Pflegeversicherung : Gleich viel für alle ist nicht gerecht

Bei der neuen Pflegeversicherung erhalten alle den gleichen Zuschuss. Vor allem Menschen mit geringem Einkommen hilft das wenig, kommentiert Katharina Schuler.
Eine Pflegerin unterstützt eine ältere Frau beim Essen. © Bernd Wüstneck/dpa

Nach langem Hin und Her hat sich die schwarz-gelbe Koalition nun doch noch auf die Förderung von Pflegezusatzversicherungen geeinigt. Anders als ursprünglich geplant wird es allerdings keinen Zwang geben, diese abzuschließen. Die Sache bleibt dem Einzelnen überlassen.

Dass das bisherige System der Pflegeversicherung reformbedürftig ist, ist unstrittig. Schon heute sichert die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teil des Risikos ab. Die Beträge, die die Versicherten im Pflegefall erhalten, reichen bei Weitem nicht aus, um die tatsächlich entstehenden Kosten zu decken. In Zukunft könnte sich diese Lücke noch vergrößern. 

Schuld daran ist der demografische Wandel: Derzeit sind rund 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig, bis 2050 wird mit einer Verdoppelung dieser Zahl gerechnet. Gleichzeitig wird die Zahl der Beitragszahler sinken.

Was sich die Koalition nun ausgedacht hat, hilft allerdings denen am wenigsten, die wenig Geld haben. Dabei wären gerade sie auf einen besseren Versicherungsschutz angewiesen. Schließlich können sie die Lücke zwischen der Versicherungsleistung und den tatsächlichen Kosten aus eigener Kraft kaum schließen.

Zwar kann man Gesundheitsminister Daniel Bahr zu Gute halten, dass er noch Schlimmeres verhindert hat. Gegen den Widerstand von Finanzminister Wolfgang Schäuble hat er durchgesetzt, dass die Förderung nicht ausschließlich darin besteht, dass man die Kosten von der Steuer absetzen kann. Dies hätte Geringverdienern gar nichts gebracht, da sie ohnehin keine oder nur wenig Steuern bezahlen.

Doch dass nun einfach jeder, der eine entsprechende Police abschließt, fünf Euro zugeschossen bekommt, ist nur wenig besser. Erstens brauchen Geringverdiener jeden Euro. Selbst ein Beitrag von 30 oder 40 Euro monatlich kann da schwer zu finanzieren sein. Zumal die Pflegezusatzversicherung ja nicht die einzige empfehlenswerte Versicherung ist.

Verlagsangebot

DIE ZEIT wird 70 ...

... und ihre Journalisten erzählen von den Geschichten ihres Lebens. Von Geheimnissen und Irrtümern unserer Zeitung. Und von den besten Lesern der Welt. Eine Festausgabe.

Mehr erfahren

Kommentare

52 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

das Reförmchen

hilft den Versicherungen nicht pleite zu gehen um so die Einlagen bei den Anlegern zu sichern-die großen Versicherungskonzerne sind doch in den Umsätzen geschrumpft bis zur Hälfte im letzten Jahr, auch bedenklich-

Das Thema Rente wurde ja seinerzeit von der SPD aufgepeppt also Riesterrente zum Glück heißt das jetzt nicht Bahrpflege-

Die Verlagerung von Solidarleistungen

auf private Versicherungen verdient weder den Namen Reform noch Reförmchen. Hier wird wieder einmal das Sozialstaatsprinzip ausgehöhlt - genau wie bei den privaten Zusatzkrankenversicherungen, die sich letztendlich auch nur die leisten können, die sie eigentlich nicht brauchen oder bräuchten.
Von unserer sozialen Marktwirtschaft ist nur die Marktwirtschaft übrig geblieben - das sozial ist längst gestrichen.
Dafür werden hier wieder einmal die Versicherungskonzerne profitieren.
Deutschland, wohin ist es mit dir nur gekommen?

"Die Verlagerung von Solidarleistungen"

Wo fangen "Solidarleistungen" an, wo hören sie auf?

Die klassischen Solidarleistungen waren einmal Kranken-, Renten- und Arbeitslosen"versicherungen". Dann hatte der beste SPD-Mann in der CDU, Blüm, die tolle Idee, dass es eine Pflegeversicherung geben muss. Nun gut, von mir aus ...; ist eh nicht mehr zu ändern.

Aber, und das jetzt auch scharf in Richtung der Autorin Schuler: Akzeptiert doch einfach die bestehende Pflegeversicherung als Basis. Wer mehr will, muss selbst dafür sorgen. Basta!