BeschneidungsdebatteUnter dem Deckmantel des Säkularismus

Selbsterklärte Verteidiger des Kindeswohls wettern gegen die Jungen-Beschneidung. Dabei ist ihnen keine Übertreibung zu billig, kommentiert Ludwig Greven.

Wie gut, dass das Kölner Landgericht die nicht medizinisch indizierte Beschneidung von Jungen als "Körperverletzung" eingestuft hat. Seitdem können alle, denen religiöse Rituale aller Art schon immer ein Gräuel waren, insbesondere bei Juden und Muslimen, ihren Ressentiments freie Bahn lassen – unter dem Deckmantel des Säkularismus und des Kinderschutzes.

Die Kritik bezieht sich neuerdings auch auf die vom Bundestag beschlossene Resolution zu dem Kölner Urteil. Darin haben alle Fraktionen, bis auf die Linke und ein Teil der Grünen sowie einige SPD-Abgeordnete, ihre Absicht erklärt, die männliche Beschneidung aus religiösen Gründen durch ein Gesetz möglichst noch im Herbst straffrei zu stellen. Zumindest sofern diese von einem Arzt fachgerecht und ohne Schmerzen für den Jungen vorgenommen wird.

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Denn die Empörung und Verunsicherung vor allem in der jüdischen Gemeinde in Deutschland über das Verdikt der Richter aus Köln ist verständlicherweise groß. Schließlich hatte es hierzulande noch nie ein vergleichbares Urteil gegeben, das die Jahrtausende alte Praxis von Juden wie Muslimen in Frage stellt, männlichen Säuglingen als Zeichen des ewigen Bundes mit Gott die Vorhaut entfernen zu lassen. Nun sehen sie sich als potenziell Kriminelle an den Pranger gestellt.

Schiefe Vergleiche

Doch auch nach der Willensbekundung des Bundestages und vieler Politiker geben die selbsterklärten Verteidiger des Kindeswohls nicht auf. Manche dieser Verteidiger halten es schon für einen "unglaublichen Vorgang", in der Abwägung zwischen dem Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und der Religionsfreiheit sowie dem Erziehungsrecht der Eltern letzteren den Vorrang zu geben. Dabei nehmen eine solche Abwägung gleichrangiger, gleichwertiger Grundrechte fast täglich deutsche Gerichte und erst recht das Bundesverfassungsgericht vor. Das wird am Ende, wie es aussieht, auch diese Frage entscheiden.

Erst recht schief wird es, wenn Kommentatoren dann auch noch die männliche Beschneidung mit der Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen vergleichen. Auch den Jungen werde durch die Amputation der Vorhaut eine schwere Verletzung zugefügt, die sie traumatisiere und zu Verwachsungen, dem Verlust des Penis oder gar zum Tod führen könne, mindestens aber zum Geschlechtsverkehr unter Schmerzen! Kein Schrecken ist hier schlimm genug, um ihn nicht in die Waagschale zu werfen.

Natürlich kann man über den Sinn althergebrachter religiöser Initiationsriten streiten und darüber, ob sie wehrlosen Kleinkindern heute noch zugemutet werde dürfen. Aber dass eine von einem Arzt – nicht von einem Hinterhof-Beschneider – ausgeführte Zirkumzision in nennenswerter Zahl zu gravierenden Folgeschäden führt, behauptet kaum ein Mediziner oder Urologe.

Leserkommentare
  1. Hallo lieber Autor,

    schon mal die Argumente der "Gegner" angeschaut. Wer die Vorhaut immer noch als "unsensibles" Stüc Haut kennt, hat wohl die Diskusion der letzten Wochen nicht verfolgt.

    Und wirklich neues wird hier auch nicht geleifert. Sollen da die Klickzahlen hochgetrieben werden???

    Ich versteh die ZEIT nicht?

    115 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    [...]

    Eine derart offensichtliche Diffamierung der Leute, die das Kindeswohl noch imstande sind zu sehen, ist vielleicht in dieser Zeitung auch noch nie dagewesen.
    Der Junge war 10 Tage im Krankenhaus wegen "harmloser Nachblutung":
    http://www.sueddeutsche.d...

