Euro-DebatteDeutschland sollte demütiger sein

Die Deutschen haben Mitschuld an der Krise. Sie sollten aufhören, sich selbstgefällig zurückzulehnen und mit ihrer Agenda 2010 zu prahlen, findet Ex-FDP-Mann C. Giesa.

Eine Deutschland-Fahne an der Frankfurter Börse

Eine Deutschland-Fahne an der Frankfurter Börse

Keine Frage, die Debatte um Deutschlands Rolle in Europa hat bisweilen hässliche Auswüchse. In griechischen, spanischen und britischen Medien wurden Parallelen zwischen dem nationalsozialistischen Allmachtsanspruch von damals und dem deutschen "Spardiktat" von heute gezogen. Die Empörung darüber in Deutschland ist verständlich und angebracht.

In Europa wurde immer schon Deutsch gesprochen

Christoph Giesa

Jahrgang 1980, ist freiberuflicher Autor. Er war Mitglied der FDP, scheiterte 2004 knapp am Einzug ins Europaparlament. Heute bezeichnet er sich als unabhängiger Liberaler. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler lebt in Hamburg.

Die Deutschen sollten sich von solchen Unverschämtheiten aber nicht von einem selbstkritischen Blick abbringen lassen. Hierzulande ist der Ruf, den "undankbaren Südländern" den Geldhahn zuzudrehen, frei nach dem Motto "Deutschland hat genug gezahlt", leicht getätigt. Aber es wird dabei gerne übersehen, dass eine solche Reaktion ebenso ungerecht  und zudem schädlich auch für die Bundesrepublik selbst wäre. 

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Das Europa, das wir heute kennen, ist ein maßgeblich deutsch-französisches Europa. Waren sich die beiden großen Mittelmächte einig, hatten die anderen Partner in den vergangenen Jahrzehnten selten etwas entgegenzusetzen. Auch wenn man das natürlich niemals aus dem Munde eines Spitzenpolitikers gehört hätte, galt in Europa noch nie das in Deutschland so viel beschworene Konnexitätsprinzip "Wer bestellt, der bezahlt auch". Die Realität war immer "Wer bezahlt, der bestellt auch".

Und weil Deutschland immer bereit war, zu bezahlen, wurde in Europa immer auch schon Deutsch gesprochen, wie es Unionsfraktionschef Volker Kauder wohl ausdrücken würde. Das galt für viele richtige oder richtig gedachte Vereinbarungen, wie etwa die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank oder die Einführung des Stabilitätspaktes. Genauso galt das aber auch für alle Auswüchse europäischer Bürokratie, alle Fehler bei der Aufnahme neuer EU-Mitglieder und alle Fehler, die im Rahmen der Euro-Einführung gemacht wurden.

Deutschland hat den Stabilitätspakt beerdigt

Dass Europa und insbesondere die Euro-Zone sich in eine Schulden-, Währungs- und Wirtschaftskrise wie die derzeitige hineinbugisiert haben, liegt auch daran, dass Deutschland – einmal mehr gemeinsam mit Frankreich – schon lange den Stabilitätspakt beerdigt hat, weil es selbst nicht mehr in der Lage beziehungsweise Willens war, dessen Kriterien selbst einzuhalten: Eine Neuverschuldung von maximal drei Prozent des Bundesinlandsproduktes und eine Gesamtverschuldung von maximal 60 Prozent, das wurde in der Bundesrepublik in den vergangenen zehn Jahren kaum einmal selbst eingehalten.

Spätestens 2009, also noch bevor die dramatische Situation einzelner Krisenstaaten vollends bekannt wurde, wurden die Stabilitätsziele endgültig verworfen, was der Bankenkrise und entsprechenden Konjunkturprogrammen geschuldet war. Wäre die Einhaltung der Kriterien nicht in dieser Form von den mächtigsten Ländern Europas ad absurdum geführt worden, man hätte über notwendige Restrukturierungen und Reformen in den Problemländern sicher schon vor einigen Jahren und auf einem ganz anderen Niveau gesprochen. Im Rückblick wäre das sicher im Sinne aller Beteiligten gewesen.

