Zukünftig wird es alpine Skifahrer noch häufiger in den Harz ziehen, um dort ihre Kurz- oder Wochenendurlaube zu verbringen. Das jedenfalls wünschen sich die Tourismusplaner in den Rathäusern von Braunlage und Wernigerode. Am und um den Wurmberg im malerischen Oberharz wollen sie in den kommenden Jahren gleich zwei neue Skigebiete erschließen. Der Starttermin für das Projekt sollte der 3. September 2012 sein. Doch bereits davor wurde nun mit Rodungen begonnen.

Als unverzichtbarer Bestandteil beider Projekte sollen Schneelanzen und Schneekanonen zum Einsatz kommen. Da die Temperaturen steigen und die Zahl der Schneetage stetig abnimmt, lässt sich schließlich nur noch durch künstliche Beschneiung die Schneesicherheit herstellen, die von Skiurlaubern heutzutage erwartet wird. Außerdem sollen die neuen Pisten künstlich beleuchtet werden, damit die Gäste bis tief in die Nacht auf ihre Kosten kommen.

Doch wie sinnvoll ist es, Pisten künstlich zu beschneien und sie bis spät in die Nacht zu beleuchten? Reicht es nicht aus, wenn man nur dann Skifahren kann, wenn Wetterbedingungen und Tageslicht es zulassen?

Ich finde das Vorhaben der Tourismusplaner befremdlich. Dass schneereiche Winter zunehmend seltener werden, ist eine direkte Folge des Klimawandels, den der Mensch durch den enormen Verbrauch fossiler Energien ausgelöst hat. Die Folgen des Klimawandels auf den Skipisten sollen nun durch noch mehr Energieverbrauch wettgemacht werden, der nötig ist, um Schneekanonen und Flutlicht zu betreiben.

Die Tourismusplaner sollten ihre Vorschläge lieber an das veränderte Klima anpassen. Sie sollten überlegen, wie sie den Tourismus im Sommer fördern könnten und welche anderen touristischen Schwerpunkte es im Winter geben könnte, die nicht vom Schneefall abhängig sind. Stattdessen versuchen sie, mit hohem technischen Aufwand und auf Kosten der Umwelt den Skitourismus am Leben zu halten.

Bei allem Verständnis für die Ansprüche der Skiurlauber und für das berechtigte Interesse der Gemeinden, die touristische Entwicklung in der Region zu fördern, stelle ich mir die Frage: Haben wir das Maß der Dinge verloren? Es ist ein Zeichen gesellschaftlicher Dekadenz, wenn wir im Winterurlaub erwarten, nachts bei künstlichem Licht und auf künstlichem Schnee unserem Hobby nachkommen zu können.