Die RechteKaum Erfolgschancen für neue Neonazi-Partei

"Die Rechte" nennt sich eine neue Partei, die gerne den Erfolg von "Die Linke" kopieren würde. Doch die Biographie des Gründers spricht dagegen. von Felix M. Steiner

Als vor wenigen Wochen die Gründung der neuen Neonazi-Partei "Die Rechte" bekannt wurde, war die Aufregung groß. Dabei gilt es als nahezu ausgeschlossen, dass die Truppe um Rechtsextremist Christian Worch auch nur einen Achtungserfolg bei anstehenden Wahlen erzielen könnte. In der Szene selbst ist der Parteigründer umstritten. Die einen bewundern ihn für seinen langjährigen Aktivismus, die anderen halten ihn für einen notorischen Querulanten und Selbstdarsteller. Nur in einem dürften sich alle einig sein: Worch ist ein radikaler Neonazi, dem es kaum gelingen wird gemäßigtere Rechte für sich zu gewinnen.

In klandestiner Runde trafen sich Ende Mai einige ehemalige DVU-Funktionsträger und der bekannte Neonazis Christian Worch und gründeten eine neue rechtsextreme Partei: "Die Rechte". In der rechtsextremen Szene selbst sorgte diese Neugründung für keinen größeren Aufruhr, genoss dafür aber medial eine vergleichsweise große Aufmerksamkeit.

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Dass jetzt ausgerechnet Worch, der sich stets als Vermittler der militanten "Freien Kameradschaften" aufspielte, eine bürgernahe "Rechtspartei" anführen will, überrascht Szenekenner. Viel zu erwarten ist von seiner Mannschaft jedoch nicht. Die Führungsriege besteht fast ausschließlich aus abgehalfterten DVU-Funktionären. Eben jenes Personal, das trotz der Fusion mit der NPD bis zum bitteren Ende am Erhalt der DVU festhielt. Die neue Partei baue "nicht unwesentlich auf den Trümmern der DVU" auf, heißt es denn auch im Gründungsmanifest.

Bekenntnis zur Demokratie

Von seinen Parteikollegen erhofft sich Worch offenbar nicht all zu viel. "Der größte Aktivposten der Partei DIE RECHTE ist ihr Name", steht beinahe entschuldigend in einer Pressemitteilung. Ohnehin wurde das Programm der Partei "Die Rechte" bis auf wenige Änderungen von der DVU übernommen. Betrachtet man Worchs zahlreiche Verurteilungen und Haftstrafen wegen rechtsextremer Straftaten, wirkt das für eine Nazipartei ungewöhnliche Bekenntnis zur Freiheitlich Demokratischen Grundordnung im Programm geradezu absurd.

Die schnell aufkommende Assoziation zur Partei "Die Linke" ist von Worch gewollt und zeigt sich deutlich an dem roten Dreieck im Logo. Worch hätte vermutlich kein Problem damit, wenn "Die Linke" juristisch dagegen vorgehen würde und ihm dadurch weitere mediale Aufmerksamkeit bescheren würde. Der in Parchim lebende Neonazi spielt geschickt mit der Öffentlichkeit. Seine gezielten Provokationen sind kostenlose Werbung für seine Splitterpartei. Christian Worch als Parteivorsitzenden können sich dennoch wohl nur wenige vorstellen. Bisher ist der 56-Jährige eher auf Demonstrationen aufgefallen.

Anfang Juni etwa marschierten 700 Neonazis begleitet von Tausenden Gegendemonstranten durch den Hamburger Stadtteil Wandsbek. An vorderster Front dabei: Christian Worch. Mit einer Stadtkarte in der Hand stand er am Lautsprecherwagen und plante die neue Route, nachdem die vorgesehene Strecke blockiert worden war. Worch gefiel sich in der Rolle des Organisators und genoss die Aufmerksamkeit. Er ist bekannt dafür, dass er regelmäßig bei Kundgebungen Polizisten mit Paragrafen aus dem Versammlungsgesetz belehrt, die er alle auswendig aufzählen kann. Mehrfach zog Worch erfolgreich bis zum Bundesverfassungsgericht, um Aufmarschverbote aufheben zu lassen.