Für Deutschland ist außerdem zu bedenken: Die sozialen Einschnitte im Rahmen der Agenda 2010 wären deutlich drastischer ausgefallen, hätte die Politik auf die Einhaltung der Stabilitätskriterien gepocht. Sie wären allerdings immer noch "Peanuts" im Vergleich zu dem gewesen, was man jetzt im Schnellverfahren von Griechenland, Portugal oder Spanien erwartet.

Ob solche drastischen Einsparungen in Deutschland politisch durchsetzbar gewesen wären, daran darf man durchaus seine Zweifel haben, wenn man überlegt, auf welch erbitterten Widerstand die Agenda 2010 vielerorts gestoßen ist. Aus dieser Perspektive betrachtet sollte man den Ländern, die sich derzeit einer Radikalkur ohnegleichen unterwerfen, größten Respekt für ihre Anstrengungen zollen, auch wenn nicht alles immer in der gewünschten Geschwindigkeit passiert. Man sollte nie vergessen, auch die "Nehmerländer" sind Demokratien, die ihren Bürgern Politik erklären und sich Mehrheiten für diese erarbeiten müssen.

Die Deutschen sind auch sonst keineswegs die Musterschüler Europas, als die sie sich selbst gerne sehen, auch wenn sie vielleicht einige Themen früher angegangen haben als andere. Weder haben sie ihre Banken besser unter Kontrolle als die Griechen, die Spanier oder die Italiener, noch können sie langfristige Lösungen für die Überalterung der Gesellschaft und die sich daraus ergebende notwendige Reorganisation der sozialen Sicherung vorweisen.

Der Wunsch vieler Menschen nach einfachen Antworten in einer komplexen Welt ist verständlich. Gerade beim Thema Europa führt er aber unweigerlich in die Sackgasse. Zu glauben, man könne einfach die Solidarität mit schwachen Euro-Ländern einstellen und zur guten alten deutschen D-Mark zurückkehren ist ungefähr so naiv, wie zu denken, dass man eine Ehe, aus der drei Kinder entstanden sind, einfach in ein kinderloses Single-Dasein rückabwickeln könnte. Zudem hat Deutschland viele Jahre davon profitiert, dass die europäischen Partner, gefördert durch künstlich niedrige Zinsen, fleißig deutsche Produkte eingekauft und damit maßgeblich mit zur wirtschaftlich komfortablen Situation in der Bundesrepublik beigetragen haben.

Probleme gemeinsam eingebrockt

Der wahre Patriot ist heute nicht mehr der, der Lösungen auf einer nationalen Ebene propagiert. Die Einschnitte, die auch in Deutschland Realität würden, wenn die Euro-Zone auseinanderbräche und es zu einer radikalen Aufwertung einer deutschen Währung gegenüber allen anderen käme, hätte eine neue Völkerwanderung in Europa zufolge, würden die Agenda 2010 wie ein Reförmchen aussehen lassen.

Die Probleme, die die Europäer sich gemeinsam eingebrockt haben, werden sie auch nur gemeinsam lösen können. Nationale Stereotype und Vorbehalte, Schuldzuweisungen und Beleidigungen sind dabei nicht hilfreich. Dessen sollten sich auch die Deutschen bewusst sein, bevor sie sich selbstgefällig zurücklehnen.
 

 
Leserkommentare
    • keibe
    • 12.07.2012 um 18:09 Uhr

    "Eine Neuverschuldung von maximal drei Prozent des Bundesinlandsproduktes und eine Gesamtverschuldung von maximal 60 Prozent, das wurde in der Bundesrepublik in den vergangenen zehn Jahren kaum einmal selbst eingehalten."

    Dem Autor scheint das nicht genug zu sein. In Demut soll Deutschland sich nun zu 5, 10, 20% (Angeben ohne Gewähr) verschulden und die Gesamtverschuldung auf 100, 250, 643% (Angaben ohne Gewähr) hochtreiben.

