Die Rechte : Kaum Erfolgschancen für neue Neonazi-Partei

"Die Rechte" nennt sich eine neue Partei, die gerne den Erfolg von "Die Linke" kopieren würde. Doch die Biographie des Gründers spricht dagegen.

Als vor wenigen Wochen die Gründung der neuen Neonazi-Partei "Die Rechte" bekannt wurde, war die Aufregung groß. Dabei gilt es als nahezu ausgeschlossen, dass die Truppe um Rechtsextremist Christian Worch auch nur einen Achtungserfolg bei anstehenden Wahlen erzielen könnte. In der Szene selbst ist der Parteigründer umstritten. Die einen bewundern ihn für seinen langjährigen Aktivismus, die anderen halten ihn für einen notorischen Querulanten und Selbstdarsteller. Nur in einem dürften sich alle einig sein: Worch ist ein radikaler Neonazi, dem es kaum gelingen wird gemäßigtere Rechte für sich zu gewinnen.

In klandestiner Runde trafen sich Ende Mai einige ehemalige DVU-Funktionsträger und der bekannte Neonazis Christian Worch und gründeten eine neue rechtsextreme Partei: "Die Rechte". In der rechtsextremen Szene selbst sorgte diese Neugründung für keinen größeren Aufruhr, genoss dafür aber medial eine vergleichsweise große Aufmerksamkeit.

Dass jetzt ausgerechnet Worch, der sich stets als Vermittler der militanten "Freien Kameradschaften" aufspielte, eine bürgernahe "Rechtspartei" anführen will, überrascht Szenekenner. Viel zu erwarten ist von seiner Mannschaft jedoch nicht. Die Führungsriege besteht fast ausschließlich aus abgehalfterten DVU-Funktionären. Eben jenes Personal, das trotz der Fusion mit der NPD bis zum bitteren Ende am Erhalt der DVU festhielt. Die neue Partei baue "nicht unwesentlich auf den Trümmern der DVU" auf, heißt es denn auch im Gründungsmanifest.

Bekenntnis zur Demokratie

Von seinen Parteikollegen erhofft sich Worch offenbar nicht all zu viel. "Der größte Aktivposten der Partei DIE RECHTE ist ihr Name", steht beinahe entschuldigend in einer Pressemitteilung. Ohnehin wurde das Programm der Partei "Die Rechte" bis auf wenige Änderungen von der DVU übernommen. Betrachtet man Worchs zahlreiche Verurteilungen und Haftstrafen wegen rechtsextremer Straftaten, wirkt das für eine Nazipartei ungewöhnliche Bekenntnis zur Freiheitlich Demokratischen Grundordnung im Programm geradezu absurd.

Die schnell aufkommende Assoziation zur Partei "Die Linke" ist von Worch gewollt und zeigt sich deutlich an dem roten Dreieck im Logo. Worch hätte vermutlich kein Problem damit, wenn "Die Linke" juristisch dagegen vorgehen würde und ihm dadurch weitere mediale Aufmerksamkeit bescheren würde. Der in Parchim lebende Neonazi spielt geschickt mit der Öffentlichkeit. Seine gezielten Provokationen sind kostenlose Werbung für seine Splitterpartei. Christian Worch als Parteivorsitzenden können sich dennoch wohl nur wenige vorstellen. Bisher ist der 56-Jährige eher auf Demonstrationen aufgefallen.

Anfang Juni etwa marschierten 700 Neonazis begleitet von Tausenden Gegendemonstranten durch den Hamburger Stadtteil Wandsbek. An vorderster Front dabei: Christian Worch. Mit einer Stadtkarte in der Hand stand er am Lautsprecherwagen und plante die neue Route, nachdem die vorgesehene Strecke blockiert worden war. Worch gefiel sich in der Rolle des Organisators und genoss die Aufmerksamkeit. Er ist bekannt dafür, dass er regelmäßig bei Kundgebungen Polizisten mit Paragrafen aus dem Versammlungsgesetz belehrt, die er alle auswendig aufzählen kann. Mehrfach zog Worch erfolgreich bis zum Bundesverfassungsgericht, um Aufmarschverbote aufheben zu lassen.

