StudieFreiwilliger Wehrdienst beliebter als erwartet

Die Kritiker waren sich sicher: Die Bundeswehr würde nach dem Aus der Wehrpflicht nie die gewünschte Zahl an Freiwilligen finden. Doch eine Studie zeigt das Gegenteil. von Ronja von Wurmb-Seibel

Keiner kommt mehr, und wenn doch, dann nur die Arbeitslosen. Als die Wehrpflicht vor einem Jahr ausgesetzt wurde, waren das die größten Sorgen. Eine noch nicht veröffentlichte Studie des sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr zeigt nun das Gegenteil: Rund 35.000 Personen haben sich im ersten Jahr für den Freiwilligen Wehrdienst beworben, fast dreimal so viele, wie die Armee schließlich einstellen wollte.

Auch das Arbeitslosenargument kann widerlegt werden: Vor ihrer Zeit beim Militär hatten 6,8 Prozent der Wehrdienstleistenden keinen Job, das ist weniger als der gesamtgesellschaftliche Schnitt. 31 Prozent haben Abitur oder Fachabitur, 35 Prozent die Mittlere Reife, 34 Prozent einen Hauptschulabschluss, meist in Verbindung mit einer Berufsausbildung; "ein totales Spiegelbild der Gesellschaft", heißt es im Verteidigungsministerium.

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5.000 bis 15.000 Freiwillige war das Ziel, das Verteidigungsminister Thomas de Maizière als Maßzahl für das erste Jahr ausgegeben hatte. 12.461 Soldaten wurden eingestellt, allerdings brach jeder Vierte von ihnen den Dienst ab. Die meisten innerhalb der ersten beiden Wochen, viele erschienen erst gar nicht. Gründe waren laut der Studie private Veränderungen, neue Jobangebote oder "andere Vorstellungen von der Armee".

Zu wenig Raucherpausen

Einer sei gegangen, weil er zu wenig Raucherpausen hatte, ein anderer, weil er nicht wusste, dass er auch als Kraftfahrer eine Uniform tragen muss, erzählt der zuständige Fachreferent bei der Bundeswehr, Ralf Illauer. Und nicht jeder komme mit der körperlichen Belastung klar. "Man schläft mit anderen in einem Raum, man wird von morgens bis abends rumkommandiert, das ist ja nicht so richtig spaßig."

Eine Auszeit zwischen Abitur und Studium, das Leben als Soldat kennenlernen oder der Wunsch nach Abwechslung und einem Neustart: Laut der Studie des sozialwissenschaftlichen Instituts sind das die häufigsten Gründe, warum Jugendliche sich für den Freiwilligen Wehrdienst entschieden haben.

Mischa Bose wollte nach der Schule mal "was anderes als 08/15" mitnehmen. Der 19-Jährige ist seit vergangenem Oktober bei der Bundeswehr, seine Eltern waren anfangs skeptisch. "Mein Vater ist Pazifist. Vielleicht ist das auch mit ein Grund, warum ich es gemacht habe", sagt Mischa. Inzwischen hat er sich für zwölf Jahre als Zeitsoldat verpflichtet: Es warten ein Geschichtsstudium und die Laufbahn zum Offizier. Mittlerweile sei sein Vater stolz, erzählt Bose. Und er selbst auch. Vor allem wegen der dreimonatigen Grundausbildung mit mehrtägigen Märschen und anderen Strapazen. "Da haben viele schlappgemacht", sagt Mischa. "Wenn man dann sieht, man selber schafft's, dann gibt einem das schon Selbstbewusstsein."

Leserkommentare
  1. in Kooperation mit den Arbeitgeberverbänden tut auch alles dafür, um diesen Mitbürgern keine andere Alternative zu lassen...

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    • Afa81
    • 06. Juli 2012 15:40 Uhr

    ...abgeschafft?

    Hab ich nicht mitbekommen...

    • Mailer
    • 06. Juli 2012 18:48 Uhr

    Man kann auch alles mit allem verbinden - muß es aber nicht zwangsläufig. Denn so kann man sich auch schlicht lächerlich machen.

    Unterm Strich aber auch unwichtig. Wichtig ist aus Humanitätsgesichtspunkten vor allem die Abwesenheit eines Zwangsdienstes. Niemand muß zum Militär gehen. Wer will, der soll. Solange ich nicht muß, wenn ich nicht will ...

  2. ...mein Bruder hat als KFZ Mechaniker angefangen.
    Nach 7 Jahren in der Armee konnte er vom Dreirad übers Moped, Auto, Panzer bis zum Helikopter alles reparieren - und das in der Nacht in der Mitte von Nirgenwo.
    Heute ist er wieder im Privatbereich angestellt und verdient dementsprechend.
    Ich selbst habe damals meine 12 Monate gemacht und war froh das das vorbei war.
    Jeder wie es ihm gefällt....

  3. Ich hoffe dieser Trend geht weiter. In zu vielen Ländern wird die Armee durch die Unterschicht bebildet. Mich hätte noch die Frauenquote interessiert.

  4. Solche Artikel zukünftig bitte mit dem Zusatz "Werbung" entsprechend kennzeichnen. Danke.

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    Werbung -> https://www.youtube.com/w... Wer's braucht!

    • Psy03
    • 07. Juli 2012 12:14 Uhr

    Mein erster Gededanke war jedoch "Ja was denn nun?", da es erst so lange hieß das sich zu wenig Leute melden bzw. dann recht zeitig wieder aufhören, weil sie das frühe Aufstehen nicht abkönnen etc.