    Wäre ja vielleicht noch ok. Die Frage ist aber: Was haben Deutschlands Bürger davon außer höherer Pro-Kopf-Verschuldung für Bürger anderer Staaten, Kürzung einheimischer Sozialleistungen etc.?

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    aber es geht nicht darum , das man nicht solidarisch sein möchte. Ich möchte aber wenn schon, mit den griechischen Bürgern solidarisch. Mit den Arbeitern, den Lehrern, den Polizisten, den Krankenschwestern usw.

    In der Krise ist kein Geld verloren gegangen sondern es hat nur den Besitzer gewechselt. Die aktuelle Krisenpolitik verfolgt aus der Sicht vieler aufgeklärter Bürger 2 Ziele. Erstens sollen staatlichen Monopole privatisiert werden, damit der Staat noch mehr zur Geisel der Privatwirtschaft wird. Zweitens soll das Vermögen noch mehr von unten nach oben umverteilt werden. Warum ? Weil die Spitzenpolitiker von Lobbygruppen bezahlt werden. Nicht direkt mit Cash sondern mit Aufsichtsratsposten und ähnlichem. 12 Sitzungen im Jahr, Gehalt im Millionenbereich.
    Die Gewinner der Krise sollen bezahlen. Was passiert? Es wird gewartet bis die Spekulanten ihr Geld aus Griechenland rausgezogen haben. Dann werden 73 Millarden überwiesen wovon aber nur ca. 3 an den griechischen Staat gehen. Der Rest geht an private Banken damit die bei privaten ausländischen Gläubigern ihre Schulden bezahlen.

    Gleichzeitg wird in wird in den GIIPS-Staaten die Mehrwertssteuer erhöht und die Löhne der Geringverdiener gekürzt. Wie soll man sich den motivieren den selben Job den man seit Jahren macht nur noch für die Hälfte zu tun , bei steigenden Preisen.
    Herr Giesa hören sie auf diesen neoliberalen Mist zu verteidigen. Ich will ein Europa der Menschen und nicht einen Feudalstaat!

    aber es geht nicht darum , das man nicht solidarisch sein möchte. Ich möchte aber wenn schon, mit den griechischen Bürgern solidarisch. Mit den Arbeitern, den Lehrern, den Polizisten, den Krankenschwestern usw.

    In der Krise ist kein Geld verloren gegangen sondern es hat nur den Besitzer gewechselt. Die aktuelle Krisenpolitik verfolgt aus der Sicht vieler aufgeklärter Bürger 2 Ziele. Erstens sollen staatlichen Monopole privatisiert werden, damit der Staat noch mehr zur Geisel der Privatwirtschaft wird. Zweitens soll das Vermögen noch mehr von unten nach oben umverteilt werden. Warum ? Weil die Spitzenpolitiker von Lobbygruppen bezahlt werden. Nicht direkt mit Cash sondern mit Aufsichtsratsposten und ähnlichem. 12 Sitzungen im Jahr, Gehalt im Millionenbereich.
    Die Gewinner der Krise sollen bezahlen. Was passiert? Es wird gewartet bis die Spekulanten ihr Geld aus Griechenland rausgezogen haben. Dann werden 73 Millarden überwiesen wovon aber nur ca. 3 an den griechischen Staat gehen. Der Rest geht an private Banken damit die bei privaten ausländischen Gläubigern ihre Schulden bezahlen.

    Gleichzeitg wird in wird in den GIIPS-Staaten die Mehrwertssteuer erhöht und die Löhne der Geringverdiener gekürzt. Wie soll man sich den motivieren den selben Job den man seit Jahren macht nur noch für die Hälfte zu tun , bei steigenden Preisen.
    Herr Giesa hören sie auf diesen neoliberalen Mist zu verteidigen. Ich will ein Europa der Menschen und nicht einen Feudalstaat!

