Innere Sicherheit Wie der Verfassungsschutz reformiert werden muss
Verfassungsschutzchef Fromm ist als Sündenbock abgetreten, schlechtere Führungskräfte räumen den Posten nicht. Der Verlust des öffentlichen Vertrauens erzwingt nun Reformen, kommentiert Frank Jansen.
Das sind bittere Monate für die deutschen Sicherheitsbehörden – und damit für das ganze Land. Seit November, seit dem dramatischen und doch eher zufälligen Ende der Bande "Nationalsozialistischer Untergrund", wird die Bundesrepublik mit unfassbaren Mängeln beim Verfassungsschutz und auch bei Polizei und Justiz konfrontiert. Die jetzt bekannt gewordene Vernichtung von Dokumenten im Bundesamt für Verfassungsschutz ist nur ein weiterer Höhepunkt einer Serie von Desastern. Immerhin hat jetzt einer der vielen Verantwortlichen die Konsequenz gezogen und seinen Posten aufgegeben. Heinz Fromm, seit zwölf Jahren Präsident des Verfassungsschutzes, gibt gravierende Fehler in seiner Behörde zu und geht, anstatt die letzten Monate bis zu seiner Pensionierung stur auszusitzen.
Das hätte auch nicht zu ihm gepasst, einem weithin anerkannten Fachmann, der als kompetent und integer gilt. Mit seinem Abgang nimmt Fromm sogar das Risiko auf sich, als Symbolfigur des Scheiterns der Sicherheitsbehörden im Fall NSU zu enden. Da hat sich einer wohl als Sündenbock zur Verfügung gestellt. Andere aus dem Führungspersonal von Verfassungsschutz, Polizei und Justiz bieten vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages erbärmliche Auftritte und räumen die Posten trotzdem nicht. Fromm hingegen bekennt sich zu seiner Verantwortung und erweist so dem Land seinen letzten Dienst. Das ist ehrenwert. Aber passieren muss mehr.
Die Gemeinschaft der 17 Verfassungsschutzbehörden hat Reformen nötig. Der Nachrichtendienst kann nicht so weitermachen wie bisher. Der Verlust des öffentlichen Vertrauens in die Behörden hat ein Ausmaß angenommen, das Korrekturen erzwingt. Wohlgemerkt: Korrekturen, keinen Knockout. Wer den Verfassungsschutz abschaffen will, ignoriert nicht nur dessen Leistungen und Erfolge. Viele werden nie bekannt, um Leib und Leben von Mitarbeitern und Informanten zu schützen. Den Nachrichtendienst aufzulösen, würde zugleich bedeuten, den Blick in die trüben Milieus von Extremisten und Spionen aufzugeben. Neonazis, Islamisten, Autonome und die von China, Russland und anderen Staaten geschickten Räuber geistigen Eigentums würden sich freuen. Der Verzicht auf den Verfassungsschutz wäre für die innere Sicherheit verheerend, ja, trotz allem. Und eine Zusammenlegung mit der Polizei kann niemand wollen, der das Trennungsgebot achtet.
Über Korrekturen allerdings muss gesprochen werden. Einiges ist schon geschehen, so die Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Polizei durch den Aufbau des Gemeinsamen Abwehrzentrums gegen Rechtsextremismus. Aber notwendig erscheint auch, dass der Verfassungsschutz einer stärkeren Kontrolle unterworfen wird. Es gibt einen interessanten Vorschlag, den ausgerechnet ein ehemaliger Nachrichtendienstler gemacht hat, der Ex-Chef des Brandenburger Verfassungsschutzes und heutige Bundesanwalt Hans-Jürgen Förster. Er fordert, den Einsatz von V-Leuten und anderen nachrichtendienstlichen Mitteln an die Genehmigung eines Richters zu koppeln. Damit würde die parlamentarische Aufsicht ergänzt. Für den Verfassungsschutz könnte ein richterlicher Vorbehalt die Gefahr verringern, mit riskanten Operationen in eine rechtliche Grauzone zu geraten. Mehr Rechtssicherheit würde außerdem das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Nachrichtendienst wieder stärken. Da wäre zu vernachlässigen, dass mancher Verfassungsschützer eher murrend einem Richter Rede und Antwort stünde.
