Horst Seehofer: Querulant in Berlin, König in Günzburg
Der CSU-Chef nervt mit seinen Drohungen die Hauptstadt. In der bayerischen Provinz wird er meist bejubelt. Michael Schlieben hat ihn einen Tag lang begleitet.
Horst Seehofer hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Die Mehrheit der Deutschen nimmt seine Drohungen gegen die Bundesregierung nicht ernst, wie eine Umfrage von ZEIT ONLINE gerade ergeben hat. "Immer lächerlicher" gebäre er sich, sagt sein SPD-Rivale Christian Ude. Auch in Seehofers eigener Partei bröckelt der Rückhalt. Seine Ansagen aus München seien "nicht immer ernst zu nehmen", heißt es von einigen Bundestagsabgeordneten der CSU inzwischen recht unverhohlen.
Für Spitzenpolitiker muss dies ein Alarmsignal sein. Glaubwürdigkeit ist in der Branche die wichtigste Währung. Aber Seehofer reagiert öffentlich gelassen auf solche Vorwürfe. Er vertrete nun mal die Interessen der Bayern, sagt er. Und die stünden hinter ihm.
Stimmt das? Wird Seehofer in der Heimat anders wahrgenommen als im Rest der Republik? Die bayerische Staatskanzlei hat ZEIT ONLINE eingeladen, Seehofer einen Tag lang zu begleiten. Der Ministerpräsident will bis zur nächsten Landtagswahl 2013 alle Landkreise besuchen. An diesem Tag ist Günzburg dran, im Westen des Freistaats gelegen, zwischen Augsburg und Ulm.
Seehofers Lächeln hat viele Facetten
Los geht’s in Breitenthal. Die kleine Gemeinde plant einige Verschönerungsmaßnahmen und hofft auf Zuschüsse vom Land. Es ist ein "Wohlfühl-Termin", wie Seehofer es nennt. Das halbe Dorf begrüßt ihn auf dem Pfarrhof. Die Kirchenglocken läuten. Ein Posaunenchor spielt. Ein Kinderchor trällert ein selbstgedichtetes Lied: "Er hat sich für uns Zeit genommen". Die örtlichen Honoratioren strahlen in die Kameras der Lokalpresse. Das Goldene Buch, in das Seehofer sich eintragen soll, liegt bereit.
Die Szene stellt mustergültig das dar, worüber sich Seehofer in seinen Jahrzehnten als Bonner oder Berliner Bundespolitiker gern lustig gemacht hat: Es ist tiefste Provinz. Ob er inzwischen Gefallen daran findet, ist schwer zu sagen. Zwar lächelt Seehofer die ganze Zeit, nicht nur in Breitenthal, eigentlich den ganzen Tag über. Aber das bedeutet nicht unbedingt Freude und Zustimmung. Seehofer scheint für jede Gelegenheit ein eigenes Lächeln parat zu haben. Mal eher ironisch, mal lauernd, mal gelangweilt. Rhetorisch lässt er sich davon wenig anmerken. Er lobt das Dörflein für seine Entwicklung und die Honoratioren für ihr Engagement.
Es wird eine reine Angeber-Rede. Dem kurzen Lob auf Breitenthal folgt ein ausführliches auf Bayern. Sein Land habe "die beste Bildung", die "schönste Landschaft", die "zufriedensten Leute". Und das meiste Geld, was Seehofer immer wieder genüsslich betont: "In ganz Deutschland, wahrscheinlich in ganz Europa" gebe es keinen Staat, der über so gesunde Finanzen verfüge. Dem Freistaat gehöre quasi "die Hälfte der Bundesrepublik" – wegen der vielen Zahlungen in den Länderfinanzausgleich, gegen den Seehofer klagen will. Im Ausland höre er immer wieder: "Alle wollen so sein wie wir".
Mit der Mimik des reichen Gönners
Tatsächlich geht es Bayern blendend. Dank sprudelnder Steuereinnahmen kann Seehofers Kabinett im großen Stil gleichzeitig investieren und sparen. Gerade hat es einen Rekordhaushalt verabschiedet. Der Ministerpräsident händigt derzeit einen Förderbescheid nach dem anderen aus. In Breitenthal tut er das mit der Gestik und Mimik des reichen Gönners, der mit dem Füllhorn über das Land reist und was springen lässt.
