zu, die Deutschland zu 85 Prozent finanzierte. Die Lieferung eines dritten Bootes, das Deutschland nur zur Hälfte bezahlte, wurde 1995 vereinbart. Ausgeliefert wurden die drei Boote zwischen 1999 und Oktober 2000.

Schröder genehmigte den Deal einen Tag vor Merkels Amtsantritt

Während der Irakkrise Ende 2002 äußerte Israel den Wunsch nach weiteren U-Booten mit dem modernen Brennstoffzellenantrieb, der deutlich längere Tauchfahrten bis an die Küsten des Iran ermöglicht. Die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder ( SPD ) war zwar grundsätzlich zur Lieferung bereit, aber es gab wieder Streit um die Finanzierung, die Deutschland schließlich zu einem Drittel übernahm. Ein weiteres Drittel wurde durch deutsche Rüstungskäufe in Israel abgedeckt.

Schröder genehmigte das Geschäft einen Tag vor der Wahl Angela Merkels (CDU) zur Bundeskanzlerin nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005. Es waren Verträge über zwei weitere U-Boote sowie die Option für ein drittes diesen Typs. Die neuen Boote der Dolphin-II-Klasse mit Brennstoffzellenantrieb sind doppelt so teuer wie jene, die Israel 1999 und 2000 erhielt.

Aus Protest gegen Israels Siedlungspolitik in den Palästinensergebieten weigerte sich die norwegische Regierung 2010, norwegische Gewässer für die Erprobung der in Deutschland gebauten U-Boote zur Verfügung zu stellen. Im Herbst 2009 signalisierte die israelische Regierung, dass sie ein sechstes U-Boot der Dolphin-Klasse benötige. Der Deal, bei dem Deutschland ein Drittel der Kosten übernimmt und Israel seinen Anteil bis 2015 stundet, wurde am 20. März 2012 unterzeichnet.

Erschienen im Tagesspiegel

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Kommentare

106 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Wir haben kein Geld

Also Millionen zu verpulvern für eine Art Denkmal oder Ehrenmal oder als Wiedergutmachung ist nur dann ansatzweise sinnvoll, wenn diese Maßnahme als Ziel etwas anderes als kriegerische Maßnahmen beinhaltet.
Man sollte die Millionen erst den Obdachlosen geben und erst wenn kein Obdachloser mehr da ist, kann man sich überlegen Geld zu verschenken

Sicherheit ?

Die Sicherheit eines Staates zu schützen ist das eine.
Einem Staat aber, mit einer zur Zeit dermaßen unzurechnungsfähigen Regierung, die Möglichkeit zum atomaren Erstschlag zu geben, ist das andere.
Nämlich Leichtsinn, eventuell das Todesurteil für den Nahen Osten.
Und all diejenigen, die mit erhobenem Zeigefinger auf die moralische Verpflichtung Deutschlands gegenüber Israel hinweisen, sollten sich einmal näher mit dem Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern beschäftigen.
Der damalige Twitter-"Ausrutscher" S. Gabriels, dort herrsche Apartheid, beschreibt die dortigen Realitäten nur im Ansatz.
Was dort passiert ist völkerrechtlich eine Katastrophe.
Aber was soll's, Israel hat ja eine schlimme Vergangenheit, die dürfen das.
Machen Sie die Augen auf !

Israel hat keine schlimme Vergangenheit,

sondern ein Teil, nämlich der europäische Teil der Israelis bzw. deren Großeltern.
Israel hat insofern eine schlimme Vergangenheit als es für seine Gründung die dortigen Einwohner vertreiben und z. T. massakrieren musste. Das ist nicht mehr zu ändern, aber eine Voraussetzung für Gespräche zwischen den Nachkommen der beiden Völker wäre die Anerkennung dieser Tatsache. Sari Nusseibeh beschreibt anhand einer eigenen Verfehlung gegenüber einer alten Frau, die er aus Versehen anfuhr, wie in der palästinensischen Gesellschaft der Schuldausgleich läuft: Der Schuldner/ derjenige, der Unrecht hat begangen hat, geht zu der Familie, dem Stamm des Opfers, bittet um Entschuldigung, bietet Wiedergutmachung an. Die Familie des Opfers fordert eine geradezu utopische Kompensation für den Schaden, die Schuld, die Ehrverletzung. Der Schuldner akzeptiert u. die Opferfamilie verzichtet auf die tatsächliche Leistung. So ähnlich müsste das auch in Verhandlungen laufen: Aber Israel versucht sogar die Erinnerung an die Nakba zu eliminieren u. verbietet sie sogar am Feiertag zur Staatsgründung. Damit hält es die Wunde, neben all den anderen Fürchterlichkeiten, am Bluten.

Alle Politik

Alle Politk hat Israel unterstützt. Diese Politik parteipolitisch auf zurechnen, oder in mehr oder weniger gut oder mehr oder weniger "Munition" aufzudröseln, hilft in der Sache selbst gar nichts. Mit Iran und Israel verhandeln wäre ein Weg.

Die Frage ist, ob beide das wollen. Es wäre schon viel gewonen, wenn man beide dazu bewegen könnte, sich in Ruhe zulassen, damit sich Israel und die Beteiligten auf die Palästinenserfrage konzentrieren könnten.

Die Frage ist, ob der Iran das will. Wollte er das, hätte er von der Vernichtung Israels nicht gesprochen. So "einfach" wie es zu Zeiten Arafats mal war mit den Fronten ist es eben nicht mehr. Auchnicht wenn Rot-Grün regieren würde.

Mein Vorredner (GG) hat Recht!

Es ist absoluter Zynismus für die Wiedergutmachung von Kriegsverbrechen einem Land Kriegsmaschinen zu schenken.
Dann hört das doch nie auf mit dem Gemetzel.. Eine Granate besitzt man doch nicht zum angucken..

Wenn wir die Armut und die Obdachlosen in Israel mit finaziellen Mitteln versorgten, so wäre das wenigstens aufrichtig und ehrlich. (Schließlich waren es auch größtenteils die kleinen und einfachen Leute die im Holocaust umgekommen sind) Aber den kleinen Menschen direkte Hilfe zukommen zulassen ist bis zu einem gewissen Grad wohl mit den großen Parteien nicht vereinbar. Sieht man ja an der Bankenrettung...

Machtanspruch ohne Friedensgedanken!!!!!

Israel redet mit zwei Zungen. Was will Israel der Welt noch vorgaukeln. Es ist ein mieses Geschäft mit dem Tod. Israel hat damit bewiesen, dass es eine Atommacht ist und damit wird sie zur Bedrohung. Es kann nicht sein, dass Deutschland für diese Art der Militärunterstützung auch noch ein Lob einheimst. Israel brüstet sich mit einem mal, dass Deutschland der beste Freund ist. Aber die Meinungsfreiheit für uns Deutsche über Krieg und Frieden lässt sie nicht zu.