Jetzt hat Jürgen Trittin seine Kandidatur also offiziell gemacht . Seit Monaten streiten die Grünen öffentlich und erbittert darum, welches Politiker-Duo sie bei der Bundestagswahl 2013 anführen soll. Es ist auch ziemlich kompliziert: Mindestens eine Frau muss im Spitzenteam mit dabei sein, am besten sollen außerdem beide Parteiflügel durch die zwei vordersten Wahlkämpfer repräsentiert werden.

Der dem linken Flügel zugeordnete Trittin gilt schon lange als starker Mann in der Partei und damit auch gesetzt für einen der beiden Spitzenkandidaten-Posten. Doch zu seinen Ambitionen schwieg der Fraktionsvorsitzende und ehemalige Bundesumweltminister lange eisern. Dabei ging niemand ernsthaft davon aus, dass der Führungs-Grüne am Ende nicht kandidieren würde.

Bis Ende August muss klar sein, wer sich für das Duo bewirbt. Bei mehr als zwei Bewerbern wird ein kleiner Parteitag am ersten September-Wochenende eine Urwahl einleiten: Dann würden alle rund 60.000 Grünen-Mitglieder bis Jahresende entscheiden, von welchen beiden Gesichtern sie im Bundestagswahlkampf vertreten werden wollen.

Inzwischen ist es Mitte August und Trittin ist am Wochenende in seinen zweiwöchigen Sommerurlaub aufgebrochen. Vorab wollte er ganz offenbar noch seinen Schreibtisch aufräumen – im übertragenen Sinne. Dem Spiegel teilte er vor Abreise mit , es sei nun "an der Zeit, sich zu erklären": "Ich trete an und möchte einer der beiden Spitzenkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen sein." Gleichzeitig informierte der Grüne die führenden Parteigremien. Trittin schreibt in dem Brief, er wolle als Kandidat für die Grünen mithelfen, die schwarz-gelbe Koalition abzulösen: "Eine andere Politik ist möglich, dabei freue ich mich auf Eure Unterstützung."

Göring-Eckardt schweigt

Im Spiegel -Interview stellte der grüne Kandidaten-Kandidat außerdem noch klar: "Mit allen Frauen, über deren Kandidatur bisher spekuliert wird, kann ich gut zusammenarbeiten: Ich kenne ihre Stärken und Fähigkeiten."

Tatsächlich kann Trittin entspannt Urlaub machen. Außer ihm hat bisher nur Grünen-Chefin Claudia Roth Interesse an einem Platz im Wahlkampf-Duo erklärt. Roth und Trittin gehören beide dem linken Parteiflügel an und kennen sich seit Jahren. Sie sind parteiintern beliebt und müssten sich auch bei einer Urwahl unter allen Mitgliedern keine Sorgen um die nötigen Mehrheiten machen.

Zwei linke Wahlkämpfer, das würde allerdings die intern geltende Flügelarithmetik unterlaufen. Deswegen bereitet das Szenario Roth/Trittin dem grünen Realo-Flügel gehörige Schwierigkeiten. Gerne hätten sie den linken Trittin durch eine grüne Realo-Frau an seiner Seite ausgeglichen – nur hat sich bis heute keine geeignete Kandidatin gefunden. Fraktionschefin Renate Künast gilt seit der verunglückten Berlin-Wahl vor einem Jahr als angeschlagen, von den eigenen Flügelvertretern wurde sie danach heftig attackiert und gedemütigt.