Spitzenkandidaten-StreitGrüne Frauen schimpfen über männliche Parteifreunde

Jetzt ist bei den Grünen auch noch ein Geschlechterstreit entfacht. Politikerinnen beklagen sich über grüne Männer, die Personalvorschläge "auf Kosten von Frauen machen". von 

Die Grünen schaffen es nicht, ihren Spitzenkandidaten-Streit zu beenden. Inzwischen duellieren sich nicht nur die Parteiflügel, sondern es ist auch so etwas wie ein Geschlechterstreit entbrannt: "Wir Frauen werden nicht akzeptieren, dass offenbar einige wenige Männer in unserer Partei glauben, Personalvorschläge auf Kosten von Frauen machen zu können", heißt es in einem Brief von führenden grünen Politikerinnen an den Bundesvorstand der Partei, der am Donnerstag bekannt wurde.

Der Brief ist unter anderem von Bundestagsfraktionsvize Kerstin Andreae, der Haushaltspolitikerin Priska Hinz und der Arbeitsmarkt-Expertin Brigitte Pothmer unterzeichnet. Er beginnt locker mit einem süffisanten "Dear boys" und kommt gleich zum Punkt: "Der bisherige Verlauf der Debatte über die Nominierung unserer SpitzenkandidatInnen für die Bundestagswahl im nächsten Jahr schadet dem Ansehen unserer Partei."

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Eine Urwahl könnte die Partei spalten

Hintergrund ist der Vorstoß des umtriebigen grünen Oberbürgermeisters von Tübingen , Boris Palmer . Der Realo-Politiker will ein als wahrscheinlich geltendes Spitzenkandidaten-Team aus den beiden Parteilinken Claudia Roth und Jürgen Trittin in jedem Fall verhindern. Ein solches würde aus Sicht von Palmers Parteiflügel die bisher ausgewogene Machtbalance zwischen Realos und Parteilinken aushebeln.

Aus diesem Grund hatte der Tübinger die stellvertretende Bundestagspräsidentin und Realo-Frau Katrin Göring-Eckardt per Zeitungsinterview als Spitzenkandidatin vorgeschlagen . Auch der bayerische Landesvorsitzende Dieter Janecek forderte Göring-Eckardt auf, endlich ihren Hut in den Ring zu werfen. All dies war nicht abgesprochen und sorgte auch bei Realos für Kopfschütteln. Denn man fürchtet, dass die Vizepräsidentin des Bundestages so als Kandidatin schon im Vorhinein verbrannt wird. Andere aussichtsreiche Realo-Frauen gibt es nicht. Auch das hat wohl die Autorinnen zu ihrem "Dear boys"-Papier bewogen – sie gehören ebenfalls mehrheitlich zum Realo-Flügel. Der Brief soll eine öffentliche Mahnung an die selbst erklärten Alpha-Tiere in der Partei sein: Verbrennt uns doch nicht unsere aussichtsreichste Kandidatin!

Für den Fall, dass mehr als zwei Grüne sich um das Spitzenkandidaten-Duo bewerben, wird es laut Parteisatzung nämlich eine Urwahl unter allen grünen Parteimitgliedern geben. Ergebnis soll eine Doppelspitze sein, besetzt mit einem Mann und einer Frau.

Trittin hat ein Kandidaten-Trio ausgeschlossen

Da es als unwahrscheinlich gilt, dass Parteichefin Roth ihre bereits frühzeitig und mit Verve erklärte Kandidatur zurückzieht, müsste Göring-Eckardt in eine Kampfabstimmung um den Frauenplatz im Spitzenteam eintreten. In der kann sie gegen die parteiintern sehr beliebte Roth eigentlich nur verlieren. Göring-Eckardt hat aus diesem Grund noch gar nicht erklärt, ob sie als Spitzenkandidatin überhaupt bereitstünde.

Die Realos stecken also in einem ordentlichen Dilemma. Zwischenzeitlich liebäugelten sie gar mit einer grünen Dreierspitze als Kompromiss: Trittin , Roth und Göring-Eckardt als Hüterin der Realo-Positionen. Solche Träume sind dahin, spätestens seit Trittin im Interview mit ZEIT ONLINE ein Kandidaten-Trio ausschloss . "Bundesvorstand und Parteirat haben eine Doppelspitze beschlossen – einstimmig", sagte er und schickte dann noch hinterher, er stehe als Fraktionsvorsitzender für die "ganze Partei" und nicht nur für einen Flügel. Offenbar wollte er die Unterstellung Palmers nicht auf sich sitzen lassen, ein Duo aus Trittin und Roth könne nicht die bürgerlichen Wähler unter den Grünen ansprechen. "Die Grünen sind eine Partei links der Mitte", sagte Trittin dazu.