    Aber auch die Uninformiertheit macht staunen. Immer wieder gibt es auch tödliche Narkosekomplikationen bei Kindern. Muss schon sagen, dass mir da der Mund offen steht: Einem 8 Tage alten Säugling wird man also eine Vollnarkose verabreichen, um den vermeintlichen Befehl Gottes zu vollziehen. Wo und in welchem Jahrhundert leben wir hier eigentlich?

    Ich bin nicht religiös und lebe in einem säkularen Staat. Religiöse Menschen können die bizarrsten Rituale pflegen, solange die Rechte anderer nicht verletzt werden. Ich bin nicht verpflichtet, diese Rituale zu verstehen oder mich um Verständnis zu bemühen.

    Wenn jemand mir erklärt, er müsse seinen Säugling verletzen, und mir dann aus dem alten Testament vorliest, ist aus meiner Sicht ein Kandidat für eine Psychotherapie, denn ich würde dieses Verhalten auf frühkindliche religiöse Traumatisierung zurückführen.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/se

    Ich gebe Ihnen völlig recht! Ich mag meine Vorhaut und bei mir ist sie sensibel. Wer anderen (völlig zu Recht) vorwirft, dass man die weibliche Genitalverstümmelung nicht mit der männlichen Beschneidung vergleichen kann, der darf aber auch nicht dann die Empfindsamkeit der Vorhaut vernachlässigen.
    Ich weiß nicht, was so manchen Beschneidungsbefürwortern da unten los, aber mir kann kein Mensch erzählen, dass das ein unsensibles Stück Haut ist. Denn dieses unsensible Stück Haut schützt die sehr sensible Eichel und ich weiß aus persönlichen Gesprächen mit spät beschnittenen Männern, dass deren Eichel durch den verlorenen Schutz weniger sensibel geworden ist.

    Aber der Gipfel ist eigentlich schon der erste Absatz:

    "Seitdem können alle, denen religiöse Rituale aller Art schon immer ein Gräuel waren, insbesondere bei Juden und Muslimen"

    Was soll bitte "insbesondere bei Juden und Muslimen" heißen? Wieso kann man in diesem Land nicht andere Bräuche oder Religionen kritisieren ohne immer gleich die Nazi-, Antisemiten- oder Rassistenkeule rauszuholen?
    Mich interessiert überhaupt nicht, ob jemand der seinem unmündigen Baby die Vorhaut abschneidet schwarz oder weiß ist, aus der Türkei oder Island kommt bzw. an Jesus, den Papst, Mohammed oder das fliegende Spaghettimonster glaubt.

    Dieser Vorwurf des latenten Antisemitismus ist einfach nur ein ganz billiges Argument. Aber schön, dass man immer die katholische Kirche kritisieren darf, aber nicht das Judentum -.-

    Kritik ist nicht Hass!

    Wer sich die "Debatten" in den vergangenen Wochen angeschaut hat, stellt eines fest: es wäre ratsam, wenn sich viele derjenigen, die sich ereiferten, einmal den Schaum vorm Mund abwischten und einmal nachdenken.

    In Köln wurde ein Urteil gefällt, bei verschiedene, im Grundgesetz verankerte Grundrechte konkurrieren. Niemand der anwesenden Juristen - weder die Verteidigung, noch die Staatsanwaltschaft und auch nicht die urteilenden Richter sind auf die Idee gekommen, den Fall dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vorzulegen. Auch wenn keine Revision zugelassen wurde - die Verfassungsbeschwerde wäre innerhalb von vier Wochen nach Urteilsverkündung immer noch möglich gewesen.

    Zudem: wir haben in Deutschland eine klare Regelung in Sachen Religionsmündigkeit. Diese tritt mit Vollendung des 14. Lebensjahres ein. Erst ab diesem Alter kann ein Mensch frei entscheiden, ob und zu welcher Religionsgemeinschaft er gehören will. Nicht ohne Grund werden Jugendliche erst in diesem Alter Vollmitglieder der Kirchen.

    ES GEHT DOCH HIER NICHT UM DAS GRUNDSÄTZLICHE VERBOT DER BESCHNEIDUNG - SONDERN NUR UM DIE FRAGE, WANN SIE DURCHGEFÜHRT WERDEN SOLL.

    Ich bin der Meinung, es sollten einmal alle etwas lockerer werden.

