Gerichtsurteil : Auch SPD will Beschneidung legalisieren

Die SPD fordert Straffreiheit für religionsbedingte Beschneidungen, da sonst die Religionsfreiheit verletzt würde. Die Bundesregierung verspricht schnelles Handeln.

Nach dem Kölner Beschneidungsurteil ist die SPD bereit, die Rechtmäßigkeit religionsbedingter Beschneidungen gesetzlich festzuschreiben. Solche Beschneidungen dürften "in Deutschland nicht strafbar sein", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel . Sollte nach dem Urteil "eine größere Rechtsunsicherheit bei den Ärzten eintreten, muss im Sinne des Rechtsfriedens über eine gesetzliche Regelung zur Rechtfertigung der religionsbedingten Beschneidung bei Jungen bis zu einem bestimmten Alter neu nachgedacht werden". "Die SPD wäre in diesem Fall zu einer gesetzlichen Klarstellung bereit", sagte der SPD-Chef.

Das Kölner Landgericht hatte im Mai festgestellt, dass auch eine fachgerecht vorgenommene Beschneidung eines Jungen den Tatbestand der Körperverletzung erfülle. Daran ändere auch die Einwilligung der Eltern nichts. Vielmehr werde der Körper des Kindes durch die im Islam und im Judentum verbreitete Beschneidung "dauerhaft und irreparabel verändert".

Bundesregierung will schnell Rechtssicherheit schaffen

In dem konkreten Fall wurde der Arzt nicht verurteilt, da er sich nach Auffassung des Gerichts in einem sogenannten Verbotsirrtum befand. Dies bedeutet, dass ein Angeklagter ohne Schuld handelt, wenn ihm bei Tatbegehung die Einsicht fehlt, Unrecht zu tun. Das Kölner Urteil ist für andere Gerichte nicht bindend.

"Diese erste Entscheidung in Deutschland, die eine Körperverletzung bei religiös bedingten Beschneidungen von Jungen bejaht, verkennt die Bedeutung des Grundrechts auf Religionsfreiheit", kritisierte Gabriel. Das Kölner Gericht habe es versäumt, "sich mit der religiösen Bedeutung der Beschneidung hinreichend auseinanderzusetzen". Es habe auch "nicht berücksichtigt, dass von den circa 30 Prozent weltweit beschnittenen Männern – soweit bekannt – noch nie jemand im Erwachsenenalter gegen die an ihm vorgenommene Beschneidung vorgegangen sei".

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Kommentare

513 Kommentare Seite 1 von 53
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Rückschritt

Jeder soll denken und glauben, was er oder sie will.

Aber Delikte gegen die körperliche Unversehrtheit, mit gutem Grund eines unserer Grundrechte, von Strafe freizustellen, indem man archaische Traditionen über dieses Grundrecht erhebt, ist m.E. ein rechtsstaatlicher Rückschritt.

Zudem: die Betroffenen sind nicht einmal mündig, so dass sie selbst entscheiden könnten.

Wenigstens sollte man die entsprechenden Gruppen dazu bringen, es im Ausland machen zu lassen, dann steigt wenigstens der Aufwand und vielleicht ein paar Kinder ersparen sich das.

Oder man macht es wie bei der Konfirmation mit 14 oder 16: wer es dann immer noch toll findet, dass man an seinem genital rumschnippelt, kann das dann ja gerne auf freiwilliger Basis machen.

Konversion..?

Wenn nun ein Mann vom moslemischen oder jüdischen Glauben hin zum christlichen oder buddhistischen Glauben konvertieren möchte, wer gibt ihm dann seine Vorhaut zurück?!

Kompromiss- Vorschlag:
Ich plädiere dafür, dass Eltern die ihre Jungen zwangsweise beschneiden lassen, bei (späteren) Widerspruch der Kinder, diesen Kindern 50.000 € Schmerzensgeld zahlen müssen.
Dann wird sich zeigen, wie gottesfürchtig so mancher Gläubige ist?
Die einzelnen Gemeinden können ja einen entspr. Fond anlegen... ;-)

zum Schluss:
...auch das *Kupieren* von Hunden ist in Deutschland verboten!

Dann bitte auch religiöse Beschneidungen

bei Mädchen! Wo ist die Grenze. Plötzlich entdecken die SPD und Grünen die religiösen Werte, die über allem stehen. Haben nicht dieselben Leute gegen die Mädchenbeschneidung gekämpft?
Ich bin entsetzt, wie sich die Politiker über das Grundgesetz stellen. Es ist strafbar, Kindern eine Ohrfeige zu geben, aber verstümmeln nur aus religiösen Gründen, dass soll erlaubt sein?Ich fasse es nicht.

