Julia Schramm : Piraten-Buch und Piraten-Ideale

Verfolgen, aber freundlich: Julia Schramm deutet das Vorgehen gegen kostenlose Kopien ihres Buches als Kampf für Piraten-Ideale.

Julia Schramm wusste, was da auf sie zukam. Ob es ihr Werk denn kostenlos zum Download geben werde, fragte jemand in ihrem Blog, fünf Monate vor Veröffentlichung  ihres Buches klick mich . Die Vorstandspiratin, die gegen das Urheberrecht in seiner jetzigen Form kämpft und sich eine möglichst freie Verbreitung von Wissen wünscht, antwortete: "Da ich bei einem Verlag unter Vertrag bin, musst du das mit dem aushandeln. Mir ist die Inkonsequenz durchaus bewusst und ich habe auch schon mit meinem Verlag darüber gesprochen."

Nun also ist das Absehbare passiert: Nur wenige Stunden nach Veröffentlichung des Buches an diesem Montag fand sich im Internet ein Link zum kostenlosen PDF des kompletten Buchs. Schramms Verleger, der zu Bertelsmann gehörende Knaus Verlag, entdeckte das Dokument und veranlasste in Schramms Namen, dass der Filehoster dropbox es entfernte.

Sofort brach ein Sturm der Entrüstung los. Piraten und Nicht-Piraten warfen Schramm Verlogenheit und Doppelzüngigkeit vor. Ausgerechnet eine Spitzenfunktionärin der Partei, die selbst aus der Filesharing-Szene entstanden ist, geht nun gegen die kostenlose digitale Verbreitung ihres Buchs vor. Die Autorin verteidigt sich: "Ich lehne nicht das Urheberrecht, sondern den Begriff des geistigen Eigentums ab, weil er ein Kampfbegriff ist", sagte sie sueddeutsche.de .

In der Tat ist die Position Schramms und der Piratenpartei deutlich differenzierter, als weite Teile der Öffentlichkeit das wahrnehmen wollen. In Positionspapieren machen sie sich ausführlich Gedanken zur problematischen "Enteignung" von Autoren und dazu, dass man "niemandem bestimmte Geschäftsmodelle oder Verwertungsmethoden aufzwingen darf". Die Piraten und Julia Schramm fordern nicht, Urheberrechte komplett abzuschaffen.

Aber: Die Piraten sagen auch sehr genau, was ihre Idealvorstellung ist. Und die ist so ziemlich das Gegenteil von der Verlagspraxis, an der jetzt auch Schramm beteiligt ist. Im Grundsatzprogramm der Partei heißt es: "Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern."

Behindert Schramm die Umsetzung dieses Ideals nicht eher? Sie und ihr Verleger sagen: Nein. Im Gegenteil, wir bringen es voran. Wolfgang Ferchl, der Chef des Knaus Verlags, berichtet ZEIT ONLINE, man habe im Vorfeld zusammen mit der Autorin das Vorgehen genau festgelegt: "Gegen kommerzielle und halbkommerzielle Anbieter wie Dropbox gehen wir direkt vor, vermeintlich naiven Nutzern zeigen wir erst einmal nur die gelbe Karte." Bei einem zweiten Verstoß würden sie dann eine kostenpflichtige Unterlassungserklärung erwirken. Schramm selbst lobt das Verfahren im Interview mit der Welt : "Das ist ein konstruktiver Vorschlag, wie es in der festgefahrenen Urheberrechtsdebatte weitergehen kann. So könnte auch eine politische Forderung aussehen."

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Kommentare

90 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

"Jetzt krakelt wieder der Mob"

Eine ziemlich undifferenzierte Aussage für eine selbsternannte basisdemokratische und volltransparente Partei.

Die Piraten wollen zwar das Urheberrecht ändern, haben aber keine Probleme damit, trotzdem den Schutz desselben zu beanspruchen.

Wäre die Autorin so konsequent, wie sie es von anderen Urhebern fordert, hätte sie gar nicht erst mit einem Verlag Kontakt aufgenommen, sondern es gleich kostenlos anbieten können.

Das bestätigt nur meine Meinung über diese Partei, die unterm Strich keinen Deut besser ist als CDU, SPD, FDP und Grüne. Sie tun zwar modern und jungfräulich, verhalten sich aber völlig gegensätzlich.

