Fiskalpakt: Merkel versucht die Länder zu überzeugen
Regierung und Opposition haben sich in Sachen Fiskalpakt geeinigt – nun müssen die Länder vom Sparen überzeugt werden. Doch diese treiben den Preis für ein Ja hoch.
© Johannes Eisele/AFP/GettyImages

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und Finanzminister Wolfgang Schäuble
Deutschlands Bundesländer fürchten durch den europäischen Fiskalpakt massive Sparzwänge und fordern für eine Zustimmung zusätzliche finanzielle Gegenleistungen des Bundes. Sonntagnachmittag beginnen die Verhandlungen. Kanzleramtschef Ronald Pofalla will – nach dem Kompromiss mit SPD und Grünen – auch die Länder von mehr Spardisziplin überzeugen.
An dem Gespräch im Kanzleramt nehmen neben Pofalla auch Finanzminister Wolfgang Schäuble, Wirtschaftsminister Philipp Rösler und mehrere Ministerpräsidenten teil. Dabei könnte es zu Zugeständnissen der Bundesregierung kommen. Nach Informationen des Spiegel will Kanzlerin Angela Merkel den Ministerpräsidenten anbieten, dass der Bund mögliche Strafzahlungen an Brüssel komplett übernehmen könnte, wenn Deutschland seine finanzpolitischen Verpflichtungen im Fiskalpakt verfehlen sollte.
Umstritten war vor dem Spitzentreffen, ob der Bund schrittweise in die Kosten für die Eingliederung behinderter Menschen einsteigen soll, die 12 bis 13 Milliarden Euro jährlich ausmachen. Bayern fordert zudem mehr Geld für den Aus- und Neubau von Straßen im Freistaat. Mit diesen erhofften finanziellen Erleichterungen als Gegenleistung für ihre Zustimmung im Bundesrat können die Länder dem Bericht zufolge jedoch nicht rechnen. "Wenn man in Berlin stur bleiben sollte, tritt eine schwierige Situation ein", warnte bereits der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in der Bild am Sonntag. "Bayern gibt seine Forderung nicht auf."
Länder dürften nicht überfordert werden
Auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft plädiert laut Spiegel weiter für Ausgleichszahlungen. Für die Länder verändern sich die Rahmenbedingungen fundamental, wenn man plötzlich für die kommunalen Schulden quasi in der Mithaftung sei, sagt Kraft. "Ohne Entlastung der Kommunen wird das nicht funktionieren." Der Bund müsse die Eingliederungshilfen für Behinderte übernehmen.
Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir forderte die Regierung auf, Sparfesseln für die Bundesländer durch den europäischen Fiskalpakt zu verhindern. "Die Länder haben zu Recht darauf verwiesen, dass es über Aufgaben, die der Bund den Kommunen übertragen hat, eine massive Zusatzbelastung der Länder gibt", sagte er. Dafür müsse es einen Ausgleich geben vom Bund.





Artikel 28 GG
(2) Den Gemeinden muß das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln. Auch die Gemeindeverbände haben im Rahmen ihres gesetzlichen Aufgabenbereiches nach Maßgabe der Gesetze das Recht der Selbstverwaltung. Die Gewährleistung der Selbstverwaltung umfaßt auch die Grundlagen der finanziellen Eigenverantwortung; zu diesen Grundlagen gehört eine den Gemeinden mit Hebesatzrecht zustehende wirtschaftskraftbezogene Steuerquelle.
(3) Der Bund gewährleistet, daß die verfassungsmäßige Ordnung der Länder den Grundrechten und den Bestimmungen der Absätze 1 und 2 entspricht.
Löst eine verpflichtende Schuldenbremse nicht das Prinzip der Selbstverwaltung auf?
Löst der Bund, gegenüber den Ländern, damit nicht wesentlich ihren Bestand, in finanzieller Hinsicht, auf ?
Artikel 79 Abs.3 GG
„Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.“
Seit März diesen Jahres. Das Kanzleramt hatte drei Monate Zeit, die Verhandlungen vorzubereiten. Sie jetzt in der letzten Woche vor der geplanten Verabschiedung im Bundesrat am Freitagabend erst anzupacken, ist verwegen.
