Sigmar Gabriel: Ein Oppositionschef macht Baby-Pause
Der SPD-Vorsitzende Gabriel macht drei Monate Pause, um sich um seine Tochter zu kümmern. Europa- und K-Debatte laufen weiter. Kann das gutgehen?
© Fabrizio Bensch/Reuters

SPD-Chef Sigmar Gabriel
Jetzt ist also Andrea Nahles die Hausherrin im Willy-Brandt-Haus. Der Chef ist weg, drei Monate lang. Sigmar Gabriel macht Elternzeit. Und das macht sich gleich bemerkbar: Zur montäglichen Pressekonferenz, zu der diesmal Nahles geladen hat, sind gerade mal fünf Journalisten gekommen. Vor einer Woche, als Gabriel noch da war, war der Andrang bestimmt dreimal so groß.
Die Journalisten wissen: Bei Gabriel fallen immer ein paar knackige Zitate. So auch am vergangenen Montag. Schwarz-Gelb hielt er vor, "krachend gescheitert" zu sein. Angela Merkel verglich er mit der neoliberalen britischen Ex-Premierministerin Maggie Thatcher. Gabriel mag Superlative und historische Dimensionen, wenn es um große Themen geht. Und um die geht es bei ihm eigentlich immer. An diesem Montag: um den Euro, die Zukunft des Kontinents und zwischendurch um die Neuordnung des deutschen Rentenwesens.
Dass Gabriel sich nun wirklich freiwillig drei Monate lang aus der Politik zurückziehen will, mag man kaum glauben. Aber er meint es ernst: Der SPD-Vorsitzende ist im April zum zweiten Mal Vater geworden. Von Juli bis September macht er Baby-Pause. Ein volles Quartal lang will er seine Tochter wickeln und füttern, um so seiner Lebensgefährtin den Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen.
Kontrollzwang und ruppiger Umgangston
Kann das gutgehen? Zwar ist jetzt erst einmal parlamentarische Sommerpause. Aber die politische Debatte geht ja weiter. Die Euro-Krise ist mitnichten beendet. Und auch innerhalb der SPD sind mehrere Fragen ungeklärt, programmatische wie strategische. Weder hat man sich bisher auf das Wahlkampfprogramm für 2013 verständigt, geschweige denn auf einen Kanzlerkandidaten.
Diejenigen, die Gabriel gut kennen, sind jedenfalls skeptisch, dass er sich wirklich aus dem Tagesgeschäft zurückhält. Auch während seiner Urlaube pflege er den "permanenten Dialog", berichtet eine enge Mitarbeiterin. Gerade wenn er ein bisschen Zeit hat, kommt er zum Denken und zum Schreiben. Dann simst er aus seinem Heimatort Goslar pausenlos Arbeitsaufträge in die Parteizentrale. Genauso regelmäßig kritisiert er aus dem Off, wenn ihm irgendwas nicht passt. "Umtriebig" sei der Chef eben, heißt es bei Genossen, die ihm wohlgesonnenen sind. Andere leiden unter Gabriels Kontrollzwang und seinem ruppigen Umgangston.
Kein Dogmatiker
Gleichzeitig profitiert die SPD aber auch von Gabriels Mitteilungsdrang. Am Mittwoch beispielsweise besucht er eine Buchpräsentation des SPD-Verteidigungsexperten Hans-Peter Bartels. In dessen Buch geht es um die Bundeswehr und den Krieg als solchen. Das ist nicht unbedingt Gabriels Spezialgebiet. Dennoch holt er, eigentlich nur um ein Gastwort gebeten, zu einer großen außenpolitischen Rede aus. Er beginnt mit einem Churchill-Zitat. Später zitiert er Barack Obama, Joachim Gauck und John F. Kennedy. Nebenbei skizziert er seine Vorstellung von einer künftigen europäischen Armee, er kommentiert die Vorgänge in Syrien und träumt von einer "zweiten Gründung Europas". Das alles in 15 Minuten.
Gabriel sagt, er habe Bartels Buch "gern gelesen". Und tatsächlich: Man nimmt es ihm ab, dass er gerade nicht nur eine Zusammenfassung seiner Referenten referiert, wie das viele Spitzenpolitiker tun würden. Vermutlich hat er das Buch zumindest quergelesen, irgendwann zwischen zwei Fiskalpakt-Verhandlungen. Gabriel, der aus ebenso einfachen wie zerrütteten Familienverhältnissen stammt, brenne seit seiner Jugend darauf, sich weiterzubilden, sagt einer, der ihn lange kennt. Öffentlich werde ihm Sprunghaftigkeit nachgesagt, sagt der Vertraute. Tatsächlich aber sei er nur eben kein Dogmatiker, sondern ein wissbegieriger und autodidaktisch veranlagter Freigeist.





Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mk
.....mal einen Film indem Schwarzenegger schwanger war, gesehen. War nun Gabriel schwanger und keiner hat es gewusst?