    Redaktion

    Entschuldigung: Ich bin ein Mann und weiß daher, dass man(n) dieses Stück Vorhaut nicht unbedingt benötigt. Dafür brauche ich keine wochenlange Debatte. Millionen Männer auf der ganzen Welt sind beschnitten, zB. ca. 3/4 der Amerikaner - aus hygienischen, nicht religiösen Gründen.
    Den Kommentar habe ich geschrieben, weil ich es schwer erträglich finde, dass von Beschneidungsgegnern immer wieder die gleichen, zT abstrusen Argumente gebracht werden. Die Beschneidung als "partielles Menschenopfer" zu bezeichnen, wie es eine taz-Kollegin getan hat, erinnert mich an schlimme antisemitische Hetzschriften. So etwas verhindert jede ernsthafte Diskussion.
    Der Autor

    WESHALB Gott die Vorhaut erschuf?
    "Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde" (Gen.1,27a)

    DESHALB ging er bei ihrer Erschaffung besonders sensibel vor:
    http://www.beschneidung-v...

    Recherche erwünscht!

    ist der, der es nicht versteht, welche bedeutung der begriff "säkularismus" hat. Hauptsache in der Krise die Minderheiten-Bashing am laufen halten! Sarrazin war gestern und so tingelt man sich von einem Fettnäpfchen zum anderen! Eine Erbärmliche Diskusions Kultur indem man an Fundamenten der Minderheiten sich ergötzt!

    [...]

    Eine derart offensichtliche Diffamierung der Leute, die das Kindeswohl noch imstande sind zu sehen, ist vielleicht in dieser Zeitung auch noch nie dagewesen.
    Der Junge war 10 Tage im Krankenhaus wegen "harmloser Nachblutung":
    http://www.sueddeutsche.d...

    Aber auch die Uninformiertheit macht staunen. Immer wieder gibt es auch tödliche Narkosekomplikationen bei Kindern. Muss schon sagen, dass mir da der Mund offen steht: Einem 8 Tage alten Säugling wird man also eine Vollnarkose verabreichen, um den vermeintlichen Befehl Gottes zu vollziehen. Wo und in welchem Jahrhundert leben wir hier eigentlich?

    Ich bin nicht religiös und lebe in einem säkularen Staat. Religiöse Menschen können die bizarrsten Rituale pflegen, solange die Rechte anderer nicht verletzt werden. Ich bin nicht verpflichtet, diese Rituale zu verstehen oder mich um Verständnis zu bemühen.

    Wenn jemand mir erklärt, er müsse seinen Säugling verletzen, und mir dann aus dem alten Testament vorliest, ist aus meiner Sicht ein Kandidat für eine Psychotherapie, denn ich würde dieses Verhalten auf frühkindliche religiöse Traumatisierung zurückführen.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/se

    Ich gebe Ihnen völlig recht! Ich mag meine Vorhaut und bei mir ist sie sensibel. Wer anderen (völlig zu Recht) vorwirft, dass man die weibliche Genitalverstümmelung nicht mit der männlichen Beschneidung vergleichen kann, der darf aber auch nicht dann die Empfindsamkeit der Vorhaut vernachlässigen.
    Ich weiß nicht, was so manchen Beschneidungsbefürwortern da unten los, aber mir kann kein Mensch erzählen, dass das ein unsensibles Stück Haut ist. Denn dieses unsensible Stück Haut schützt die sehr sensible Eichel und ich weiß aus persönlichen Gesprächen mit spät beschnittenen Männern, dass deren Eichel durch den verlorenen Schutz weniger sensibel geworden ist.

    Aber der Gipfel ist eigentlich schon der erste Absatz:

    "Seitdem können alle, denen religiöse Rituale aller Art schon immer ein Gräuel waren, insbesondere bei Juden und Muslimen"

    Was soll bitte "insbesondere bei Juden und Muslimen" heißen? Wieso kann man in diesem Land nicht andere Bräuche oder Religionen kritisieren ohne immer gleich die Nazi-, Antisemiten- oder Rassistenkeule rauszuholen?
    Mich interessiert überhaupt nicht, ob jemand der seinem unmündigen Baby die Vorhaut abschneidet schwarz oder weiß ist, aus der Türkei oder Island kommt bzw. an Jesus, den Papst, Mohammed oder das fliegende Spaghettimonster glaubt.