Merkel hat etwas Zeit gebraucht zum Umfallen.
Ursprünglich sollte es ja der "reine" Fiskalpakt sein, Merkel wollte ja "kein Wachstum auf Pump" und die FDP bis letzte Woche keine Finanztransaktionssteuer.
Merkel hat etwas Zeit gebraucht zum Umfallen.
Ursprünglich sollte es ja der "reine" Fiskalpakt sein, Merkel wollte ja "kein Wachstum auf Pump" und die FDP bis letzte Woche keine Finanztransaktionssteuer.
Der Artikel sagt:
"Der Fiskalpakt soll ab 2013 gelten und verlangt von den Unterzeichnerstaaten, nahezu ausgeglichene Haushalte anzustreben. Das jährliche Defizit eines Landes darf 0,5 Prozent der Wirtschaftskraft nicht übersteigen. Das bedeutet, dass Länder und Kommunen kaum noch Handlungsspielräume haben könnten, gerade wenn die Wirtschaft nicht so gut läuft wie zuletzt. In den vergangenen Jahren mussten sie zudem immer mehr Sozialausgaben vom Bund übernehmen."
Natürlich braucht ein Haushalt einen Spielraum gerade für schlechte Zeiten! Das schliesst sich aber nicht aus. Angepeilt sollte werden:
1) dass man "wenns normal läuft" wir einen Überschuss von 2% BIP erwirtschaftet, mit welchem man dann die Gesamtschulden drücken kann (damit zukünftig weniger Zinsen anfallen und der Haushalt noch mehr Spielraum bekommt)
Das gilt für den Bundes- wie für die Landeshaushalte.
2)Wenns dan "schlecht läuft", ist man nur ausgeglichen und kann nichts für den Schuldenrückbau tun, das ist ok...manchmal.
3) Und wenns ganz arg krieselt, dann muss man ev 1 x in 10 Jahren wieder die Neuverschuldung hochtreiben (und bezaht dafür einen hohe Strafe, die sich dann auch noch auf die GesamtVerschuldung legt. Das sollte zukünftig wirklich die Aussnahme sein!
Aber diese Flexibilität in diesem Rahmen braucht es natürlich und die müssen wir uns auch (er)schaffen...
"Löst eine verpflichtende Schuldenbremse nicht das Prinzip der Selbstverwaltung auf?"
Ist doch quatsch, ich kann mich doch nur meinen aufgaben stellen in dem finanziellen Rahmen den ich zur Verfügung habe!
Wenn das nicht genug erscheint, kann ich mit dem Bund darum kämpfen mehr zu bekommen, bekomme ich es aber nicht, steht mir nicht mehr zur Verfügung.
Sich nur auf das Lösen meiner Aufgaben zu stützen ohne den finanziellen Rahmen zu betrachten ist genau das was passiert war....
und das muss vorbei sein!
Geil, wir wollen uns also demnächst anch Willen Merkels & Schäubles 25 Mrd. Euro jährlich sparen, zusammen mit der jährlichen Neuverschuldung sind das dann grobe 50 Mrd. Euro.
Wo kommt das Geld her? Das sagt keiner, und es wird auch nicht nachgefragt. Man darf wohl annehmen, dass dann "gespart" wird bei denen, die sich nicht wehren können. Das betrifft wohl nicht die Beamten, Ärzte, Vermögenden, Finanzoligarchie etc., sondern die bösen Rentner und jungen Familien, die "über ihre Verhältnisse" leben.
Diese Regierung ist eine einzige Katastrophe, aber die Opposition (ausgenommen der Linken) ist auch nicht besser. Es hat sich eine große inteelktuelle Leere aufgetan - die deutschen Eliten sind dumpfe Rechtsanarchisten geworden.
oder ich stimme nicht zu"
sagt Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) und nannte das Feilschen um die Zustimmung des Fiskalpakts ein „unwürdiges Spiel“, damit charakterisiert er das Gefeilsche korrekt.
