Für diese Woche hatten die Konservativen in der Union einen großen Aufschlag geplant: Am Freitag wollte der "Berliner Kreis", eine informelle Gruppe aus Modernisierungs- und Merkel-Skeptikern, ein "Berliner Manifest" vorlegen, quasi seine Gründungsurkunde. Doch nun wurde der Termin abgesagt.

"Aufgrund der Ferienzeit konnte die notwendige redaktionelle Endabstimmung der inhaltlichen Positionierung des Berliner Kreises wider Erwarten nicht mehr rechtzeitig erfolgen", sagte der hessische CDU-Fraktionschef Christean Wagner der Zeitung Die Welt. Daher müsse die für Freitag geplante Pressekonferenz verschoben werden.

Die terminliche Abstimmung dürfte aber wohl nicht der einzige Grund dafür sein, dass aus dem Manifest nun vorerst nichts wird. Probleme bereitete in den vergangenen Tagen offenbar vor allem der Inhalt des Papiers. Allzu hochfliegende Erwartungen wurden deshalb aus dem Umkreis des hessischen Fraktionschefs Christean Wagner, der als Initiator des Berliner Kreises gilt, schon im Vorfeld gedämpft: Revolutionäres habe man nicht mitzuteilen, hieß es.

In dem Papier stehe nichts, was nicht schon im Programm der CDU angelegt sei. Darum gehe es schließlich, beteuert Wagner gern: Sein Kreis wolle neben konservativen auch christliche und marktliberale Ansätze stärken – eben das Kernprogramm der CDU.

Der Bundestagsabgeordnete Thomas Dörflinger hatte den Entwurf zum Manifest verfasst. Das sollte wohl den Eindruck vermeiden helfen, hier rotteten sich nur Veteranen wie Wagner und die Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach (je 69 Jahre alt) zusammen. Dörflinger wird nächste Woche 47.

Über eine Machtbasis in der Partei verfügt er zwar nicht. Dörflinger ist lediglich Vizechef des Kreisverbandes Waldshut. Allerdings er hat 2011 bereits eigene "Thesen zur notwendigen programmatischen Neuausrichtung der CDU" vorgelegt. Die Parteiführung dankte recht schön.

Wenigstens mal reden

Darüber, wie Angela Merkel Meinungen ignoriert, sind sie so richtig fuchsig bei den Tiefschwarzen. Wahrscheinlich, heißt es im Wagner-Lager, führte nach Fukushima kein Weg am Atomausstieg vorbei – aber hätte man bitte noch mal drüber reden können? Selbst die Grünen haben noch einen Parteitag abgehalten.

Wenn die Kanzlerin die Wehrpflicht und die Hauptschule abschafft, den Euro rettet und massenhaft Kita-Plätze für Kleinkinder schafft, fühlen sich viele in der Partei übergangen. Das ist der wahre Beweggrund der drei Dutzend Aufrührer, die sich seit zwei, drei Jahren in Berliner Gaststätten treffen: Frust.

Insofern dürfte ihnen auch der Vorsitzende der Unions-Mittelstandsvereinigung Josef Schlarmann, der kein Mitglied des Kreises ist, aus dem Herzen gesprochen haben. In Merkels CDU gehe es zu "wie am Zarenhof", kritisierte Schlarmann vergangene Woche. Der 72-Jährige spricht öfter aus, was viele stört: zu wenig Profil zeige die CDU-Chefin, zu sehr lasse sie sich vom Tagesgeschehen treiben, Debatten bügele sie ab.

Eine lange gepflegte Strategie der Parteispitze erregt gestandene Wertkonservative besonders: die asymmetrische Wählerdemobilisierung. Die funktioniert so: Gib dem Gegner keine Chance, seine Klientel zu mobilisieren, und du gewinnst, solang deine Leute auch nur ein bisschen besser zu motivieren sind. Räume also alle Konfliktthemen ab.