Peter Feldmann © Ralph Orlowski/Getty Images

Die originellste Überschrift über die Nachricht von der Wahl Peter Feldmanns erfand die Welt: "Frankfurts erster jüdischer Bürgermeister seit 1933". Als wäre seine Religionszugehörigkeit das Wichtigste an dem Sozialdemokraten, der an diesem Donnerstag vereidigt wird. Aber was soll man auch schreiben, wenn die Frankfurter einen Mann zum Nachfolger der bundesweit bekannten Petra Roth (CDU) küren, der bisher allenfalls Lokaljournalisten ein Begriff war?

Selbst für die war Feldmann, Jahrgang 1958, bis Ende 2011 kein Kandidat für den Chefsessel im Römer, dem Rathaus der Stadt am Main. Dabei hätte man – hinterher ist man klüger – seine höhere Bestimmung ahnen können, als er noch einfacher Stadtverordneter war. Das wurde er 1989. Manche sagen, er habe damals schon von Ambitionen auf die schwere Amtskette des Oberbürgermeisters gesprochen. Kaum einer nahm ihn ernst.

Das liegt wohl auch daran, dass Feldmann den mühsamen, unglamourösen Weg in die Politik ging, angefangen vom Amt des Frankfurter Stadtschulsprechers in den 1970er Jahren. Wenn sich Ende der neunziger Jahre ein Stadtverordneter in die Niederungen des Ortsbeirats 10 begab, eines unbedeutenden Stadtteilparlaments ohne Budget, war es Feldmann. Es gab auch Genossen, die das als Einmischung empfanden.

Eine Aufsteigergeschichte

Zum "Zehner"-Ortsbeirat gehört sein Heimatstadtteil Bonames. Das einstige Dorf wird dominiert von einer Hochhaussiedlung, die immer dann in die Schlagzeilen gerät, wenn Jugendliche von dort Mitreisende in der U-Bahn verprügeln. Hier ist Feldmann aufgewachsen, hier hat der gelernte Gärtner, diplomierte Politologe und Sozialbetriebswirt ein Jugendzentrum geleitet.

Feldmann kokettierte im Wahlkampf, er wisse, wie es in Hochhäusern "riecht und schmeckt". Heute wohnt er zwar noch in Bonames, aber im Reihenhaus: eine Aufsteigergeschichte, die ihn weit über seine linken Kreise hinaus wählbar gemacht hat. Landesgeschäftsführer der sozialistischen Jugendorganisation Falken war er, leitete bei der Arbeiterwohlfahrt ein Altenheim und war für Grundsatzfragen zuständig.

Feldmann trägt weiße Hemden, Krawatte und Anzüge in edlem Grau, gern mit Weste. Schon immer, nicht erst, seit er OB werden will. Eitelkeit ist ihm nicht fremd. Man hört ihm an, dass er wichtig nimmt, was er sagt. Das war bei seinen Zuhörern nicht immer so: Der Parteilinke hatte es schwer in der notorisch zerstrittenen Frankfurter SPD.

Doch Feldmann ließ sich nicht entmutigen. Er war Fraktionssprecher für Soziales, saß dem Haupt- und Finanzausschuss vor, wurde 2004 stellvertretender Fraktionschef. 2007 gründete er den bundesweiten Arbeitskreis Jüdischer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, dessen Sprecher er ist.