Ein Bundespolizei-Präsident, der aus den Medien von seiner Entlassung erfährt. Ein Bundesinnenminister, der seine Entscheidung nicht begründet, offenbar nicht einmal im persönlichen Gespräch mit dem Geschassten, geschweige denn öffentlich. Und ein Sprecher des Ministeriums, der den Journalisten lediglich ausrichtet, welche Spekulationen zu den Ursachen für den Rauswurf falsch sind. (Demnach waren die Kontakte des Polizeichefs ins autoritäre Weißrussland ebenso wenig ausschlaggebend wie dessen Widerstand gegen eine Polizeifusion.)

Was ist nur los mit den deutschen Sicherheitsbehörden? Was ist los mit deren Dienstherr Hans-Peter Friedrich ( CSU )? Abermals gibt es Undurchsichtigkeiten und schlechte Kommunikation im Bereich von Deutschlands Innerer Sicherheit. Vielleicht sind die Gründe für den Rauswurf des Chefs der Bundespolizei ja ganz harmlos. Doch warum darf die Öffentlichkeit sie dann nicht erfahren?

An der Spitze von Behörden ist eine Abberufung von einem Führungsposten ohne Angaben von Gründen "guter Brauch" und "gutes Dienstrecht", sagt der Sprecher des Ministers. Er hat recht, so wird es oft gehandhabt. Schlau ist diese Politik der Nicht-Kommunikation trotzdem nicht. Schon gar nicht in der für die Sicherheitsbehörden äußerst aufgeladenen Situation nach Aufdeckung des Terrornetzwerkes Nationalsozialistischer Untergrund (NSU).

Friedrich gibt die Deutungshoheit aus der Hand

Durch sein Schweigen gibt Friedrich die Deutungshoheit aus der Hand. Am Montag meldet sich stattdessen der Geschasste selbst in Deutschlands größter Boulevard-Zeitung zu Wort und schimpft über einen "einmalig würdelosen Vorgang". In den Zeitungskommentaren steht der Innenminister nun wahlweise als Hardliner oder als völlig inkompetenter Politiker da. Und natürlich spart auch die stets kritische Gewerkschaft der Polizei nicht mit Kritik.

Vielleicht wäre eine solche Personalentscheidung unter normalen Bedingungen im Sommerloch verpufft. Die Aufregung hätte sich bald wieder gelegt. Doch seit der NSU-Affäre stehen die Sicherheitsbehörden im besonderen Fokus der Öffentlichkeit. Zu viel ist dort in den vergangenen Jahren verschnarcht und vertuscht worden. Jetzt wäre endlich Transparenz gefragt.

Bald wird der Entlassungsgrund sowieso bekannt

Doch das Gegenteil ist der Fall: Friedrichs Haus schweigt. Die Journalisten recherchieren und bald könnte der wahre Entlassungsgrund bekannt sein: Dass die Personalentscheidung gegen den Willen des Ministers schon am Wochenende an die Öffentlichkeit gelangte, zeigt, dass Friedrichs Leute nicht jeden der zahlreichen Mitwisser im Griff haben. Das alles kann doch nicht im Interesse der Bundesregierung sein.