Fall DrygallaMinisterium erwägt Extremismusklausel für Sportler

Spitzen-Sportverbände könnten bald ein Bekenntnis gegen Extremismus ablegen müssen, wenn sie Geld von der Regierung wollen. Vorbild ist die Klausel des Familienressorts.

Das Bundesinnenministerium erwägt, von Spitzensportlern und ihren Verbänden ein Bekenntnis gegen Extremismus zu verlangen. Im Zusammenhang mit der Zuweisung von Fördergeld für die Sport-Spitzenverbände prüfe das Ressort, den Empfängern in Zukunft eine Extremismusklausel vorzulegen, berichtete die Leipziger Volkszeitung unter Berufung auf das Ministerium.

Man sei durch den Fall der Ruderin Nadja Drygalla – "ein bisher nicht vorstellbarer Extremfall", so hieß es – neu zum Nachdenken gekommen, hieß es. Später erläuterte ein Ministeriumsvertreter auf Nachfrage, die Überlegung habe nichts mit dem Fall Drygalla zu tun. Derartige Berichte müssten insofern "ausdrücklich dementiert" werden.

Anzeige

Die 23-Jährige hatte das Olympische Dorf in London verlassen, nachdem bekannt wurde, dass sie mit einem Rechtsextremisten liiert ist. In einem Interview distanzierte sie sich kurz darauf von rechtsextremer Ideologie und beteuerte, keine Verbindung zum Freundeskreis ihres Partners zu haben. Kurz darauf bekannte der 24-Jährige, aus der NPD ausgetreten zu sein und "keinen großartigen Kontakt" mehr zu Neonazis zu haben. Es gibt aber Belege dafür, dass sich Drygallas Freund zumindest bis Mitte Juni in der Szene betätigte: Zu diesem Zeitpunkt schrieb er noch für ein nationalistisches Portal.

Das Innenministerium vertraute nach eigenen Angaben bisher darauf, dass sich rechtsextremistische Tendenzen im Sport durch Aufklärung bekämpfen lassen. Die Geldgeber fragten bei den Vereinen nur allgemein ein Bekenntnis zu sportpolitischen Grundsätzen ab. Dazu gehört unter anderem eine Absage an Fremdenfeindlichkeit.

Eine solche Extremismusklausel würde auch den Linksextremismus umfassen – eine im Sport bisher kaum beobachtete Erscheinung. Heftig umstritten ist derzeit die Extremismusklausel, die sich das Familienministerium von seinen Geldempfängern unterschreiben lässt. Sie verpflichtet Initiativen, sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu bekennen.

Für rechtswidrig erklärt

Die Verantwortlichen der Förderprojekte sollen aber auch bestätigen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und auf eigene Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass ihre Projektpartner sich ebenfalls den Zielen des Grundgesetzes verpflichten.

Wegen dieser Bedingung hatte das Verwaltungsgericht Dresden die Klausel im April für rechtswidrig erklärt. Die Richter bemängelten, es sei unklar, wer "Partner" sei und welches Verhalten dem Verein konkret abverlangt werde.

Wo ist die Grenze?

Eine genauere Prüfung des Athletenumfeldes hält der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper, für verzichtbar. "Wir wollen keinen sportinternen Geheimdienst und keine Gesinnungsprüfung", sagte der Spitzenfunktionär. Der Sportbund hatte nach Bekanntwerden von Drygallas Ausscheiden erklärt, dass er von der Beziehung der Athletin zu dem Rechtsextremisten nichts wusste. Dem Landesinnenministerium in Schwerinwar die Verbindung dagegen durchaus bekannt, Drygalla hatte deswegen bereits den Polizeidienst verlassen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte nach einem Treffen mit deutschen Olympiasportlern in London für eine differenzierte Sicht der Dinge geworben. "Müssen wir von Sportlerinnen und Sportlern verlangen, dass sie offenbaren, mit wem sie befreundet sind, was die denken? Wo ist da die Grenze?", fragte er. Er stelle diese Frage, um  deutlich zu machen, "dass es auch Grenzen der Überprüfung auch für die Rolle von Sportlern gibt".

