Kriegsverbrecher: Demjanjuks Nachkommen erstatten Anzeige wegen Totschlags
Angehörige des verstorbenen KZ-Wärters John Demjanjuk haben Strafanzeige gegen fünf deutsche Ärzte gestellt. Grund sei die falsche Verabreichung eines Schmerzmittels.
© Johannes Simon/Getty Images

Der verurteilte und verstorbene Kriegsverbrecher John Demjanjuk (Archivbild)
Die Hinterbliebenen des verurteilten KZ-Wärters John Demjanjuk haben Strafanzeige wegen Totschlags gegen die betreuenden Mediziner in Deutschland eingereicht. Dem 91-jährigen Demjanjuk sei in einem Pflegeheim nahe Rosenheim ein Schmerzmittel verabreicht worden, das zu seinem Tod Mitte März geführt habe, heißt es in der Strafanzeige. Mit der regelmäßigen Verabreichung des Mittels Novalgin sei eine "medizinische Hinrichtung auf Raten" erfolgt, heißt es in der auf 12. Juni datierten Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft Rosenheim weiter.
Die Anzeige wurde von einem deutschen Anwalt im Namen von Demjanjuks Witwe und Sohn gestellt. Sie verweisen darauf, dass das Schmerzmittel wegen Demjanjuks Alter und eines bestimmten Knochenmarkleidens nicht hätte eingesetzt werden dürfen. "Wir glauben, dass dies zu seinem Tod geführt hat und dass mögliche unnatürliche Todesursachen untersucht werden müssen", sagte Demjanjuks Sohn John Demjanjuk junior zu der Strafanzeige.
Keine genaue Todesursache durch Obduktion
Demjanjuks Leiche war kurz nach dem Tod obduziert worden. Dabei habe es keine Anhaltspunkte für ein Verbrechen oder auf die Einwirkung eines Dritten gegeben, hatte die Staatsanwaltschaft Traunstein im März mitgeteilt. Die genaue Todesursache hatte sich demnach durch die Obduktion allerdings nicht erkennen lassen.
Der gebürtige Ukrainer Demjanjuk war im Mai vergangenen Jahres in einem weltweit beachteten Prozess wegen Beihilfe zum Mord an 27.900 Juden im Vernichtungslager Sobibor schuldig gesprochen und zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Es war das erste Mal, dass ein sogenannter Trawniki – ein von den Nazis als KZ-Wärter zwangsverpflichteter Osteuropäer – verurteilt worden war.
Das Gericht hatte Demjanjuk, der zum Zeitpunkt der Verurteilung bereits zwei Jahre in Untersuchungshaft gesessen hatte, nach der Verurteilung überraschend freigelassen. Der 2009 aus den USA nach Deutschland überstellte Demjanjuk lebte seit seiner Freilassung in dem Pflegeheim nahe Rosenheim, wo er am 17. März starb.








Provozierende Frage zum Sprachgebrauch:
Warum schreibt man nicht:
"Beihilfe zum Mord in rund 27000 Fällen"
oder
"Beihilfe zum Mord an rund 27000 Menschen"
Das Mordmerkmal ist für die Tötungen vom Gericht doch eindeutig festgestellt worden. Wozu ist es dann notwendig, die vom Terrorapparat der Nazis konstruierte Eigenschaftszuschreibung "Jude" für die Opfer hier nochmal zu bedienen?
Die historischen Zusammenhänge können doch eigentlich als bekannt vorausgesetzt werden.
Und dann: Kann es überhaupt als gesichert gelten, daß alle 27000 Mordopfer "Juden" waren (im Sinne welcher Klassifikation auch immer).....
Anmerkung: Wir haben diesen Kommentar wiederhergestellt. Danke. Die Redaktion/ds
"Beihilfe zum Mord in rund 27000 Fällen"
oder
"Beihilfe zum Mord an rund 27000 Menschen"
Diese Menschen wurden nicht ermordet weil sie Menschen waren, sondern weil sie Juden waren.
Warum sollte man dieses Verbrechen nicht beim Namen nennen?
"Beihilfe zum Mord in rund 27000 Fällen"
oder
"Beihilfe zum Mord an rund 27000 Menschen"
Diese Menschen wurden nicht ermordet weil sie Menschen waren, sondern weil sie Juden waren.