Wenn unsere Staatsorgane, die auf Volkssouveränität beruhen – ““.... alle Staatsgewalt geht vom Volke aus ...““ (GG Art.20-2), die an die Verfassung gebunden ist und ihr verpflichtet ist - nicht dem Euro, eine gravierende Verfassungsänderung, die mehr als fragwürdig ist, auf diesem Niveau und in diesem Tempo durchpeitschen will, gehört ihr die rote Karte gezeigt.
Elf verlorene Landtagswahlen für Schwarz-Gelb seit der Bundestagswahl, 27. 09. 2009,, sprechen eine deutliche Sprache.
““ Länder dürften nicht überfordert werden ““,
signalisiert der Artikel , der falsche Prioritäten setzt:
die verfassungsgemäße Ordnung darf nicht überfordert werden, deswegen hat das
BVerfG den Bundespräsidenten gebeten, das Gesetz zunächst nicht zu unterzeichnen.
““ ....Gaucks Freundlichkeit wenig überraschend ist und welch schwierige Lage die höchsten deutschen Richter damit vermeiden.““
http://www.lto.de/recht/h...
Es wäre Aufgabe unserer Abgeordneten gewesen, die Schwierigkeiten zu meistern, sie haben die Staatgewalt zu kontrollieren.
Umstritten war vor dem Spitzentreffen, ob der Bund schrittweise in die Kosten für die Eingliederung behinderter Menschen einsteigen soll, die 12 bis 13 Milliarden Euro jährlich ausmachen. ....““
Darum geht es gar nicht, wie der Artikel offenkundig fälschlicherweise thematisiert.
Eine Verfassungsänderung steht zur Debatte, die Mehrbelastungen für die Länder auslösen kann, die sie nicht schultern können oder wollen – etwas vereinfacht ausgedrückt. Mehr steht hier:
““ .... Der Fiskalpakt schreibt den Unterzeichnerstaaten vor, ihr Etatdefizit schrittweise auf höchstens 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückzuführen. Hält ein Land das nicht ein, drohen Sanktionszahlungen. Normalerweise trägt davon der Bund 65 Prozent, die Länder stehen für den Rest ein. Der neue Vorschlag Merkels läuft darauf hinaus, dass der Bund das komplette Risiko übernimmt, auch wenn Länderhaushalte das Problem sind. ....““
http://www.spiegel.de/pol...
Umstritten war vor dem Spitzentreffen, ob der Bund schrittweise in die Kosten für die Eingliederung behinderter Menschen einsteigen soll, die 12 bis 13 Milliarden Euro jährlich ausmachen. ....““
Darum geht es gar nicht, wie der Artikel offenkundig fälschlicherweise thematisiert.
Eine Verfassungsänderung steht zur Debatte, die Mehrbelastungen für die Länder auslösen kann, die sie nicht schultern können oder wollen – etwas vereinfacht ausgedrückt. Mehr steht hier:
““ .... Der Fiskalpakt schreibt den Unterzeichnerstaaten vor, ihr Etatdefizit schrittweise auf höchstens 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückzuführen. Hält ein Land das nicht ein, drohen Sanktionszahlungen. Normalerweise trägt davon der Bund 65 Prozent, die Länder stehen für den Rest ein. Der neue Vorschlag Merkels läuft darauf hinaus, dass der Bund das komplette Risiko übernimmt, auch wenn Länderhaushalte das Problem sind. ....““
http://www.spiegel.de/pol...
....dass der Bürger einbezogen werden muss. Auch sehe ich eine Tendenz, dies zu tun und glaube, dass dies gemacht werden wird.
Nun ist also an die Zeit sich zu überlegen, wie man das tun kann. Der erste Reflex ist nach einer Volksbefragung zu rufen. Das ist jedoch ein Mittel, das der Frage nicht genügt. Wir haben es hier nicht mit einer einfachen Frage nach "Ja oder Nein".
Es geht vielmehr um eine komplexe Abstimmung der Verfassungsordnung. Da sind viele Fragen enthalten, die die Aufgaben der Verfassungsorgane definieren, die die Methoden die Erfüllung der Aufgaben zu bewerten und kontrollieren betreffen oder die Abstimmung der Organe, damit sie sich gegenseitig überwachen und damit den Bürger schützen. Das wird ein Konvent benötigen.