 
Leserkommentare
  1. Gegen den Partner/die Partnerin? Diese Geschichte nimmt groteske Züge an.

    31 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und Frau Drygalla wird es mit ihren ostdt. Wurzeln wahrscheinlich eher erkennen.

    Fassen wir mal zusammen der Innenminister tauscht wichtige Führungskräfte aus und besetzt die Position mit regimetreuen Mitarbeitern, danach stellt sich raus das es in D kein gesetzlich gedecktes Wahlrecht (nächstes Jahr sind Wahlen) gibt, die Regierung probiert die finanzielle Hoheitsgewalt, vom Parlament zu nehmen und bringt sich mit der Unterstützung des ESM in die gute Position Notstandsgesetze zu erlassen, wenn es genehm erscheint, dann lässt man ihn einfach platzen.
    Jetzt die s.g. Extremismusklausel (Frau Drygalla dürfte das Bauernopfer sein), die wird in der Form nicht durchgehen, da es nicht für alle Bürger gilt, also wird man sie flugs auf alle ausdehnen und was das bedeutet braucht man keinem zu erzählen, der bis 3 Zählen kann.

    Empfehle allen mal Bernays (1928) zu lesen http://www.historyisaweap..., da passen sich viele Artikel in den Medien nahtlos ein.

    am besten gegen die gesamte Verwandschaft ? besser regieren
    und diese "Exremisten" haetten wohl kaum Chancen !

    Während der Nazizeit wurden deutsche Frauen verfolgt, weil sie jüdische Männer liebten.
    Es gab auch schon Frauen, die sich in Massenmörder in der Todeszelle verliebten.
    Aber der reine Geist von Olympia muss gewahrt bleiben.
    Woran denken Sie spontan bei "Olympiade"?...Doping, Korruption von Amtsträgern, Scheinheiligkeit, absichtlichen Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern, Wettmafia...?
    Das alte Spiel und es wird immer so bleiben. Mir tut nur diese Frau leid. Wieder eine Kariere zerstört, während sich Verbrecher im Hintergrund bereichern.

    dass man ein Auto, was man vom Sportbund bereitgestellt bekommen hat, nicht dem Partner, der ein bekennder Neonazi ist, verleiht.

    Die Extremismusklausel wäre nur der formale Ausdruck der öffentlichen Erwartungen. Und deshalb ist er nicht erforderlich.

    Die Athleten und Funktionäre des Sports sollten nicht nur sagen, dass sie zu unserer freiheitlichen Grundordnung stehen. Vielmehr sollten sie bereits den Anschein des Gegenteils vermeiden.

    Die Polizei und der DOSB haben sich in diesem Fall richtig verhalten. Zweifel bestehen nur an Minister de Maiziere, wenn er sie in die Sportförderung der Bundeswehr übernehmen will.

    Wenn Herr Fischer aus der NPD austritt, weil Frau Drygalla es von ihm forderte, woher wissen wir dann, ob er nicht nur für die NPD kandidierte, weil sie es verlangte? Sie erweckt den Anschein rechtsextremistischer Gesinnung, weil sie ihre Polizeiausbildung zugunsten ihres Freundes abbrach. Und damit sollte sie von jeglicher Sportförderung ausgeschlossen bleiben.

    Anstatt sich von dem Neonazi zu trennen, wird sie im Lauf der Zeit wie Herr Wulff untergehen.

    Es kann nicht sein, dass Sportler gefördert werden und humane Werte bewerben, aber auf der anderen Seite ganz andere Ziele verfolgen oder unterstützen!

    Und nein, das gilt jetzt nicht für den Fall Drygalla.
    Auch wenn bisher nichts von einem Ausstieg ihres Freundes aus der gewaltbereiten rechtsextremen Szene belegt ist.

    Und wer den Begridd "Sippenhaft" verwendet, der sollte sich erstmal bitte mit der Bedeutung dessen auseinandersetzen und wird dann merken, dass er hier nicht mal ansatzweise passt.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf relativierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/au.

    Entfernt. Die Redaktion/ls

    und Frau Drygalla wird es mit ihren ostdt. Wurzeln wahrscheinlich eher erkennen.

