Assad-GegnerWilmersdorfer Visionen für Syrien

Syrische Oppositionelle tagten monatelang heimlich in Berlin. Nun legten sie ihre Resultate vor. Die Rebellen wollen vor allem Einigkeit demonstrieren.

Die syrischen Oppositionellen Murhaf Jouejati (v-l), Afra Jalabi und Amr al-Azm stellen ihr Konzept in Berlin vor.

Die syrischen Oppositionellen Murhaf Jouejati (v-l), Afra Jalabi und Amr al-Azm stellen ihr Konzept in Berlin vor.

Alles begann, so erzählt es Amr al-Azm, im Juni 2011, bei einem der vielen Videotelefonate, die er und die anderen syrischen Exil-Oppositionellen auf der ganzen Welt damals miteinander führten. Die Krise in ihrem Heimatland würde sich verschärfen, das wussten sie. Sie wussten auch: Assad wird nicht von allein aufgeben. Doch sollte er eines Tages besiegt sein, dann wollten sie vorbereitet sein auf den "Day after", ihren Beitrag dazu leisten können, dass Syrien nicht im Chaos versinkt. "Wir müssen dringend etwas tun", sagten sie sich. 14 Monate später sitzen Al-Azm und seine Mitstreiter an diesem Dienstag in der Bundespressekonferenz in Berlin und präsentieren, was sie seitdem getan haben.

Bisher wirkte die Opposition zerstritten

Ihre Vision ist 122 Seiten lang und auf glänzendes Papier gedruckt. "Der Tag danach: Einen demokratischen Übergang in Syrien unterstützen" steht auf dem Titel. Etwa 45 syrische Oppositionelle haben daran mitgearbeitet, Mitglieder der Freien Syrischen Armee und der kurdischen syrischen Jugend genauso wie Mulham al-Drobi, führendes Mitglied der syrischen Muslimbrüderschaft. Akademiker, Journalisten, Experten für Recht und Sicherheit, Frauen (wenn auch wenige) und Männer diskutierten gemeinsam. Bisher wirkt die syrische Opposition oft zerstritten, die "Day after"-Gruppe legt Wert auf ihre Einigkeit. Vielleicht war es auch das Umfeld, dass die Harmonie beförderte. Denn ihre Treffen hielten sie nicht etwa nahe der syrischen Grenze oder in einer arabischen Hauptstadt ab, sondern in einem ehemaligen preußischen Amtsgebäude in Berlin-Wilmersdorf, im ehrwürdigen Gebäude der deutschen Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP).

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Warum landeten sie ausgerechnet hier, bei einer deutschen Denkfabrik zwischen grünen Alleen, am Stadtrand der deutschen Hauptstadt?

Eigentlich wollten sie sich damals 2011 in einem arabischen Land treffen, je näher an Syrien desto besser, erklärt Al-Azm, doch die jordanische Regierung lehnte ab und Ägypten konnte nicht für die Sicherheit der Syrer garantieren. In die USA wollten die Widerständler nicht, um nicht als Handlanger der USA dazustehen. Frankreich und England wiederum hatten längst zu deutlich Partei für die Rebellen ergriffen. "Dann meldete sich Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und bot uns freundlicherweise an, die Räume der Stiftung zu nutzen", erzählt Amr al-Azm. Er kannte Perthes von dessen Zeit in Syrien. Das United States Institute of Peace (USIP) organisierte mit. Das deutsche Außenministerium und das State Department halfen mit Geld, Visa und Logistik. Die "Day after"-Gruppe legt Wert darauf, dass trotzdem "Syrer für Syrer" planten und nicht "Deutsche für Syrer". 

Leser-Kommentare
  1. ...nur DIE Oppossition, die in Syrien seit Monaten die mörderischen Übergriffe der selbsternannten "Freiheitskämpfer" erlebt hat , ist berechtigt überhaupt irgendwelche Pläne zu präsentieren.

    "Als Mitglied der Opposition bin ich überzeugt, dass wir alle mitverantwortlich dafür sind, dass sich die Lage im Land so sehr verschlechtert hat. Wir sind mitverantwortlich für die Militarisierung und für die Gewalt, die sich über das ganze Land ausbreitet.

    Wir müssen zugeben, dass wir alle, die gesamte Opposition, versagt haben. Es ist uns nicht gelungen, den politischen Kampf friedlich zu halten, was er am Anfang war. Es ist uns nicht gelungen, Gewalt und Militarisierung zu verhindern. Ich rede über uns, nicht über das Regime.

    Die EU als Ganzes und einige Staaten insbesondere, haben zur Eskalation hier beigetragen. Sie haben das, was hier geschieht, auf eine Ebene jenseits der politischen Auseinandersetzung gehoben, so wurde das Geschehen militarisiert und gewalttätig."

    http://www.ag-friedensfor...

    6 Leser-Empfehlungen
  2. Assad wird nicht von allein aufgeben. Doch sollte er eines Tages besiegt sein, dann...

    Wieso wird in diesem Artikel verschwiegen, dass diese Oppositionellen wieder schwere Waffen und eine Luftunterstützung erbeten haben, um Assad zu beseitigen? Habe ich heute mehrmals im Auto im Radio gehört.