Leider haben sie recht

wenn sie sagen, dass Schramm hier mist gebaut hat. Ich finde diese Frau auch sowas von unsympathisch, dass es mir graut... Die Idee der Piraten ist es was man wählt, nicht die Leute. Und die von ihnen aufgezählten haben meines Erachtens nach keine Idee mehr. Julia Schramm ist nicht die Piratenpartei und das gewitter was jetzt hoffentlich bei ihr brodelt dürfte vor allem aus der Partei sein. "Jetzt krakelt wieder der Mob" ist abfällig gegebüber Kritikern und nicht piratisch. Bitte irgendwer macht die Frau da weg!

Glaubwürdigkeit ist eines der kostbarsten Güter

Nicht inkonsequent, sondern verlogen, wäre der richtige Begriff für die hier vertretene Position. Ich glaube, das ist den Piraten und Frau Schramm selbst auch aufgefallen, daher die bedachte Wortwahl. Aber ehrlich, Wasser predigen und Wein trinken hat einfach keinen "Style".

Die grundelgende Frage ist doch: Kann es in einem durch Profit gesteueren System überhaut freie Güter geben und wenn ja, welche. Geistige Güter eignen sich besonders gut dafür, da ihre Herstellungskosten begrenzt sind und die Vervielfältigung im digitalen Zeitalter nur minimale Kosten verursacht. Ganz frei können geistiger Güter nur dann sein, wenn jemand bereits für ihre Grundkosten aufgekommen ist. Ab diesem Punkt entscheidet der Urheber sowohl im Rahmen der eigenen Auffassung wie auch des Gesellschaftssystem selbst, ob daraus freie Güter entstehen oder nicht. Der Gedankengang verkürzt: wie viel Profit will Frau Schramm mit ihrem Buch generieren.

Die Frage des Urheberrechts zieht unweigerlich die Frage nach dem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem mit sich. Wer das nicht erkannt hat, kommt genau in die Verlegenheit, wie sie Frau Schramm erlebt: sie kritisiert eine Werteordnung die sie nicht verändern kann und der sie sich auch unterordnet, weil sie eben nicht konsequent zu ende denkt. Verlogen wir es erst dann, wenn sie es realisiert hat und trotzdem das Gegenteil davon tut, was sie vorher vertreten hat.

Glaubwürdigkeit ist eines der kostbarsten Güter, auch das zu erkennen, lohnt sich.

Und wie soll das funktionieren?

Das ist ja etwa so: Ich kämpfe für ein neues Steuersystem und zahle dann weil ich so konsequent bin nur noch so viele Steuern, wie ich mir das ausgedacht habe. Also so funktioniert das nicht. Neues Urheberrecht gut und schön, solange es noch in dieser Form ist, haben Sie keine andere Chance, als es auch so zu nutzen. Das heißt nicht, dass Sie es gut finden müssen. Das ist keineswegs verlogen, ich glaube hier verwechseln einige etwas gewaltig. Viele Autoren und Künstler kämpfen für ein neues Urheberrecht, doch solange es nur dieses gibt, müssen sie auch damit vorlieb nehmen. Würde die etwa jemand dafür verurteilen?

typisch Zeit

als Grüne Parteizeitung ( siehe Affinität der Redakteurinnen ) versucht die Zeit den direkten Feind der Grünen zu uppen.

Wenn es um Heuchelei in der Politik geht, wäre die Zeit gut darin beratenm sich einmal die SPD um Kurt Beck oder eben die lieben Wutbürger der Grünen vorzunehmen. Mit dem Porsche zum Reformhaus ist in diesem Hinblick ein oft bemühter Slogan^^

der schmale Deut

"Das bestätigt nur meine Meinung über diese Partei, die unterm Strich keinen Deut besser ist als CDU, SPD, FDP und Grüne."

wie wäre es mit dem Deut, das in der einen Partei Einzelpersonen wie Schramm ihren eigenen Reden widersprechen
und damit dann auch alsbald von den eigenen Leuten aussortiert werden,
sich dabei aber immer noch an geltene Gesetze handeln und bei allen Gesetzen/ Beschlüssen/ breit vertretenen Meinungen im Sinne des Volkes agieren, sofern man das ohne echte Macht eben tun kann,

während die anderen Parteien ohne Not gegen das Volk entscheiden,
weit schlimmere Personen wie Wulff, Mappus, Guttenberg & Co. jahrelang unentdeckt bleiben, höchstens bei Pressesturm evtl. an Rücktritt denken (oder wie Beck + Wowereit auch nicht), dabei aber immer noch grundsätzlich von der Partei gestützt werden?