    Fassen wir mal zusammen der Innenminister tauscht wichtige Führungskräfte aus und besetzt die Position mit regimetreuen Mitarbeitern, danach stellt sich raus das es in D kein gesetzlich gedecktes Wahlrecht (nächstes Jahr sind Wahlen) gibt, die Regierung probiert die finanzielle Hoheitsgewalt, vom Parlament zu nehmen und bringt sich mit der Unterstützung des ESM in die gute Position Notstandsgesetze zu erlassen, wenn es genehm erscheint, dann lässt man ihn einfach platzen.
    Jetzt die s.g. Extremismusklausel (Frau Drygalla dürfte das Bauernopfer sein), die wird in der Form nicht durchgehen, da es nicht für alle Bürger gilt, also wird man sie flugs auf alle ausdehnen und was das bedeutet braucht man keinem zu erzählen, der bis 3 Zählen kann.

    Empfehle allen mal Bernays (1928) zu lesen http://www.historyisaweap..., da passen sich viele Artikel in den Medien nahtlos ein.

    am besten gegen die gesamte Verwandschaft ? besser regieren
    und diese "Exremisten" haetten wohl kaum Chancen !

    Während der Nazizeit wurden deutsche Frauen verfolgt, weil sie jüdische Männer liebten.
    Es gab auch schon Frauen, die sich in Massenmörder in der Todeszelle verliebten.
    Aber der reine Geist von Olympia muss gewahrt bleiben.
    Woran denken Sie spontan bei "Olympiade"?...Doping, Korruption von Amtsträgern, Scheinheiligkeit, absichtlichen Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern, Wettmafia...?
    Das alte Spiel und es wird immer so bleiben. Mir tut nur diese Frau leid. Wieder eine Kariere zerstört, während sich Verbrecher im Hintergrund bereichern.

    dass man ein Auto, was man vom Sportbund bereitgestellt bekommen hat, nicht dem Partner, der ein bekennder Neonazi ist, verleiht.

    Die Extremismusklausel wäre nur der formale Ausdruck der öffentlichen Erwartungen. Und deshalb ist er nicht erforderlich.

    Die Athleten und Funktionäre des Sports sollten nicht nur sagen, dass sie zu unserer freiheitlichen Grundordnung stehen. Vielmehr sollten sie bereits den Anschein des Gegenteils vermeiden.

    Die Polizei und der DOSB haben sich in diesem Fall richtig verhalten. Zweifel bestehen nur an Minister de Maiziere, wenn er sie in die Sportförderung der Bundeswehr übernehmen will.

    Wenn Herr Fischer aus der NPD austritt, weil Frau Drygalla es von ihm forderte, woher wissen wir dann, ob er nicht nur für die NPD kandidierte, weil sie es verlangte? Sie erweckt den Anschein rechtsextremistischer Gesinnung, weil sie ihre Polizeiausbildung zugunsten ihres Freundes abbrach. Und damit sollte sie von jeglicher Sportförderung ausgeschlossen bleiben.

    Anstatt sich von dem Neonazi zu trennen, wird sie im Lauf der Zeit wie Herr Wulff untergehen.

    Es kann nicht sein, dass Sportler gefördert werden und humane Werte bewerben, aber auf der anderen Seite ganz andere Ziele verfolgen oder unterstützen!

    Und nein, das gilt jetzt nicht für den Fall Drygalla.
    Auch wenn bisher nichts von einem Ausstieg ihres Freundes aus der gewaltbereiten rechtsextremen Szene belegt ist.

    Und wer den Begridd "Sippenhaft" verwendet, der sollte sich erstmal bitte mit der Bedeutung dessen auseinandersetzen und wird dann merken, dass er hier nicht mal ansatzweise passt.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf relativierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/au.

    Entfernt. Die Redaktion/ls

  2. Am besten wird der Blockwart gleich wieder eingeführt, der dann die Einhaltung der Extremismusklausel im Alltag kontrolliert. Ich bin eher dem linken Lager zuzurechnen, aber ich finde auch die Deutsche Version von "political correctness" ekelerregend. Etwas anderes wäre es, wenn Frau Drygalla selbst rechtsextreme Äußerungen gemacht oder rechtsextremistische Taten begangen hätte oder sich nicht von der rechtsextremen Aussagen distanziert hätte. Dass es der Deutschen Politik in mehr als zwanzig Jahren nicht gelingt die NPD zu verbieten lässt nur zwei Schlüsse zu: entweder ist die NPD keine verfassungsfeindliche Organisation oder unsere Politiker sind eine Gruppe unfähiger Gestalten.

