Leserartikel

HarzKunstschnee in Zeiten des Klimawandels

Zwei geplante Skigebiete im Harz sollen mit Kunstschnee und Flutlicht Urlauber anlocken. Leser Christian Reinboth hält das für umweltschädlich und dekadent. von 

Zukünftig wird es alpine Skifahrer noch häufiger in den Harz ziehen, um dort ihre Kurz- oder Wochenendurlaube zu verbringen. Das jedenfalls wünschen sich die Tourismusplaner in den Rathäusern von Braunlage und Wernigerode. Am und um den Wurmberg im malerischen Oberharz wollen sie in den kommenden Jahren gleich zwei neue Skigebiete erschließen. Der Starttermin für das Projekt sollte der 3. September 2012 sein. Doch bereits davor wurde nun mit Rodungen begonnen.

Als unverzichtbarer Bestandteil beider Projekte sollen Schneelanzen und Schneekanonen zum Einsatz kommen. Da die Temperaturen steigen und die Zahl der Schneetage stetig abnimmt, lässt sich schließlich nur noch durch künstliche Beschneiung die Schneesicherheit herstellen, die von Skiurlaubern heutzutage erwartet wird. Außerdem sollen die neuen Pisten künstlich beleuchtet werden, damit die Gäste bis tief in die Nacht auf ihre Kosten kommen.

Doch wie sinnvoll ist es, Pisten künstlich zu beschneien und sie bis spät in die Nacht zu beleuchten? Reicht es nicht aus, wenn man nur dann Skifahren kann, wenn Wetterbedingungen und Tageslicht es zulassen?

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Ich finde das Vorhaben der Tourismusplaner befremdlich. Dass schneereiche Winter zunehmend seltener werden, ist eine direkte Folge des Klimawandels, den der Mensch durch den enormen Verbrauch fossiler Energien ausgelöst hat. Die Folgen des Klimawandels auf den Skipisten sollen nun durch noch mehr Energieverbrauch wettgemacht werden, der nötig ist, um Schneekanonen und Flutlicht zu betreiben.

Die Tourismusplaner sollten ihre Vorschläge lieber an das veränderte Klima anpassen. Sie sollten überlegen, wie sie den Tourismus im Sommer fördern könnten und welche anderen touristischen Schwerpunkte es im Winter geben könnte, die nicht vom Schneefall abhängig sind. Stattdessen versuchen sie, mit hohem technischen Aufwand und auf Kosten der Umwelt den Skitourismus am Leben zu halten.

Bei allem Verständnis für die Ansprüche der Skiurlauber und für das berechtigte Interesse der Gemeinden, die touristische Entwicklung in der Region zu fördern, stelle ich mir die Frage: Haben wir das Maß der Dinge verloren? Es ist ein Zeichen gesellschaftlicher Dekadenz, wenn wir im Winterurlaub erwarten, nachts bei künstlichem Licht und auf künstlichem Schnee unserem Hobby nachkommen zu können.

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Leserkommentare
    • otto_B
    • 01. September 2012 11:39 Uhr

    daß die Betreiber der Anlage ihren Strom für Kunstschnee und Flutlicht von "Greenpeace energy" beziehen,
    und dies der potentiellen Kundschaft auch in buntesten Werbefarben mitteilen werden.

    Absolute Zustimmung zum Thema.
    Aber man versetze sich in die Lage der lokal Verantwortlichen. Wintersport ist eine Möglichkeit, den Leuten der Region Einkommen zu bieten.
    Wenn die Alternativen üppig wären, käme man vielleicht nicht auf solche Ideen.....

    Und:
    die verstopften Autobahnen in die Alpen sind im Sinne des Artikels auch nicht grundsätzlich besser.

    (das ganze egal, wie eng nun der Zusammenhang zwischen verfeuertem Öl und Schneearmmut der Winter ist. Dekadent wär's auch, wenn das schneeärmere Wetter rein natürliche Ursachen hat/hätte.)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • eeee
    • 01. September 2012 11:48 Uhr

    _wie_ man den Irrsinn rechtfertigen kann, aber mit Arbeitsplätzen bestimmt nicht!

    • eeee
    • 01. September 2012 11:48 Uhr

    _wie_ man den Irrsinn rechtfertigen kann, aber mit Arbeitsplätzen bestimmt nicht!