    • RD1
    • 12.07.2012 um 18:16 Uhr

    "Zu glauben, man könne einfach die Solidarität mit schwachen Euro-Ländern einstellen und zur guten alten deutschen D-Mark zurückkehren ist ungefähr so naiv, wie zu denken, dass man eine Ehe, aus der drei Kinder entstanden sind, einfach in ein kinderloses Single-Dasein rückabwickeln könnte."

    Naiv dürfte wohl der Autor sein.
    Irgendwann werden es auch noch die weltfremden Euromatiker kapieren.
    Dann ist es aber schon zu spät.

    Es ist nämlich naiv zu glauben, dass die PIGS in absehbarer zeit die Lohnstückkosten von Deutschland erreichen werden. Denn bis das soweit ist, hat Deutschland die Produktivitätsdifferenz als Transferleistung zu zahlen.
    Und wenn es soweit kommt, dass deutsche Arbeitnehmer für andere zahlen müssen, dann wird die Leistungsbereitschaft in Deutschland schlagartig nachlassen.

    Wenn das so gewollt ist, dass wir uns nach unten anpassen, dann könnte es funktionieren.

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    • jkluge
    • 12.07.2012 um 23:07 Uhr

    Die Lohnstückkosten sind im internationalen Vergleich niedrig, weil unsere Währung von den "PIGS" schwach gehalten wurde. Jetzt halten die "PIGS" sogar die Zinsen unserer Staatsverschuldung niedrig.

    DAS sind die eigentlichen, versteckten Transferzahlungen der "PIGS" an uns.

    Wer das polemische Wort "PIGS" mag, der mag vielleicht auch "F-UKi-N-G" - France, UK, Netherlands, Germany. (http://elpais.com/diario/...).

    • Psy03
    • 13.07.2012 um 14:40 Uhr

    eine Ehe in ein Kinderloses Single-dasein rückabzuwickeln.

    Die Kinder bleiben zwar, aber das Single-dasein zumindest einer Person ist wieder wie vorher. Bei den Einkommesnverhältnissen (oder der faulen Justiz) in Deutschland oft sogar ohne Alimente.

    Das ist gerade DURCH diese Europapolitik sogar sehr häufig so, da bei einem Paar oft der eine bis zum geht nicht mehr Arbeitet und der andere Arbeitslos ist.
    Das führt dann schnell mal zum Streit und der Trennung.

    Die Agenda 2010 führt da ganz besonders dazu, denn nicht jeder Partner möchte für den anderen gleich aufkommen, wenn er halbegs vernünftig verdient.

    Gerade diese dann zu erwähnen ist reichlich makaber.
    Und wer prahlt denn bitte schön damit?
    Nur die, die von ihr profitiert haben.

    • jkluge
    • 12.07.2012 um 23:07 Uhr

    Die Lohnstückkosten sind im internationalen Vergleich niedrig, weil unsere Währung von den "PIGS" schwach gehalten wurde. Jetzt halten die "PIGS" sogar die Zinsen unserer Staatsverschuldung niedrig.

    DAS sind die eigentlichen, versteckten Transferzahlungen der "PIGS" an uns.

    Wer das polemische Wort "PIGS" mag, der mag vielleicht auch "F-UKi-N-G" - France, UK, Netherlands, Germany. (http://elpais.com/diario/...).

    • Psy03
    • 13.07.2012 um 14:40 Uhr

    eine Ehe in ein Kinderloses Single-dasein rückabzuwickeln.

    Die Kinder bleiben zwar, aber das Single-dasein zumindest einer Person ist wieder wie vorher. Bei den Einkommesnverhältnissen (oder der faulen Justiz) in Deutschland oft sogar ohne Alimente.

    Das ist gerade DURCH diese Europapolitik sogar sehr häufig so, da bei einem Paar oft der eine bis zum geht nicht mehr Arbeitet und der andere Arbeitslos ist.
    Das führt dann schnell mal zum Streit und der Trennung.

    Die Agenda 2010 führt da ganz besonders dazu, denn nicht jeder Partner möchte für den anderen gleich aufkommen, wenn er halbegs vernünftig verdient.

    Gerade diese dann zu erwähnen ist reichlich makaber.
    Und wer prahlt denn bitte schön damit?
    Nur die, die von ihr profitiert haben.