    48 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich schließe mich an. Traurig

    2."Dass es der Deutschen Politik in mehr als zwanzig Jahren nicht gelingt die NPD zu verbieten lässt nur zwei Schlüsse zu: entweder ist die NPD keine verfassungsfeindliche Organisation oder unsere Politiker sind eine Gruppe unfähiger Gestalten."

    Auch ehemalige SED-Mitglieder in der Linken und die mittlererweile unzähligen Salafisten- und Scientologiegruppen
    sind definitiv verfassungsfeindlich und nicht! verboten.
    Erst wenn kriminelle Straftaten dazukommen,wird ja ermittelt,insofern scheint Verfassunsgfeindlichkeit an sich in der Praxis keinen Straftatbestand darzustellen.

    • joG
    • 07.08.2012 um 9:15 Uhr

    ....die Struktur der Bundesrepublik verändern müssen. Wir müssen die Politiker und Bürokratien in den Griff zurückbekommen. Die jetzt geltende Verfassung muss gestärkt werden und die institutionellen sowie straf-, verwaltungs- und zivilrechtlichen Kontrollen präzisieren, schärfen und allgemein durchsetzen. Nach Monti jetzt das hier. Die Unruhe in der politischen Klasse wird beunruhigend. Äußerst beunruhigend.

    • napf90
    • 07.08.2012 um 9:20 Uhr

    Gesinnungsjustiz. Sie können doch keine Organisation oder Partei verbieden, weil einzelne Mitglieder die Verfassung ablehnen. Dann gäbe es bald nicht mehr viele Vereine in Deutschland. Natürlich können vor Gericht nur Straftaten verfolgt werden. Einzelne Menschen lassen sich schließlich nicht verbieten.

    Die NPD gilt gerade in den Zeiten der Euro-, Banken- und Schuldenkrisen bei so manchen als das vermeintlich "kleinere Übel" - das ist vermutlich auch einer der Gründe, warum man sie "leider" nicht verboten bekommt. Im Gegensatz zu den Linken stellen Nazis das Privateigentum und den Kapitalismus aktueller Spielart nicht grundsätzlich in Frage. Man glaubt mancherorts, man bräuchte die Nazis nur zu "führen", zu "lenken" und könne "mäßigend auf sie einwirken" - dann wären Gute Geschäfte schon weiter möglich. Diesem Irrtum sind bereits die "Reichsherrenreiter" um den Reichskanzler Franz von Papen aufgesessen.

    Mir selbst stellt sich im Moment allerdings die Frage, WEM der Lebensgefährte von Frau Drygalla auf die Füße getreten ist - denn die äußerst harsche Reaktion ist ja sehr bemerkenswert... Hat er vielleicht irgendetwas gesagt, was die Gönner aus den Kreisen der Banken- und Währungsretter nicht hören wollen? Oder hat er "nicht geliefert"? V-Leute der Geheimdienste sollen sich ja in der NPD und den "Freien Kameradschaften" überall tummeln.

    Die Versuche, die NPD zu verbieten sind bisher im wesentlichen an Verfahrensfehlern gescheitert und nicht an dem fehlenden, strafrechtlich relevanten, Nachweis entsprechender Taten. Was ich mir wünsche? Eine Legislative, Judikative und exekutive, die sich im wesentlichen durch Kompentenz auszeichnet und keinen Haufen populistischer Dilettanten. "Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare." (Cicero)

    "Dass es der Deutschen Politik in mehr als zwanzig Jahren nicht gelingt die NPD zu verbieten lässt nur zwei Schlüsse zu: entweder ist die NPD keine verfassungsfeindliche Organisation oder unsere Politiker sind eine Gruppe unfähiger Gestalten. "

    Oder: Die NPD ist der systematisch (um nicht zu sagen: systemisch) aufgebaute Popanz, an dem sich der staatlich gesponserte Antifaschismus abarbeiten darf.