Bei den Zuhörern kommt das gut an. Seine Ausführungen werden von "Jawohl"-Rufen unterbrochen. Den Rentnern mit Bierkrug gefällt, dass Seehofer "sich traut, die Dinge ehrlich anzusprechen". Die Jugendlichen finden den Ministerpräsidenten lustig, "nicht so ernst wie die Merkel". Das, was in Berlin auf Befremden stößt, interpretiert man hier als urig, kantig, zünftig.
Seehofer selbst ist hinterher ganz aufgekratzt. "Kraft, Identität, Gemeinschaft", das sei den Leuten wichtig, sagt er. "Ihr Journalisten denkt immer, das sei nur Schmäh". Aber tatsächlich säße hier, im Breitenthaler Pfarrhof, der "Kern der Gesellschaft".
Aber auch im Landkreis Günzburg gibt es Seehofer-Kritiker. Bei fast jedem Termin an diesem Tag sind Menschen anzutreffen, die seine Reden mit verschränkten Armen oder spöttischem Blick verfolgen. In Breitenthal ist ein älteres Ehepaar aus Füssen, das zufällig mit dem Fahrrad vorbeigekommen ist. "Es gibt keinen größeren Populisten", sagt Klaus Gerlach. Seehofer sei sprunghaft und gefährlich. Sie würden gern die CDU wählen, Merkel sei vernünftig. "Aber der?" Angewidert zeigt er auf den CSU-Chef.





Vielleicht wünsche man sich ja solch einen Politiker, der nah am Volke arbeitet. Seehofer scheut nicht, Bayern (zu recht) als wohlhabendstes Land zu bezeichnen und geht auch auf Widersprüche ein. Ich hoffe, dass Seehofer sich für eine weitere Amtsperiode aufstellt.
Verschuldung Bayerns und die Arbeitslosigkeit ausserhalb des Münchner Speckgürtels an, besonders in Franken an.
@Thema
Herr Seehofer sollte ein Referendum vorschlagen und mit seinem Freistaat aus der Förderation austreten. Dann kann er da unten mit seiner Minderheitspartei schalten und walten wie er will, die Nordt. sollten sich auch überlegen, ob sie den Bayern ihren Strom verkaufen wollen. Wäre doch spannend wenn die Bayern ihren KKW Dreck selber in ihrer Gegend entsorgen üssten und den Dreck nicht nach Norddt. schicken.
Na hoffentlich nicht! So einen Populisten braucht unser land nicht wieder. Oder glauben Sie etwa, dass die wirtschaftliche stärke Bayerns Seehofer zu verdanken ist?
Verschuldung Bayerns und die Arbeitslosigkeit ausserhalb des Münchner Speckgürtels an, besonders in Franken an.
@Thema
Herr Seehofer sollte ein Referendum vorschlagen und mit seinem Freistaat aus der Förderation austreten. Dann kann er da unten mit seiner Minderheitspartei schalten und walten wie er will, die Nordt. sollten sich auch überlegen, ob sie den Bayern ihren Strom verkaufen wollen. Wäre doch spannend wenn die Bayern ihren KKW Dreck selber in ihrer Gegend entsorgen üssten und den Dreck nicht nach Norddt. schicken.
Na hoffentlich nicht! So einen Populisten braucht unser land nicht wieder. Oder glauben Sie etwa, dass die wirtschaftliche stärke Bayerns Seehofer zu verdanken ist?
he, das ist schon ok - Bayern ist eben Bayern und nicht Deutschland.
PS. der arme Däne kann einem echt Leid tun, das muss hart sein als Däne in Bayern - oje
Von Seehofer und seiner "Bayerntournee" kann man ja halten, was man will, aber es funktioniert.
Um es mit einem beliebten Anbieter von Elektroartikeln auszudrücken: "So muss Politik".
Vielleicht nervt die Hauptstadt langsam den Rest Deutschlands?
Nichts gegen "die Hauptstadt" und ihren Facetten, ihren Multi Kulti Ansatz, nichts gegen ein Haushaltsdefizit an sich.