Leserkommentare
  1. Also, den Part, wo sich über INHALTE ausgelassen wurde, muss ich überlesen haben...

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    "Also, den Part, wo sich über INHALTE ausgelassen wurde, muss ich überlesen haben..."

    Nee, da haste nix überlesen, die Grünen sind zu einer Partei des totalen Opportunismus mutiert, einer monothematischen Partei, das Thema lautet schlicht: MACHT!

    bei Ihrem Kommentar.

    Das hat nicht speziell etwas mit der Partei zu tun.
    Das lässt sich in allen Parteien beobachten.

    Unsere modernen Politiker, gleich welcher Coleur, sind Weltklasse, wenn es um machtpolitische Ränkespielchen zugunsten der eigenen Karriere geht.
    In der Sachpolitik reichts dann aber häufig kaum zur Kreisklasse.

  2. Da beschweren sich Frauen, dass mehrere Männer aus der Partei eine weitere Frau vorgeschlagen haben und das wird dann auch noch als Personalvorschlag "auf Kosten von Frauen" gesehen?
    Irgend wie habe ich den Punkt nicht verstanden.
    Auf den ersten Blick wirkt es mir so, als ob Kerstin Andreae, Priska Hinz, Brigitte Pothmer & Co. nicht unbedingt für Frauenrechte kämpfen.

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    den Brief lesen, anstatt einen Seichten Zeit-Text

  3. Also mal abgesehen davon, dass hier ein Vorfall bei den Grünen thematisiert wird, finde ich die Tatsache eigentlich sehr gut, wenn Frauen sich wehren und mehr Gerechtigkeit fordern.
    Wenn sie sachliche Argumente und vorbringen können werden sich die Männer ja hoffentlich einsichtig Zeigen und für mehr Geschlechtergerechtigkeit sorgen.
    Männer wären ja schließlich nie so verbort, um trotz Evidenz eine Fehlmeinung nicht zu ändern.

  4. 4. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

  5. es gibt nur wenige Gründe, die für mich die Grünen einfach unmöglich machen.
    Das gehört ganz oben auf die Liste.

    • sengi
    • 26. Juli 2012 20:04 Uhr
    6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

  7. Hm, das ein Bärendienst für den Anspruch Frauen nach Vorne zu bringen. Es stellen sich die Fragen: Sind Frauen in der Politik nicht so kritikfähig bzuw. wollen/ benötigen sie besondere Schutzbereiche, um sich gegen politische Rankereien zu schützen, nur weil Frau. Darf Frau nur von Frau kritisiert, angegfriffen oder abgesägt werden? Ich denke eher, da wird völlig unnötig und grob fahrlässig die Frauenkarte gezückt bzw. für eigene persönliche Zwecke mißbraucht.

    Und eines ist klar. Hätten die Grünen in BW eine Frau wie C. Roth aufgestellt, wäre immer noch Mappus MP.

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    • Moin.
    • 26. Juli 2012 21:45 Uhr

    Das Ländle ist halt frauenfeindlich :-)))))

    Claudia Roth hin oder her.

    wäre, wäre ich vermutlich auch leicht zu einer solchen Meinung zu verführen. Nazikarte....Frauenkarte...Migrantenkarte.... Hauptsache die anderen sind Schuld.

    Hier wehren sich eben Frauen gegen eine Art und Weise, die sie nicht als persönliche Handlungen gegen sich verstehen, sondern als Handlungen, die speziell auf ihr Geschlecht fixiert sein sollen. Unabhängig davon ob das stimmt, was ich nicht prüfen kann, ist es das Recht dieser Frauen sich gegen soetwas zu wehren.

    Den Bärendienst erweisen aber SIe, indem Sie Frauen mal wieder als Kratzbürstige Typen darstellen, die sich unkoordiniert in den Vordergrund stellen um Beleidigt zu tun.,

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