    Ist schon mal jemanden aufgefallen, dass auch der Antifaschismus ein Faschismus ist? Die reine Antithese nämlich und eben kein essentieller Gegenentwurf, ein in Gutmenschen-Moral verpackter Extremismus. In diesem Zusammenhang fällt mir Ulrich Schacht ein, der irgendwo Bazon Brook zitiert: Nur ist ein Faschist, der glaubt, dass er keiner ist. Harter Tobak, ja, aber auch der dezente Wink, in der unseligen Diskussion die Natur des Menschen nicht auszuklammern. So kann es passieren, dass uns Arturi Ui plötzlich als radikaler Antifaschist kommt.

    Im Übrigen halte ich die ganze Diskussion für eine hausgemachte Ablenkung: Europa geht gerade vor Hunde. Dass auch die Liberalen mmer intensiver in den trüben Wassern des spezifisch deutschen Antifaschismus fischen, beweist, wie wenig man dem sich anbahnenden Destaster gewachsen ist: Wo man keine politische Idee mehr hat - geschweige denn eine Idee des Politischen - da muss man ständig das schlechte Gewissen der Deutschen aufbacken. Denn wer ein schlechtes Gewissen hat, der wird die Ablasszettel aus Athen, Madrid und Rom schon kaufen...

    Ich schließe mich an. Traurig

    2."Dass es der Deutschen Politik in mehr als zwanzig Jahren nicht gelingt die NPD zu verbieten lässt nur zwei Schlüsse zu: entweder ist die NPD keine verfassungsfeindliche Organisation oder unsere Politiker sind eine Gruppe unfähiger Gestalten."

    Auch ehemalige SED-Mitglieder in der Linken und die mittlererweile unzähligen Salafisten- und Scientologiegruppen
    sind definitiv verfassungsfeindlich und nicht! verboten.
    Erst wenn kriminelle Straftaten dazukommen,wird ja ermittelt,insofern scheint Verfassunsgfeindlichkeit an sich in der Praxis keinen Straftatbestand darzustellen.

    • joG
    • 07.08.2012 um 9:15 Uhr

    ....die Struktur der Bundesrepublik verändern müssen. Wir müssen die Politiker und Bürokratien in den Griff zurückbekommen. Die jetzt geltende Verfassung muss gestärkt werden und die institutionellen sowie straf-, verwaltungs- und zivilrechtlichen Kontrollen präzisieren, schärfen und allgemein durchsetzen. Nach Monti jetzt das hier. Die Unruhe in der politischen Klasse wird beunruhigend. Äußerst beunruhigend.

    • napf90
    • 07.08.2012 um 9:20 Uhr

    Gesinnungsjustiz. Sie können doch keine Organisation oder Partei verbieden, weil einzelne Mitglieder die Verfassung ablehnen. Dann gäbe es bald nicht mehr viele Vereine in Deutschland. Natürlich können vor Gericht nur Straftaten verfolgt werden. Einzelne Menschen lassen sich schließlich nicht verbieten.

    Die NPD gilt gerade in den Zeiten der Euro-, Banken- und Schuldenkrisen bei so manchen als das vermeintlich "kleinere Übel" - das ist vermutlich auch einer der Gründe, warum man sie "leider" nicht verboten bekommt. Im Gegensatz zu den Linken stellen Nazis das Privateigentum und den Kapitalismus aktueller Spielart nicht grundsätzlich in Frage. Man glaubt mancherorts, man bräuchte die Nazis nur zu "führen", zu "lenken" und könne "mäßigend auf sie einwirken" - dann wären Gute Geschäfte schon weiter möglich. Diesem Irrtum sind bereits die "Reichsherrenreiter" um den Reichskanzler Franz von Papen aufgesessen.

    Mir selbst stellt sich im Moment allerdings die Frage, WEM der Lebensgefährte von Frau Drygalla auf die Füße getreten ist - denn die äußerst harsche Reaktion ist ja sehr bemerkenswert... Hat er vielleicht irgendetwas gesagt, was die Gönner aus den Kreisen der Banken- und Währungsretter nicht hören wollen? Oder hat er "nicht geliefert"? V-Leute der Geheimdienste sollen sich ja in der NPD und den "Freien Kameradschaften" überall tummeln.

