Fiskalpakt: Zurückstecken für Europa
Bei der Fiskalpakt-Einigung mussten vor allem FDP und Grüne nachgeben, analysiert L. Caspari. Doch alle Beteiligten wissen: Es geht um mehr als um Parteipolitik.
In der Krise stehen die deutschen Parteien zusammen. SPD und Grüne sowie Union und FDP haben sich auf die Bedingungen zum europäischen Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin verständigt. Gezwungenermaßen und nicht freiwillig leider, denn die Regierung ist wegen der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit auf die Stimmen der Opposition angewiesen. Doch die Beteiligten einigten sich am Ende ohne allzu viel öffentliche Taktiererei und Muskelspiel. Gut so! Das ausgehandelte Papier liest sich wie ein sinnvoller Kompromiss.
Die FDP fügt sich der Mehrheit
Alles andere wäre auch unverantwortlich gewesen angesichts der immer schwierigeren Situation, in der Europa steckt. Rainer Brüderle brachte es auf den Punkt. Ein "fatales Signal an die Märkte" wäre es, würde das wirtschaftlich stärkste Land der Euro-Zone keine Einigkeit über den Fiskalpakt finden, sagte der FDP-Fraktionschef. Er sprach aber auch von "schwierigen Verhandlungen".
Kein Wunder! Seine Partei musste das größte Eingeständnis machen. Von heute an setzt sich die Bundesregierung offiziell für eine Finanztransaktionssteuer in Europa ein. Die Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte also, die die Liberalen monatelang als Teufelszeug bezeichneten. Eine schwächere Version der britischen Börsensteuer, die die FDP zeitweilig als Kompromiss vorgeschlagen hatte, ist vom Tisch. Die nun angestrebte Abgabe soll auf "möglichst alle Finanzinstrumente" erhoben werden, sich also an einem Vorschlag der EU-Kommission von 2011 orientieren.
Die Führung der Liberalen beugte sich am Ende der Mehrheit. Die Opposition forderte die Steuer lautstark. Kanzlerin Angela Merkel hatte schon lange mit ihr geliebäugelt, auch wenn sie in ganz Europa nicht durchzusetzen sein dürfte. Sogar ein Modell mit weniger als neun teilnehmenden EU-Staaten soll jetzt möglich sein.
In der FDP beruft man sich darauf, immerhin einige Konditionalsätze in das Papier hineindiktiert zu haben. Demnach soll die Steuer zwischen den beteiligten Ländern so ausgestaltet werden, dass "Ausweichreaktionen" des Finanzmarktes vermieden werden und negative Folgen für Kleinanleger und die Realwirtschaft möglichst ausbleiben.
Die SPD fühlt sich als Sieger
Die Sozialdemokraten wiederum können die Steuer als ihren Erfolg verkaufen. Parteiintern hatten sie lange gestritten, ob sie ihre Zustimmung zum Fiskalpakt im Bundestag wirklich von der Abgabe abhängig machen sollen. Schließlich versteht sich die SPD als pro-europäische Partei. Am Ende hat sie klug verhandelt und sich durchgesetzt. Schon am Wochenende kündigte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz stolz einen "der größten Siege der europäischen Sozialdemokratie" an, sollte die Finanztransaktionssteuer am Ende wirklich in einzelnen EU-Staaten eingeführt werden.
Auch die Grünen forderten das Instrument, was ein wenig in den Hintergrund rückte. Bitter für die Partei: Der von ihr vor allem geforderte Entschuldungsfonds, immerhin ein Vorschlag der Wirtschaftsweisen, prallte bei der Koalition ab. Die Grünen wollten die Altschulden der Euro-Länder, die die 60-Prozent-Marke übersteigen, in einen Fonds mit gemeinschaftlicher Haftung auslagern. Eine solche "Vergemeinschaftung der Schulden" (Brüderle) war mit Union und FDP nicht zu machen.





für die SPDler gemacht?
Entfernt. Die Redaktion/jz
...als Hort der Demokratie und des Verantwortungsbewusstseins über die Landresgrenzen und die denkgeenzen der meisten Kommentatoren hier.
Mir ist beim besten Willen nicht klar, was an einem einvernehmlichen Handeln der jetzt und in der Zukunft in der Verantwortung stehenden Parteien schlecht sein soll. Das kenntnislose Schwadronieren ala "..in meinen Augen verfassungsfeindlich..." hilft einfach in der aktuellen Situation nicht weiter. SPD und GRÜNE haben verhandelt, haben eine lang gehegte Forderung endlich auf die Agenda gebracht und einen politischen Kompromiss mit vielen Gemeinsamkeiten auf den Weg gebracht. So funktioniert halt mal Politik, ob man das versteht oder nicht, ob man das gut heißt oder nicht. Dass die LINKE, die auf absehbare Zeit nicht in die Lage kommen wird, politisch verantwortlich zu handeln, dagegen ist, ist genauso verständlich. Wäre eine Regierungsbeteiligung irgendwo am Horizont auch nur nebelhaft sichtbar, müßte sich auch die realistische Kipping mehr Gedanken machen als nur die Reflexe der Anhänger zu befriedigen. Viele hier beklagen sich zurecht regelmäßig über die katastrophalen Zustände in Parlamenten anderer Staaten, wo statt weiterführenden Kompromissen nur die Egoismen der Handelnden im Vordergrund stehen. Schuhe werfen statt Verantwortung übernehmen, auch für die, von denen wir unseren Lebensstandard verdienen, hält ich für die drittbeste Lösung.
... das die Grünen Ihre Forderung nach dem Entschuld(ig)ungsfonds, oder gar nach Eurobombs, bis zur Bundestagswahl durchhalten. Ich hoffe noch mehr, dass die CDU den Elfmeter, den sie damit vor die Füsse gelegt bekommt, auch im Tor versenkt. Das dürfte die Grünen einige %-Punkte kosten, und das wäre gut so.
Das ist mittlerweile das einzige Instrument, welches wirklich für ein Ende der Krise ausgedacht wurde. Jegliche weiteren sind nur Geld-Hin-und-Her-Geschaufel --> Schwächung der Starken und Stärkung der Schwachen bzw. unverantwortungsvoll Handelnden.
"Schade nur, dass die Linkspartei nicht mit dem Kompromiss leben kann und sogar eine Klage gegen den Fiskalpakt angekündigt hat."
Ich finde das überhaupt nicht schade. Die Linke stellt sich damit einmal mehr in die Ecke der deutschen Politik, die ihre Heimat ist: Die Schmuddelecke. Da ändert auch Kipping nichts dran - eher das Gegenteil wird der Fall sein.
Bis 2013 werden das hoffentlich noch eine ganze Menge Leute merken.
Die wollen nämlich nicht deshalb klagen, weil Deutschland mit dem ESM etc. in die Haftung für andere Länder geht; das ist nur ein Vehikel und hat mit einer Wandlung in eine demokratische Partei nichts zu tun.
Die Linke möchte "Haftung" durch "Transfers" ersetzt haben - selbstverständlich unter 1000%iger Beteiligung der deutschen Steuerzahler.
"In der Krise stehen die deutschen Parteien zusammen"
hätte man auch schreiben können
"Große Koalition für Verfassungsbruch"
Das um so mehr nach den Ereignissen des heutigen Tages!
Helfen Sie mir bitte. Was meinen Sie mit den "Ereignissen des heutigen Tages"?
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