Wenn er sich wohlfühlt in seiner Haut und außerdem noch gerne vatert.
Ich wünsche ihm jedenfalls viel Spaß mit dem Nachwuchs.
.....mal einen Film indem Schwarzenegger schwanger war, gesehen. War nun Gabriel schwanger und keiner hat es gewusst?
Wenn er sich wohlfühlt in seiner Haut und außerdem noch gerne vatert.
Ich wünsche ihm jedenfalls viel Spaß mit dem Nachwuchs.
Herr Gabriel
So viel politische Cleverness hätte ich Ihnen ja gar nicht zugetraut.
Erst der Selbstentleibung des Bundestages (ESM) zustimmen, um sich [...] Merkel [...]für die große Koalition 2013 als treuer Vasall zu empfehlen.
Und dann, während die Folgen dieses Wahnsinns sichtbar werden, das Volk aufwachen wird und die Kosten auf den Tisch kommen, eine Babypause einlegen.
Es gibt wohl kaum eine gesellschaftlich akzeptablere Möglichkeit sich selbst aus der politischen Schusslinie zu bringen.
Chapeau...
graphicdog
Gekürzt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag
Kritik an der Moderation können Sie an community@zeit.de senden. Die Redaktion/ag
"um sich [...] Merkel [...]für die große Koalition 2013 als treuer Vasall zu empfehlen."
**************************
Glauben Sie wirklich, dass der Michel so dumm ist, die Orwellschen Parteien SPD und CDU wieder nach vorne zu wählen? Und dann gleich beide? Das wäre wohl das worst-case-szenario.
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag
Kritik an der Moderation können Sie an community@zeit.de senden. Die Redaktion/ag
"um sich [...] Merkel [...]für die große Koalition 2013 als treuer Vasall zu empfehlen."
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Glauben Sie wirklich, dass der Michel so dumm ist, die Orwellschen Parteien SPD und CDU wieder nach vorne zu wählen? Und dann gleich beide? Das wäre wohl das worst-case-szenario.
"Nahles findet das etwas schade. Ist doch "exotisch", wenn ein Mann in dieser Position eine Zeitlang aussteigt, oder?"
Nahles ist der Exot. Gabriel tut das, was viele von Männern "erwarten" im Zuge der Gleichbehandlung von Männern und Frauen, damit nicht "nur die Frauen sich um die Kinder kümmern". Und offenbar geht das auch in höheren Positionen, da gibt er doch ein gutes Beispiel ab.
Das als exotisch zu bezeichnen zeigt, wie Frau Nahles wirklich tickt.
Außerdem ist es tatsächlich Privatsache. Von Nahles möchte ich auch keine Kindergeschichten hören.
Von Männern in leitenden Positionen wird keinesfalls erwartet, dass sie Elternzeit nehmen, ganz im Gegenteil - insofern beschriebt Nahles' Kommentar nur die Realität.
Der Artikel selbst in von einer unterwürfigen Sehnsucht nach Populismus geprägt, den ich bedenklich finde. Wir sind doch alle erwachsen, und Entertainment kriegen wir anderswo, können wir in der Politik nicht wenigstens auf dogmatischen Klamauk verzichten? Erstnhaftigkeit angesichts der zu bewältigenden Probleme ist das Mindeste, was ich von unseren Politikern erwarte, und Gabriels weltpolitischer Eklektizismus mag unterhaltsam sein, zielführend ist er nicht.
Was die drei Monate Abwesenheit angeht, Brandt war wegen seiner Depression oft wochenlang kaum ansprechbar. Ein weniger schöner Grund für verminderte Regierungsfähigkeit, aber wir haben es auch überlebt ... Eine Gesellschaft, die Kinder will, muss in Kauf nehmen, dass Eltern diese aufziehen müssen. Und selbstverständlich schließt das beide Elternteile ein.
Frau Nahles sagt ja nicht, dass sie selbst die Entscheidung Gabriels exotisch findet, sondern dass es ungewöhnlich ist, dass männliche Spitzenkandidaten eine Babypause einlegen.
Der Artikel sagt aber sehr viel darüber aus, wie die öffentliche Meinung bzw. die Meinungsmacher "ticken": Knackige Zitate und coole Sprüche ziehen bekanntermaßen besser als dröger Inhalt, für den den sich nur eine Handvoll Journalisten interessieren, wenn sie uns vermutlich keine tolle Schlagzeile verkaufen können oder gar selbst eine ausdenken müssen. Schwaches Bild.
Als Politiker wird er nicht vermisst werden, denn die SPD hat sich ja schon der CDU als Koalitionspartner angedient (O-TOn Gabriel: Wir machen keine Wahlkampf gegen die Kanztlerin.)
Dann sollten sie überhaupt keinen Wahlkampf machen und das Geld für gute Zwecke, Einrichtungen von Kitas, spenden.
Von Männern in leitenden Positionen wird keinesfalls erwartet, dass sie Elternzeit nehmen, ganz im Gegenteil - insofern beschriebt Nahles' Kommentar nur die Realität.