    Dieser Vorwurf des latenten Antisemitismus ist einfach nur ein ganz billiges Argument. Aber schön, dass man immer die katholische Kirche kritisieren darf, aber nicht das Judentum -.-

    Kritik ist nicht Hass!

    Wer sich die "Debatten" in den vergangenen Wochen angeschaut hat, stellt eines fest: es wäre ratsam, wenn sich viele derjenigen, die sich ereiferten, einmal den Schaum vorm Mund abwischten und einmal nachdenken.

    In Köln wurde ein Urteil gefällt, bei verschiedene, im Grundgesetz verankerte Grundrechte konkurrieren. Niemand der anwesenden Juristen - weder die Verteidigung, noch die Staatsanwaltschaft und auch nicht die urteilenden Richter sind auf die Idee gekommen, den Fall dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vorzulegen. Auch wenn keine Revision zugelassen wurde - die Verfassungsbeschwerde wäre innerhalb von vier Wochen nach Urteilsverkündung immer noch möglich gewesen.

    Zudem: wir haben in Deutschland eine klare Regelung in Sachen Religionsmündigkeit. Diese tritt mit Vollendung des 14. Lebensjahres ein. Erst ab diesem Alter kann ein Mensch frei entscheiden, ob und zu welcher Religionsgemeinschaft er gehören will. Nicht ohne Grund werden Jugendliche erst in diesem Alter Vollmitglieder der Kirchen.

    ES GEHT DOCH HIER NICHT UM DAS GRUNDSÄTZLICHE VERBOT DER BESCHNEIDUNG - SONDERN NUR UM DIE FRAGE, WANN SIE DURCHGEFÜHRT WERDEN SOLL.

    Ich bin der Meinung, es sollten einmal alle etwas lockerer werden.

    Redaktion

    Entschuldigung: Ich bin ein Mann und weiß daher, dass man(n) dieses Stück Vorhaut nicht unbedingt benötigt. Dafür brauche ich keine wochenlange Debatte. Millionen Männer auf der ganzen Welt sind beschnitten, zB. ca. 3/4 der Amerikaner - aus hygienischen, nicht religiösen Gründen.
    Den Kommentar habe ich geschrieben, weil ich es schwer erträglich finde, dass von Beschneidungsgegnern immer wieder die gleichen, zT abstrusen Argumente gebracht werden. Die Beschneidung als "partielles Menschenopfer" zu bezeichnen, wie es eine taz-Kollegin getan hat, erinnert mich an schlimme antisemitische Hetzschriften. So etwas verhindert jede ernsthafte Diskussion.
    Der Autor

    WESHALB Gott die Vorhaut erschuf?
    "Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde" (Gen.1,27a)

    DESHALB ging er bei ihrer Erschaffung besonders sensibel vor:
    http://www.beschneidung-v...

    Recherche erwünscht!

    ist der, der es nicht versteht, welche bedeutung der begriff "säkularismus" hat. Hauptsache in der Krise die Minderheiten-Bashing am laufen halten! Sarrazin war gestern und so tingelt man sich von einem Fettnäpfchen zum anderen! Eine Erbärmliche Diskusions Kultur indem man an Fundamenten der Minderheiten sich ergötzt!

  2. in diesem Artikel hinten rüber oder intressieren gar nicht. Nur mal so als Info, auch wenn es wahrscheinlich gar nicht ankommt. Laut einigen Quellen ist die Zahl unbeschnittener Juden jedes Jahr im Steigen begriffen.

    Und sehr oft wird hier von "Gegnern" ein Kompromiss ( entscheiden mit > 13 Jahren) abgeboten. Auch hier sitzen die Scheuklappen wohl fest.

    Sorry, aber wenn so ein Artikel als Kommentar erscheinen würde, wäre er schneller weg als man ein Byte zählen kann.

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    jüdischem Glauben muß das am achtem Tag passieren, das hat einen symbolischen Sinn, da können sie nicht bis 13 Jahre warten.

    • fse69
    • 27.07.2012 um 15:28 Uhr

    "...Und sehr oft wird hier von "Gegnern" ein Kompromiss ( entscheiden mit > 13 Jahren) abgeboten. Auch hier sitzen die Scheuklappen wohl fest...."