    Antwort auf "Ich geh mal davon aus,"
    • tobmat
    • 01. September 2012 12:00 Uhr

    Die Schneekanonen haben nun wirklich nichts mit dem Klimawandel zu tun. Schneereiche Winter sind bisher nicht seltener als früher. Ein paar Klimawissenschaftler haben das Anfang 2000 zwar mal behauptet, sind dann vom Klima selbnst eines besseren belehrt wurden.
    Schneekanonen nutzt man um eine konstante Schneedecke zu erhalten und diese über längere Zeiträume. Nicht umsonst nutzt man dieses Prinzip auch in den Alpen großflächig. Dort fällt jeden Winter genügend Schnee.

    "Reicht es nicht aus, wenn man nur dann Skifahren kann, wenn Wetterbedingungen und Tageslicht es zulassen?"
    Reicht es nicht auch aus, das sie nur so lange Lesen können wie das Tageslicht ausreicht? Künstliche Beleuchtung ist doch reine Energieverschwendung. ;)

  1. Seit über 50 Jahren laufe ich im Harz Ski. Obwohl ich auch gerne Alpinabfahrt betreibe, belasse ich es im Harz bei Skilanglauf. Das liegt weniger am Schnee, als vielmehr am Mittelgebirgscharakter. Auch Schneekanonen ändern die Topografie nicht. Die Aussicht auf mehr Touristen im Alpinskisport wird also nicht wesentlich durch teuere Beschneiungsanlagen gesteigert werden können. In dieser Beziehung halte ich die Tourismusplaner für fehlsichtig. Eine bessere Loipenplanung und -pflege bei gleichzeitigem besseren Angebot für Fußwanderer mit ausreichenden Parkmöglichkeiten würde umweltschonender für mehr Aniehungskraft sorgen. Die Schneelage im Harz hat sich jedenfalls nicht so verschlechtert, wie es der Artikel vermuten läßt.

  2. Es ist energetisch ( vom Stromverbrauch her ) ein großer Unterschied ob ich den Kunststschnee bei Temperaturen über Null Grad oder unter Null Grad herstelle.

    Bei Temperauturen unter ca. minus 3 Grad gefriert das Wasser alleine.

    Bei höheren Temperaturen wie geplant, weil sonst keine 100 Tage erreichbar wären, muß das Wasser weit runtergekühlt werden. Und das ist wegen dem enormen Stromverbrauch pervers.

    Bei 20 Grad über Null noch Kunstschnee zu erzeugen freut die Atom-wirtschaft besonders, weil da jede Menge Strom rein läuft.

    • Carlton
    • 01. September 2012 14:09 Uhr

    Ich wohne selber in einem Skigebiet. Der Aufwand, bei viel Schnee diesen zu beseitigen (Parkplätze und Verkehrswege müssen geräumt werden) ist unter Umständen höher, als diesen bei Schneemangel künstlich zu erzeugen.
    Dekadent ist vieles: Beheizte Freibäder, Tennishallen, beleuchtete Reklame - wo will man da anfangen?

  3. ...passt doch so wunderschön in unsere Gesellschaft, wo schon soviel nur noch künstlich ist!

    • Kagiro
    • 01. September 2012 15:36 Uhr

    Ich stimme Chr. Reinboth absolut zu!
    Für 2 neue Skigebiete + Umfeld wird ein weiteres Stück Natur zerstört und jede Menge Bäume abgeholzt. Damit nachts bei künstlichem Licht und künstlichem Schnee auf künstlich angelegten Pisten noch mehr Spaß und Action abgehen kann – das *ist* dekadent°!
    Der Harz hat wirklich einiges an (Natur!-)Schönheit und Abwechslung zu bieten – vielleicht sollte das einfach nur sinnvoller "vermarktet" werden?

    Und: Die Konkurrenz ist riesig, man übertrumpft sich gegenseitig mit immer günstigeren Angeboten. Die Kosten für Installation und Erhalt von Schneekanonen und beschneiten Pisten sind immens – letztlich werden nur kapitalkräftige Aktionäre und Großunternehmen wie Bau- oder Stromkonzerne als Betreiber profitieren (vgl. Bayrische Alpen, Schweiz, Österreich).
    „Touristik-Manager werden baden gehen, wenn sie auf weiteres Wachstum des Wintersport-Geschäfts setzen“, warnte Prof. Klaus Töpfer bereits 2006

    Außerdem: Gehört für den „normalen“ Skiläufer nicht auch das winterliche Ambiente wie verschneite Wälder usw. zum Skilauf-Genuss? Der dann lieber in schneesichere Gebiete ausweicht ... .

    Beheizte Freibäder usw. (s. einige Kommentare) gehören dagegen unverzichtbar zur Lebensqualität – diese Energie-Nutzung wird kein vernünftig denkender Mensch ablehnen. Das hat mit Dekadenz weiß Gott nichts zu tun!

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Schnee | Umweltschutz | Harz | Wald | Tourismus
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