Montagmorgens tauchen immer wieder panische Frauen in der Beratungsstelle von Profamilia in Bonn auf, die dringend ein Rezept für die Pille danach brauchen. Meist hatten sie am Wochenende eine Verhütungspanne und erhielten danach in der ganzen Stadt kein Rezept für das hochdosierte Hormonpräparat. Obwohl bei der Einnahme jede Stunde zählt. Das erzählt Bernd Niemann, stellvertretender Leiter von Profamilia Bonn: "Vergangene Woche hatten wir eine Frau hier stehen, die durch drei Krankenhäuser getigert ist und dann aufgegeben hat."

Kein Arzt wollte ihr das Rezept ausstellen und ohne Rezept gibt es in Deutschland keine Pille danach. In 28 anderen EU-Staaten schon. Französische Mädchen kriegen das Medikament rezeptfrei von Schulkrankenschwestern .

Unwissenheit auch unter den Ärzten scheint ein Grund dafür zu sein, dass man sich in Deutschland mit der Verschreibung des Präparats so schwertut.

Die "Pille danach" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel bewirkt keine Abtreibung und hat keinen Einfluss auf bestehende Schwangerschaften – anders als viele Frauen befürchten.

Das Hormon-Medikament verzögert oder verhindert nur den Eisprung und kann dadurch eine Schwangerschaft vermeiden, wenn es rechtzeitig eingenommen wird. Verhütungspannen aber passieren häufig am Wochenende oder abends, wenn nur Notambulanzen geöffnet sind. Politikerinnen verschiedener Parteien wollen die Rezeptfreiheit des Präparats jetzt auch in Deutschland durchsetzen. Dann könnten Frauen sich in der Apotheke beraten lassen und das Mittel dort kaufen. Mechthild Rawert ( SPD ) hat gerade einen Antrag in die Arbeitsgruppe für Gesundheit eingereicht, der Ende September in der SPD-Bundestagsfraktion diskutiert werden soll. Auch Miriam Seyffarth von der Piratenpartei regt derzeit auf der parteiinternen Diskussionsplattform Liquid Feedback eine Debatte  zum Thema an. Denn: Viele Frauen kriegen die Pille zu spät danach.

Hierzulande verweigern Ärzte häufig die Ausgabe von Rezepten für das Präparat, sagt Niemann von Profamilia. Insbesondere in katholischen Krankenhäusern und Kliniken ohne gynäkologische Abteilung verschreiben Ärzte es oft nicht. So kommt es, dass es in der Stadt Regensburg zeitweise kein einziges Krankenhaus gab, in dem junge Frauen die Pille danach erhalten können. Das machte die Notfallverhütung dort am Wochenende nahezu unmöglich. 

Dabei wirkt Levonorgestrel nur bis 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr und auch innerhalb dieses Zeitraums wird die Wirkung stetig geringer, das Schwangerschaftsrisiko steigt . Könnte man die Pille einfach in der Apotheke kaufen, kämen viele Frauen schneller an das Medikament. Das empfehlen auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.