    ... als dass Sie glauben, in dieser Frage einen "Kompromiss anbieten" zu können? Über solche Anmaßung kann unsereins nur müde lächeln. Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass auch nur ein einziges jüdisches oder muslimisches Kind wegen dieses Urteils, dieser Debatte unbeschnitten bleiben wird. Deutschland existiert nicht im luftleeren Raum, wenn sich hierzulande keine Ärzte finden lassen, die genug Eier in der Hose haben, fährt man eben zwecks Beschneidung ins benachbarte Ausland oder in die Türkei. Zwischenzeitlich klagt man sich hierzulande durch die Instanzen und falls nötig bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wo man mit ziemlicher Sicherheit ohnehin Recht bekäme. Am Ende hätten Sie und Ihresgleichen nur reichlich integrationspolitisches Porzellan zertrampelt und würden auch noch die nächsten 50 Jahre über "Integrationsverweigerung und Parallelgesellschaften" rumjammern.

    jüdischem Glauben muß das am achtem Tag passieren, das hat einen symbolischen Sinn, da können sie nicht bis 13 Jahre warten.

    • fse69
    • 27.07.2012 um 15:28 Uhr

    "...Und sehr oft wird hier von "Gegnern" ein Kompromiss ( entscheiden mit > 13 Jahren) abgeboten. Auch hier sitzen die Scheuklappen wohl fest...."

    ... als dass Sie glauben, in dieser Frage einen "Kompromiss anbieten" zu können? Über solche Anmaßung kann unsereins nur müde lächeln. Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass auch nur ein einziges jüdisches oder muslimisches Kind wegen dieses Urteils, dieser Debatte unbeschnitten bleiben wird. Deutschland existiert nicht im luftleeren Raum, wenn sich hierzulande keine Ärzte finden lassen, die genug Eier in der Hose haben, fährt man eben zwecks Beschneidung ins benachbarte Ausland oder in die Türkei. Zwischenzeitlich klagt man sich hierzulande durch die Instanzen und falls nötig bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wo man mit ziemlicher Sicherheit ohnehin Recht bekäme. Am Ende hätten Sie und Ihresgleichen nur reichlich integrationspolitisches Porzellan zertrampelt und würden auch noch die nächsten 50 Jahre über "Integrationsverweigerung und Parallelgesellschaften" rumjammern.

    • thbode
    • 27.07.2012 um 12:13 Uhr

    Wenn die Beschneidung im Christentum üblich wäre, wäre sie schon seit 1-200 Jahren in Deutschland abgeschafft, dank Aufklärung. Und das gälte dann für alle die sich im Wirkungsbereich deutscher Gesetze aufhalten. Weil das aber nicht der Fall war wird das Thema jetzt vermengt mit anderem.
    Sorry, aber ohne Narkose am Penis eines Wehrlosen herumzuschneiden ist schlicht barbarisch und nicht vereinbar mit europäischen Werten. Auch wenn die ganze Familie begeistert drum herum steht. Oder sich "Fromme" in die absurde Idee hinein steigern dass Gott das will und sauer wird wenn man nicht schnippelt. Dieser wesentlich Punkt ist nicht weg zu diskutieren. Und das hat absolut nichts mit Anti-Haltung gegen irgendjemanden zu tun.
    Dann kann man aber natürlich diskutieren ob man Ausnahmen zulässt. In der Hoffnung dass irgendwann die Menschheit Vernunft annimmt, nicht nur bei dem Thema.

    74 Leserempfehlungen
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    sorry, aber hier sind sie schlichtweg nicht aufrichtig, von narkosefreien behandlungen ist nicht die rede. die gibt es zwar leider aber deren zahl wird explodieren wenn ordentliche ärzte sich in zukunft strafbar machen sollten.....

    religiöse begründungen sind per se albern, gott ist kein argument. das nützt ihnen aber wenig, vernunft lässt sich nicht mit verboten herbeiführen...

    die frage müsste lauten: ist es legitim für eltern ihre kinder ohne das vorhandensein einer verengung (die sie im säuglingsalter nicht festsellen werden) beschneiden zu lassen, die begründung interessiert nicht. kann ein nicht religiöser mensch sein neugeborenes beschneiden lassen weil er persönlich z.b. sehr gute erfahrungen damit hat?
    gilt das auch für andere ästhetische operationen wie z.b. segelohren und wenn ja, warum?