  1. Es ist immer wieder umwerfend mit welch fundamentalen Denkfehlern Leute unterwegs sind.
    Was für eine absurde Aussage man solle "Ländern" Respekt zollen. Länder in denen gerade brutale soziale Rückschritt durchgepeitscht wird. Der Fehler besteht darin dass es keine "Länder" als denkendes, fühlendes Subjekte gibt. Ist das intellektuell so schwer auf die Reihe zu bekommen?
    Nur MENSCHEN fassen Entschlüsse, handeln und leiden. Und was da also passiert, wenn man es mal so, nämlich korrekt betrachtet, ist dass Menschen die den sogenannten "Eliten" angehören, in Ländern wie Griechenland, Italien, Spanien, anderen Menschen in diesen Ländern, und zwar denen die unschuldig sind an der Krise, und denen es ohnehin nicht so gut geht, den Fuß auf die Gurgel setzen. Respekt! Sorry mit diesem verqusten, verdrehten Gerede kommt man nie zu rationalen, geschweige denn gerechten, Aussagen. Aber das ist ja auch im Interesse von all diesen Nebelwerfern.

    29 Leserempfehlungen
  2. Darüber nämlich wofür "Die Zeit" Geld ausgibt. (Sie erhalten doch ein Honorar für diesen Artikel?!)

    Dass, was Giesa geschrieben hat, wurde hier - und anderswo - schon gefühlte zehn Millionen Mal geschrieben. Aber gut, einfach gelesen, gelacht, (virtuell) gelocht ...

    Was mir aber überhaupt nicht gefällt, lässt sich am besten in einem englischen Sprichwort zusammenfassen: You don't sh*t where you eat."

    Diese periodische Selbstkasteiung (mit zunehmender Frequenz) gegenüber ausländischen Regierungen und Völkern geht mir mächtig auf den Senkel.

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    … wieder ein normales Land ist, in dem Politiker und Medien nicht so schreiben, als wenn es ihre Aufgabe sei, "die Deutschen" unten zu halten, demütig zu halten. Gerade wenn man sich für andere Länder interessiert, weiß man wie unnormal und peinlich dies doch ist.

    … wieder ein normales Land ist, in dem Politiker und Medien nicht so schreiben, als wenn es ihre Aufgabe sei, "die Deutschen" unten zu halten, demütig zu halten. Gerade wenn man sich für andere Länder interessiert, weiß man wie unnormal und peinlich dies doch ist.

    • gboar
    • 12.07.2012 um 18:18 Uhr

    "Der wahre Patriot ist heute nicht mehr der, der Lösungen auf einer nationalen Ebene propagiert."
    Das ist durchaus richtig, nur ist nicht jeder faule europäische Kompromiss besser als eine Lösung auf nationaler Ebene. Lösungen müssen vor allem funktional sein.
    Wichtig sind wirklich unumstössliche Regeln und das schaffen von Regelkreisen, die eben nicht einer dauernden politischen Einflussnahme unterliegen. Das ist ein Fundament, auf dem Europa blühen kann und nicht Kohl´sche/ Mitterand´sche Symbolpolitik der Herzen. Die Subsidiarität ist wichtig, nicht undurchdachter Eurozentrismus. Europa hat sehr heterogene Traditionen im Staatsverständnis, das ist gut und nicht schlecht, aber in einer Union unbedingt zu berücksichtigen. Wer die unterschiedlichen Traditionen ohne Hirn zusammenwirft, wird Europa schwer schaden, wenn nicht zerstören. Die heutigen wechselseitigen Animositäten in den Ländern sollten uns eine Warnung sein, die jugoslawischen Sezessionskriege auch.

    10 Leserempfehlungen
  3. Vor allem was die Punkte Neuverschuldung und Bankenkontrolle
    angeht.

    Ich habe nie verstanden, dass in den letzten Boomjahren die Steuereinnahmen hochgeschossen sind und wir immer noch eine Nettokreditaufnahme von >17 Mrd. (ohne Eurorettung) haben.
    Schäuble kann ja gut wirtschaften.