Religiöse Beschneidung von Mädchen

@ uranika: Die Beschneidung von Mädchen dienst zur Unterdrückung ihrer sexuellen Lust und zur Befriedigung des Mannes, da enger anscheinend besser. Zudem wird auch mit Reinlichkeit argumentiert, was aber natürlich unwahr und gefährlich ist. "Die „Beschneidung“ der Frau, mit der verharmlosend eine völlige oder teilweise Entfernung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane bezeichnet wird, ist in keiner Weise mit der des Mannes zu vergleichen und bedeutet eine tiefgreifende Verletzung der Gesundheit und der Würde der Frau." ...
Islam-Lexikon A-J: Unverzichtbares Ritual - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/wisse...

Also, bevor zur "Gleichheit und Gleichmachung" gerufen wird, bitte überlegen.

ICH fasse es nicht

dass Sie hier mir nichts dir nichts mal eben die Mädchenbeschneidung fordern.

Wo ist die Grenze, fragen Sie. Na, irgendwo eben, das muss politisch entschieden werden und nicht ideologisch. Haareschneiden wird okay sein, denke ich, und irgendwo auf der Skala Jungenbeschneidung, Ohrlochstechen, Nabelpiercing, Tätowierung, Mädchenbeschneidung, Lobotomie, Menschenopfer wird die Grenze wohl liegen müssen.

Wenn man x darf muss man auch y dürfen, ist ein miserables argument, und wenn man sich nur zu Argumentationszwecken dazu versteigt, die Mädchenbeschneidung zu fordern, dann sollte man ganz schnell wieder vom Baum runterkommen.

Wie Sie schon sagten: Bitte überlegen!

Auch bei der Beschneidung von Jungen und Männern steht u.a. das Motiv dahinter, die Stimulation des Penis und das Empfinden von Lust zu vermindern, Selbstbefriedigung zu erschweren.

Eine klare Grenzziehung zu weiblichen Beschneidungen ist überhaupt nicht möglich, zumal es auch bei diesen extreme und weniger extreme Varianten gibt. Da bin ich dann schon mal gespannt, ob sich nicht daran interessierte Eltern auf einmal auf Gleichberechtigung berufen und was unsere ach so aufklärerischen linken Parteien dann dazu meinen.

Unfug!

Die Beschneidung von Jungen hat mit der üblichen Beschneidung der Mädchen ablsout nichts zu tun. Oder wollen Sie die Vorhaut mit der Klitoris gleichsetzen? Dann empfehle ich Ihnen etwas Anatomieunterricht. Wenn schon Gleichbehandlung, dann kann das doch wohl nur bedeuten, dass man niemendem gegen seinen erklärten Willen etwas von seinem Körper abschneidet - schon gar nicht aus religiösen Gründen.
Allerdings fordere ich in diesem Zusammenhang auch den Verbot der Taufe, denn damit wird einem Menschen via Indoktrination ebenfalls gegen seinen Willen Gewalt angetan. Oder kann sich ein Kleinkind dafür entscheiden katholisch, evangelisch oder sonstwas zu werden? Also auch an die SPD: Es muss auch gegenüber Kindern gelten, dass keinem Menschen Gewalt angetan werden darf. Oder sind Kinder keine Menschen?

medizinisch und historisch betrachtet ...

Dürfte eine Klitorisvorhautentfernung bzw. Klitorisvorhautreduktion bei Mädchen ein ähnlicher operativer Eingriff sein, wie die Vorhautentfernung bei Jungen.

Üblicherweise wird bei der Beschneidung von Mädchen aber deutlich mehr entfernt.

Und dann gibt es auch noch die Subinzision.

Das Herumschneiden an den Genitalien hat eine lange Tradition in vielen Kulturen.

#3 Weibliche Beschneidung

Es geht um das ungefragte Herumschnippeln an Geschlechtsteilen! Die Beweggründe sind vollkommen zweitranging aus Sicht des Opfers! Wer männliche Beschneidung legalisiert, muss auch die weibliche Beschneidung legalisieren!

Es ist ja wohl eine Frechheit, das Recht auf Unversehrtheit mit so männerverachtendem zweierlei Maß zu messen! Meine Stimme haben diese Parteien allesamt verloren.

