Der chinesische Künstler Ai Weiwei appelliert an Kanzlerin Merkel, bei ihrer Reise nach Peking auch Themen wie Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit zu diskutieren. "Wir wollen kein kriecherisches Deutschland sehen", sagte er. Die Probleme in China dürften nicht vergessen werden, auch wenn die Deutschen kämen, um Geschäfte zu machen. "Seine Rechte wahrnehmen zu können, die Meinungsfreiheit und das Recht, informiert zu sein, sollten für jeden Bürger in jedem Land respektiert werden."

Die Kanzlerin reist am heutigen Mittwoch erstmals mit sieben Ministern nach China. Ihre Delegation hat mehr als hundert Mitglieder, darunter auch Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft. Im Mittelpunkt von Merkels Gesprächen am Donnerstag und Freitag stehen die europäische Schuldenkrise, die Wirtschaftskooperation, Konfliktherde wie Syrien , Iran und Nordkorea und Chinas wachsende außenpolitische Macht.

Nach Gesprächen mit Regierungschef Wen Jiabao trifft Merkel am Donnerstag auch Staats- und Parteichef Hu Jintao sowie die beiden künftigen Führer Xi Jinping und Li Keqiang, die von Herbst an die Regierungsgeschäfte übernehmen sollen. Mehrere Regierungs- und Wirtschaftsabkommen werden unterzeichnet. Airbus hofft auf den Verkauf von bis zu hundert Flugzeugen nach China.

Vergebliches Warten auf die Kanzlerin

Auch der 55-jährige Ai Weiwei hätte Merkel gerne getroffen. Er hatte allerdings, wie auch der bekannteste Bürgerrechtsanwalt Mo Shaoping, vergeblich auf eine Einladung zu einem Empfang mit der Kanzlerin in der Botschaft gewartet. Mo Shaopin reagierte darauf verärgert: "Ich verstehe es, wenn sie mich nicht in Schwierigkeiten bringen wollen, aber um Schaden für die Beziehungen zu vermeiden, wäre es nicht notwendig gewesen." Die Haltung, die Menschenrechte zu schützen, dürfe "sich nicht einfach wegen wirtschaftlicher Interessen ändern", sagte Mo Shaoping, dessen Kanzlei führende Dissidenten wie Liu Xiaobo vertreten hat. Wie es in Peking hieß, wird Merkel bei dem Empfang vor allem Umweltaktivisten als Vertreter der Zivilgesellschaft sprechen.

Unterstützung erhielten Mo und Ai Weiwei aus der deutschen Opposition. Die Kanzlerin sei "zu sehr auf die Wirtschaft fixiert", sagte der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Tom Koenigs. "Die chinesische Seite ist härter geworden, gerade in den letzten Monaten." Merkel müsse das Schicksal des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo oder die Meinungsfreiheit ansprechen. Wenn Merkel so pompös nach China reise, müsse sie deutlich machen, "wo die Gemeinsamkeit endet".