Andere Vorschläge, die jetzt zu hören sind, wirken hingegen halbgar. Die föderale Struktur des Verfassungsschutzes aufzugeben, würde bedeuten, das Bundesamt aufzublähen. Auch diese Super- Behörde käme dann wahrscheinlich nicht ohne regionale Dependancen aus, die aber als Ableger einer Institution des Bundes der Kontrolle durch die Landtage entzogen wären. Der inneren Sicherheit ist vermutlich mehr gedient, über die Zukunft des Verfassungsschutzes kühl und abgewogen zu debattieren. Auch wenn es in diesen Monaten schwerfällt.
- Datum 03.07.2012 - 09:57 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
- Kommentare 53
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in den letzten 20 jahren habe ich nur einen (!) versuch erlebt, der es wirklich schaffen kann die 'verfassungs'mäßige ordnung der brd abzuschaffen. und das war letzten freitag in epischer breite sogar im öffentlichen fernsehen zu beobachten. der sogenannte verfassungsschutz unternahm nichts und hat sich damit selbst für obsolet erklärt.
ich habe fertig.
Teil entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/lv
Je nachdem, welche Parteien im Bund und in den Ländern das Sagen haben, steigen auch Beamte mit den entsprechenden Parteibüchern auf. Oder es geht nach Proporz. Mit CDU hat das nichts zu tun. Wenn es überall nach ihr ginge, würde wohl kaum in vielen Ländern auf eine Beobachtung der Linkspartei, vormals SED, verzichtet. Sonst hätte auch der jetzt gegangene Präsident kein SPD-Parteibuch gehabt.
Der VS steht mehr auf der Seite etablierter Parteien insgesamt. Sobald eine problematische Partei irgendwo an einer Regierung beteiligt wird, findet regelmäßig zumindest in dem jeweiligen Land keine Beobachtung mehr statt.
Je nachdem, welche Parteien im Bund und in den Ländern das Sagen haben, steigen auch Beamte mit den entsprechenden Parteibüchern auf. Oder es geht nach Proporz. Mit CDU hat das nichts zu tun. Wenn es überall nach ihr ginge, würde wohl kaum in vielen Ländern auf eine Beobachtung der Linkspartei, vormals SED, verzichtet. Sonst hätte auch der jetzt gegangene Präsident kein SPD-Parteibuch gehabt.
Der VS steht mehr auf der Seite etablierter Parteien insgesamt. Sobald eine problematische Partei irgendwo an einer Regierung beteiligt wird, findet regelmäßig zumindest in dem jeweiligen Land keine Beobachtung mehr statt.
Also ich denke. dass diese V-Mann-Sache uns erst in diese Bredoullie gebracht hat. Und das dann der einzige Fähige im Laden und freiwillig zurücktritt, auch wenn das mein Bild von unseren Beamten wieder steigert, ist trotz der Konsequenz und Integrität fatal.
Ein Richter wird korrupte V-Leute jedoch nicht daran hindern, dass jene unsere Verfassung zu konterkarieren.
Wenn die "Regierung" schon über Verfassungsänderung bzw. Neuschreibung nachdenkt, sollte man einen entsprechenden Paragraphen aufnehmen, der dem Verfassungsschutz höhere Autonomie zum Schutz derselben einräumt.
Da der Verfassungsschutz die einzige Partei, die am 29.06.12 geschlossen gegen den ESM gestimmt hat beobachtet, nehme ich an, dass der Verfassungsschutz das GG ernsthaft schützen möchte.
... Sie das ernst?
nicht auch Zitronen?
... Sie das ernst?
nicht auch Zitronen?
.....die Administration eine gesonderte Polizei braucht um die Verfassung zu schützen. Wenn kriminelle Taten begangen werden, gibt es eine Kriminalpolizei.
Da die größte Gefahr für die Verfassung historisch von Regierenden ausgeht, scheint mir kaum sinnvoll gerade dieser Gruppe den Schutz der Verfassung anzudienen, zumal die Verfassung offensichtlich systematisch ausgehöhlt worden ist mit EU und Euroland Verträgen. Eher könnte man da an das Verfassungsgericht denken.
Dass aber man einer Regierung das Instrument in die Hand gibt seine politischen Gegner sogar in vollkommen legalen Parteien zu beobachten und zu unterwandern? Also das scheint mir ein Spiel mit dem Feuer.
aber zuallererst muss doch der Verdacht ausgeräumt werden, dass der Verfassungsschutz von Existenz und Taten der Rechtsterroristen nicht nur gewusst, sondern diese auch aktiv gefördert (sprich bezahlt und angeleitet) hat.