    Und unsere Bankenkontrolle greift nicht Gerade die Deutsche Bank treibt ein perfides Spiel. Ihre Tochter, die Taunus Corporation in Delaware, USA, mit einer Bilanzsumme >300 Mrd. ist nicht zu kontrollieren, sondern wurde durch Umstrukturierungen auch der Kontrolle der FED entzogen.

    Die anderen Aussage des Autors sind so einfach nicht zu unterschreiben. Ob die Umsetzung der Agenda ohne höhere Staatsverschuldung schmerzhafter gewesen ist nicht belegbar.

    Und wer soll beschiedener werden? Der deutsche Arbeitnehmer, dessen Realeinkommen eher gefallen ist als gestiegen oder der deutsche Rentner?

    Das alles ist erklärungsbedürftig

    14 Leserempfehlungen
    • sudek
    • 12.07.2012 um 18:23 Uhr
    7. [..]

    Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

  4. in Deutschland alle in einen Topf und kommen so zu falschen Schlußfolgerungen.

    "Die Deutschen" wollen keine höhere Staatsverschuldung, deswegen ist eine mutmaßliche Mehrheit gegen den nach oben offenen ESM und stattdessen für eine ordentliche Besteuerung der Vermögenden.
    "Die Deutschen" sind mehrheitlich gegen das milliardenteure Betreuungsgeld, das am Ende mit Schulden finanziert werden wird. Und die Pflegeversicherungsergänzung, die im Kuhhandel dafür herausgeschlagen wurde wollen sie ebenfalls nicht.
    Es wird Sie erstaunen, aber große Teile der Bevölkerung wollen auch keine Steuererleichterungen, Millionäre wollen sogar höhere Steuern zahlen.

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    Es ist die politische Klasse, die martialische Reden schwingt (wird wieder deutsch gesprochen, Kavallerie schicken...) und das Europa der Bürger in ein Europa des Schuldenmachens für die Bankenrettung pervertiert.

    k.

    44 Leserempfehlungen
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    Deutschland zwischen allen europäischen Stühlen:

    Einerseits soll D. gefälligst in Europa die Führungsrolle übernehmen, aber "fremdelt" (vor lauter Bescheidenheit in seiner neuen Rolle), tadelte der SPIEGEL noch am 03.02.2012 "Weltmacht wider Willen";
    Merkel soll nun endlich Spanien retten, verlangt der spanische Wirtschaftsredakteur PABLO RODRÍGUEZ SUANZES Ende Juni in der ZEIT.
    Dazu jede Menge Warnungen vor deutscher Dominanz nicht nur aus Frankreich Juli 2012...

    Und nun bietet die ZEIT wiederum einem uns die Leviten lesenden bislang unbekannten Schlauberger die Plattform. Diesmal von einem, der es zwar nicht in das Europa-Parlament geschafft hat, dafür mit seinen pauschalisierenden Rundumschlägen gar nicht demütig auf die anti-deutsch-pro-europäische Pauke hat.

    Ist ja gut, Herr Giesa, nun wissen wir, wie Sie denken. Aber bei wem eigentlich wollen Sie denn mit solch beleidigenden Unterstellungen einen Blumentopp gewinnen?

