Kanzlerin Angela Merkel hält die symbolisch wichtige Kanzlermehrheit bei der bevorstehenden Bundestagsabstimmung über die Milliardenhilfe für Spanien nicht für notwendig.

"Wir bekommen immer die Mehrheiten, die wir brauchen", sagte sie in einem ZDF-Interview. "Wenn ich zur Kanzlerin gewählt wurde, habe ich die Kanzlermehrheit jeweils gehabt. Wenn eigene Mehrheiten notwendig waren, bekomme ich sie, und davon gehe ich aus."

Ähnlich äußerte sich Fraktionschef Volker Kauder  ( CDU ): Die Koalition werde die nötige einfache Mehrheit zusammenbekommen, und er werde darum werben, dass die Abgeordneten aus CDU und CSU geschlossen zustimmten, sagte Kauder der Welt am Sonntag . Es gehe aber nicht um die Wahl des Kanzlers, für die mehr als die Hälfte der 620 Stimmen nötig sind.

Zuletzt haben bis zu 26 Abgeordnete aus den eigenen Reihen gegen die Europa-Politik von Kanzlerin Merkel gestimmt und der Koalition mit ihren 330 Abgeordneten Ergebnisse klar unter 50 Prozent beschert. Anders als bei den jüngsten Entscheidungen über den dauerhaften Rettungsfonds ESM und den Fiskalpakt zur Haushaltssanierung ist keine Zweidrittelmehrheit nötig.

  Merkel strebt dritte Amtszeit an

In dem Verfahren zum Euro-Rettungsschirm vor dem Bundesverfassungsgericht verzichtete Merkel darauf, die Richter unter Druck zu setzen. "Die Verfassungsrichter nehmen sich die Zeit, von der sie glauben, dass sie sie brauchen", sagte Merkel. Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle hatte bei der Verhandlung in der vergangenen Woche angedeutet, das Gericht könne sich für die Entscheidung im Eilverfahren unter Umständen mehr Zeit lassen . Zunächst war eine Entscheidung im Eilverfahren erwartet worden.

Die CDU-Chefin bekräftigte, dass sie eine dritte Amtszeit als Bundeskanzlerin anstrebe. "Die Arbeit macht mir Spaß", sagte sie auf eine entsprechende Frage. Merkel ist seit 2005 Bundeskanzlerin. Sie hatte bereits im November 2011 erklärt, dass sie erneut für das höchste Regierungsamt kandidieren will.