Der Organisator und Besserwisser

Fragen von Journalisten kontert der Neonazi mit dem grimmigen Blick und den grauen Haaren am liebsten mit Gegenfragen. "Was meinen sie, wie viele Leute heute hier wären, wenn der Bürgermeister dazu aufgerufen hätte zu unserer Demonstration zu kommen?", herrschte er in Wandsbeck eine Journalistin an. "Dann würde der ganze Platz hier gar nicht ausreichen."

Das sind die Paraderollen des Christian Worch: Der Organisator, der Besserwisser und gleichzeitig Vorbild für aktionistische Nachwuchsnazis. Seit Jahrzehnten gibt Worch den umtriebigen Vollzeitaktivisten. Seit er mehrere Immobilien erbte, widmete er sein ganzes Leben der Szene. Auf lukrative Parteiposten ist er nicht angewiesen. Kein anderer Neonazi in Deutschland hat in den vergangenen Jahren derart viele Aufmärsche angemeldet wie Worch.

Bei vielen Neonazis genießt der alt-gediente Kader dafür hohes Ansehen. Anders als viele Redner, die nuschelnd vom Blatt ablesen, spricht Worch zackig und selbstbewusst. In bemerkenswerter Absolutheit erklärt er seinen "Kameraden" die Welt aus der Sicht eines überzeugten Rechtsextremisten.

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Kommentare

62 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Subjektive Wahrnehmung ?

Die "Rechte im Nadelstreif und Kostüm" hat längst Teile des Bundestag und der Wirtschaftsverbände unterwandert. Oder erobert ?
Dazu muß man lediglich genau hinhören, hinsehen, und Tragweiten erkennen wollen. Schwierig, ohne Zweifel. Die Mittel und Methoden der Manipulation sind heute vielfältiger und ausgefeilter denn je.

Politisch unkorrekt ist keine Schande

Der Rassismus findest heute weniger gegen ethnische Minderheiten statt, als gegen andere soziale Randgruppen oder Mischformen.
Es werden nicht mehr Juden diffamiert, entrechtet und ausgegrenzt; sondern jene, die das System aus welchen Gründen immer; aussortiert hat oder gar nicht benötigt.

Kritik von Menschenrechtsorgonationen wird nicht mehr publik gemacht oder großteils verschwiegen.
Die Mitläufer sind heute nicht mehr SED-oder NSDAP-Sympathisanten, sondern biedere Bürger, die diese Form des Faschismus über ihre stille Zustimmung und Handeln unterstützen.

Politisch werden jene bevorzugt, die Millionen nur aufgrund ihres Kapitalstocks verdienen ohne etwas dafür zu leisten, bisher Steuern in dreistelliger Milliardenhöhe hinterzogen haben oder teils legal hinterziehen dürfen.

Als Ausgleich sollen jene die arbeiten oder schon Jahrzehnte geleistet haben, immer weniger oder am besten nichts mehr verdienen. Ihre Versicherungsbeiträge werden zweckentfremdet und Leistungen gekürzt.

Kommunen und ihre Bürger werden durch Zustimmung der bekannten Parteien über die Forderungen von Wirtschaftsverbänden geplündert; der Bund über die Forderungen von Einflussträgern auf supranationaler Ebene.

Wenn es der Wirtschaft nützt, unterstützen wir islamofaschistische Räuberbanden im Ausland; während wir sie zuhause medienwirksam vor Gericht stellen.

Der Faschismus ist längst Realität, auch wenn er unter dem Mantel der Formaldemokratie von den meisten Menschen noch nicht wahrgenommen wird.

