Zwei Drittel aller Deutschen sind gegen eine Abgabe von mehr politischen Rechten an die EU. Wie eine Umfrage des Forschungsinstituts YouGov im Auftrag von ZEIT ONLINE ergab, ist nur ein Viertel aller Bürger (28 Prozent) dafür, die europäische Integration durch einen weiteren Verzicht auf nationale Souveränität voranzutreiben. 60 Prozent hingegen fürchten, dass Deutschland zu viele Machtbefugnisse aufgeben würde.

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Jüngere Menschen sehen eine mögliche Souveränitätsabgabe entspannter. 39 Prozent der 18- bis 24-Jährigen würden eine Abgabe von Kompetenzen befürworten, weniger als die Hälfte (46 Prozent) sieht das anders. Schon die 25- bis 34-Jährigen allerdings äußern sich deutlich skeptischer, 62 Prozent sind gegen eine vertiefte Integration Europas, weil sie Nachteile für Deutschland befürchten.

Die Skepsis bezüglich mehr Kompetenzen für Brüssel geht durch alle Bevölkerungsschichten und ist auch unabhängig von der Parteibindung. Mehr als die Hälfte aller Unions-, FDP-, Grünen-, SPD- und Linken-Wähler ist gegen die Abgabe von mehr Kompetenzen an Europa.

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Wenn am Ende doch eine mögliche Verlagerung von mehr Kompetenzen an die Europäische Union angedacht werden sollte, sollte diese nach Ansicht einer großen Mehrheit (78 Prozent) aller Deutschen per Volksabstimmung abgesegnet werden. Nur 17 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass die Entscheidung bei Bundesregierung und Bundestag liegen sollte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte zuletzt in einem Interview mehr Durchgriffskompetenzen für Brüssel gefordert, um die Finanz- und Schuldenkrise in der Euro-Zone besser in den Griff zu bekommen. Solch eine Kompetenzverlagerung weg von den Nationalstaaten, die nach Ansicht von Schäuble in jedem Fall per Volksentscheid abgesegnet werden müsse, könne vielleicht sogar bereits in einigen Jahren erfolgen, sagte der Minister.

Auch in dieser Frage zeigen sich die 18 bis 24-Jährigen ambivalenter als die übrigen Altersgruppen. Ein Viertel (28 Prozent) sprechen sich für eine Entscheidung durch die gewählten Regierungsorgane aus, auch hier ist die Mehrheit (62 Prozent) für ein Plebiszit.

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Unentschieden sind die Deutschen bezüglich einer weiteren Forderung Schäubles: Ein von den EU-Bürgern direkt gewählter EU-Präsident. 47 Prozent der Deutschen glauben, dass ein solcher Präsident mehr Gewicht als die nationalen Regierungschefs hätte. 41 Prozent finden, dass die bisherigen Institutionen der EU völlig ausreichen.

Diese Umfrage wurde in Kooperation mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Sie basiert auf Online-Interviews mit Teilnehmern des YouGov-Panels, das weltweit bereits 2,5 Millionen Mitglieder zählt. Für die vorliegende Umfrage befragte YouGov vom 26. bis 28. Juni 1.037 Menschen.