Der Organisator und Besserwisser

Fragen von Journalisten kontert der Neonazi mit dem grimmigen Blick und den grauen Haaren am liebsten mit Gegenfragen. "Was meinen sie, wie viele Leute heute hier wären, wenn der Bürgermeister dazu aufgerufen hätte zu unserer Demonstration zu kommen?", herrschte er in Wandsbeck eine Journalistin an. "Dann würde der ganze Platz hier gar nicht ausreichen."

Das sind die Paraderollen des Christian Worch: Der Organisator, der Besserwisser und gleichzeitig Vorbild für aktionistische Nachwuchsnazis. Seit Jahrzehnten gibt Worch den umtriebigen Vollzeitaktivisten. Seit er mehrere Immobilien erbte, widmete er sein ganzes Leben der Szene. Auf lukrative Parteiposten ist er nicht angewiesen. Kein anderer Neonazi in Deutschland hat in den vergangenen Jahren derart viele Aufmärsche angemeldet wie Worch.

Bei vielen Neonazis genießt der alt-gediente Kader dafür hohes Ansehen. Anders als viele Redner, die nuschelnd vom Blatt ablesen, spricht Worch zackig und selbstbewusst. In bemerkenswerter Absolutheit erklärt er seinen "Kameraden" die Welt aus der Sicht eines überzeugten Rechtsextremisten.

Leserkommentare
    • Chali
    • 14. August 2012 8:08 Uhr

    Genau das ist wohl das Problem:
    Diese Kreise haben nichts anzubieten, was sie von der Mehtheitsmeinung unterscheidet.

  1. in ihrer Ideologie verbohrt sind, um so zestrittener sind sie ( oder auch mit sich selber beschäftigt).

    Nazis und die sogenannten Tierschützer sind da die besten Beispiele dafür.

    Deswegen sollte man solche Aktivitäten einfach ignorieren.

    Wegen der medialen Aufmerksamkeit machen die das schließlich.

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    • 4p9xD
    • 18. April 2013 21:59 Uhr

    Vielleicht solltest du dich mal ernsthaft mit Tierschutz und Tierrechten beschäftigen, bevor du über Tierschützer urteilst.

    Eins informativer Film ist da "Earthlings", den du legal kostenlos auf www.earthlings.com anschauen kannst :)

  2. Die "Rechte im Nadelstreif und Kostüm" hat längst Teile des Bundestag und der Wirtschaftsverbände unterwandert. Oder erobert ?
    Dazu muß man lediglich genau hinhören, hinsehen, und Tragweiten erkennen wollen. Schwierig, ohne Zweifel. Die Mittel und Methoden der Manipulation sind heute vielfältiger und ausgefeilter denn je.

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    Könnten Sie ein paar Beispiele geben?

  3. ... ob man als Nazi eigentlich glücklich leben kann. Immerhin macht man doch Hass und Wut zu seiner lebensbestimmenden Ideologie. Das muss doch bis ins tiefste Innere des Privatlebens hinein führen und einen von innen heraus auffressen.

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    Die beantwortet Ihre Frage :-)

    http://en.wikipedia.org/w...

    das nicht funktionieren? Bei den Islamisten klappt es doch auch.

  4. 5. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/mk

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    Sie nennen hier CDU und CSU zwei rechtsradikale Parteien. Wie kommen Sie eigentlich dazu? Könnten Sie vielleicht begründen, wie Sie zu diesem Urteil kommen? Beide Parteien haben die Republik mitgegründet, stellen Abgeordnete auf allen Ebene, eine Reihe von bedeutenden Kanzlern. Wie kommen Sie dazu, diese Parteien mit dem Etikett "rechtsradikal" zu bedenken?

    die CSU den Günter Beckstein hatte damals gesagt das die CSU auch für diese Wähler die richtige Partei sei.

    Deuten Sie es so wie es Ihnen beliebt.

    Und wenn man nun bedenkt das auch Günter Beckstein einer der ersten war die Jörg Haider damals zum Wahlsieg Gratuliert hat dann kommt diese Vermutung das es in der CSU zumindest Fragwürdige momente gibt nicht von ungefär.