    das problem vieler beschneidungskritiker ist einfach dass ihre argumentation nicht stringent ist. als ebenfalls nicht-religiöser mensch würde ich mir wünschen dass dieser, in meinen augen, ganze religiöse quatsch endlich mal zu einem ende kommt.

    aber dass muss und kann nur freiwillig und einsichtig geschehen, dass kannn nicht per gesetz verabschiedet werden...

    der zentralrat könnte da natürlich auch seinen anteil dran leisten indem er nicht hoffnungslos übertriebt und seine religion bzw. kultur auf ein minimum reduziert und statt dessen selbstbewußt dahergeht und feststellt dass jüdisch bzw. muslimisch sein nicht davon abhängt ob er sich beschneiden lässt. aber gut, ist halt glauben!
    ironischerweise hat paulus bei der gründung des christentums genau diese position vertreten und die beschneidung abgeschafft....

    sorry, aber hier sind sie schlichtweg nicht aufrichtig, von narkosefreien behandlungen ist nicht die rede. die gibt es zwar leider aber deren zahl wird explodieren wenn ordentliche ärzte sich in zukunft strafbar machen sollten.....

    religiöse begründungen sind per se albern, gott ist kein argument. das nützt ihnen aber wenig, vernunft lässt sich nicht mit verboten herbeiführen...

    die frage müsste lauten: ist es legitim für eltern ihre kinder ohne das vorhandensein einer verengung (die sie im säuglingsalter nicht festsellen werden) beschneiden zu lassen, die begründung interessiert nicht. kann ein nicht religiöser mensch sein neugeborenes beschneiden lassen weil er persönlich z.b. sehr gute erfahrungen damit hat?
    gilt das auch für andere ästhetische operationen wie z.b. segelohren und wenn ja, warum?

    das problem vieler beschneidungskritiker ist einfach dass ihre argumentation nicht stringent ist. als ebenfalls nicht-religiöser mensch würde ich mir wünschen dass dieser, in meinen augen, ganze religiöse quatsch endlich mal zu einem ende kommt.

    aber dass muss und kann nur freiwillig und einsichtig geschehen, dass kannn nicht per gesetz verabschiedet werden...

    der zentralrat könnte da natürlich auch seinen anteil dran leisten indem er nicht hoffnungslos übertriebt und seine religion bzw. kultur auf ein minimum reduziert und statt dessen selbstbewußt dahergeht und feststellt dass jüdisch bzw. muslimisch sein nicht davon abhängt ob er sich beschneiden lässt. aber gut, ist halt glauben!
    ironischerweise hat paulus bei der gründung des christentums genau diese position vertreten und die beschneidung abgeschafft....

  3. Nix Neues, aber immerhin eine schöne Grundlage für eine Runde Beschneidungsbefürworter-Bullshit-Bingo:

    http://s14.directupload.n...

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  4. Sie wissen also, um was es wirklich geht. Nur blöd, dass viele Menschen das ganz anders sehen. Die glauben nämlich tatsächlich, dass die Unversehrtheit des kindlichen Körpers über dem Recht der Eltern steht, aus religiösen Gründen Eingriffe an diesem vornehmen zu lassen.
    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und achten auf Ihren Tonfall. Danke, die Redaktion/se

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    Sehr geehrte Redaktion, ich denke Sie haben meinen Beitrag gekürzt, weil Sie den letzten Satz falsch verstanden haben. Das "ihnen" war klein geschrieben, weil es sich nicht auf Herr Greven bezog. Gemeint war, dass es den Menschen, welche die Straffreiheit für religiös motivierte Beschneidungen ablehnen, egal ist, wie religiöse Menschen ihren Alltag gestalten, solange die Unversehrtheit von Kindern nicht in Frage steht.
    Ich bitte deshalb um Wiederherstellung des gestrichenen Satzes.

