Es ist keine leichte Aufgabe, die die elf Abgeordneten des Bundestages zu bewältigen haben: Seit gut fünf Monaten untersuchen sie in einem Untersuchungsausschuss das Versagen der deutschen Sicherheitsbehörden im Fall der Terrortruppe Nationalsozialistischer Untergrund ( NSU ). Allein der Untersuchungszeitraum beträgt über zehn Jahre, so lange konnten Beate Zschäpe , Uwe Mundlos und Uwe Böhnhard unentdeckt im Untergrund leben.

Doch die Parlamentarier haben gute Arbeit geleistet. Sie haben Akten gewälzt, Beamte befragt, Parteigrenzen vergessen und dabei so einiges enthüllt. Im Mai kam heraus, dass die bayerische Polizei bei der Suche nach dem Mörder mehrerer Migranten sogar einen Dönerimbiss betrieb . In ihren Befragungen der Ermittlungsbeamten enttarnten die Abgeordneten weitere abenteuerliche Arbeitsspraktiken: In Nordrhein-Westfalen verließ sich die Polizei in ihren Ermittlungen auf einen Hellseher, in Hamburg auf einen Metaphysiker.

Die geschredderten Akten sind am Donnerstag Thema

Der Untersuchungsausschuss des Bundestages brachte vergangene Woche auch ans Licht , dass noch nach Bekanntwerden der Existenz der Terrorgruppe sensible Akten zu ihrem rechtsextremen Umfeld vernichtet wurden. Ein leitender Mitarbeiter des Bundesverfassungsschutzes hatte sie am 11. November 2011, in Köln bezeichnenderweise feucht-fröhlich gefeierter Karnevalsbeginn, geschreddert, angeblich weil eine Frist zum Datenschutz abgelaufen war.

Dieser Referatsleiter ist für Donnerstag als Zeuge vor den Untersuchungsausschuss geladen. In einer nicht öffentlichen Sitzung soll er seine Beweggründe erklären. Beobachter halten es aber auch für möglich, dass er jegliche Aussage verweigert.

Die sieben Akten, die er durch den Reißwolf jagen ließ, enthielten geheimdienstliche Informationen zur Anwerbung von Spitzeln im Thüringer Heimatschutz, einer rechtsextremen Organisation, in der auch die drei NSU-Terroristen ein- und ausgingen. Inzwischen sind die Akten aus anderen Unterlagen rekonstruiert worden , doch die Fragen bleiben: Wollte der Geheimdienst etwas vertuschen oder war der Beamte einfach nur ein fleißiger Datenschützer, der die Akten fristgerecht entsorgen wollte?

Mit Spannung erwartet wird am Donnerstag im Untersuchungsausschuss außerdem der Auftritt desjenigen, den die "Schredder-Affäre" bereits das Amt gekostet hat. Der scheidende Verfassungschutzpräsident Heinz Fromm wird ab Mittag über die Ermittlungen seiner Behörde aussagen. Seinem Auftritt wird mit großen medialen Erwartungen entgegengeblickt, allerdings glaubt das Ausschussmitglied Eva Högl von der SPD nicht, dass er nach seinem Rücktritt "freier spricht."