FDP-Variante

Anscheinend gilt für die Piraten das selbe wie für die FDP: Solange die anderen zahlen, ist alles OK, aber selber zahl ich nix. Mit dieser Nummer haben sich die Piraten endgültig als parasitär analog der FDP gezeigt.
Oh, ich soll für die Nutzung geistigen Eigentums zahlen? Aber nein, das ist ja unbequem und kostet mich sogar etwas. Oh, jemand anderes will für die Nutzung meines geistigen Eigentums nichts zahlen? Da muss mein Rechtsanwalt aber sofort eingreifen. Steuern will man ja auch nicht. Wann fusionieren FDP und Piraten? Würde ja eigentlich passen, und man nennt sich dann "Gratispartei". Keine Zahlungen für Strassen, Schulen, Sicherheit, Downloads, alles gratis, nur für mich. Juchuuuu!!!!

Informieren Sie sich bitte besser...

Genau wie Forist Nr. 1 krakelen Sie nach, was die Medien vor einer Weile an verallgemeinerten Bröckchen aus dem Piratenprogramm rausgebrochen haben ("Piraten wollen Urheberrecht abschaffen").

Immerhin hat die Zeit gemerkt ("Die Piraten und Julia Schramm fordern nicht, Urheberrechte komplett abzuschaffen"), was Sie damals für nen Mist verzapft haben. Und das hat sogar nur einige Monate gedauert. Man kann von Journalisten aber auch unmöglich erwarten, den Gesetzesvorschlag mal durchzulesen, auf den damals diese unsäglichen Artikel abgezielt haben!

Wer also immernoch glaubt, die Piraten verlangten alles umsonst, sollte sich besser informieren. Aber auf Plattitüden zu beharren ist natürlich angenehmer, man muss weniger selber denken. Von purecynism über Theomachos bis hampelmann scheinen ja hier sämtliche Kommentatoren ihr Hirn nach der Schule eingemottet zu haben...

Für den Rest: Der Gesetzesvorschlag umfasst Änderungen, die vor allem die private Nutzung vereinfachen sollen und zum Teil freistellen sollen, die gewerbliche Nutzung, wie sie hier zB vom Filesharer ausgeübt wird, soll natürlich weiter verhindert werden. Vor allem eine Anpassung der aktuellen Gesetzeslage an die neuen Medien, im speziellen das Internet, muss erfolgen, um dem derzeitigen "rechtsfreien" Räumen entgegen zu wirken.

Muss mir mal einer erklären

Zitat von der Piratenseite:

"Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar."

Im Klartext: Abschaffen wollen die Piraten das Urheberrecht nicht. Es hat nur einen anderen Namen. Denn der Inhalt des obigen Absatzes hat dieselben Konsequenzen. Und die Reaktion von Fr. Schramm macht aus den Idealen der Partei einen Witz. Ich kann und werde diesen Verein niemals ernst nehmen können.

Nun, ich krakele hier nichts nach. Dem da oben ist aber auch nichts weiter hinzuzufügen.

cheers

Lesen sollte man schon können

Ich habe nie von abschaffen geredet, sondern von ändern. Und das wollen die Piraten ja offenbar. Oder jetzt doch nicht? Hmm...

Und warum hat diese Dame einen Vertrag mit einem Verlag geschlossen, statt ihr Werk zur privaten Nutzung (so wollen es ja die Piraten) kostenfrei anzubieten?

Tja, Rundumschläge kannst du austeilen, aber das Posting vorher genau lesen, das kannst du offensichtlich nicht. Ganz schön blamabel.

Weil sie auch von was leben muss.

"Und warum hat diese Dame einen Vertrag mit einem Verlag geschlossen, statt ihr Werk zur privaten Nutzung (so wollen es ja die Piraten) kostenfrei anzubieten?"

Harz IV ist was tolles, aber solange Künstler halt nicht gerecht entlohnt werden müssen sie Verlage ansprechen die sie bezahlen.

Sehen sie den Missstand jetzt? Die Piraten wollen eine gerechte Abgabe und eine sinnvolle Verteilung. Diese ist aktuell nicht gegeben, also warum sollten sie als erste Spenden? Wie ist es denn mit dem Ehrensold von Herrn Wulff? Warum gibt der den nicht her? Hat er ihn verdient? NEIN. Dennoch schickt er seine Frau in den Dschungel, weitere Kole zu aquirieren. DAS IST PEINLICH!

"Wir waren jung und brauchten das Geld"

Eine prominente Vertreterin der Fuehrungsriege welcher Institution auch immer ist auch ein Rollenmodell.
Wenn diese Person schon nicht nach den selbstgestrickten Leitlinien der Partei handelt - wer soll das dann.
Diese Ausrede, sie brauche das Geld, ist auf jeden Fall billig. Waere sie etwas weniger gierig und dafuer weitsichtiger, saesse sie naechstes Jahr vielleicht in Berlin und wuerde Geld satt verdienen.

