Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ©  Sebastian Kahnert/dpa

Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ( SPD ) erwartet, dass im weiteren Verlauf der Euro-Krise mehrere Länder die Währungsunion verlassen werden. "In einigen Fällen mehren sich bei mir die Zweifel, ob alle Länder in der Euro-Zone gehalten werden können", sagte Steinbrück der Bild am Sonntag . "Ich kann nicht erkennen, dass einige Länder die Lücke ihrer Wettbewerbsfähigkeit schließen können."

Konkrete Staaten wollte der SPD-Politiker aber nicht nennen. Auch äußerte er sich überzeugt, dass der Euro grundsätzlich fortbestehen werde.

Mit Blick auf die Lage der Banken sagte Steinbrück, es sei nötig, mehr Geldinstitute in die Insolvenz gehen zu lassen: "Nach meiner Überzeugung spricht rein gar nichts dagegen, nicht nur spanische Banken zulasten ihrer Aktionäre und Gläubiger zu restrukturieren oder gar abzuwickeln." Erforderlich sei dafür ein europäisches Banken-Insolvenzrecht. Am Freitag hatten die Euro-Finanzminister Hilfskredite für Spaniens angeschlagene Banken von bis zu hundert Milliarden Euro beschlossen. Zuvor hatte auch der deutsche Bundestag dem zugestimmt .

Demokratie durch Euro-Krise in Gefahr

Steinbrück sieht in derlei Abläufen und der Euro-Krise generell eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland. "Die Art und Weise, wie der Bundestag in immer kürzeren Abständen fast schon genötigt wird, über komplexeste Themen zu beraten und über Risiken in kaum noch vorstellbaren Größenordnungen zu entscheiden, geht an die Grenzen der Funktionsfähigkeit unserer Demokratie." Er sei beunruhigt darüber, dass immer mehr Bürger den Eindruck hätten, nicht die Politik, sondern anonyme Finanzmärkte bestimmten über ihr Leben. Steinbrück kündigte deshalb ein eigenes Programm mit Finanzmarktregeln an. "Wir brauchen eine ehrgeizige Regulierung und Aufsicht von Banken. Dazu werde ich im Herbst Vorschläge machen."

Der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt warb gleichzeitig für ein schrittweises Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone. "Der griechische Staat sollte jetzt damit anfangen, die Hälfte seiner Beamtengehälter, Renten und sonstigen Ausgaben in Drachmen auszuzahlen", sagte er der Welt am Sonntag . Einen solchen "sanfter Weg" zurück zur alten Währung hält der CSU-Politiker für besser als einen harten Schnitt. "Die Drachme als Parallelwährung würde die Chance eröffnen, wirtschaftliches Wachstum zu entfalten", sagte Dobrindt . Zudem forderte er die EU-Kommission auf, ein Konzept zu einer Verkleinerung der Euro-Zone zu entwerfen.