Liesian

Sie haben meinen Beitrag völlig missverstanden. Ich plädiere nicht für Gleichheit, sondern wollte die Absurdität einer religiösen Forderung nach Genitalverstümmelung ausdrücken. Wenn das bei Jungen erlaubt wird, dann könnten auch die Mädchenbeschneider ihre " Rechte" nach Religionsfreiheit wieder einfordern. Deshalb, konsequente Grenzziehung. Genitalverstümmelung hat nichts aber auch gar nichts mit Religionsfreiheit zu tun.

drago starcevic

Zum zweiten mal, lesen Sie meinen Beitrag nocheinmal, das war eine rethorische " Forderung" als Kritik an an der Beschneidung!!!! Damit weollte ich die Grenzenlosigkeit einer religiösen Forderung darstellen. Mein Beitrag hat über 40 Empfehlungemn, die fodern doch nicht die Beschneidung von Mädchen!!Und ich fordere sie auch nicht.
Zu letzen mal, falls noch jemand meinen Beitrag uminterpretieren will.

#200 "einfältiges Argument"

Es ist alles andere als ein einfältiges Argument! Noch mal ganz langsam zum Mitlesen:

Wir haben in Deutschland ein Grundgesetz.
Vor diesem sind ALLE Menschen gleich.
ALLE Menschen haben ein Recht auf Unversehrtheit, Selbstbestimmung und religiöse Freiheit.
Es ist deswegen alles andere als einfältig, wenn unsere Gesellschaft die Beschneidung an Mädchen verbietet und an Jungen erlaubt! Mit genau diesen oben angeführten Gesetzen ist es untersagt, Mädchen zu beschneiden! Und kommen Sie mir jetzt bloß nicht damit, dass die Beschneidung an Mädchen schlimmer ist! Auch wenn sie das ist, rechtfertigt sie nicht einen weniger dramatischen Eingriff am männlichen Genital!

Wenn hier wirklich einer "Gottes" Ärger fürchtet, weil Menschen ihre Beschneidung selbstbestimmt vornehmen lassen wollen, dann tut er mir leid ob des Gottes, dem er huldigt, denn wenn sein "Gott" so etwas nicht versteht, dann ist er es nicht wert, gehuldigt zu werden! Und dann ist er es erst recht nicht wert, mit seinen Regularien in unserem "säkularen" Staat moralischen Einfluß nehmen zu wollen.

Solides Argument

Beschneidung von Jungen und Mädchen ist zweierlei. Das wissen Sie ja, da dies sicherlich ironisch gemeint war.

Jedoch ist dieses Argument, dass eine Ohrfeige srafbar ist und religiöse Beschneidung nicht strafbar sein soll interessant.
Das soll mir mal ein Politiker erklären. Hat nicht jüngst unser BP Gauck mehr Erklärung von der Politik verlangt??
Nun gut dann können Eltern zukünftig ihren Jungen sagen:
"Wenn du nicht spurst, werden wir Moslems und du wirst beschnitten!!"

Schließlich intressiert es mich brennend mit was alles Druck auf unsere Politiker ausgeübt wurde, dass diese so schnell reihenweise umfallen??

Alles klar!

"Diese erste Entscheidung in Deutschland, die eine Körperverletzung bei religiös bedingten Beschneidungen von Jungen bejaht, verkennt die Bedeutung des Grundrechts auf Religionsfreiheit"

Lässt sich mit dem Argument nicht so ziemlich alles rechtfertigen?
Gibt es nicht ein Grundrecht auf körperliche Unversertheit?

Grundrecht nicht Grundpflicht

Lässt sich mit dem Argument nicht so ziemlich alles rechtfertigen?
Gibt es nicht ein Grundrecht auf körperliche Unversertheit?

Ein Grundrecht ist keine Grundpflicht, auch nicht bei unmündigen Kindern. Wenn es in meinem Interesse ist kann ich selbstverständlich auf die Nutzung von Grundrechte verzichten, sonst könnte ich keine medizische Behandlung bekommen oder mir die Haare schneiden müssen. Ebenso wie Eltern für medizischen Eingriffe für das Kind in einen Eingriff in die körperliche Unversertheit einwilligen können, können sie dies auch, wenn es aus anderen Gründen im Interesse des Kindes liegt. Bspw. wenn sie ihrem Kind die Haare schneiden. In der Religion der Eltern erzogen zu werden ist im Interesse des Kindes und ein Recht des Kindes und der Eltern. Wie bei den meisten Erziehungsentscheidungen muss dem nicht jeder zustimmen, es braucht sehr stichhaltige Gründe um festzustellen, dass die Eltern nicht im Sinne des Kindes handeln.

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