ZEIT ONLINE: Herr Minister, erst Ihre Forderung nach einer "geordneten Insolvenz" für Griechenland im vergangenen Jahr, nun die Behauptung, ein Austritt des Landes aus dem Euro habe "seinen Schrecken verloren" : Sehen Sie sich als Mann für die unbequemen Wahrheiten in der Koalition?

Philipp Rösler: Wenn ich mich äußere, habe ich dafür immer gute Argumente. So war es im vergangenen Jahr und so ist es auch in der aktuellen Debatte zur Staatsschuldenkrise in Europa .

ZEIT ONLINE: Das Wort vom "Schrecken" haben Sie zuletzt allerdings gemieden.

Rösler: Ich habe keinen Grund, diese Aussagen zu relativieren oder gar zurückzunehmen. Im Gegenteil: Es bleibt dabei. Mittlerweile haben wir mit EFSF , ESM und Fiskalpakt umfangreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, die zum Schutz der Euro-Zone beitragen.

ZEIT ONLINE: Wen meint denn der Außenminister Guido Westerwelle , wenn er von "Mobbing gegen einzelne Euro-Länder" spricht ?

Rösler: Um es offen zu sagen: Auch ich halte manche Äußerungen aus der CSU für gefährlich. Man könnte den Eindruck gewinnen, für manche in der CSU ist Europa keine Herzensangelegenheit mehr. Für die FDP war das immer eine Herzensangelegenheit. Deshalb haben wir in den vergangenen Monaten mit großem Einsatz für die gemeinsame Währung gekämpft.

ZEIT ONLINE: "Gefährlich", das war auch das Wort, das viele für Ihre Äußerungen gewählt haben. Wo verläuft die Grenze zwischen Ihrer Rhetorik und der von manchen CSU-Politikern?

Rösler: Es gibt hier einen deutlichen Unterschied. Manche in der CSU nutzen Brachialrhetorik mit Blick auf Griechenland . Ich halte das für unverantwortlich und hoffe, solche Äußerungen unterbleiben in Zukunft.

ZEIT ONLINE: In Griechenland hat die Rhetorik der deutschen Bundesregierung insgesamt Empörung ausgelöst. Der griechische Premier Antonis Samaras fragte sich, ob manche Äußerungen "bewusst oder aus Dummheit" fallen.

Rösler: Ich kann die Emotionalität nachvollziehen. Natürlich hat der Veränderungsprozess immer auch direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Erinnern wir uns: Bei der Umsetzung der Agenda 2010 haben wir in Deutschland bewegte Zeiten erlebt. In Griechenland sind die notwendigen Anforderungen viel umfassender als lediglich die Reform eines sozialen Sicherungssystems, wie es damals bei uns in Deutschland war. Aber trotz aller Emotionalität kann ich der griechischen Regierung den Druck nicht nehmen: Die zugesagten Reformen müssen konsequent eingehalten werden.

ZEIT ONLINE: Das heißt, sie werden den Griechen auf keinen Fall entgegenkommen?

Rösler: Wir warten zunächst den Troika-Bericht ab. Die FDP tritt dafür ein, dass die Regeln in Europa eingehalten werden. Wer Reformanstrengungen unternimmt, verdient Europas Solidarität. Wer Zusagen bricht, kann kein weiteres Geld bekommen.