Dumm gelaufen.

Das Verhalten von Fr. Schramm erinnert an die Politiker, die in einem Atemzug die einfachen Buerger auf soziale Einschnitte vorbereiten und gleichzeitig ihre Diaeten erhoehen.

'tschuldigung

Bitte vergessen Sie das mit dem Bild malen. Ich hab Urlaub und komm gerade von einer Feier. Der Alkohol ist schuld...

Beispielsweise könnte jemand es herunterladen und für einen Vortrag nutzen, für den er bezahlt wird oder jemand schreibt eine bezahlte wissenschaftliche Arbeit und nutzt es dafür. Deshalb ist die komplett freie (und unkontrollierte) Verteilung nicht in Ordnung. Das sehen auch die Piraten so, weshalb Frau Schramm da nicht mit der Parteilinie bricht.

Versteh' ich nicht...

Hätte sie ihren "Kindheitstraum" nicht auch als Wikibook, freies PDF, etc. verwirklichen können ? Oder meint sie, man sei nur "Künstler", wenn man damit Geld verdient ? War/ist sie jung und braucht/e das Geld ?

Mir fällt kein schlüssiges Motiv ein, als Mitglied der Piratenpartei ohne offensichtliche Not ein System zu nutzen, das man abschaffen will.

Ich lass mich gern eines Besseren belehren...

Arbeit und Vergnügen

Ich arbeite seit 10 Jahren als Programmierer als Festangestellter. In meiner Freizeit schreib ich auch noch Programme, die gebe ich meist als OpenSource ab. Aber die Programme für meinen Arbeitgeber kann und darf ich nicht als OpenSource abgeben, weil sie mir einfach nicht gehört. Es ist eine Auftragsarbeit!

Und so sehe ich das auch hier.

Und ja, ich bin Pirat. Und ja, ich hätte Julia Schramm nie in den Vorstand gewählt. Aber was interessiert es mich? Der Vorstand ist eine Vertretungsgemeinschaft die wohl im November wieder deaktiviert wird.

Alles das sind Kinderkrankheiten. Wie Frau Ditfurth für die Grünen. Eine Frau die ich für ihre Prinzipien schätze, aber für politisch unbrauchbar halte.

Da draussen gibt es mittlerweile hunderte Verfahren...

... wie man mit seinen Werken Geld verdienen kann, ohne Fragen des Urheberrechts auch nur zu streifen. Seien es Plattformen, seien es Bezahlmodelle, wenn sie ernsthaft ein Zeichen hätte setzen wollen, es wäre kein Problem gewesen. Es ist dabei völlig unwesentlich, ob sie möglichst viel Geld verdienen wollte, weil die herkömmlichen Vertriebswege gerade für ein solches Buch mit der entsprechenden Leserschaft gar nicht mehr die erste Wahl sind. Und dass die Retourkutschen folgen, dass der scheinbare Widerspruch zwischen politischem und privaten Anspruch hervorgehoben wird, meist, um wiederum Traffic im eigenen Interesse zu generieren, kann eine Expertin für die neuen Medien nun wirklich weder überraschen noch auf die Palme bringen. Sollte man zumindest meinen.

Piratenbuch und Piratenpartei

Der Rückschluss auf die Piratenpartei ist vieleicht zu schnell gezogen.
Da will eine junge Frau ganz schnell Karriere machen und denkt, das geht am einfachsten in der Politik. Insofern ist die Parallele zur FDP naheliegend. Eine gerade gegründete Partei ist da als Karrierevehikel bestens geeignet: Ohne feste Strukturen, keine Leitfiguren, die jeden "Neuling" verbeissen, viele Neugierige und Naive, die leicht zu manipulieren sind. Ein für junge Menschen verlockendes Zentralthema: Freie Internetgesellschaft ohne Schranken, wie das komplizierte Urheberrecht.
Da sieht man sich schnell in hervorgehobener Position mit allen Privilegien und besten Chancen für eine Laufbahn nach der Politik, zB. in der Wirtschaft. Siehe: Joschka Fischer und Konsorten.
Entwickelt sich die Geschichte dann doch nicht so problemlos wie geplant, ist ein Buch, gepimpt mit "Insiderwissen", ein probates Mittel wieder im Mittelpunkt zu stehen.
Die paar Euros nimmt man doch gerne mit. Den Unfug mit dem "freien Zugang zu Wissen"
kann man vergessen, die Autorin ist ja keine aktive Piratin mehr.
Nur, - was kann die Piratenpartei für diese karrieregeile Dame?