Re: Faschismus ist

Abgesehen davon, daß bei aller berechtigten Kritik an den bestehenden Machtverhältnissen in Deutschland weit und breit keine "Förderung und Verfolgung einer totalitäre Ideologie" durch die Machthabenden in Sicht ist, blendet Ihre Definition (haben Sie die sich selbst ausgedacht, oder haben Sie eine Quelle dazu?) wesentliche Merkmale des Faschismus aus und verwässert damit die Wahrnehmung des eigentlichen Problems.

Versuchen Sie es doch mal mit dieser Definition des US-Historikers Matthew Lyons. Damit sind Sie dann auch wieder beim Thema "Neonazis".

"Faschismus ist eine Form rechtsextremer Ideologie, die die Nation oder Rasse als organische Gemeinschaft, die alle anderen Loyalitäten übersteigt, verherrlicht. Er betont einen Mythos von nationaler oder rassischer Wiedergeburt nach einer Periode des Niedergangs und Zerfalls. Zu diesem Zweck ruft Faschismus nach einer ‚spirituellen Revolution‘ gegen Zeichen des moralischen Niedergangs wie Individualismus und Materialismus und zielt darauf, die organische Gemeinschaft von 'andersartigen' Kräften und Gruppen, die sie bedrohen, zu reinigen. Faschismus tendiert dazu, Männlichkeit, Jugend, mystische Einheit und die regenerative Kraft von Gewalt zu verherrlichen. Oft – aber nicht immer – unterstützt er Lehren rassischer Überlegenheit, ethnische Verfolgung, imperialistische Ausdehnung und Völkermord."

(Quelle: u.a. http://de.wikipedia.org/w...)

Alles Neonazis?

>>Linksfaschismus (auch: Linker bzw. Roter Faschismus oder Rot-Faschismus) ist ein politischer Kampfbegriff, der ohne einheitliche Bedeutung für verschiedene Sachverhalte verwendet wird. Meist soll er realsozialistische Staaten und linksgerichtete Politik als „Faschismus“, seltener auch Antikapitalismus faschistisch genannter Staaten oder Gruppen als „links“ bewerten.

Italienische Demokraten bezeichneten damit seit 1926 den Stalinismus als eine mit dem damaligen italienischen Faschismus vergleichbare Diktatur. Deutsche Sozialdemokraten bezeichneten deutsche Kommunisten seit etwa 1929 als „rotlackierte Faschisten“; umgekehrt kategorisierten Kommunisten die Sozialdemokratie als „Rotfaschismus“ oder „Sozialfaschismus“.

Der Philosoph Jürgen Habermas warnte 1967 vor einem „linken Faschismus“ der damaligen antiautoritären APO, der eine Gewalteskalation fördern und rechtfertigen könne.<<

Quelle: http://de.wikipedia.org/w...

Meines Wissens waren Leute wie die erwähnten italienischen Demokraten, ein Kurt Schumacher oder ein Jürgen Habermas keine Neonazis, auch nicht Helmut Kohl, der diesen Kampfbegriff meines Wissens aufgegriffen hat, ohne im Artikel erwähnt zu werden.
Der einzige Neonazi, von dem ich weiß, dass er den Kampfbegriff aufgegriffen hat, war Udo Pastörs (http://www.youtube.com/wa...).

Linksfaschismus?

Faschismus beschreibt wissenschaftliche Theorien. Linksfaschismus ist dagegen ein politischer Kampfbegriff gegen Linke!

Rechte definieren eine Gruppe wie Nation, Rasse und zwingen Menschen hinein oder grenzen aus. Deshalb können sie schnell antidemokratisch werden.

Linke organisieren Individuen zu Gruppen, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Dabei ist Demokratie hilfreich, weil man den Willen der Individuen ermitteln kann.

"Linke" Diktaturen sind nicht mehr links, weil sie das Individuum missachten. Sie sind zwar antidemokratisch, aber nicht faschistisch. Sie entwickeln sich zum Machterhalt, aber sie haben sich von der Ideologie gelöst.

Deshalb habe ich große Schwierigkeiten mit dem Begriff Linksfaschismus.