Warum sollte man dieses Verbrechen nicht beim Namen nennen?
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag
Genau die Kaltblütigkeit, die die Wachmannschaften der KZ an den Tag legten, wird jetzt deutschen Ärzten unterstellt. Das ist die Uneinsichtigkeit, die Demjanjuk bis zum Schluss zeigte, kombiniert mit der Naivität (?) oder Rachsucht seiner Familie. Ich erwarte als nächstes neben der Strafanzeige eine Zivilklage in Millionenhöhe gegen die Ärzte oder deren Arbeitgeber.
Ein Schlag (post mortem) ins Gesicht jedes einzelnen Opfers von Sobibor oder anderen Lagern und eine ungeheuerliche Verkennung der Sachlage durch Demjanjuks Familie.
Von den Opfern Ihres Vaters und Ehemannes - des vom deutschen Rechtsstaat rechtskräftig verurteilten Massenmörders Demjanjuk - ist keines 91 geworden! So wird es dann auch in den Geschichtsbüchern stehen.
"Beihilfe zum Mord in rund 27000 Fällen"
oder
"Beihilfe zum Mord an rund 27000 Menschen"
Diese Menschen wurden nicht ermordet weil sie Menschen waren, sondern weil sie Juden waren.
Warum sollte man dieses Verbrechen nicht beim Namen nennen?
Vielleicht heißt es Menschen, weil es nicht wichtig ist, ob bzw. welcher Religion ein Mensch angehört.
Vielleicht heißt es Menschen, weil es nicht wichtig ist, ob bzw. welcher Religion ein Mensch angehört.
Hat die Familie mal darüber nachgedacht, dass dieser Mörder hier in einem Pflegeheim GEPFLEGT wurde? Der Kerl wurde nicht, so wie SEINE Opfer gequält und misshandelt, seine Kinder wurden ihm nicht entrissen, er musste nicht schufften und sein eigenes Grab schaufeln!!
[...] Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke. Die Redaktion/kvk
Mit Bitte um Antwort:
Was genau ist an der Aussage spekulativ, dass es der Familie an Anstand, Demut und Scham fehlt?
Würde mich jetzt doch sehr interessieren!
So viele Kommentare stehen ja hier nicht, Sie können also in Ruhe auf diese einfache Frage antworten.
Anm.: Bitte senden Sie Ihre Fragen bzgl. der Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/ag
Mit Bitte um Antwort:
Was genau ist an der Aussage spekulativ, dass es der Familie an Anstand, Demut und Scham fehlt?
Würde mich jetzt doch sehr interessieren!
So viele Kommentare stehen ja hier nicht, Sie können also in Ruhe auf diese einfache Frage antworten.
Anm.: Bitte senden Sie Ihre Fragen bzgl. der Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/ag
Ich habe ehrlich gesagt keine Sympathien für Demanjuk und schon gar nicht für das was er getan hat. Er hat sich an monströsen Verbrechen beteiligt, mehr ist hier nicht zu sagen. Im gleichen Atemzug jedoch frage ich mich danach, ob die Verurteilung eines ehemaligen "Hiwi" moralisch begründet ist (nicht juristisch!), wenn man gleichzeitig Millionen von wirklich großen Verbrechern hat laufen lassen. Es gab sogar Rentenzuschläge für ehemalige Waffen-SS-Mitglieder, das muss man sich mal vorstellen! Hier haben wir einen Ukrainer, der zuerst von den Polen drangsaliert wurde, dann von den Sowjets in den Militärdienst gepresst wurde, und dann schließlich von den Deutschen vor die Wahl gestellt wurde entweder selbst mit den anderen gefangenen Rotarmisten zu verhungern oder seine Haut auf Kosten anderer zu retten. Er hat in jedem Falle die falsche Entscheidung getroffen und dafür am Ende bezahlt, nachdem er immerhin in den USA gut gelebt hat und eine Familie gründen konnte, im Gegensatz etwa zu den Opfern in den KZs. Aber ihn zu verurteilen und anderen gleichzeitig den "Persilschein" auszustellen, ist alles andere als moralisch überlegen. Ich frage mich ernsthaft ob man in der Vergangenheit auch mal wirklich im eigenen Land nachgeschaut hat, was hier noch für Täter am Leben waren, anstatt einen Mann anzuklagen, den man damals selber für diese Taten angestiftet hatte?
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