Rainer Fabian, der Mann hinter der Eiche, ist so wütend, dass ihm fast die Worte fehlen. "Das ist ja die größte Schweinerei, die man sich überhaupt vorstellen kann!", bricht es schließlich aus ihm raus. "So etwas Unwürdiges, da steht man nur davor und weiß nicht, was man tun soll."

Schuld an der Verzweiflung des Leiters des Kolping-Begegnungszentrums in Rostock-Lichtenhagen ist ein Gruppe linker Aktivisten, die sich selbst AG antifaschistischer Fuchsschwanz nennt. Sie haben in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nach eigener Aussage die rund drei Meter hohe Eiche abgesägt, die Fabian und seine Mitstreiter von der Initiative Lichtenhagen bewegt sich erst am Sonntag gepflanzt hatten. "Dieses Symbol für Deutschtümelei und Militarismus ist für die Menschen, die 1992 dem Mob in Rostock-Lichtenhagen ausgesetzt waren, ein Schlag ins Gesicht" begründen die Aktivisten ihre nächtliche Aktion in einem Bekennerschreiben auf der linken Website indymedia .

Ein unpassendes Zeichen

Der schnelle und gewaltsame Tod passt zur unglücklichen Geschichte der "Friedenseiche", wie sie offiziell getauft wurde. Einen Baum wollten die Initiatoren pflanzen, der schon etwas her machte und bereits im Herbst wächst. Das Grünbauamt der Stadt empfahl eine deutsche Eiche, "dem sind wir dann gefolgt", sagt Mitinitiator Rainer Fabian. Daran, dass dieses vielleicht nicht deutschtümelnde, sicher aber patriotische Symbol eventuell nicht das beste Zeichen für Völkerverständigung und anti-rassistisches Gedenken sein könnte, störten sie sich nicht. "Wir können uns ja nicht auch noch unsere Flora und Fauna nehmen lassen", sagte beispielsweise die Präsidentin der Rostocker Bürgerschaft während der feierlichen Pflanzung am Sonntag . Linke Aktivisten haben genau solche Aussagen anscheinend als Herausforderung verstanden.

Als weiteren Grund für ihre Aktion führen die Baumfäller einen vermeintlich rassistischen Vorfall am Sonntag an, der auch schon im Internet für ein wenig Aufsehen gesorgt hatte : Zwei Mitglieder des Rostocker deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e.V. sollen trotz offizieller Einladung nicht auf die Gästetribüne bei der Gedenkfeier mit Bundespräsident Joachim Gauck gelassen worden sein. Doch längst ist klar: Die beiden kamen ganz einfach zu spät, um noch eingelassen zu werden. Das haben die Stadt Rostock sowie eine Mitarbeiterin von Daraja ZEIT ONLINE bestätigt. Die offiziellen Einlasszeiten für die Veranstaltung, bei der wegen der Rede des Bundespräsidenten sehr strenge Sicherheitsvorschriften galten, standen auch auf der Einladung selbst.