    Sehr geehrte Redaktion, ich denke Sie haben meinen Beitrag gekürzt, weil Sie den letzten Satz falsch verstanden haben. Das "ihnen" war klein geschrieben, weil es sich nicht auf Herr Greven bezog. Gemeint war, dass es den Menschen, welche die Straffreiheit für religiös motivierte Beschneidungen ablehnen, egal ist, wie religiöse Menschen ihren Alltag gestalten, solange die Unversehrtheit von Kindern nicht in Frage steht.
    Ich bitte deshalb um Wiederherstellung des gestrichenen Satzes.

  5. Man muss sich langsam fürchten! Wenn man sich die "Blasphemie-Debatte" anschaut oder die Beschneidungsdebatte, dann fühlt man sich in die ZEIT vor der Aufklärung zurückversetzt. Die „Religionen scheinen die Welt erneut zu erobern“. Man kann nur sagen: Wehret den Anfängen! Wir wollen keine „Verführer“. Weder „braune“ noch „rote“ und auch keine religiösen!

    73 Leserempfehlungen
  6. die mittlerweile über 400 Unterzeichner des Offenen Briefes
    aus Ärzteschaft und Juristenkreisen....alles verkappte
    Antisemiten :))))

    Ebenso die Mehrheit der deutschen Bevölkerung....

    Absurder ist selten argumentiert worden......

    89 Leserempfehlungen
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    1) Die allgemeine Meinung ist die wahrste? Aber nein, das ist nicht unbedingt der Fall, da sind Sie falsch informiert. Siehe Giordano Bruno.

    2) Viele Menschen können keine Antisemiten sein? Ich wünschte, das wäre so. Siehe Deutschland vor nicht allzu langer Zeit.

    Es ist wirklich praktisch, so ganz genau zu wissen, was absurd ist.

    Man könnte sonst denken, absurd ist es, Jungen- und Mädchenbeschneidung zu vergleichen - man vergleicht ja auch nicht die Gefährlichkeit eines Stuhls und eines elektrischen Stuhls, auch wenn beide "Stuhl" heißen?

    Man könnte sonst denken, absurd ist es, eine Hexenjagd im 21. Jahrhundert zu veranstalten (dass es eine Hexenjagd ist, lässt sich schon an den gehässigen Kommentaren ablesen).

    Man könnte sonst denken, absurd ist es, eine Tradition, die niemandem schadet (nein, die Beschneidung schadet nicht, zumindest nicht mehr als vieles andere, was Kinder und Erwachsene in ihrem Leben durchmachen), aber vielen nützt (ja, es ist den Juden den Muslimen wichtig, warum auch immer - ich muss ja nicht alles verstehen), per Gesetz verbieten zu wollen.

    Nein, das ist wohl alles in Ordnung. Aber anders zu denken als Sie und die 400 Ärzte und Juristen, das ist absurd...

    1) Die allgemeine Meinung ist die wahrste? Aber nein, das ist nicht unbedingt der Fall, da sind Sie falsch informiert. Siehe Giordano Bruno.

    2) Viele Menschen können keine Antisemiten sein? Ich wünschte, das wäre so. Siehe Deutschland vor nicht allzu langer Zeit.

    Es ist wirklich praktisch, so ganz genau zu wissen, was absurd ist.

    Man könnte sonst denken, absurd ist es, Jungen- und Mädchenbeschneidung zu vergleichen - man vergleicht ja auch nicht die Gefährlichkeit eines Stuhls und eines elektrischen Stuhls, auch wenn beide "Stuhl" heißen?

    Man könnte sonst denken, absurd ist es, eine Hexenjagd im 21. Jahrhundert zu veranstalten (dass es eine Hexenjagd ist, lässt sich schon an den gehässigen Kommentaren ablesen).

    Man könnte sonst denken, absurd ist es, eine Tradition, die niemandem schadet (nein, die Beschneidung schadet nicht, zumindest nicht mehr als vieles andere, was Kinder und Erwachsene in ihrem Leben durchmachen), aber vielen nützt (ja, es ist den Juden den Muslimen wichtig, warum auch immer - ich muss ja nicht alles verstehen), per Gesetz verbieten zu wollen.

    Nein, das ist wohl alles in Ordnung. Aber anders zu denken als Sie und die 400 Ärzte und Juristen, das ist absurd...

  7. es nur ein moslemischer Ritus wäre? Die Zahl der Betroffenen wäre fast dieselbe, aber ob die Religionsfreiheit denn wohl auch so wortmächtig mit der Schreibfeder verteidigt würde?

