Die neuen Vorsitzenden der Linken: Katja Kipping und Bernd Riexinger © Johannes Eisele//AFP/Getty Images

Nach ihrem Parteitag in Göttingen haben führende Vertreter der Linken die Einheit ihrer Partei beschworen. Mit ihrer neuen Führung habe die Linke wieder die Chance sich zu profilieren, sagte der frühere Vorsitzende Oskar Lafontaine . Die neuen Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger repräsentierten gut die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Linken. "Alle persönlichen Befindlichkeiten" müssten nun zurückgestellt werden.

Riexinger zeigte sich zuversichtlich, die parteiinternen Spannungen überwinden zu können. Die inhaltlichen Barrieren zwischen dem oppositionsorientierten Gewerkschaftsflügel und den ostdeutschen Pragmatikern seien nicht unüberwindbar. Die vom Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi befürchtete Gefahr einer Spaltung sieht er nicht: "Alle wissen, als ostdeutsche Regionalpartei hätte die Linke auf die Dauer keine Chance, weder im Westen noch im Osten", sagte er im Deutschlandfunk . Der neue Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn sagte, die Linke werde nur als "pluralistische und gesamtdeutsche Partei erfolgreich sein".

Gysi kündigte an, er werde künftig nicht mehr versuchen, zwischen beiden Gruppen zu vermitteln und Kompromisse zu finden. An seine Partei appellierte er, sich künftig weniger mit sich selbst als mit der Politik zu beschäftigen. Wenn die Bürger nicht merkten, "dass wir für sie da sind, dann haben wir verloren", sagte er.

Kipping wies die Auffassung in ostdeutschen Parteikreisen zurück, mit der Wahlniederlage des ostdeutschen Kandidaten Dietmar Bartsch vom Reformflügel sei der traditionelle Ost-Teil der Linken abserviert worden. Die neue Führung bilde die Partei "in der ganzen Breite ab", sagte sie. Dem widersprach Gysi indirekt. In der ARD-Sendung Bericht aus Berlin sagte er, die ostdeutschen Mitglieder könnten ihre Ansprüche nur schlecht artikulieren und sie "noch schlechter durchsetzen". Aber er glaube, "dass sie das jetzt lernen werden". Vielen sei während des Parteitags klargeworden, "wie ernst die Situation ist".

Die SPD-Konservativen haben unterdessen Bartsch zum Parteiwechsel ermuntert. "Ich würde mich sehr freuen, Sie in der SPD begrüßen zu können. Es wäre ein Gewinn für die SPD und für die Politik in Deutschland", sagte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs , Handelsblatt Online . Er rief Bartsch dazu auf, bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr gemeinsam mit der SPD den "Wechsel" zu gestalten, statt die Linke weiter "zu erdulden".

Kreisvorstand tritt aus Ärger über Wahl zurück

Während die neue Linke-Führung versucht, eine starke Position einzunehmen, rumort es nun im Südwesten. Aus Ärger über die Wahl von Riexinger zum Co-Vorsitzenden trat der Kreisvorstand Zollernalb geschlossen zurück. Mit Riexinger als Parteivorsitzenden könne die Akzeptanz in der Bevölkerung als Voraussetzung für Wahlerfolge nicht erreicht werden.

Nach der "katastrophalen" Landtagswahl 2011 habe er nicht ansatzweise dazu beigetragen, im großenteils ländlich geprägten Baden-Württemberg kommunalpolitisches Profil für die Linke zu entwickeln. Die "dringend notwendige Kommunalisierung linker Politik" sei nicht vorgesehen. Die Partei war bei der jüngsten Landtagswahl mit 2,8 Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

Den Rücktritt begründete der Kreisvorstand auch mit der "mehrheitlich beschlossenen Abwendung der Bundespartei von demokratisch-sozialistischer Reformpolitik zugunsten einer zum Scheitern verurteilten Fundamentalopposition". Riexinger werde die Partei "als herausgehobener Vertreter jener Mischung aus gewerkschaftlichen Dogmatikern und städtisch geprägten Demo-Linken" noch tiefer in die Krise treiben.