    Wir Deutschen sind in erster Linie immer Opfer. Polemisch gesagt, nehmen wir diese Art des kommunikativen-psychologischen Selbstbetrugs mit der Muttermilch auf. Darum wundert es auch kaum, das egal ob Links, Rechts oder aus der Mitte immer die erste Strophe des Deutschlandliedes im Subtext der meisten Kommentare mittönt - metaphorisch gesprochen. Da steckt soviel Aggression drin, die keinen Platz lässt für eine Selbstbetrachtung.
    Die Mitschuld durch Lohnduping, Schönrechnerei der Quoten aller Art, Exportüberschüsse, Kapitalfluss von 2003-2008 aus Deutschland in die GIPS, all das reden wir klein oder verdrängen es komplett. Die Schuld haben die Anderen. Die haben sich in Demut zu üben - aber doch nicht wir Deutschen. Wir sind doch vorbildlich in allem. Unbestritten ist dabei unsere weltmeisterliche Selbstbeweihräucherung als Opfer.
    Wenn wir aber schon nicht in der Lage sind selbst Fehler einzugestehen (aus unserer selbstgewählten erhabenen Position heraus sollte das doch einfach sein), wie sollen es die schaffen, die in den Augen vieler Deutscher schuldig sind?
    Man sollte anfangen die Suppe auszulöffeln, statt sich gegenseitig die Alleinschuld zuzuschieben. Das ist die 'Demut', die ich mir wünsche - von allen die im Boot Eu und Euro sitzen. Das wäre ein Bild von Europa welches alte Ressentiment des vergangenen Jahrhunderts, vorallem aus der ersten Hälfte, hinter uns lässt.
    Da dies aber mehr Vision als Realität ist, verabschiede ich mich, da ich zum Arzt muss.

    Salue

    Deutschland zwischen allen europäischen Stühlen:

    Einerseits soll D. gefälligst in Europa die Führungsrolle übernehmen, aber "fremdelt" (vor lauter Bescheidenheit in seiner neuen Rolle), tadelte der SPIEGEL noch am 03.02.2012 "Weltmacht wider Willen";
    Merkel soll nun endlich Spanien retten, verlangt der spanische Wirtschaftsredakteur PABLO RODRÍGUEZ SUANZES Ende Juni in der ZEIT.
    Dazu jede Menge Warnungen vor deutscher Dominanz nicht nur aus Frankreich Juli 2012...

    Und nun bietet die ZEIT wiederum einem uns die Leviten lesenden bislang unbekannten Schlauberger die Plattform. Diesmal von einem, der es zwar nicht in das Europa-Parlament geschafft hat, dafür mit seinen pauschalisierenden Rundumschlägen gar nicht demütig auf die anti-deutsch-pro-europäische Pauke hat.

    Ist ja gut, Herr Giesa, nun wissen wir, wie Sie denken. Aber bei wem eigentlich wollen Sie denn mit solch beleidigenden Unterstellungen einen Blumentopp gewinnen?

    Wir Deutschen sind in erster Linie immer Opfer. Polemisch gesagt, nehmen wir diese Art des kommunikativen-psychologischen Selbstbetrugs mit der Muttermilch auf. Darum wundert es auch kaum, das egal ob Links, Rechts oder aus der Mitte immer die erste Strophe des Deutschlandliedes im Subtext der meisten Kommentare mittönt - metaphorisch gesprochen. Da steckt soviel Aggression drin, die keinen Platz lässt für eine Selbstbetrachtung.
    Die Mitschuld durch Lohnduping, Schönrechnerei der Quoten aller Art, Exportüberschüsse, Kapitalfluss von 2003-2008 aus Deutschland in die GIPS, all das reden wir klein oder verdrängen es komplett. Die Schuld haben die Anderen. Die haben sich in Demut zu üben - aber doch nicht wir Deutschen. Wir sind doch vorbildlich in allem. Unbestritten ist dabei unsere weltmeisterliche Selbstbeweihräucherung als Opfer.
    Wenn wir aber schon nicht in der Lage sind selbst Fehler einzugestehen (aus unserer selbstgewählten erhabenen Position heraus sollte das doch einfach sein), wie sollen es die schaffen, die in den Augen vieler Deutscher schuldig sind?
    Man sollte anfangen die Suppe auszulöffeln, statt sich gegenseitig die Alleinschuld zuzuschieben. Das ist die 'Demut', die ich mir wünsche - von allen die im Boot Eu und Euro sitzen. Das wäre ein Bild von Europa welches alte Ressentiment des vergangenen Jahrhunderts, vorallem aus der ersten Hälfte, hinter uns lässt.
    Da dies aber mehr Vision als Realität ist, verabschiede ich mich, da ich zum Arzt muss.

    Salue

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