BundestagswahlGrünen steht Kampfabstimmung bevor

Fraktionschefin Künast will bei der Bundestagswahl als Spitzenkandidatin antreten, auch Göring-Eckardt drängt es nach vorn. Schon bereit stehen Trittin und Roth. von 

Die Führung der Grünen: Die Parteivorsitzenden Claudia Roth (links vorn) und Cem Özdemir (rechts) sowie die Fraktionschefs Jürgen Trittin (Mitte) und Renate Künast (Archivbild)

Die Führung der Grünen: Die Parteivorsitzenden Claudia Roth (links vorn) und Cem Özdemir (rechts) sowie die Fraktionschefs Jürgen Trittin (Mitte) und Renate Künast (Archivbild)  |  © Tim Brakemeier/dpa/lbn

Auch Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast will Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl werden. Entsprechende Informationen wurden ZEIT ONLINE bestätigt. Sie wolle damit "einen Beitrag dazu leisten, dass die Grünen ihr Spitzenergebnis von 2009 noch einmal toppen" und so die schwarz-gelbe Koalition ablösen können, sagte sie der Süddeutschen Zeitung .

In der Partei war seit Monaten über eine Kandidatur von Künast spekuliert worden. Ihre Position ist zwar seit dem enttäuschenden Abschneiden als Spitzenkandidatin bei der Berlin-Wahl 2011 etwas geschwächt. Zuletzt hatten aber verschiedene Vertreter des Realo-Flügels der Grünen ihre Unterstützung für Künast deutlich gemacht .

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Damit kommt es bei den Grünen zur Kampfabstimmung über das Spitzenkandidaten-Duo für die Bundestagswahl 2013. Denn vor Künast hatten bereits Fraktionschef Jürgen Trittin und Parteichefin Claudia Roth ihre Bereitschaft zur Kandidatur erklärt. Am Freitag verkündete zudem Katrin Göring-Eckardt ihren Willen, in einem "Spitzenteam" für die Wahl anzutreten.

Göring-Eckardt will im Team antreten

"Unser gemeinsames Ziel ist es, 2013 die schwarz-gelbe Regierung abzulösen. Für dieses Ziel brauchen wir unsere gesamte Energie. Für dieses Ziel will ich mit aller Kraft und allen meinen Möglichkeiten in einem Grünen Spitzenteam kämpfen", schreibt Göring-Eckardt auf ihrer Website . Sie will also nach Möglichkeit nicht in einer Kampfkandidatur antreten. Vermutlich, weil es eine Wahl ist, die sie verlieren würde.

Allerdings hatte Trittin, der als Spitzenkandidat unumstritten ist, alles andere als eine Doppelspitze eindeutig ausgeschlossen . Würde ihm jetzt der Parteivorstand – wie von Göring-Eckardt gefordert – eine größere Teamlösung aufzwingen, wäre er entweder beschädigt oder er würde ganz auf die Kandidatur verzichten.

Urwahl wahrscheinlich

Das eine könnte so schädlich sein für den Grünen-Wahlkampf wie das andere. Katrin Göring-Eckardt gilt als Kandidatin der "Realos", die Frau, mit der auch bürgerliche, christliche Milieus erreicht werden sollen. Mit Künast will aber nun eine weitere Vertreterin des Realo-Flügels kandidieren. Trittin und Roth gehören dagegen dem linken Flügel der Partei an.

Bei mehr als zwei offiziellen Bewerbern um den Spitzenposten will die Parteiführung der Grünen nach bisherigen Erklärungen eine Urwahl unter den Mitgliedern einleiten. Ein bereits gesetztes Duo ohne Gegenkandidaten hingegen könnte sich von der großen Bundesdelegiertenkonferenz im November küren lassen. Der Grünen-Vorstand hat in jedem Fall einen Antrag für den kleinen Parteitag angekündigt.

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Leserkommentare
  1. ...ist eine Spitze. Es kann nur eine geben. Deswegen schadet das monatelange Gerangel und den/die beste Kandidaten/in den Grünen ebenso wie der Troika-Eiertanz der SPD nichts bringt. Und wie sagte schon der olle Goethe:" Getretener Quark wird breit, nicht stark." So wird eben keine grüne Spitze draus. Angela Merkel darf sich freuen, solange das Geschiebe um die Pole position für 2013 weiter geht, ist sie nicht in Gefahr. Jürgen Künast-Göring ist die beste Wahl!

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    • joG
    • 18. August 2012 10:00 Uhr

    ....jemand nominiert wird und dann gewählt, wenn man die Selektion nicht mit bestimmen kann. Das ist freudlos und sicherlich ein Grund für Politikverdrossenheit. Würden Kandidaten sich einem öffentlich ausgetragenen Wahlprozess wie die Primaries sich stellen müssen, hätte das etwas von Demokratie, wäre aber sehr undeutsch.

  2. Mit Katrin Göring-Eckardt unter die 5 % Hürde. Was bitte ist an dieser Frau grün. Vielleicht die Schuhe. Wollen wir hoffen, dass Renate Künast mit ihren Terrierqualitäten die Dame wegbeißt.

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  3. neben der SPD sind das wohl die Grünen.

