Thüringens Verfassungsschutz-Präsident Thomas Sippel muss wegen der Affäre um die Neonazi-Terrorzelle sein Amt aufgeben. Er werde in den einstweiligen Ruhestand versetzt, teilte Innenminister Jörg Geibert ( CDU ) mit. "Der Verfassungsschutzpräsident hat nicht mehr das Vertrauen des Parlaments", sagte er. Die parlamentarische Kontrolle sei jedoch eine wesentliche Grundlage für die Arbeit des Nachrichtendienstes. "Wir sind uns daher einig, dass dieser Schritt richtig und notwendig ist", so der Innenminister.

Zuvor hatte Geibert noch trotz des hohen Drucks an Sippel festhalten wollen. Der Minister wolle keine "pauschale und an Stimmungen orientierte Entscheidung" treffen, hatte Regierungssprecher Peter Zimmermann nach der Kabinettssitzung gesagt. Das Entlassungsgesuch war dann Ergebnis eines Gesprächs mit Sippel.

Sippel steht wegen der Pannen bei den Ermittlungen zu den Neonazi-Morden seit längerer Zeit in der Kritik. In dieser Woche hatte bereits der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, seinen Rückzug angekündigt .

Der thüringische Verfassungsschutz war gemeinsam mit dem Bundesverfassungsschutz und dem Militärischen Abschirmdienst an der "Operation Rennsteig" beteiligt. Mit dieser hatten Verfassungsschützer zwischen 1997 und 2003 versucht, Informanten bei thüringischen Rechtsextremen anzuwerben. Einige der Akten waren vergangenes Jahr vom Bundesverfassungsschutz vernichtet worden. Dies hatte der Bundesbehörde Kritik eingetragen, deren Präsident Heinz Fromm daraufhin seinen Amtsverzicht erklärt hatte.