Leserartikel

MünchenZwei Bahnen sind genug!

Die Münchner entscheiden, ob ihr Flughafen ausgebaut wird. Leserin Ina Sinning ist gegen eine dritte Landebahn und schlägt vor, das Geld in Kitaplätze zu investieren.

Als Bürgerin der Stadt München kann ich am kommenden Sonntag über die geplante dritte Start- und Landebahn abstimmen. Aber ich verstehe nicht, warum gerade ich mein bindendes Votum abgeben kann, aber nicht die Einwohner der vom Fluglärm viel stärker betroffenen Nachbarstadt Freising? Oder die Bewohner des Dorfes Attaching? Dort haben die Bürger vor Kurzem ihren Maibaum schwarz verhüllt, um zu zeigen, dass ihre Gemeinde mit der neuen Start- und Landebahn nicht mehr bewohnbar sei. Dass nicht sie, sondern ich als Münchnerin zur Abstimmung aufgerufen sind, liegt daran, dass die Stadt München Anteilseigner und Kreditgeber für den Flughafen ist. Deshalb suchen die Menschen in Freising Paten in München, die für sie zur Abstimmung gehen.

Ich bin gegen die neue Landebahn. Die Kosten des Baus werden mittlerweile auf 1,2 Milliarden Euro veranschlagt. Die Betreibergesellschaft Flughafen München GmbH (FMG) hat für Gesellschafterdarlehen bislang kaum Zinsen gezahlt, an eine Rückzahlung der Kredite ist noch gar nicht zu denken. In München fehlen Kita- und Hortplätze, auch der Ausbau der zweitwichtigsten S-Bahn-Stammstrecke kommt nicht voran. Wie kann ich da befürworten, dass die Stadt München ein solches Großprojekt mitfinanziert? Und für knapp ein Viertel der Schulden der FMG gerade steht?

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München hat bereits einen Großflughafen. Im Mai 1992 wurde der Flugverkehr von Riem innerhalb von 24 Stunden ins Erdinger Moos verlagert. Damals war ich beeindruckt von der logistischen Meisterleistung. Die Begeisterung hielt jedoch nicht lange vor. Wie vielen anderen Münchnern war mir nicht klar, dass ein Drehkreuz im internationalen Flugverkehr eingerichtet worden war. Ein solcher Verkehrs-Hub hat viele negative Begleiterscheinungen: Zestörung der Natur, Fluglärm und Klimabelastungen. 

Zunahme der Flüge ist künstlich erzeugt

Befürworter der neuen Landebahn argumentieren mit dem gestiegenen Flugaufkommen. Doch das Wachstum der Luftverkehrsbranche in München wurde künstlich erzeugt. Um Flieger ins Erdinger Moos zu locken, wurde bis 2009 nicht nur die Kerosinsteuer erlassen, sondern sogar ein Kerosinzuschuss gezahlt. Unfassbar! Wer von der Kerosinsteuer befreit ist, ist auch von der Ökosteuer befreit, die ich als private Bezieherin von Ökostrom der Münchner Stadtwerke natürlich entrichten muss. Geht es noch absurder?

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Trotz aller Subventionierungen sind die Zahlen des Münchner Flughafens derzeit rückläufig, was vor allem am gestiegenen Ölpreis liegt. Die Flugbewegungen des Jahres 2011 entsprechen in etwa denen des Jahres 2005 und erreichen nicht annähernd die der Boomjahre 2007 und 2008, in denen die zwei bestehenden Bahnen offenbar ausreichten.

Um die Bürgerinnen und Bürger von ihrem Vorhaben zu überzeugen, werben die Flughafenbefürworter mit dem Slogan "Weltstadt mit Herz". Das überzeugt mich nicht, meine Entscheidung steht fest: für die Weltstadt mit Herz und gegen die dritte Bahn! Das ist für mich kein Widerspruch.

 
Leserkommentare
  1. Jeder Dezibel pro Quadratmeter LÄRM-besteuern, und Fliegen lohnt sich nicht mehr.-

    Für die Urlaubsreisenden sollte man fünf Wochen im Jahr mehr Urlaub vergeben, und dann per Segelschiff reisen.

    Das hat viele Vorteile, einmal wird nicht mehr so viel produziert (wird sowieso alles weggeschmissen) und dann haben die Leute auch gesündere Leber, Niere, ne? usw. .
    Also.

    2 Leserempfehlungen
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    Die können doch anstelle der Billigflüge in ferne Länder ihren Urlaub auch hier in Deutschland verbringen. Das hätte sogar den Vorteil, dass Ihre Urlaubsausgaben Löhne, Gehälter und Steuern im Inland finanzieren.

