Was wird als Nächstes passieren in Baden-Württemberg? Immer weiter hinaus schieben sich die Grenzen des Denkbaren. Es brauchte dazu das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts der Untreue gegen Stefan Mappus und seinen Jugendfreund, den Banker Dirk Notheis von Morgan Stanley. Wie wird das Desaster der einst so unangefochtenen Südwest-CDU noch enden? Gefängnis für den Ex-Ministerpräsidenten? Ein Parteiausschluss des Mannes, den sie einst gebraucht haben, um Günther Oettinger aus dem Amt zu treiben? Oder das Schlimmste: Die kommende Landtagswahl schon verloren, bevor überhaupt der Wahlkampf begonnen hat?

In der Lobby des Stuttgarter Landtags, der gerade über weitere Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Ausbau von Stuttgart 21 tagt, taucht an diesem Mittwoch endlich der Oppositionsführer, CDU-Fraktionschef Peter Hauk auf und stellt sich der Presse. Jetzt – endlich, möchte man sagen – bricht auch er mit dem früheren Regierungschef. "Das ist nicht Politikstil der CDU ", sagt er. Ein kurzer Satz, doch Eingeweihte wissen, welche Hürde der frühere Landesminister für Ernährung und ländlichen Raum da genommen hat.

Hauk gehört zu denen aus der Partei, die Mappus immer geschützt haben, auch um sich selber nicht weh zu tun. Wie alle CDU- und FDP-Abgeordneten hatte damals, Anfang 2011, auch Hauk die Hand gehoben, als der verfassungswidrige, weil am Landtag vorbei vollzogene Kauf der Aktienanteile am Energieversorger EnBW nachträglich durchgestimmt wurde. Hauk fährt seit dem Regierungswechsel teilweise rüde Attacken auf die grün-rote Kretschmann-Regierung und deren Schuldenpolitik. Von dem vergifteten Erbe, das der im Wert verfallene EnBW-Konzern darstellt, wollte er nie mehr sprechen.

Keine Erneuerung in Sicht

Jetzt aber kehrt die Vergangenheit zurück, stärker als je befürchtet. Innerhalb der Landespartei liegen deswegen schon lange die Nerven blank. Immer, wenn die CDU versuche, neue politische Ansätze zu kommunizieren, ihren Wandel zu dokumentieren, ein neues Gesicht zu zeigen, komme der Untersuchungsausschuss zur EnBW-Affäre daher und mache alles zunichte, klagte schon vor einigen Tagen ein Christdemokrat aus dem inneren Zirkel. Dieser Ausschuss sei "definitiv ein Problem für uns", sagte kürzlich der nord-württembergische CDU-Bezirksvorsitzende Steffen Bilger. Die Partei mache dabei einen "verheerenden Eindruck". Dabei wären sie gerne wieder, was sie Jahrzehnte lang waren, Gewinner nämlich und Vertreter eines Bundeslandes, das auf vielen Feldern Spitzenpositionen einnahm.

Hauk, im Foyer des Landtags stehend, rekurriert auch jetzt wieder auf diese Vergangenheit. Die Ära Mappus sei nur ein Bruchteil der 58 Jahre gewesen, in denen die CDU im Südwesten an der Macht war. Sicher: Der EnBW-Aktienkauf sei mit Mängeln und Fehlern behaftet gewesen. "Ob damit persönliche Schuld verbunden ist, das vermögen wir nicht zu beurteilen", sagt der Oppositionsführer.

Wie die Erneuerung der einstigen Baden-Württemberg-Partei allerdings aussehen soll, bleibt dem Wähler ziemlich unklar. Es sind überwiegend die alten Köpfe, die von der neuen, besseren Zukunft reden, abgesehen von der früheren Verkehrsministerin und engen Mappus-Vertrauten Tanja Gönner , die, nachdem sie erfolglos verschiedene Parteiposten sondiert hatte, kürzlich Vorstandschefin der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ( GIZ ) wurde. Die Führung der Südwest-CDU, so scheint es, betrachtet die Abwahl 2011 noch immer als eine Art Betriebsunfall, der sich von allein ausbessert.