Die SPD hat die Union aufgefordert, noch vor der Bundestagswahl ihre Vorstellung über die Zukunft des Elterngeldes offen zu legen. "Die Familien müssen wissen, was auf sie zukommt", sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann über die neuen Koalitionsdebatten um das Elterngeld und andere familienpolitische Leistungen.

"Tatsache ist, dass große Teile der Koalition das Elterngeld schlicht nicht wollen", sagte Oppermann. Deshalb habe die Bundesregierung bereits 2011 beim Elterngeld durch Leistungskürzungen 600 Millionen Euro eingespart.

CDU /CSU-Fraktionschef Volker Kauder hatte vor dem Hintergrund weiter sinkender Geburtenzahlen eine Überprüfung des Elterngeldes nach der Bundestagswahl angekündigt . FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte der Welt , nicht nur die Wirksamkeit des Elterngeldes müsse überprüft werden, sondern auch die des umstrittenen Betreuungsgeldes.

Die Grünen warfen Kauder und anderen Unionspolitikern vor, die Leistung zu sehr an den Geburtenzahlen festzumachen. "Einerseits wehrt sich die Union gegen den Begriff Herdprämie für ihr Betreuungsgeld , andererseits stuft Kauder das Elterngeld nun zur reinen Gebärprämie herab", sagte der Parlaments-Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck der Neuen Osnabrücker Zeitung .

Mehr Anreize für junge Generation

Der Direktor des Deutschen Jugendinstituts (DJI), Thomas Rauschenbach , warnte dagegen vor möglichen Einschnitten beim Elterngeld. "Kein Mensch weiß doch, ob die Geburtenrate womöglich noch weiter abgesunken wäre, wenn es das Elterngeld nicht gegeben hätte", sagte Rauschenbach der Saarbrücker Zeitung .

Statt das Elterngeld auf den Prüfstand zu stellen, plädierte Rauschenbach dafür, das Ehegattensplitting bei der Steuerklasse kritisch zu hinterfragen. Es sei "kein Anreizsystem für die junge Generation von heute, eine Familie zu gründen". Die allermeisten Frauen seien gut ausgebildet und wollten arbeiten : "Also muss es ein Anreizsysteme geben, um Beruf und Familie besser zu vereinbaren." Von den Steuererleichterungen beim Ehegattensplitting profitieren auch kinderlose Paare .

Union und FDP hatten 2009 in ihrem Koalitionsvertrag beim Elterngeld neben einer Stärkung der Vätermonate auch die Einführung eines Teilelterngeldes von bis zu 24 Monaten zugesagt. Zugleich sollte eine "umfassende wissenschaftliche Evaluation der familienpolitischen Leistungen" erfolgen.

Nach einer Übersicht des Bundesfamilienministeriums gab der Staat für alle 160 ehe- und familienbezogenen Maßnahmen im Jahr 2009 insgesamt 195 Milliarden Euro aus. In dieser Summe sind auch die Steuer-Einnahmeverluste durch das Ehegattensplitting enthalten, Kindergeld und Kinderfreibeträge, ebenso die Kosten für die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern in der gesetzlichen Krankenkasse und die Witwen-Renten. Die Ausgaben für das Elterngeld belaufen sich auf 4,5 Milliarden Euro im Jahr.