Griechenland muss nach Ansicht von Bayerns Finanzminister Markus Söder die Euro-Zone verlassen. Zu einem Austritt gebe es keine Alternative. "Griechenland kann und wird es wohl auch nicht schaffen wollen, die entsprechenden Reformauflagen zu machen", sagte er.

Ein Austritt sei "absolut zu verkraften", sagte Söder. "Wenn wir jetzt nicht an Griechenland ein klares Exempel statuieren , also zu sagen, wer nicht die Reformen erfüllt, der muss dann auch raus aus der Euro-Zone, dann ist die ganze Euro-Zone nichts anderes mehr als eine große Umverteilungsgemeinschaft", sagte der Finanzminister.

Wenn die Troika aus IWF , EZB und EU-Kommission ihre Prüfungen in Athen mit einem Negativurteil abschließe, müsse hart entschieden werden, sagte Söder. "An einem solchen Punkt darf es keine Lockerung der Bedingungen geben, keine neuen Verhandlungen und erst recht kein neues Geld", forderte er. Das sei "für Europa besser, für die EU , die Euro-Zone, aber auch für Griechenland".

Bei einer Wahl zwischen einer Insolvenz und einem geordneten Ausstieg aus der Euro-Zone halte er Letzteres für besser, sagte der Minister. Griechenland brauche einen komplett neuen Staatsaufbau. Dem Land immer weiter Geld zu geben und seine Schulden zu übernehmen, würde etwa das deutsche Risiko nur vervielfachen. "Deshalb glaube ich auch, dass die Lösung nicht darin liegt, Griechenland mehr Geld zu geben, sondern dass Griechenland aus der Euro-Zone austritt."

Am Sonntag hatte bereits Wirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) negativ über Griechenland geurteilt . Er sei "mehr als skeptisch", es sei "wahrscheinlich", dass Griechenland die Auflagen nicht erfüllen könne. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone habe "längst seinen Schrecken verloren", sagte Rösler. Der griechische Regierungschef Antonis Samaras bezeichnete daraufhin derartige Äußerungen als unverantwortlich und warnte, sie untergrüben die Reformbemühungen seines Landes. Auch die deutsche Opposition übte scharfe Kritik an Rösler.

Barroso in Athen

Inmitten der Diskussion über einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone reist heute EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nach Athen. Barroso will bei seinem ersten Besuch in Griechenland seit mehr als drei Jahren mit Ministerpräsident Antonis Samaras über die Lage in der EU und in Griechenland sprechen.

Der griechische Finanzminister Giannis Stournaras trifft ebenfalls in Athen mit Vertretern der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU zusammen. Die Gruppe hatte am Dienstag eine neue Prüfung der Sparanstrengungen Griechenlands begonnen, die Bedingung für internationale Finanzhilfen ist. Ihr Bericht wird für Ende August oder Anfang September erwartet.