    Oder wird hier mit Grundrechten argumentiert - aber mit zweierlei Maß gemessen?

    Und wenn ich dann noch Formulierungen höre wie "schlimmster Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust" - dann frage ich mich wirklich wo hier die Maßstäbe geblieben sind.

    68 Leserempfehlungen
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    in der tat sollte man sich bei jeder debatte fragen, wie sie verlaufen würde, hätte es keinen holocaust gegeben.

    und auf diese weise sollte diese debatte dann auch wieder geführt werden, denn es gibt kaum noch jemanden, dem man vorwerfen kann daran beteiligt zu sein. ebenso lächerlich ist, wenn einer der diskussionsbeteiligten (schulligunghabseinnamenvergessen) von erinnerungen an den holocaust spricht und man aus seinem äußeren sicher schließen kann, dass er so alt noch nicht ist.

    zu: Lupo1977: Was wäre wenn...

    ...es ein Ritual der Mormonen, oder noch besser: von Scientology wäre? Die Scientologen könnten ja auf die Idee kommen, dass Neugeborene ein Tatoo mit dem Bild von Ron Hubbard auf dem Po brauchen, um den ewigen Bund mit ihrem Guru zu besiegeln. Es ist dabei belanglos, ob die Religion 2000 Jahre, 1400 Jahre (Islam), 150 Jahre (Mormonen), 50 Jahre (Scientology), oder nur 5 Wochen alt ist. Rituale sind per definitionem willkürliche Akte, und wenn sie gegen ein Grundrecht wie das der körperlichen Unversehrtheit verstossen, inakzeptabel.

    Wenn Herr Greven meint, dass die Juden damit noch einmal "psychisch, kulturell und körperlich vernichtet" werden, muss er sich auch die Frage gefallen lassen, wieso Religionsfreiheit Verwundungsopfer (!) benötigt. Die Juden und jeder andere kann weiterhin jeden beliebigen Schwachsinn glauben, auch wenn die Beschneidung verboten wird. Aber Glaube darf nicht irrversible Verstümmelungen bei Kindern rechtfertigen, zumal der Verstümmelte jederzeit seinen Glauben aufgeben, aber niemals seine Vorhaut zurückholen kann [nice pun ;-]

    in der tat sollte man sich bei jeder debatte fragen, wie sie verlaufen würde, hätte es keinen holocaust gegeben.

    und auf diese weise sollte diese debatte dann auch wieder geführt werden, denn es gibt kaum noch jemanden, dem man vorwerfen kann daran beteiligt zu sein. ebenso lächerlich ist, wenn einer der diskussionsbeteiligten (schulligunghabseinnamenvergessen) von erinnerungen an den holocaust spricht und man aus seinem äußeren sicher schließen kann, dass er so alt noch nicht ist.

    zu: Lupo1977: Was wäre wenn...

    ...es ein Ritual der Mormonen, oder noch besser: von Scientology wäre? Die Scientologen könnten ja auf die Idee kommen, dass Neugeborene ein Tatoo mit dem Bild von Ron Hubbard auf dem Po brauchen, um den ewigen Bund mit ihrem Guru zu besiegeln. Es ist dabei belanglos, ob die Religion 2000 Jahre, 1400 Jahre (Islam), 150 Jahre (Mormonen), 50 Jahre (Scientology), oder nur 5 Wochen alt ist. Rituale sind per definitionem willkürliche Akte, und wenn sie gegen ein Grundrecht wie das der körperlichen Unversehrtheit verstossen, inakzeptabel.

    Wenn Herr Greven meint, dass die Juden damit noch einmal "psychisch, kulturell und körperlich vernichtet" werden, muss er sich auch die Frage gefallen lassen, wieso Religionsfreiheit Verwundungsopfer (!) benötigt. Die Juden und jeder andere kann weiterhin jeden beliebigen Schwachsinn glauben, auch wenn die Beschneidung verboten wird. Aber Glaube darf nicht irrversible Verstümmelungen bei Kindern rechtfertigen, zumal der Verstümmelte jederzeit seinen Glauben aufgeben, aber niemals seine Vorhaut zurückholen kann [nice pun ;-]

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