Betreuungsgeld: Seehofer verheddert sich in seinen roten Linien
Horst Seehofer demonstriert gern Stärke mit markigen Worten. Sie können ihn aber auch schwächen, wenn sie den geordneten Rückzug versperren, kommentiert K. Schuler.
Horst Seehofer ist ein Mann der klaren Ansagen. Anders als Kanzlerin Angela Merkel, die sich stets so wenig wie möglich festlegt, um sich dadurch den größtmöglichen Handlungsspielraum offenzuhalten, scheut Seehofer das Risiko der Eindeutigkeit nur selten.
Rote Linien hat er beispielsweise in der Europapolitik definiert: Keine Ausweitung des bisher zugesagten Kreditvolumens, keine Eurobonds, keine Transferunion lauten die Grenzmarken, die er auf diesem Feld gesetzt hat. Sollten diese Linien überschritten werden, behauptet Seehofer jedenfalls, würde die CSU die Koalition in Berlin verlassen.
In der Innenpolitik hat Seehofer eine andere Grenzlinie gezogen und an diesem Wochenende nochmals bekräftigt: Kommt das Betreuungsgeld nicht, macht die CSU nicht mehr mit, droht er. Die schwarz-gelbe Koalition wäre ohne die Stimmen aus Bayern am Ende. Dass eine vorgezogene Neuwahl vermutlich eine Große Koalition an die Macht brächte, die dann erst recht kein Betreuungsgeld beschließen würde, stört Seehofers Mannesmut nicht.
Ihm geht es beim Betreuungsgeld schließlich schon lange nicht mehr um Inhalte, sondern ums Prinzip: Die CSU hat sich ihre Zustimmung zum Kita-Ausbau einst mit dem Versprechen eines Betreuungsgeldes bezahlen lassen, jetzt muss es auch kommen – was wäre sonst der bayerische Einfluss in Berlin noch Wert, den in dieser Weise nur die CSU garantieren kann?
Doch gerade beim Betreuungsgeld zeigt sich, wie riskant das Spiel mit den roten Linien ist. Politische Projekte haben es nun mal an sich, dass sie sich überleben können. Die FDP kann ein Lied davon singen. Vor drei Jahren holte sie mit dem Versprechen, die Steuern zu senken, bei der Bundestagswahl noch 14 Prozent. Mittlerweile rangiert bei den Bürgern der Wunsch nach Haushaltskonsolidierung deutlich vor der unmittelbaren Verringerung der eigenen Abgabenlast.
Beim Betreuungsgeld ist es ähnlich. Die gesellschaftliche Stimmung hat sich in den vergangenen Jahren massiv gewandelt. Dass Kleinkinder ihre Tage ausschließlich in der Familie verbringen sollten, gilt selbst auf dem Land nicht mehr als unhinterfragbare Wahrheit. Die Betreuung in Kitas ist dagegen weithin akzeptiert und erwünscht. Eltern dafür zu belohnen, dass sie öffentliche Betreuung nicht in Anspruch nehmen, statt das Geld für deren weiteren Ausbau einzusetzen, wirkt da wie aus der Zeit gefallen. Selbst unter den Unionsanhängern lehnen einer neuen Umfrage zufolge 64 Prozent das Betreuungsgeld ab, in der gesamten Bevölkerung sind es 71 Prozent.
Hätte die CSU dies rechtzeitig realisiert, hätte es viele gute Argumente gegeben, mit denen sich ein Rückzug ohne großen Gesichtsverlust hätte bewerkstelligen lassen: Der Finanzierungsvorbehalt im Koalitionsvertrag etwa, die Tatsache, dass eine neue Sozialleistung auf dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise schlecht ins Bild passt, oder auch der Hinweis auf die Überprüfung aller familienpolitischen Leistungen, die das zuständige Bundesministerium derzeit vornimmt.
Doch dass die CSU angesichts des von der Opposition erzwungenen Aufschubs beim Betreuungsgeld und des zu erwartenden Sommertheaters zu diesem Thema nun noch mal neu über das Projekt nachdenkt, darf nach Seehofers klarer Ansage wohl ausgeschlossen werden.
Am Ende wird die CSU siegen – über beide Koalitionspartner, über die Mehrheit der Bevölkerung und über ein breites Bündnis fast aller gesellschaftlicher Kräfte, angefangen bei den Gewerkschaften über die Sozialverbände bis hin zu den Arbeitgebern. Ob Horst Seehofer sich und seiner Partei damit einen Gefallen tut, ist allerdings eine andere Frage.






hatte große Politiker. Nur einer davon war auch ein großer Redner.
Jetzt hat sie einen schlechten Redner ohne Politik.
Bei der CSU sehe ich nur ein riesengroßes Kleinkind, das auf dem Kopf weisses Haar hat. [...]
Warum boxen Politiker etwas durch, dass das Wählervolk in der Mehrheit gar nicht möchte?
Aber solange die CSU noch das Gefühl von "Macht" hat, möchte sie diese wohl ausspielen.
[...]
Gekürzt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/au.
Daran habe ich auch schon gedacht. Da es völlig unklar ist, wie man auf die Schnapsidee Betreuungsgeld kommen kann, da nahezu alle Experten und fast die gesamte Bevölkerungs es vehement ablehnen, sehe ich ebenfalls einen der Gründe für Seehofers starrsinniges Durchpeitschen eines Unfuggesetzes im bewegten Privatleben von Herrn Seehofer.
Daran habe ich auch schon gedacht. Da es völlig unklar ist, wie man auf die Schnapsidee Betreuungsgeld kommen kann, da nahezu alle Experten und fast die gesamte Bevölkerungs es vehement ablehnen, sehe ich ebenfalls einen der Gründe für Seehofers starrsinniges Durchpeitschen eines Unfuggesetzes im bewegten Privatleben von Herrn Seehofer.