Aber wenn man da Gefühl bekommt, dass das Defizit eine Laissez fairen Mentalität und stümperhafter, nachlässiger Umsetzung geschuldet ist und weniger allein einer Strukturschwäche, dann fängt an, Berlin zu nerven.
Ich bin in letzter Zeit sehr viel in Berlin gewesen, oft über Wochen und habe schon in etlichen Städten gelebt, ich bilde mir ein, hier auch Einblick zu haben und nicht nur Klischees zu bedienen. Seehofer hat recht, so lange sich "die Hauptstadt" so ergötzt in ihren Einstellungen.
Ohne Finanzhilfe wäre Bayern nicht da, wo es ist und ohne Finanzhilfe könnten Seehofer und Co nicht diesen Austria-liken Lokalpatriotismus zu Tage tragen. Die (relative) Gemeinschaft der Länder war immer eine Stärke Deutschlands. Die primitiven Gefühle der Wähler anzusprechen (=Populismus) zeugt sicherlich nicht von politischer Führungskraft.
> ihren Multi Kulti
Der Ausländeranteil ist in Städten wie München oder Stuttgart höher als in Berlin. Vielleicht nur weniger konzentriert.
Der Hype um München und Berlin nervt aber gleichermaßen.
ist einem bankenskandal der ganz großen sorte geschuldet
so ähnlich wie der hyp-alp-adria-deal
nur mit einem vielfachen der summe
und so geschickt gemacht das hinterher niemand zur rechenschaft gezogen werden konnte
wenn ich ihr haus anzünde, ihr geld klaue und auch noch die firma in der sie arbeiten sprenge
ist dann ihr "Laissez faire" daran schuld das sie die hypotheken für das abgebrannte haus nicht mehr zahlen können?
bilden sie sich ein was sie wollen
das was sie hier tun ist klischees bedienen
die selben übrigens wie seehofer
Wenigstens hat die Hauptstadt genügend Studienplätze, was in Bayern ja leider nicht gilt. Dort fehlen Zehntausend. Vielleicht sollte Berlin ganz populistisch damit drohen Studenten aus Bayern den Studienplatz zu verweigern, vielleicht springen andere Bundesländer auf diesen Zug auf, und vielleicht merken bayrische Politiker dann mal, was für einen Leberkäse sie da so von sich geben.
Ohne Finanzhilfe wäre Bayern nicht da, wo es ist und ohne Finanzhilfe könnten Seehofer und Co nicht diesen Austria-liken Lokalpatriotismus zu Tage tragen. Die (relative) Gemeinschaft der Länder war immer eine Stärke Deutschlands. Die primitiven Gefühle der Wähler anzusprechen (=Populismus) zeugt sicherlich nicht von politischer Führungskraft.
> ihren Multi Kulti
Der Ausländeranteil ist in Städten wie München oder Stuttgart höher als in Berlin. Vielleicht nur weniger konzentriert.
Der Hype um München und Berlin nervt aber gleichermaßen.
ist einem bankenskandal der ganz großen sorte geschuldet
so ähnlich wie der hyp-alp-adria-deal
nur mit einem vielfachen der summe
und so geschickt gemacht das hinterher niemand zur rechenschaft gezogen werden konnte
wenn ich ihr haus anzünde, ihr geld klaue und auch noch die firma in der sie arbeiten sprenge
ist dann ihr "Laissez faire" daran schuld das sie die hypotheken für das abgebrannte haus nicht mehr zahlen können?
bilden sie sich ein was sie wollen
das was sie hier tun ist klischees bedienen
die selben übrigens wie seehofer
Wenigstens hat die Hauptstadt genügend Studienplätze, was in Bayern ja leider nicht gilt. Dort fehlen Zehntausend. Vielleicht sollte Berlin ganz populistisch damit drohen Studenten aus Bayern den Studienplatz zu verweigern, vielleicht springen andere Bundesländer auf diesen Zug auf, und vielleicht merken bayrische Politiker dann mal, was für einen Leberkäse sie da so von sich geben.
Seehofer straußt in Richtung Berlin, streiblt in Bayern, stoibert durch politische Entscheidungen und erinnert so mit nichts an den gradlinigen Wiguläus Xaverius Aloysius Freiherr von Kreittmayr.