Also muss man sich überlegen, wie man einen solchen Konvent besetzt. Offensichtlich kann man den heutigen Parteien die Aufgabe nicht übertragen. Es sind ja gerade sie, die den aktuell unmöglichen Zustand betrieben haben. Ihre Interessen sind suspekt und die Bürger können sich nicht darauf verlassen, dass diese Parteien und deren Mitglieder ein für die Bürger akzeptables Regelwerk herstellen werden. Allenfalls bekommt der Bürger eine Verfassung wie die EU Verfassung vorgesetzt. Dann wäre man ggf lediglich gefragt mit "Ja" zu stimmen oder die "Dagegen" zu sein. Das ist keine sehr gute Alternative.
Eine Volksbefragung würde die Handlenden zwingen, die Karten in einer offenen Diskussion auf den Tisch zu legen. Heute wissen doch nicht einmal die MdB worüber sie entscheiden, das sagen viele deutlich. Das ist in dem Zeitraum für einen MdB gar nicht möglich.
„Der Pöbel ist dumm“ und versteht so etwas nicht, ist ein wohlfeiles Argument, mit dem auch Sozialisten und Grüne (siehe z.B. auch Lissabonvertrag) das Volk immer außen vor gelassen haben. In der heutigen Zeit sollte das Argument nicht mehr gelten. Bei allen Anlaufproblemen, die die Piratenpartei hat, liegt genau in diesem Punkt ihre Berechtigung.
Einen „Konvent“? Am besten einen Konvent, der von Frau Merkel und all denen, die sich vorab geeinigt haben, also allen Parteien, besetzt wurde. Was soll da als Ergebnis herauskommen?
Der Fiskalpakt ist nicht irgendein Vertrag. Er gehört nicht hinter irgendwelche Türen von Konvents oder in Gremien mit Fraktionszwang.
Eine Volksbefragung würde die Handlenden zwingen, die Karten in einer offenen Diskussion auf den Tisch zu legen. Heute wissen doch nicht einmal die MdB worüber sie entscheiden, das sagen viele deutlich. Das ist in dem Zeitraum für einen MdB gar nicht möglich.
„Der Pöbel ist dumm“ und versteht so etwas nicht, ist ein wohlfeiles Argument, mit dem auch Sozialisten und Grüne (siehe z.B. auch Lissabonvertrag) das Volk immer außen vor gelassen haben. In der heutigen Zeit sollte das Argument nicht mehr gelten. Bei allen Anlaufproblemen, die die Piratenpartei hat, liegt genau in diesem Punkt ihre Berechtigung.
Einen „Konvent“? Am besten einen Konvent, der von Frau Merkel und all denen, die sich vorab geeinigt haben, also allen Parteien, besetzt wurde. Was soll da als Ergebnis herauskommen?
Der Fiskalpakt ist nicht irgendein Vertrag. Er gehört nicht hinter irgendwelche Türen von Konvents oder in Gremien mit Fraktionszwang.
Umstritten war vor dem Spitzentreffen, ob der Bund schrittweise in die Kosten für die Eingliederung behinderter Menschen einsteigen soll, die 12 bis 13 Milliarden Euro jährlich ausmachen. ....““
Darum geht es gar nicht, wie der Artikel offenkundig fälschlicherweise thematisiert.
Eine Verfassungsänderung steht zur Debatte, die Mehrbelastungen für die Länder auslösen kann, die sie nicht schultern können oder wollen – etwas vereinfacht ausgedrückt. Mehr steht hier:
““ .... Der Fiskalpakt schreibt den Unterzeichnerstaaten vor, ihr Etatdefizit schrittweise auf höchstens 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückzuführen. Hält ein Land das nicht ein, drohen Sanktionszahlungen. Normalerweise trägt davon der Bund 65 Prozent, die Länder stehen für den Rest ein. Der neue Vorschlag Merkels läuft darauf hinaus, dass der Bund das komplette Risiko übernimmt, auch wenn Länderhaushalte das Problem sind. ....““
http://www.spiegel.de/pol...
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