Der Artikel selbst in von einer unterwürfigen Sehnsucht nach Populismus geprägt, den ich bedenklich finde. Wir sind doch alle erwachsen, und Entertainment kriegen wir anderswo, können wir in der Politik nicht wenigstens auf dogmatischen Klamauk verzichten? Erstnhaftigkeit angesichts der zu bewältigenden Probleme ist das Mindeste, was ich von unseren Politikern erwarte, und Gabriels weltpolitischer Eklektizismus mag unterhaltsam sein, zielführend ist er nicht.
Was die drei Monate Abwesenheit angeht, Brandt war wegen seiner Depression oft wochenlang kaum ansprechbar. Ein weniger schöner Grund für verminderte Regierungsfähigkeit, aber wir haben es auch überlebt ... Eine Gesellschaft, die Kinder will, muss in Kauf nehmen, dass Eltern diese aufziehen müssen. Und selbstverständlich schließt das beide Elternteile ein.
Frau Nahles sagt ja nicht, dass sie selbst die Entscheidung Gabriels exotisch findet, sondern dass es ungewöhnlich ist, dass männliche Spitzenkandidaten eine Babypause einlegen.
Der Artikel sagt aber sehr viel darüber aus, wie die öffentliche Meinung bzw. die Meinungsmacher "ticken": Knackige Zitate und coole Sprüche ziehen bekanntermaßen besser als dröger Inhalt, für den den sich nur eine Handvoll Journalisten interessieren, wenn sie uns vermutlich keine tolle Schlagzeile verkaufen können oder gar selbst eine ausdenken müssen. Schwaches Bild.
Als Politiker wird er nicht vermisst werden, denn die SPD hat sich ja schon der CDU als Koalitionspartner angedient (O-TOn Gabriel: Wir machen keine Wahlkampf gegen die Kanztlerin.)
Dann sollten sie überhaupt keinen Wahlkampf machen und das Geld für gute Zwecke, Einrichtungen von Kitas, spenden.
...ist ja nun wirklich nicht so schwer.
Trotzdem Respekt, jede Menge Politiker haben nicht mal das gemacht....
eine Auszeit.
Wo ist da bei Ihm der Unterschied?
eine Auszeit.
Wo ist da bei Ihm der Unterschied?
Hat das allseits bekannte Sommerloch in der ZO-Redaktion "zuschlagen" oder warum gibts in den letzten Tagen soviel Nebensächlichkeiten?
Lasst den Gabriel doch Elternzeit machen, ist doch schön für ihn und seine Familie. Vielleicht sollten wir mal drüber nachdenken alle Abgeordneten ein paar Monate in Elternzeit zu schicken. Dann können sie wenigstens nichts kaputtmachen...
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen und konstruktiven Kommentaren. Danke. Die Redaktion/ag
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen und konstruktiven Kommentaren. Danke. Die Redaktion/ag
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag
Entfernt. Bitte diskutieren Sie zum Artikelthema. Anmerkungen zur Moderation senden Sie bitte an community@zeit.de Danke, die Redaktion/mk
Entfernt. Bitte diskutieren Sie zum Artikelthema. Anmerkungen zur Moderation senden Sie bitte an community@zeit.de Danke, die Redaktion/mk
..bei Spitzenoppositionspolitikern und der aktuellen Welt-Lage möglich ist, ja dann kann es mit Krise hier und anderswo (und dem Klima auch) doch nicht sooo schlimm sein wie überall uns "Laien" angedacht wird.
Ich mache jetzt gleich Mittagspause - Mahlzeit Sigmar !
.....doch die SPD und Gabriel koennen nichts dagegen tun. Es sind Andere mit dem Auftrag, die grossen Probleme der Welt zu loesen, betraut worden. Die SPD gilt doch als nicht existent.
.....doch die SPD und Gabriel koennen nichts dagegen tun. Es sind Andere mit dem Auftrag, die grossen Probleme der Welt zu loesen, betraut worden. Die SPD gilt doch als nicht existent.
wird hintersinnig gefragt.
Warum wird ein Artikel ohne Nachrichtenwert veröffentlicht, während dieser Wunsch nicht berücksichtig wird, die Privatsphäre wenig Beachtung findet:
““ Gabriel hingegen will seine Baby-Pause nicht groß thematisieren. "Privatsache", sagt er bei entsprechenden Medienanfragen. ““
Warum soll es nicht gut gehen ? Es ist die Entscheidung von Herrn Gabriel, zudem herrscht Sommerpause, der Bundestag macht Ferien.
““ Vermutlich hat er das Buch zumindest quergelesen, irgendwann zwischen zwei Fiskalpakt-Verhandlungen. ““
– was soll mit solchen Worten ausgesagt werden ?
Auf 2 Seiten stehen Annahmen und keine Argumente: mit viel Worten wird offensichtlich nichts gesagt ?
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