SozialdemokratenThierse kandidiert nicht mehr für den Bundestag

Wolfgang Thierse nennt sich einen leidenschaftlichen Parlamentarier. Dennoch ist nun nach 23 Jahren Schluss: Der frühere Bundestagspräsident verlässt den Bundestag. von afp und dpa

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wird nicht erneut für den Bundestag kandidieren. So wird er nach der Wahl im kommenden Jahr nach 23 Jahren aus dem Bundestag ausscheiden. Er habe sich zu dem Schritt "nach reiflicher Überlegung" entschieden, teilte der 69-jährige Sozialdemokrat mit.

Seine Aufgaben als Abgeordneter und Vizepräsident des Bundestags werde er bis zum Ende der Wahlperiode wahrnehmen. "Ich bin gerne, ja mit Leidenschaft Parlamentarier", sagte der SPD-Politiker. "Ich habe mich mit vielen Themen befassen können, war an wichtigen politischen Entscheidungen beteiligt und war, so glaube ich, eine vernehmbare Stimme für Ostdeutschland und Berlin ."

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Thierse wurde am 22. Oktober 1943 in Breslau (heute: Wroclaw) geboren. Von 1977 bis 1990 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften der DDR. Im Oktober 1989 trat der bis dahin parteilose Thierse dem Neuen Forum bei, Anfang 1990 dann der damals neu gegründeten SPD in der DDR, deren Vorsitzender er im Juni 1990 wurde.

Von März bis Oktober 1990 gehörte er der letzten DDR-Volkskammer an. Nach der Wiedervereinigung 1990 zog er in den Bundestag, dort war er von 1998 bis 2005 Parlamentspräsident.

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Leserkommentare
  1. Ich fand damals die Kritik von Helmut Kohl an Herrn Thierse einfach nur treffend.

    Er hat sich mehrmals über das Gesetz gestellt.

    Neben Polenz, Böhmer und Co. die nicht mehr antreten eigentlich ein gutes Zeichen wären die Nachfolger nicht noch schlimmer siehe Sauerlands Nachfolger in Duisburg Sören Link.

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  2. Mir fällt absolut nichts ein, womit er geglänzt hat. Einfach nur ein Spießer mit einem coolen Bart.

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  3. ein Dauerparlamentarier geht. Bestens versorgt, aber nichts greifbares hinterlassen, wenn man von gnadenlosem Opportunismus mal absieht.

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  4. Bei der letzten Wahl hat Stefan Liebich in Thierses Wahlkreis das Direkt-Mandat gewonnen. Ich hatte Hoffnung diesesmal gewinnt Thierse, er ist Populär und Liebich ein intriganter Karrierst der seine Mutter für ein Amt verkaufen würde. Wenn statt dessen ein unpopulärer Neu-Kandidat für ihn kommt wird Liebich wieder gewinnen und das darf NICHT sein, zum Wohl der Linken!

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  5. Sicher, Herr Thierse mag wenig aufgefallen sein durch politischen Einfluss, zum Schluss hat er Debatten kaum noch mitgeprägt. Der Verweis auf seine Leidenschaft für das Parlament mag daher vielleicht als Zeichen des Verdrusses zu verstehen sein.

    Hat ein aufrichtiger Demokrat, der so sehr in der deutsch-deutschen Geschichte verwurzelt ist, der das protestantische, bildungsbürgerliche, linksliberale Milieu repräsentiert wie sonst wenige andere, noch Platz in diesem Politikbetrieb, noch dazu in dieser Wendehalspartei SPD, die nach wie vor nicht bereit ist eigene Ideologien, für die Herr Thierse bestimmt nicht in diese Organisation eingetreten ist, zu verwerfen? Und kann ein Berufspolitiker, der alle ESMs, Bundeswehreinsätze, HartzIV-Verwurstungen etc. durchwinken muss, überhaupt noch mit "Leidenschaft" Parlamentarier sein, wo gar nicht mal so unintelligente Juristen und Politologen den Bundestag längst das "Konvent der Fraktionsvorsitzenden" nennen und das Parlament bereitwillig seine Hoheitsrechte auf Brüsseler Exekutivorgane überträgt? Scheinbar wird auch eine Stimme der Ostdeutschen in der SPD nicht mehr gebraucht, macht doch gerade in dieser Partei neuerdings ein westdeutscher Finanzchauvinismus gegenüber den Neuen Ländern die Runde.

    Jedenfalls wieder ein Bürgerrechtler, Ostdeutscher und Politiker weniger im Parlament, für dessen Überzeugungen die deutsch-deutsche Geschichte maßgeblich war.

    3 Leserempfehlungen
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    "... der das protestantische, bildungsbürgerliche, linksliberale Milieu repräsentiert wie sonst wenige andere ..."

    ... Wolfgang Thierse ist Katholik.

    Thierse hätte nicht Hartz IV, Afganistan und den vielen anderen schlimmen Dingen zustimmen müssen, gerade er hätte es durch seine öffentl. Wahrnehmung aushalten können, sich solchen Schandtaten zu verweigern. Aber das er nachweislich noch fast jedem Unsinn von rot-grün und großer Koalition zugestimmt hat (2005 z.b. lehnte er den Mindestlohn ab um später so zu tun, als wäre dieser eine SPD-Erfindung), zeigt: Kein Arsch in der Hose und ein großer Opportunist der Mann.

  6. Wenn ich an seine Rede im Bundestag zur Charta der Heimatvertriebenen vom 10.2.2011 denke, dann kann ich nur sagen : GOOD RIDDANCE !" Dennoch wünsche ich Herrn Thierse einen langen friedlichen Lebensabend zum Nachdenken über das, was er von sich gegeben hat.

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  7. Klar sind nach 23 Jahren einige Sachen, die ich anders sehe wie er - aber ich ihn oft für seine unglamuröse Arbeit geschätzt.

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  8. "... der das protestantische, bildungsbürgerliche, linksliberale Milieu repräsentiert wie sonst wenige andere ..."

    ... Wolfgang Thierse ist Katholik.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Wolfgang Thierse | SPD | Akademie der Wissenschaften | Bundestag | Bundestagspräsident | DDR
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