    Die Versuche, die NPD zu verbieten sind bisher im wesentlichen an Verfahrensfehlern gescheitert und nicht an dem fehlenden, strafrechtlich relevanten, Nachweis entsprechender Taten. Was ich mir wünsche? Eine Legislative, Judikative und exekutive, die sich im wesentlichen durch Kompentenz auszeichnet und keinen Haufen populistischer Dilettanten. "Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare." (Cicero)

    "Dass es der Deutschen Politik in mehr als zwanzig Jahren nicht gelingt die NPD zu verbieten lässt nur zwei Schlüsse zu: entweder ist die NPD keine verfassungsfeindliche Organisation oder unsere Politiker sind eine Gruppe unfähiger Gestalten. "

    Oder: Die NPD ist der systematisch (um nicht zu sagen: systemisch) aufgebaute Popanz, an dem sich der staatlich gesponserte Antifaschismus abarbeiten darf.

    Ist schon mal jemanden aufgefallen, dass auch der Antifaschismus ein Faschismus ist? Die reine Antithese nämlich und eben kein essentieller Gegenentwurf, ein in Gutmenschen-Moral verpackter Extremismus. In diesem Zusammenhang fällt mir Ulrich Schacht ein, der irgendwo Bazon Brook zitiert: Nur ist ein Faschist, der glaubt, dass er keiner ist. Harter Tobak, ja, aber auch der dezente Wink, in der unseligen Diskussion die Natur des Menschen nicht auszuklammern. So kann es passieren, dass uns Arturi Ui plötzlich als radikaler Antifaschist kommt.

    Im Übrigen halte ich die ganze Diskussion für eine hausgemachte Ablenkung: Europa geht gerade vor Hunde. Dass auch die Liberalen mmer intensiver in den trüben Wassern des spezifisch deutschen Antifaschismus fischen, beweist, wie wenig man dem sich anbahnenden Destaster gewachsen ist: Wo man keine politische Idee mehr hat - geschweige denn eine Idee des Politischen - da muss man ständig das schlechte Gewissen der Deutschen aufbacken. Denn wer ein schlechtes Gewissen hat, der wird die Ablasszettel aus Athen, Madrid und Rom schon kaufen...

  3. oder warum muss Frau Drygalla als zweite Überschrift herhalten bei einem Versuch etwas einzubringen wenn zu der Zeit noch nicht über die Frau gesprochen wurde..

    Ich werde das Gefühl nicht los das die Zeit nur mehr die Klicks erhöhen möchte um mehr Geld mit Werbung zu Erwirtschaften..

    22 Leserempfehlungen
  4. 4. *sign*

    Ich schließe mich an. Traurig

    7 Leserempfehlungen
    • joG
    • 07.08.2012 um 9:03 Uhr

    ...Extremismus ablegen müssen, wenn sie Geld von der Regierung wollen."

    Das ist eine Macht, die man der Regierung nun wirklich nicht geben sollte. Es ist mir unklar, wie man überhaupt auf einen solchen Gedanken kommen kann ohne darüber zu lachen (oder zu weinen). Was ist ein Extremist? Einer der einer Partei nahe steht, die die Verfassung untergräbt mit dem Vertrag zum Euro und ESM?

    Aber Scherz beiseite. Wie kann man Regierenden solche Macht anvertrauen wollen, wenn sie vor kurzem verfassungsmäßig zugelassene Parteien mit V-Leuten unterwanderten und Abgeordnete ausspionierten. Das ist doch gefährlich für die Verfassung.

    15 Leserempfehlungen
  5. Selbst bei Olympia können die deutschen Medien nicht von ihrer Vergangenheitsbewältigung lassen.
    Diese groteske "Political Correctness" wirkt auf eine Ausländerin wie mich einfach nur peinlich und lächerlich.