Und genau hier ist die Aktenvernichtung sogar kontraproduktiv.
Was mich ausserordentlich wundert ist, dass nicht wenigstens versucht wird, die Aktenrestbestände von unabhängiger Seite sofort zu sichern. Auch der Untersuchungsausschuss scheint hier (warum wohl?) keinen Ehrgeiz an den Tag zu legen.
Erst danach erlauben sich eventuell Überlegungen, ob und wie dieses Amt weiterbestehen kann.
Die Richter in Karlsruh sind die letzten, die noch ein wenig Achtung vor der Verfassung haben!
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Oder gibt es eine andere Institution die die Verfassung schützt!
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Die Regierung...... verkauft gerade die BRD/Europa an die Banken.
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Das Parlament...... Warum fällt mir dazu ein: Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber:-(((
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Die Parteien...
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Aber vielleicht stimmt der alte Satz ja doch: Jedes Volk hat die Regierung (und das politische System) das es verdient hat.
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Das Jungvolk < 30 sollte mal so langsam wieder wach werden:(( Vielleicht klappt es ja in Spanien, Italien, Griechenland..... dan werden wir hier mit Verspätung auch mal wach.
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Sorry für den Sarkassmus
Mir war danach
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Besorgte Gruesse
Sikasuu
...Sie haben Verfassungsschutz und Verfassungsgericht verwechselt.
Zitat:...Ich glaube, Sie haben Verfassungsschutz und Verfassungsgericht verwechselt.
####
...das Ironie und Sarkassmuss in Deutschland immer mit einer Einblendung "Vorsicht Satire" versehen sein muss!:-)
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Ich kann auch deutlicher, aber möchte dem Kollegen Moderation doch nicht so viel Arbeit machen :))
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Grinsegruesse
Sikasuu
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Ps. Ich kann Karlsruhe sehr wohl von Köln unterscheiden. Aber Namen sind Schall und Rauch. Verfassungsschützer ist für mich der, der die Verfassung schütz, nicht der, der das Schild vor sich her trägt. Vergl auch dazu "Volks-ver-treter"
...Sie haben Verfassungsschutz und Verfassungsgericht verwechselt.
Zitat:...Ich glaube, Sie haben Verfassungsschutz und Verfassungsgericht verwechselt.
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...das Ironie und Sarkassmuss in Deutschland immer mit einer Einblendung "Vorsicht Satire" versehen sein muss!:-)
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Ich kann auch deutlicher, aber möchte dem Kollegen Moderation doch nicht so viel Arbeit machen :))
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Grinsegruesse
Sikasuu
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Ps. Ich kann Karlsruhe sehr wohl von Köln unterscheiden. Aber Namen sind Schall und Rauch. Verfassungsschützer ist für mich der, der die Verfassung schütz, nicht der, der das Schild vor sich her trägt. Vergl auch dazu "Volks-ver-treter"
Imho ist der Verfassungsschutz weder dämlich zum Quadrat noch rechtsradikal infiltriert, sondern seine Agenda war und ist, die rechtsradikale Gefahr ständig am Köcheln zu halten. Indem, wie bekannt wurde, V Männer sonder Zahl die rechtsradikale Szene nicht nur beobachteten sondern auch organisierten. Es gibt nichts besseres, um Deutschland ständig unter Druck und damit gefügig zu halten. Meine These ist, der Verfassungsschutz ist von ausländischen Geheimdiensten infiltriert, die daran ein Interesse haben. Diese Maulwürfe zu finden wäre die Aufgabe der deutschen Geheimdienste. Doch die unter US Besatzung entstandenen Dienste werden da nicht wirklich zubeissen. Meine These ist daher unbeweisbar, aber nicht aus der Luft gegriffen. Die -zig US Geheimdienste mit ihren -zigtausend Beschäftigten drehen nicht nur den ganzen Tag ihre Daumen. Was tun sie wirklich? Das habe ich noch nie in der Zeit gelesen, daher nehme ich mir die Freiheit, darüber zu spekulieren.
es ist ein Problem der Gesllschaft. Ein Deutscher hat vielliecht nicht die Antennen dafür. Irgendwas muss ja da sein. Ich meine, ich frage mich wieso das überhaupt so schwer zu verstehen ist, wenn man mal sich die Deutsche Geschichte anguckt. Ist das so unwahrscheinlich?
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