    Ansonsten gibt es hier ein paar brauchbare Infos zu den Angehörigen dieser Kontaktgruppe und wieviel Rückhalt sie bei den Syrern haben (nämlich fast keine):

    http://www.german-foreign...

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  3. Das sind leider alles fromme Wünsche und schöne Sandkastenspiele. Am Ende werden diejenigen die den höchsten Blutzoll geleistet haben auch verlangen daß sich Ihre Vorstellungen von einem syrischen Staat durchsetzen. Und das sind ganz bestimmt keine europäischen Demokratievorstellungen die da Gesatlt annehmen werden. Man sieht es ja in Tunesien und Ägypten was aus dem sog. Arabischen Frühling geworden ist. Eine größere Gefahr für den Westen und Israel. Am Ende werden das u.a. die Frauen und die syrischen Christen bezahlen, weil auch hier radikalisamlische Vorstellungen incl Scharia Wirklichkeit werden. Es wird der Tag kommen da werden wir noch den arabischen Despoten hinterherweinen.

    5 Leser-Empfehlungen
  4. "Syrische Opposition uneins über fast alles"
    Q: Der Standard, 4. Juli 2012

    "Syrien - Konferenz der Opposition in Kairo weitgehend gescheitert"
    Q: Tiroler Tageszeitung, 4. Juli 2012

    "Konferenz der syrischen Opposition endet im Chaos"
    FAZ&NET, 4. Juli 2012

    3 Leser-Empfehlungen
    • Leland
    • 29.08.2012 um 9:02 Uhr

    2."Ansonsten gibt es hier ein paar brauchbare Infos zu den Angehörigen dieser Kontaktgruppe und wieviel Rückhalt sie bei den Syrern haben (nämlich fast keine)"

    das ist allseits bekannt,hört nur so macher nicht gerne,
    ich bin überzeugt,wennes demokratische gäbe/gibt werden Die syr.Bürger auch islamistisch wählen.
    Die westlich und sekular und demokratisch eingestellten Syrer sind im Ausland.

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  5. Schwarzseher. Blind für Chancen. Der Niedergang mit einer solchen Sicht ist vorprogrammiert. Diese "realistische" Sicht ist eine andere Form mittelalterlichem Denken, die die menschengemachte Machtarchitektur als eine Gott bzw naturgegebene unveränderliche Ordnung sieht.

    Was der Mensch errungen und erschaffen hat bleibt nur bestehen, wenn er es wertschätzt und bewahrt. Wenn kein Sinn für das Errungene besteht geht dieses verloren. Die Natur hat die Eigenschaft des Verfalls. Alle Errungene Rechtsordnung, die uns vor Mißbrauch schützt ist ohne die Wertschätzung ihrer gefährdet. Mehr von solcher Schwarseherei in der Einstellung eines Volkes und es endet als ein Haufen ausgebeuteter Sklaven.

    Auch wären Völker nie aus der Unterdrückung heraufgekommen, wenn sie sich dem Denken im Möglichen verweigert hätten.
    Der Schöpfergott hat uns als sein Ebenbild erschaffen. Das Menschengemachte kann gestaltet werden und liegt im Machtbereich aller Menschen. Das Menschengemachte, wie Machtarchitekturen, als eine unveränderliche natürliche/göttliche Ordnung zu sehen ist eine Form von Denkkäfig/Götzendienst.

    Ein "realistisches" Denken was nur das Gegenwärtige sieht und die Gestaltungskraft des Menschen ausser acht läßt ist eine Form der Hybris.

    Menschen wirken und haben durch Gestaltung gewirkt.
    Vergleiche man den heutigen Stand mit dem Stand vor 10 Jahren, 50 Jahren, 100 Jahren, 500 Jahren, 1000 Jahren.
    Die Zukunft hängt von unseren heutigen Entscheidungen ab.

  6. Viele Syrer -Minderheiten-hätten lieber unter ein Diktator zu leben, und sie leben friedlich zusammen, statt ein "Arabische Demokratie" und die Oppositionen sind alle bewaffnet wie in den Lebanon und Lybien, Irak....

    2 Leser-Empfehlungen
  7. man ist guten Mutes und möcht gemeinsam Ziele erreichen.
    Wie das dann aussieht kann man ja sehen. Freie Bahn für die Bundeskanzel.

    Ausserdem: Wenn "Den Übergang in eine stabile friedliche Demokratie schaffen, die Willkürherrschaft beenden" das Ergebnis von monatelangem geschachere ist freue ich mich üner eine handvoll angelernter Kompromiss-Demokraten aber eigentlich hätte diese Phrase die Aufnhame-Bedingung für unsere wilmersdorfer Revolutions-Stipendiaten sein sollen.

    Diese Truppe erinnert stark an die Nivea-Nuttella-Nationalmannschaft wo die 'Experten' auch klagen, das es an der Zeit sei, dass sie einen Titel hole.

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