    • PGMN
    • 16.06.2012 um 16:04 Uhr

    "Für die Urlaubsreisenden sollte man fünf Wochen im Jahr mehr Urlaub vergeben, und dann per Segelschiff reisen."

    Dann müssten Sie den durchschnittlichen Lohn auch gleich verfünffachen.

    NEIN - gar nicht erst erzeugen! Lärm ist restlos überflüssig und macht krank; dagegen hilft auch kein Geld.

    Die können doch anstelle der Billigflüge in ferne Länder ihren Urlaub auch hier in Deutschland verbringen. Das hätte sogar den Vorteil, dass Ihre Urlaubsausgaben Löhne, Gehälter und Steuern im Inland finanzieren.

    • PGMN
    • 16.06.2012 um 16:04 Uhr

    "Für die Urlaubsreisenden sollte man fünf Wochen im Jahr mehr Urlaub vergeben, und dann per Segelschiff reisen."

    Dann müssten Sie den durchschnittlichen Lohn auch gleich verfünffachen.

    NEIN - gar nicht erst erzeugen! Lärm ist restlos überflüssig und macht krank; dagegen hilft auch kein Geld.

  2. Man kann wunderbar gegen den Flughafen sein und selbst incognito abfliegen. Das lässt sich immer wieder beobachten und scheint für viele Flughafengegner auch kein Problem zu sein.

    Man teilt seine Gegnerschaft zu Mobilfunkmasten ja auch ganz selbstverständlich per SMS und über Twitter mit.

    8 Leserempfehlungen
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    die lesen auch nicht BILD und kennen MACCES auch nicht.

    Das stimmt, ist das gleiche wie die Demonstranten gegen Atomenergie, über 90% auf Großdemos beziehen weiter regulär Basisstrom.

    Wir brauchen keine dritte Flugbahn und mehr Zurückhaltung beim Fliegen.

    Niemand will das Fliegen per se verbieten. Und nur um die Urlaubsflüge der Anwohner des Münchner Großraums abzuwickeln, bedarf es sowieso keines Ausbaus des Münchner Flughafen.Es mag den einen oder anderen heuchlerischen Ausbaugegner geben, aber ich denke, die breite Mehrheit verhält sich diesbezüglich vernünftig. Leider sind gerade Inlandsflüge in Deutschland oft billiger als die entsprechende Bahnfahrt. Was die geplante 3. Startbahn in München angeht, geht es vor allem darum, dass in Zukunft noch mehr Umsteiger über den Franz-Josef-Strauss-Airport an Fernziele transferiert werden sollen, damit die Lufthansa konkurrenzfähig bleibt. Stichwort: Drehkreuz. Ich hoffe, die Mehrheit der Münchner(innen) durchschaut dies und erklärt sich morgen mit den Betroffenen in Freising und Erding solidarisch!

    epidiaskop, Sie sollten den Artikel richtig lesen. Dann würden Sie feststellen, dass die Gegner nicht gegen den Flughafen, sondern aus berechtigten Gründen gegen eine weitere Start- bzw. Landebahn sind. Argumente wurde im Artikel genannt.

    die lesen auch nicht BILD und kennen MACCES auch nicht.

    Das stimmt, ist das gleiche wie die Demonstranten gegen Atomenergie, über 90% auf Großdemos beziehen weiter regulär Basisstrom.

    Wir brauchen keine dritte Flugbahn und mehr Zurückhaltung beim Fliegen.

    Niemand will das Fliegen per se verbieten. Und nur um die Urlaubsflüge der Anwohner des Münchner Großraums abzuwickeln, bedarf es sowieso keines Ausbaus des Münchner Flughafen.Es mag den einen oder anderen heuchlerischen Ausbaugegner geben, aber ich denke, die breite Mehrheit verhält sich diesbezüglich vernünftig. Leider sind gerade Inlandsflüge in Deutschland oft billiger als die entsprechende Bahnfahrt. Was die geplante 3. Startbahn in München angeht, geht es vor allem darum, dass in Zukunft noch mehr Umsteiger über den Franz-Josef-Strauss-Airport an Fernziele transferiert werden sollen, damit die Lufthansa konkurrenzfähig bleibt. Stichwort: Drehkreuz. Ich hoffe, die Mehrheit der Münchner(innen) durchschaut dies und erklärt sich morgen mit den Betroffenen in Freising und Erding solidarisch!

    epidiaskop, Sie sollten den Artikel richtig lesen. Dann würden Sie feststellen, dass die Gegner nicht gegen den Flughafen, sondern aus berechtigten Gründen gegen eine weitere Start- bzw. Landebahn sind. Argumente wurde im Artikel genannt.

  3. die lesen auch nicht BILD und kennen MACCES auch nicht.

    Das stimmt, ist das gleiche wie die Demonstranten gegen Atomenergie, über 90% auf Großdemos beziehen weiter regulär Basisstrom.

    Wir brauchen keine dritte Flugbahn und mehr Zurückhaltung beim Fliegen.

  4. Bei uns wurden alle Briefkästen mit blöder Anti-3.-Startbahn-Werbung verunstaltet. Erstmal alles weggerissen und in den Müll damit.

    Egal ob mal dafür oder dagegen ist, aber man sollte auch die Wünsche der Anwohner berücksichtigen und wenn da steht "Keine Werbung" dann heißt das auch keine Werbung - weder für noch gegen die Startbahn.

    4 Leserempfehlungen
  5. Die Berliner möchten gere ihre Dauerbaustelle und Käseflughafen als internationales Drehkreuz haben und München schielt ebenfalls auf die Position von Frankfurt.

    Der Nutzen dürfte für die Städte, aufgrund der Entfernung zum Flughafen, jeweils recht gering sein. Da subventionieren die Anwohner Fluglärm und schauen letztendlich in die Röhre. Gute Arbeitgeber werden zu Billig-Lohn-AG.
    Das hatten wir schon.

    2 Leserempfehlungen
    • Keiner
    • 16.06.2012 um 13:53 Uhr

    der Artikel

    Eine Leserempfehlung
  6. Die können doch anstelle der Billigflüge in ferne Länder ihren Urlaub auch hier in Deutschland verbringen. Das hätte sogar den Vorteil, dass Ihre Urlaubsausgaben Löhne, Gehälter und Steuern im Inland finanzieren.

    Antwort auf "Fluglärm besteuern"
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    • PGMN
    • 16.06.2012 um 16:07 Uhr

    Es hätte aber auch den Nachteil, dass die Menschen niemals fremde Länder kennen lernten. Ich fände das schade.

    P.S.: Außer natürlich, Ziel und Zweck der Reise ist es nicht, Land und Leute zu erfahren, sondern im Club am Strand oder Pool zu liegen. Dann ist der Flug an den indischen Ozean tatsächlich überflüssig.

    • PGMN
    • 16.06.2012 um 16:07 Uhr

    Es hätte aber auch den Nachteil, dass die Menschen niemals fremde Länder kennen lernten. Ich fände das schade.

    P.S.: Außer natürlich, Ziel und Zweck der Reise ist es nicht, Land und Leute zu erfahren, sondern im Club am Strand oder Pool zu liegen. Dann ist der Flug an den indischen Ozean tatsächlich überflüssig.

    • AtoY
    • 16.06.2012 um 14:25 Uhr

    mit einem Haufen Kosten und ohne Zukunft.

    Aber man merkt auch hier ganz deutlich, dass die Politik sich ganz weit weit von der Realität entfernt hat. Gut 99,99% der Politiker haben ehe absolut keine Ahnung wovon sie da überhaupt reden und über was sie da entscheiden. Die Lobbys in diesem Land leisten die ganze Arbeit um auf die Sprünge zu helfen, kriegen diese Politiker so genannte "Berater" zur Seite gestellt und dann wird einfach nachgeplappert, was dieser Berater so sagt.

    Finde auch immer witzig wie sie ständig bei irgendwelchen Großprojekt mit Arbeitsplätzen usw. werben. Hmm schaut man sich die örtlichen Anzeigen an (z.B. hier in FFM von der Fraport etc.) stellt man fest, dass die ganze Arbeitsplätze nicht von den Betreibern sind, sondern von den Subunternehmen, die die Leute völlig ausbeuten und es absolut keinen Mehrwert gibt, ob man für den Flughafen arbeitet oder einfach irgendwo bei sich vor der Haustür. Am Flughafen trifft man hier in FFM ziemlich oft Leute, die ca. 100km auf sich nehmen um dort zu arbeiten, dann aber fest stellen, dass sie wegen den Kosten (Benzin, Autoverschleiß usw.) doch auch zu Hause arbeiten können. So gibt es ständig neue Anzeigen wegen neuen Stellen am Flughafen in Frankfurt, aber das sind ja keine neue geschaffene Arbeitsplätze, sondern die abgestoßene von den Menschen, die dann wieder wo anders arbeiten, das ganze hat hier mittlerweile eine absolute Routine.
    Der Mehrwert für Frankfurt ist praktisch 0, nur ständiger Ärger wegen Lärm.

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