    -Magic-

    49 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    In den letzten Monaten waren dran:

    - Ein alter Mann, der als 16-17jähriger in den letzten Tagen von WW2 eingezogen wurde (Günther Grass)
    - Ein tätowierter Russe
    - Eine Sportlerin, deren Partner als nicht salonfähig eingestuft wurde

    Irgendwie sind alle drei nicht die geeigneten Kandidaten, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Freudsche Fehlleistung nach dem Motto: Knapp vorbei ist auch daneben.

    Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Wo geht's denn da um die Vergangenheitsbewätigung der Medien? Das können sie meinetwegen dem Innenministerium vorwerfen, dass die Klausel will. Die Zeit berichtet, in diesem konkreten Artikel, völlig neutral.

    sie das mit der Identifikation? sie schrieben: "wirkt auf eine Ausländerin wie mich einfach nur peinlich" - fühlen sie sich so stark mit D verbunden, dass sie sogar Peinlichkeits- und Schamgefühle stellvertretend entwickeln können, wenn sie etwas erfahren, was ihnen zuwiderläuft?
    Ich fänd es schon ok, aber wieso muss in diesem Fall der Status Ausländer betont werden? Sie haben keinen dt. Pass und leben seit Jahren in D.? Wieso Identifikation dann nur in eine Richtung - zur Scham? Zudem, aus welchem Ausland kommen sie und in welcher politischen Umgebung fühlen sie sich dort zu Hause?

    Mir ist es wichtig zu erfahren, was die Politik da wieder verbocken will. Diese Extremismusklausel finde ich völlig unangebracht. Der Staat in Repräsentanz der Politiker zeigt häufiger Machtattacken statt Lösungskompetenz oder gar -willen. Darüber will ich informiert werden.

    • xpeten
    • 07.08.2012 um 11:34 Uhr

    zu tun - außer, dass sie selbst in ihrer ganzen Denke höchstgradig rückwärtsgewandt sind?

    Die brüllen ihre rassistische Hetze nicht in der Vergangenheit heraus, sondern auf unseren heutigen Marktplätzen, und die verteilen ihre NPD-Luftballons nicht in der Vergangenheit, sondern vor unseren heutigen Schulenhöfen.

    In den letzten Monaten waren dran:

    - Ein alter Mann, der als 16-17jähriger in den letzten Tagen von WW2 eingezogen wurde (Günther Grass)
    - Ein tätowierter Russe
    - Eine Sportlerin, deren Partner als nicht salonfähig eingestuft wurde

    Irgendwie sind alle drei nicht die geeigneten Kandidaten, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Freudsche Fehlleistung nach dem Motto: Knapp vorbei ist auch daneben.

    Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Wo geht's denn da um die Vergangenheitsbewätigung der Medien? Das können sie meinetwegen dem Innenministerium vorwerfen, dass die Klausel will. Die Zeit berichtet, in diesem konkreten Artikel, völlig neutral.

    sie das mit der Identifikation? sie schrieben: "wirkt auf eine Ausländerin wie mich einfach nur peinlich" - fühlen sie sich so stark mit D verbunden, dass sie sogar Peinlichkeits- und Schamgefühle stellvertretend entwickeln können, wenn sie etwas erfahren, was ihnen zuwiderläuft?
    Ich fänd es schon ok, aber wieso muss in diesem Fall der Status Ausländer betont werden? Sie haben keinen dt. Pass und leben seit Jahren in D.? Wieso Identifikation dann nur in eine Richtung - zur Scham? Zudem, aus welchem Ausland kommen sie und in welcher politischen Umgebung fühlen sie sich dort zu Hause?

    Mir ist es wichtig zu erfahren, was die Politik da wieder verbocken will. Diese Extremismusklausel finde ich völlig unangebracht. Der Staat in Repräsentanz der Politiker zeigt häufiger Machtattacken statt Lösungskompetenz oder gar -willen. Darüber will ich informiert werden.

    • xpeten
    • 07.08.2012 um 11:34 Uhr

    zu tun - außer, dass sie selbst in ihrer ganzen Denke höchstgradig rückwärtsgewandt sind?

    Die brüllen ihre rassistische Hetze nicht in der Vergangenheit heraus, sondern auf unseren heutigen Marktplätzen, und die verteilen ihre NPD-Luftballons nicht in der Vergangenheit, sondern vor unseren heutigen Schulenhöfen.