    Neben der Troika Steinmeier (Muttis Liebling), Steinbrück (der Vertretervertreter) und Gabriel (Linkspopulist aus Leidenschaft)kömmen jetzt Frau Göhring Eckardt ("der Rassismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen") und Künast (Dauer-Talk-Show-Stammgast).

    Künast die alles kann, aber irgendwie nichts wirklich richtig und Göhring Eckhardt die mir durch ihre Talk-Show Auftritte eher als Nebenspurfahrerin bekannt ist sind ja wirklich super.

    Bei so einer "Elite" möchte man wirklich nach Finnland auswandern.

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    Etwa wegen des sympathischen Herrn Soini von den "Wahren Finnen"? Der scheint ihrer politischen Weltanschauung ja durchaus gerecht zu werden.

    • HorFe
    • 17. August 2012 19:20 Uhr

    sieht man als ehemaliger ( Grün- ) wähler allmahlich schwarz.
    Kam zu ertragener Politiknarzißmus.

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  4. "Künast will bei der Bundestagswahl als Spitzenkandidatin antreten, auch Göring-Eckardt drängt es nach vorn. Schon bereit stehen Trittin und Roth."
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    Künast, Trittin und Roth erkenne ich noch auf dem Foto aber Göring-Eckardt hat sich schon sehr verändert. Sie ist ja kaum wieder zu erkennen.

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    • ohopp
    • 17. August 2012 19:26 Uhr

    gehts auch ein wenig kleiner, was soll die Diskreditierung eines demokratischen Grundprinzips. Es ist überaus lobenswert, wenn Parteimitglieder zwischen mehreren Kandidaten wählen können und nicht nach merkelschen Prinzip nur ein Kandidat im Hinterzimmern von wem auch immer bestimmt wird.

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    Das fällt mir auch immer wieder auf. Ein Anwärter ist Demokratisch, zwei Anwärter ist so etwas wie "unblutiger Messerkampf".

    Das bringt mehr Leser und eventuell Pluspunkte für die Alleinherrscherin Merkel. Bei der CDU hat die Kanzlerin alle Rivalen schon lange weggebissen. Da kommt es zu keiner Kampfabstimmung.

    schon vor langer Zeit beackert.

    http://www.youtube.com/wa...

    Das Ding ist von 2009 und in allen Belangen topaktuell. Das beweist den politischen Stillstand, auch in Personalfragen.

    MfG
    AoM

  5. Jetzt wird es wohl doch so sein, dass die schwarz-gelbe Koalition bis ins Jahr 2025 hält. Alle diese Kandidaten der Grünen verströmen den unsozialen Mief der Schröder-Jahre. Nimmt man die möglichen Kandidaten der SPD, Steinmeier und Steinbrück, zwei ausgewiesene Nicht-Sozialdemokraten, dazu, dann weiß man jetzt schon, wer nach der nächsten Wahl die Oppositionsbänke drücken wird. Noch weniger Stimmen würde höchstens eine Neuauflage des Tandems Schröder/Fischer einfahren.

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    Oppositionsbank? Seit wann sind die Grünen Opposition? Wann zuletzt stimmten die Grünen gegen Merkel?

  6. Das wird dann wolh mehr eine Kampfabstimmung über persölichen Rückhalt als über tendentiell politische Inhalte. Der vielleicht letze Vertreter linken Gedankengutes mag Trittin sein an der Spitze. Der Rest - auch Roth - kann ich kaum als links bezeichnen. Auch bei ihr geht es in den immer gleich nervigen Politunterhaltungssendungen eher um das "ich" als um das "wir", "ihr" oder um eine Gesellschaftliche Perspektive.

    Wirklich "links" im Sinne von einst Dithfurth oder Trampert sind Grüne schon lange nicht mehr. Von daher ist die Sortierung in linker und realo Flügel ohne Ende lächerlich. Es geht an sich nur noch darum wie schlecht das Gewissen im bürgerlichen Milleu zu sein hat, um eine rudimentäre politische Correctness über sich als Heiligenscheinsein glänzen zu sehen.

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    Stimmt. Dass solche "wahren Linken" bei den Grünen nicht mehr zu finden sind, ist vermutlich ein wesentlicher Grund dafür, dass sie bei Bundes- und Landtagswahleb ungefähr die 30-fache Zahl der Stimmen erhalten wie die Partei von Jutta Dittfurth (deren Namen man sich wohl eher nicht merken muss). Klar ist es überaus ehrenwert in verbohrter Manier - pardon ich meine "ideologisch gefestigt" - jahrzehntelang auf absurden Verschwörugnstheorien und extremen Inhalten, mit denen der Normalbürger nichts anfangen kann, zu beharren. Dafür haben wir ja die 5%-Hürde.
    @Topic: Zur Maximierung des Wahlergebnisses wäre es meiner Ansicht nach für die Grünen das Beste Trittin zum alleinigen Spitzenkandidaten zu machen. Das hat mit Fischer schon funktioniert. Da es auch im Falle einer Regierungsbeteiligung der grünen nur einen Vizekanzler geben wird, sidn mehrere Kandidaten zudem unsinnig.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Jürgen Trittin | Renate Künast | Katrin Göring-Eckardt | Grüne | Claudia Roth | Bundestagswahl
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