Hätten sie sich mal mit dem Programm der Piraten beschäftigt...

...anstatt irgendwelche Medienkampagnen nachzuplappern. Die Piraten wollen nicht, dass Künstler ihre Werke verschenken, im Gegenteil, sie wollen, dass Künstler von ihren Werken leben können. Die wenigsten Piraten sind komplett gegen das Urheberrecht / geistiges Eigentum. Aber selbst wenn man (wie Frau Schramm) dagegen ist, heißt das noch lange nicht, dass man seine Werke selbst nicht zum verkauf anbieten könnte, sondern nur, dass andere sie für nicht kommerzielle Zwecke teilen dürften.

Genau das verhindert Schramm durch ihren Verlag!

Kein Mensch stößt sich daran, daß das Buch von Frau Schramm zum Verkauf angeboten wird. Aber genau das, was Sie hier schreiben:

"heißt das noch lange nicht, dass man seine Werke selbst nicht zum verkauf anbieten könnte, sondern nur, dass andere sie für nicht kommerzielle Zwecke teilen dürften."

wurde verhindert. Die Einstellung des Buches erfolgte zu nicht-kommerziellen Zwecken und ich hätte mir es auch gerne zu nicht-kommerziellen Zwecken heruntergeladen, hätte Schramm nicht ihren Verlag (bzw. Parteigenossen, das Buch war kurze Zeit auch auf einem Piraten-Server abgelegt) zum Löschen losgeschickt.

nicht-kommerziellen Zwecke

Sie können nicht bei Bücher Xy ein Buch kaufen,
direkt daneben in der Innenstadt einen weiteren 1000qm-Laden eröffnen und Kopierer-Versionen des Buches verschenken,
oder etwas papiersparsamer das Buch einmal einscannen und jeder darf mit seinem USB-Stick vorbeikommen,

so drastisch ist und war das einfach nicht geplant,
egal wie nicht-kommerziell man das bezeichnen mag,
öffentliche allgemeine Quellen sind nicht praktikabel

um was es dagegen geht, ist, dass man ein Ebook vielleicht gerne per PDF an einem Freund verschickt, und für diesen Fall keine automatische Kontrolle aller Emails inklusve 1000 Euro-Abmahnung eingeführt werden sollte!..

sicher, Frau Schramm persönlich hat sich in ihren eigenen Aussagen verheddert und besonders schlimm steht sie nun nicht fair dazu,
aber jedes Wort/ jedes allgemeine Konzept auf die Goldwaage zu legen, das ist auch nicht günstig

wenn die Piraten in 20 Jahren an der Macht sind und endlich das bedingungslose Grundeinkommen einführen und dann doch irgendwo 3 Formulare mit Namen, Alter, Adresse, Konto auszufüllen sind, dann wird das den Piraten wahrscheinlich auch um die Ohren gehauen,
ihrem eigenen Programm widersprochen..

Doch, kann ich!

Klar kann ich das. Wenn Autor und Verlag mir das erlauben. So wie jeder Software-Autor sein Programm unter GPL veröffentlichen kann und dann alle diese Freeware nach Lust und Laune kopieren und verbreiten dürfen. Frau Schramm hat sich dagegen entschieden, ihr Buch als proprietäres, kostenpflichtiges Produkt anzubieten. Darf sie auch, keine Frage. Aber ihre Glaubwürdigkeit ist damit futsch. Zumindest sollte sie nicht mehr so größe Töne spucken, das geistige Eigentum verhöhnen und über die kapitalistische Verwertungslogik von Künstlern spotten.

"so drastisch ist und war das einfach nicht geplant,"

Das denke ich mir schon. Wäre nur schön, wenn die Piraten endlich mal sagen würden, was sie denn nun eigentlich planen.

man kann

jeder selber kann das, klar,
und Frau Schramm hat sich vorher zu weit aus dem Fenster gelehnt, absolut

aber das ist NICHT Parteiprogramm, sogar soll NICHT für andere entschieden werden, sondern eben 'jeder selber kann das'

"Wäre nur schön, wenn die Piraten endlich mal sagen würden, was sie denn nun eigentlich planen."

wie gesagt ist es ein riesiger Anfang und ziemlich diskussionsloser Konsenz, den Abmahnwahnsinn zu stoppen!,
außerdem z.B. das Urheberrecht von Frau Schramm für ihr Buch nicht bis voraussichtlich ins Jahr 2140 laufen zu lassen oder was immer die aktuelle Rechtslage mit 70 Jahre nach dem Tod hergibt,
das sind lockerleichte Punkte/ Ziele

man muss nicht schon heute sämtliche Details ausklamüsern