Sachsens Verfassungsschutzpräsident Reinhard Boos ist überraschend zurückgetreten. Er habe um seine Versetzung zum 1. August gebeten, teilte Innenminister Markus Ulbig ( CDU ) im Landtag mit.

Boos zog damit Konsequenzen aus einer Panne des Geheimdienstes bei der Aufklärung des Skandals um die Morde der Zwickauer Neonazi-Zelle.

Ulbig sprach von einem eklatanten Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter des sächsischen Verfassungsschutzes. Nach seinen Worten sind erst jetzt Protokolle einer Telefonüberwachung des Bundesamtes für Verfassungsschutz von Ende 1998 aufgetaucht. Bislang hatte der Minister wiederholt beteuert, dass Sachsen alle Dokumente veröffentlicht habe. Was genau in den Protokollen festgehalten wurde, blieb unklar.

Die Telefonüberwachung selbst sei zwar in Berichten an die Parlamentarische Kontrollkommission ( PKK ) Sachsens berücksichtigt worden. Neu sei aber, dass im Landesamt noch Protokolle dieser Überwachung existierten, hieß es.

Dritter Verfassungsschützer tritt ab

Gegen Mitarbeiter des sächsischen Verfassungsschutzes seien unverzüglich disziplinarische Schritte eingeleitet worden. Boos bedaure diesen Vorfall zutiefst und sei sehr enttäuscht, sagte Ulbig. Unter diesen Umständen könne er das Amt nicht mehr mit dem gebotenen Vertrauen weiterführen, habe Boos ihm gesagt.

Boos ist nach den Behördenchefs des Verfassungsschutzes im Bund und in Thüringen der dritte führende Verfassungsschützer, der wegen der Fehler und Pannen bei der Aufklärung der NSU-Mordserie sein Amt verliert.

Anfang Juli wurde Thüringens Verfassungsschutz-Chef Thomas Sippel entlassen. Vergangene Woche hatte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, sein Amt niedergelegt .