  6. 2."Etwas anderes wäre es, wenn Frau Drygalla selbst rechtsextreme Äußerungen gemacht oder rechtsextremistische Taten begangen hätte oder sich nicht von der rechtsextremen Aussagen distanziert hätte."

    ich bin eher in der Mitte anzusiedeln,und kann mich Ihnen nur voll anschließen!Es kommt noch so weit,dass vielleicht auch noch der Tierarzt oder die Reinigunsghilfe mit unter die Sippenhaft fallen,es wird Zeit dass da wieder vernünftige Maßstäbe gelten,ich halte Sippenhaft in jedweder From für antidemokratisch und verfassungswidrig.

    19 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    „Dann werden wir eine absolute Sippenhaftung einführen. Wir sind danach schon vorgegangen und haben danach schon gehandelt. Die Familie Graf Stauffenberg wird ausgelöscht werden bis ins letzte Glied.“
    (Heinrich Himmler am 3. August 1944)

    Mich stört es ehrlich gesagt in dieser Debatte, daß der Begriff Sippenhaft so inflationär benutzt wird. Das verhöhnt meiner Meinung nach die Opfer der Sippenhaft im 3. Reich und der DDR und anderen totalitären Systemen. Diese "Sippen" hatten ganz andere Konsequenzen zu tragen als Frau D. und Herr F. Kinder wurden den Eltern weggenommen. Erwachsene wurden in Gefängnisse und KZ´s gesperrt und gequält. Besitz wurde geraubt. Die Nachteile für die Betroffenen könnten Bücher füllen. Frau Drygalla könnte sogar Klage gegen die Presse und andere Personen erheben. Das konnten Sippenhäftlinge nicht.
    Hier was zum Lesen
    http://www.kas.de/wf/de/7...

    „Dann werden wir eine absolute Sippenhaftung einführen. Wir sind danach schon vorgegangen und haben danach schon gehandelt. Die Familie Graf Stauffenberg wird ausgelöscht werden bis ins letzte Glied.“
    (Heinrich Himmler am 3. August 1944)

    Mich stört es ehrlich gesagt in dieser Debatte, daß der Begriff Sippenhaft so inflationär benutzt wird. Das verhöhnt meiner Meinung nach die Opfer der Sippenhaft im 3. Reich und der DDR und anderen totalitären Systemen. Diese "Sippen" hatten ganz andere Konsequenzen zu tragen als Frau D. und Herr F. Kinder wurden den Eltern weggenommen. Erwachsene wurden in Gefängnisse und KZ´s gesperrt und gequält. Besitz wurde geraubt. Die Nachteile für die Betroffenen könnten Bücher füllen. Frau Drygalla könnte sogar Klage gegen die Presse und andere Personen erheben. Das konnten Sippenhäftlinge nicht.
    Hier was zum Lesen
    http://www.kas.de/wf/de/7...

  7. ich kann es nicht mehr ertragen. Die Presse, auch die Zeit hat einen Fehler gemacht, ob sie es nun zugibt oder nicht: Schluss damit! Bitte, endlich.

    29 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wieso machen sie gerade der Presse einen Vorwurf, obwohl diese im Moment über 'Erwägungen' der Politik berichtet?
    Verstehe ich nicht, wie sich hier echauffiert wird. Fänden sie es besser, wenn die Extrismusklausel käme, ohne dass sie zuvor davon in den Medien erfahren?

    • Afa81
    • 07.08.2012 um 11:19 Uhr

    ...dass ohne die Medien kein Politiker über eine Extremismusklausel nachdenken würde - und das wissen Sie.

    Danke Afa81

    Wieso machen sie gerade der Presse einen Vorwurf, obwohl diese im Moment über 'Erwägungen' der Politik berichtet?
    Verstehe ich nicht, wie sich hier echauffiert wird. Fänden sie es besser, wenn die Extrismusklausel käme, ohne dass sie zuvor davon in den Medien erfahren?

    • Afa81
    • 07.08.2012 um 11:19 Uhr

    ...dass ohne die Medien kein Politiker über eine Extremismusklausel nachdenken würde - und das wissen Sie.

    Danke Afa81

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service