Entfernt. Bitte üben Sie ausschließlich sachliche und respektvolle Kritik. Danke. Die Redaktion/vn
Daran habe ich auch schon gedacht. Da es völlig unklar ist, wie man auf die Schnapsidee Betreuungsgeld kommen kann, da nahezu alle Experten und fast die gesamte Bevölkerungs es vehement ablehnen, sehe ich ebenfalls einen der Gründe für Seehofers starrsinniges Durchpeitschen eines Unfuggesetzes im bewegten Privatleben von Herrn Seehofer.
ist die einzige Konstante im menschlichen Dasein.
ist die einzige Konstante im menschlichen Dasein.
Da die CSU sich als eigenständige Partei in einer Koalition versteht, hat sie das gleiche Problem wie jeder kleinere Koalitionspartner: sie muss sich profilieren, notfalls irgendwie. Also werden Themen und Positionen besetzt, die an und für sich nicht weltbewegend sind, dann aber kompromisslos gehalten werden müssen. Denn wenn man im Großen nichts Bemerkenswertes zu sagen hat, muss man wenigstens zeigen, dass man die kleinen Positionen durchdrückt - wozu wäre man sonst da. Seehofer kann also nicht anders, als auf dem Betreuungsgeld zu bestehen. Ob er aber damit durchkommt, ist sehr die Frage, weil die Zeit gegen ihn arbeitet. Und zwar nicht nur die Zeit der vergangenen zwei Jahre, sondern auch die nächsten paar Monate. Es spricht viel dafür, dass nach der Sommerpause das Thema erledigt ist, und Seehofer täte gut daran, es einfach nicht mehr zu erwähnen.
Wäre Gewinnen und Verlieren in der Deutschen Politik eine Frage der Ehre für die Nation gäbe es keine Verlierer in Deutschland. Die Fussball-Nationalmannschaft macht's vor.
So pflegt jeder seinen Garten, ohne überhaupt auf die beste Lösung für die Nation eingehen zu wollen.
ist die einzige Konstante im menschlichen Dasein.
ist der Vergleich zwischen FDP und CSU aus meiner Sicht nicht zulässig. Der Spielraum der CSU ist natürlich deutlich größer, da sie auf Bundesebene Teil der Union sind.
Die CSU ist in ihrer jetzigen Form ein Auslaufmodell. Sie könnten bei der nächsten Landtagswahl Bayern verlieren. Welche Legitimation hätte eine solche Partei noch Teil der Regierung zu sein?
Ich denke das Betreungsgeld wird es, in der von der CSU gewünschten Form, nicht geben. Die Opposition hat sich bei dem Thema zu klar positioniert. Es ist popular, politisch und gesellschaftlich förderlich. Selten kommen all diese positiven Aspekte zusammen. Falls das Betreungsgeld kommt wird damit die Wahlniederlage der Union eingeleitet. Das wird auch die Kanzlerin. Rot-Grün könnte eine Mehrheit erreichen. Die Piraten könnten sich ähnlich wie in S u. H verhalten.
Das Betreungsgeld ist ein Schweige bzw. Bestechungsgeld für Eltern damit sie nicht auf einen Kitaplatz klagen. Die Union zeigt damit wieder in aller Deutlichkeit, dass sie die Themen nicht beim Namen nennt und politisches Wohl der Union vor den Interessen der Bürger stehen.
"Das Betreungsgeld ist ein Schweige bzw. Bestechungsgeld für Eltern damit sie nicht auf einen Kitaplatz klagen."
Und wodurch ist sicher gestellt, dass Eltern, die das Betreuungsgeld beziehen, nicht gleichzeitig einen Kitaplatz einklagen können? Es ist doch wohl fast überall so, dass die Anmeldung für einen Krippenplatz mit Wartezeiten verbunden ist. In dieser Zeit würde doch sehr wohl das Betreuungsgeld gezahlt werden - und klagen könnte man auch.
Oder ist es erforderlich, in den Gesetzestext noch viele wenn und aber einzuarbeiten.
" ... scheut Seehofer das Risiko der Eindeutigkeit nur selten", soll wohl heißen, " ... der kurzfristigen Eindeutigkeit ...", da sie i.d.R. morgen schon wieder sein "Geschwätz von gestern" sein wird.
@ 18. Friedlinde: Sie sprechen mir aus der Seele, siehe
http://www.lds.org/study/...
Doch wem nutzt es, "Rufer in der Wüste" zu sein? Das Echo mag gut klingen, nur ob "Die Wüste [noch] lebt"?
"Das Betreungsgeld ist ein Schweige bzw. Bestechungsgeld für Eltern damit sie nicht auf einen Kitaplatz klagen."
Und wodurch ist sicher gestellt, dass Eltern, die das Betreuungsgeld beziehen, nicht gleichzeitig einen Kitaplatz einklagen können? Es ist doch wohl fast überall so, dass die Anmeldung für einen Krippenplatz mit Wartezeiten verbunden ist. In dieser Zeit würde doch sehr wohl das Betreuungsgeld gezahlt werden - und klagen könnte man auch.
Oder ist es erforderlich, in den Gesetzestext noch viele wenn und aber einzuarbeiten.
" ... scheut Seehofer das Risiko der Eindeutigkeit nur selten", soll wohl heißen, " ... der kurzfristigen Eindeutigkeit ...", da sie i.d.R. morgen schon wieder sein "Geschwätz von gestern" sein wird.
@ 18. Friedlinde: Sie sprechen mir aus der Seele, siehe
http://www.lds.org/study/...
Doch wem nutzt es, "Rufer in der Wüste" zu sein? Das Echo mag gut klingen, nur ob "Die Wüste [noch] lebt"?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren