In Göttingen haben die 500 Delegierten auf dem Parteitag der Linken eine neue Doppelspitze gewählt. Zunächst wurde mit der bisherigen Linken-Vize Katja Kipping die erste Vorsitzende bestimmt. Die 34-jährige Bundestagsabgeordnete setzte sich gegen die Hamburger Fraktionschefin Dora Heyenn durch. Später wurde der bisherige baden-württembergische Linken-Chef Bernd Riexinger zum Co-Chef gewählt. Der Gewerkschaftsfunktionär setzte sich mit 297 zu 251 Stimmen gegen Fraktionsvize Dietmar Bartsch durch.

Kipping, die dem Reformflügel der Partei zugerechnet wird, erhielt 371 von 553 gültigen abgegebenen Stimmen. Für Heyenn votierten 162 Delegierte. Kipping hatte in ihrer Bewerbungsrede gesagt, die Linke brauche "einen Aufbruch weg vom Lagerdenken hin zum gemeinsamen Handeln". Vor dem Wahlgang hatten die beiden ursprünglichen Mitbewerberinnen Katharina Schwabedissen und Sabine Zimmermann ihre Kandidatur zurückgezogen.

Nach langem Zögern hatte auch die stellvertretende Linke-Chefin Sahra Wagenknecht ihren Verzicht auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt. "Ich möchte nicht die Polarisierung auf die Spitze treiben, weil ich glaube, dass das unserer Partei nicht gut tut", sagte sie in Göttingen.

Wagenknecht: "Ein gesamtdeutsches Projekt"

Wagenknecht sprach sich dafür aus, eine neue Führung "jenseits der bisherigen Konfliktlinien" zu wählen. Mit Kipping sei schon eine gute Entscheidung getroffen worden. Es sei wichtig, dass die Linke ein gesamtdeutsches Projekt bleibe, das seine Wurzeln in Ost und West habe, sagte Wagenknecht.

Bei der Doppelspitze der Linken wird stets ein Platz von einer Frau eingenommen. Für die beiden Posten hatten sich anfangs zehn Kandidaten beworben.

Der Gewinner der Wahl galt vor der Abstimmung als völlig offen . Lange Zeit hatte es kaum Kandidaten gegeben, weil alle darauf warteten, ob Ex-Parteichef Oskar Lafontaine noch einmal antreten will. Lafontaine und das linke, überwiegend westdeutsche Lager schickten dafür Riexinger ins Rennen.

Riexinger sollte verhindern, dass Bartsch den Chefposten übernimmt. Bartsch hatte vor allem die ostdeutschen Reformer hinter sich, die Regierungsbeteiligungen grundsätzlich offen gegenüberstehen.

Keine weibliche Doppelspitze

Die alternative zwischen beiden Flügeln, eine weibliche, moderierende Doppelspitze, scheiterte kurz vor der Abstimmung. Die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen entschied sich dafür, ihre Kandidatur zurückzuziehen. Die 39-jährige wollte die Partei eigentlich mit der fünf Jahre jüngeren Kipping aus der Krise führen. 

Vor der Wahl der neuen Führungsspitze hatte Fraktionschef Gregor Gysi offen von einer möglichen Spaltung der Linken gesprochen. Sollte es der Partei nicht gelingen, eine kooperative Führung zu wählen, "wäre es besser, sich fair zu trennen", sagte Gysi . Er forderte angesichts der Auseinandersetzungen in der Partei, es solle nicht "mit Tricksereien, mit üblem Nachreden und Denunziation eine in jeder Hinsicht verkorkste Ehe" geführt werden.

Lafontaine hatte Gysi daraufhin widersprochen. "Es gibt keinen Grund, das Wort Spaltung in den Mund zu nehmen", sagte Lafontaine. Eine Spaltung sei nur bei gravierenden programmatischen Differenzen gerechtfertigt. Das Programm der Linkspartei sei aber mit über 90-prozentiger Mehrheit verabschiedet worden.