Mit Blick auf die sagenhafte "Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln"-Politik der Bundesregierung, liegt die oft kritiserte Wankelmütigkeit des Bayern eigentlich voll im Trend, er ist nicht besser oder schlechter als der Rest der politischen Elite.
Allerdings eignet er sich besser als Presseopfer, weil seine blutleeren Drohungen immer eine Nummer zu groß ausfallen und man ihm dies immer wieder vortrefflich vorhalten kann.
Schade, dass es nichts Wichtigeres zu berichten gibt.
"Schade, dass es nichts Wichtigeres zu berichten gibt". Das kann ich voll unterschreiben. Ich frage mich was er der Zeit-Online geboten hat für soviel Aufmerksamkeit. Ob nun negativ oder positiv ( finde ich nix ), hauptsache man spricht über ihn. Ah, jetzt fällts mir ein : "Sommerloch"!!! Da ist er ja genau richtig.
"Schade, dass es nichts Wichtigeres zu berichten gibt". Das kann ich voll unterschreiben. Ich frage mich was er der Zeit-Online geboten hat für soviel Aufmerksamkeit. Ob nun negativ oder positiv ( finde ich nix ), hauptsache man spricht über ihn. Ah, jetzt fällts mir ein : "Sommerloch"!!! Da ist er ja genau richtig.
Man muss ihn ja nicht mögen. In seiner Zeit als Gesundheitsminister ist er auf viele Schlipse der Ärtze getreten. Er fordert auch Widerspruch heraus. Mal kann ich ihm zustimmen, mal nicht.
Zumindest hält er sich selbst nicht für alternativlos.
Entfernt, da themenfern. Die Redaktion/sh
Ohne Finanzhilfe wäre Bayern nicht da, wo es ist und ohne Finanzhilfe könnten Seehofer und Co nicht diesen Austria-liken Lokalpatriotismus zu Tage tragen. Die (relative) Gemeinschaft der Länder war immer eine Stärke Deutschlands. Die primitiven Gefühle der Wähler anzusprechen (=Populismus) zeugt sicherlich nicht von politischer Führungskraft.
... zu haben.
ich schreibe ausdrücklich "NICHTS GEGEN EIN HAUSHALTSDEFIZIT" und somit gegen einen Solidarausgleich, nur, mich stört die Einstellungen dieser Stadt Berlin. Würde man den Eindruck bekommen, Berlin kämpfe um Wertschöpfung, wäre eine Unterstützung selbstverständlich. Aber eine Stadt, die mit "arm aber sexy" kokettiert, soll dann auch "arm, aber sexy" leben".
Von politischer Führungskraft zeigt es aber, auch unbequeme Themen anzusprechen und dem Bundesregierungsblabla auch zu widersprechen, wenn nötig. Seehofer mag ein politischer Populist sein, aber in Zeiten, in denen die Regierungspolitik weltfremd am Volk vorbeigeht, sind solche Typen dringend nötig, wenn sonst im Land kaum jemand die Eier hat, klar Stellung zu beziehen. Man muss sie deshalb nicht rundum ernst nehmen.
... zu haben.
ich schreibe ausdrücklich "NICHTS GEGEN EIN HAUSHALTSDEFIZIT" und somit gegen einen Solidarausgleich, nur, mich stört die Einstellungen dieser Stadt Berlin. Würde man den Eindruck bekommen, Berlin kämpfe um Wertschöpfung, wäre eine Unterstützung selbstverständlich. Aber eine Stadt, die mit "arm aber sexy" kokettiert, soll dann auch "arm, aber sexy" leben".
Von politischer Führungskraft zeigt es aber, auch unbequeme Themen anzusprechen und dem Bundesregierungsblabla auch zu widersprechen, wenn nötig. Seehofer mag ein politischer Populist sein, aber in Zeiten, in denen die Regierungspolitik weltfremd am Volk vorbeigeht, sind solche Typen dringend nötig, wenn sonst im Land kaum jemand die Eier hat, klar Stellung zu beziehen. Man muss sie deshalb nicht rundum ernst nehmen.
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