  5. Sie nennen hier CDU und CSU zwei rechtsradikale Parteien. Wie kommen Sie eigentlich dazu? Könnten Sie vielleicht begründen, wie Sie zu diesem Urteil kommen? Beide Parteien haben die Republik mitgegründet, stellen Abgeordnete auf allen Ebene, eine Reihe von bedeutenden Kanzlern. Wie kommen Sie dazu, diese Parteien mit dem Etikett "rechtsradikal" zu bedenken?

    Antwort auf "[...]"
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    Willy Brandt und Helmut Schmidt würde ich nennen,wenn es um bedeutende Kanzler in Deutschland geht. Beide gehörten bzw. gehören nicht der CDU an.
    Und der CDU-Rest? Erhardt, der Mann für den Aufschwung und Kohl z.B., der Wiedervereinigungskanzler. Ein besserer Mann hätte es schon in Sachen Währung besser gemacht.
    Aber richtig ist: Weder CDU noch CSU sind rechtsradikale Parteien. Es sind konservative Interessensvertreter des Kapitals.

    • Paul SR
    • 14. August 2012 11:57 Uhr

    Um nur ein Beispiel von der Spitze des Eisberges abzugreifen:
    Die CDU stellte mit Kiesinger den dritten Bundeskanzler dieser Republik, anstatt ihn als Naziverbrecher zu verurteilen.

    ...heute kann man so ein Urteil anzweifeln. Aber die CDU ist die Partei, die einen Globke, einen Kiesinger, einen Filbinger und viele andere Altnazis wieder über Menschen herrschen ließ. Sie entblödete sich nicht, diesen Filbinger sogar noch bis zum Schluss als Wahlmann zur Bundesversammlung zu entsenden. Diese Menschen prägten die CDU lange Zeit. In meiner Jugend waren ihre örtlichen Vertreter und Mitglieder diejenigen, die langhaarige Zivildienstleistende an die Wand gestellt haben wollten und bei Adolf längst nicht alles schlimm fanden. Rehabilitationen für verurteilte Fahnenflüchtige und Homosexuelle während der Nazizeit scheiterten meines Wissens bis in die 90er Jahre an der CDU/CSU - man korrigiere mich bitte, wenn ich mich hier irre.

    Der ehemalige bayrische Ministerpräsident Franz Josef Strauß hat das ganze doch auch ziemlich deutlich zugegeben. Nach der Wahl 1986 machte er mit dem Satz: "Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben" ziemlich deutlich wo er (zumindest auch) seine Wähler sieht.

    Auch in neuerer Zeit zum Beispiel im Wahlkampf von Roland Koch für die Landtagswahl 2008 wurde Wahlwerbung betrieben, die an den Rechtsextremismus grenzte. Auch Teile der betriebenen Politik unter Koch (siehe zum Beispiel die Teilprivatisierung der JVA Hünfeld) würden durchaus auch in ein System passen, das deutlich rechts von der Bundesrepublik steht.

    Ein weiteres Beispiel ist der hessische Landtagsabgeordnete Clemens Reif, der in einem Artikel ein generelles Wahlrecht in den Kommunen für Ausländer mit den Worten, dass dadurch "deutsche Interessen geopfert" würden und es wichtig sei "den Deutschen das Gefühl zu geben, noch Herr im eigenen Haus zu sein", ablehnte. Damit werden auch klar ausländerfeindliche Vorurteile bedient und am äussersten rechten Rand gefischt.

    Auch die Politik der Herdprämie aus der CSU ist ganz sicherlich keine Politik, die der Mitte zu zu ordnen ist, sondern spricht ein ultrakonservatives Milieu an, dem große Teile der CDU schon zu links sein dürften.

    • kael
    • 14. August 2012 14:16 Uhr

    Die CDU in die rechtsextreme Ecke zu stellen, ist sicherlich absurd. Aber sie muss es sich gefallen lassen, daran erinert zu werden, dass sie viel zu lange auf dem rechten Auge blind war und - besonders schlimm - prominente Alt-Nazis in Spitzenpositionen ihrer Politik nicht nur duldete sondern sogar beförderte. Einige Namen sind bereits gefallen.

    Die CDU ist doch diese Nachfolgeorganisation der NSDAP.
    Man sehe sich die (nicht unbedeutenden) Mitglieder nach dem Krieg an.....

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