    Ich wollte auch zwei Mal hin. Beide male sollte ich aber bereits nach vier Monaten Grundausbildung nach Afgahnistan. Das war mir doch ein wenig zu heavy.
    Krass war insbesondere, dass es ein 3/4 Jahr nach der ersten Bewerbung einen Technicker erwischte (Mine), der sich in der Ausbildung befand die ich hätte machen sollen, Rang und Stadt haben auch gepasst.

    Beim zweiten Versuch war ich schon kurz davor es durchzuziehen, weil mir zu dem Zeitpunkt alles egal war. Krass ist hierbei, dass die Bundeswehr anscheinend gerne Leute mit Depressionen nimmt und gar nicht erst hinterfragt warum der Mensch vor Ihnen so drauf ist.

    Ich hatte mit aber während der langen Bewerbungszeit wieder ein lebenswertes Leben aufgebaut und hab dann drauf verzichtet.

    Warum immer gleich so gehässig? Das zieht sich irgendwie durch alle Kommentarbereiche von Online-Medien, dass irgendwer den Autoren und Redaktionen immer Werbung, Parteilichkeit oder ähnlich reaktionäres Zeugs vorwirft. Mir scheint zudem perspektivisch positive Artikel werden per se verteufelt.

    Ich bin auch kein Fan der Bundeswehr, aber die Meldung, dass Leute immer noch gerne zum Bund gehen, ist genauso eine Meldung wie es das potentielle Gegenteil wäre. Da muss sich keiner für rechtfertigen.

  5. Ich frage mich ob die Autoren der Kommentare 1 und 2 den Artikel überhaupt gelesen haben.

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    Zumindest in Hinblick auf den ersten Kommentator kann man die Frage wohl klar und deutlich mit Nein beantworten. Aber solche Leuten lassen sich in Ihren Ansichten nicht durch Fakten stören.

  6. Wenn man etwas attraktiv macht und attraktiv verkauft, braucht man die Menschen nicht dazu zwingen. Es ist doch kein Wunder, dass Menschen etwas viel lieber und besser tun, wenn sie davon überzeugt sind und es aus eigenem Antrieb tun. Das können sich auch die nototischen Zwangsbevormunder in der Zeit-Redaktion mal hinter die Ohren schreiben.

    Ich bin sehr erfreut, dass die konservativ-liberale Koalition diesen Schritt gegangen ist und die Zwangsdienste durch erfolgreiche Freiwilligendienste ersetzt hat. Auch das war meine Stimme wert.

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    Mal ganz ehrlich: Ist die Bundeswehr wirklich attraktiver geworden? Und wenn ja, wodurch? Ich verstehe diesen Artikel als gezielte Propaganda. Leute, die mit den Strukturen des olivgrünen Trachtenvereins nicht zurecht kommen, werden mal eben als wundersame Exoten dargestellt und die Bundeswehr selbst als modernisiert gepriesen. Wie modern die deutschen Landesverteidiger sind, sieht man dann schön in Afghanistan, wo sie sich extrem schlecht ausgerüstet der Lächerlichkeit preis geben...

    Dass man den Leuten, die jederzeit (sprichwörtlich) die Flinte ins Korn schmeißen können, nun etwas mehr bieten muss, als denjenigen, die zuvor gezwungenermaßen "zum Bund" gegangen sind, dürfte klar sein. Genau so klar dürfte aber sein, dass sich die Klientel der freiwillig zum Bund gehenden immer noch die selbe ist: Leute, denen es nichts ausmacht von schreienden Befehlskaspern völlig sinnfreie Aufgaben auferlegt zu bekommen, die sie auch nie im Leben hinterfragen würden (so kann man sich im Ernstfall später immer noch auf "Befehlsnotstand" berufen). Und am Ende wissen sie was "Disziplin" ist, und wie man ein Bettuch auf DIN A4 faltet. Toll!

    Immer wieder werden Fälle von Befehlsmissbrauch, brutalen Unmenschlicheiten, rechtsradikalen Auswüchsen und Saufgelagen in der Bundeswehr bekannt. Die Klientel, die darauf abfährt, leistet ihren freiwilligen Wehrdienst zwischen zwei Ballermann-Urlauben ab.

    Tolle Armee, die niemand braucht.

    > > Ich bin sehr erfreut, dass die konservativ-liberale Koalition diesen Schritt gegangen ist und die Zwangsdienste durch erfolgreiche Freiwilligendienste ersetzt hat. Auch das war meine Stimme wert. > >

    Hehe.
    Wie in den USA.
    Wo dann die Unterschicht "freiwillig" in aller Welt verbluten darf, damit big money & big business durch die Unterstützung des bis aufs Mark korrupten big goverment Profite scheffeln können...
    Die beste aller Welten die man für Geld kaufen kann.

    Und ob man denjenigen die wirklich freiwillig zum Militär gehen, weil sie es "cool finden" schwer bewaffnete Befehlsempfänger einer abstrakten Ordnung zu sein, und nicht dazu ökonomisch gezwungen werden, die Möglichkeit der Macht über andere Menschen geben sollte, da hab ich doch ernste Zweifel.

    • Dok06
    • 06. Juli 2012 16:00 Uhr

    Ihnen ist bewusst, dass der konservative Teil dieser konservativ-liberalen Koalition der Grund ist, warum die Reform nicht schon in der vorhergehenden Legislaturperiode durchgeführt wurde?

    • fucko
    • 06. Juli 2012 14:25 Uhr

    real existierende BRD. Hier passieren wunderliche Dinge.

  7. Zumindest in Hinblick auf den ersten Kommentator kann man die Frage wohl klar und deutlich mit Nein beantworten. Aber solche Leuten lassen sich in Ihren Ansichten nicht durch Fakten stören.

    Antwort auf "Ich frage mich "
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    Ein Werbeartikel, PR von der BW - nope, das zähle ich nicht zu "Fakten"...

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