KanzlerkandidaturWarum die Troika der SPD hilft

Und ewig währt die K-Frage: Der endlose Dreikampf um die Kanzlerkandidatur in der SPD nervt, aber er nutzt der Partei bei der Selbstfindung, kommentiert Lenz Jacobsen.

Natürlich wäre das wunderbar für die SPD: ein Kanzlerkandidat, von der Partei ebenso verehrt wie von den übrigen Wählern, mit klarem Programm und echten Siegchancen bei der Bundestagswahl 2013. Doch diesen Kandidaten gibt es nicht. Das liegt am Zustand der Partei, weniger an den Personen selbst. Die Troika aus Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel ist in dieser Lage noch der beste Ausweg.

Seit drei Jahren, seit der Wahlniederlage 2009, kämpft die SPD nun schon gegen die eigene Verunsicherung und um einen neuen Kurs: War die Agenda 2010 nun Erfolg oder Todsünde? Wie gehen die Sozialdemokraten um mit den Folgen für Arbeitsmarkt und Sozialsysteme? Und wie positionieren sie sich eigentlich genau zu Grundsicherung, einem Umbau des Finanzsystems, der Regulierung des Internets? Mit diesen Fragen ringen die Sozialdemokraten noch immer.

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Die Kandidaten-Troika ist Ausdruck dieser Verunsicherung, nicht ihre Ursache. Die SPD hat die Kandidaten-Frage ja nicht deshalb bis jetzt offen gelassen, weil sie die Wähler gerne hinhält. Sie brauchen deshalb so lange, weil die Personalentscheidung auch eine Richtungsentscheidung ist: Mit Gabriel links abbiegen, mit Steinmeier die Agenda 2010 verteidigen, oder mit Steinbrück das Finanzsystem reformieren?

Gewissermaßen nutzt der Dreikampf, so sehr er die Beobachter nervt, der Partei sogar. Er wirkt wie ein Brennglas: Erst so bekommt die Debatte der Partei über sich selbst den nötigen Realismus. Die Basis muss jedes Thema mit Blick auf die drei Kandidaten diskutieren, und die drei Kandidaten wiederum müssen sich bei jedem Thema positionieren. Das ist schmerzhaft und langwierig, aber es ist genau das, was die Partei braucht. Denn nur so können, im Idealfall, am Ende ein Programm und ein Kandidat herauskommen, die zueinander passen.

2013 muss alles stimmen

Bestes Beispiel ist die aktuelle Altersarmut-Debatte. Man stelle sich nur einmal vor, beispielsweise Frank-Walter Steinmeier wäre schon nominiert: Die massiven Forderungen der Linken nach höheren Renten wären dann ein direkter Affront gegen ihn, denn er lehnt höhere Bezüge ab. Der Kanzlerkandidat wäre beschädigt. Solange die K-Frage aber noch nicht entschieden ist, können Partei und potenzielle Kandidaten recht offen streiten, eine gemeinsame Linie suchen. Da sieht zwar nicht gerade nach Geschlossenheit aus, ist aber immer noch besser, als der Partei im Schnellverfahren einen Kandidaten aufzudrücken, den diese nicht will, oder dem Kandidaten ein Programm überzustülpen, das dieser nicht glaubwürdig vertreten kann.

Bei vielen anderen heiklen Themen hat das bereits funktioniert: Auch Steinmeier und Steinbrück haben sich mittlerweile mit einer Mindestlohn-Forderung angefreundet, auch sie wollen nun die Leiharbeit, die sie mit ihren Reformen einst erst ermöglicht haben, bekämpfen. Auf der anderen Seite sind die Stimmen in der Partei, die einst am liebsten die komplette Hartz-IV-Regelung zurückdrehen wollten, verstummt.

Natürlich dringt die SPD zur Zeit kaum mit ihren Themen durch. Das aber muss sie in Kauf nehmen, will sie bei der Bundestagswahl eine echte Chance gegen die Union und gegen die scheinbar unbezwingbare Angela Merkel haben. Wenn sie sich einmal entschieden hat allerdings, sei es nun noch dieses Jahr oder erst 2013, dann muss alles stimmen: Programm, Person, Geschlossenheit. Sonst endet der Selbstfindungsprozess wieder nur auf der Oppositionsbank.

 
Leserkommentare
  1. 4 Jahre Opposition bzw. Zeit sich neu Aufzustellen verschlafen!

    Die SPD wirkt nicht frisch, froh und lebendig sondern nach Schröder (damit haben sich viele Wähler nicht abgefunden).

    Hartz4 bis jetzt (sic!) nicht aufgearbeitet (gut und schlecht, was wollen wir ändern, was Rückgängig machen)

    Die Troika da ist für jeden was dabei! Darling Steinmeier, Vielredner Wenigmacher Steinbrück und Linkspopulist (Ja zu Eurorettung Spanien, nächsten Tag Bankenbashing) Gabriel.

    Fallen zwei Weg weiss man nicht wie die SPD danach aussieht.

    Ein Jahr vor der Wahl noch kein konkretes Programm.

    Nein, so wird das nichts mit der SPD.

    16 Leserempfehlungen
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    Achso, sie meinen überhaupt nicht den Kanzler und die Koalition.

    Aber sie haben Recht, junge frische schlaue Köpfe gibt es nicht mehr in der Politik. Wahrscheinlich scheitern sie schon daran, an den Betonschädelfunktionären vorbei zu kommen.

    Hätte die SPD schon vor 3 Jahren einen Kanzerlkandidaten für `13 festgelegt hätte das Zwei Probleme ergeben.

    1. Man würde sie für dogmatisch und undynamisch erklären eine solche Entscheidung nach einer Wahlniederlage festzumeißeln oder eben Jahre bevor sich die Frage wirklich stellt.

    2. Hätte die übrige Opposition und die REgierung massig Zeit gehabt sich am Kandidaten abzuarbeiten, wodurch eine Beschädigung riskiert worden wäre.

    Es ist also klug so lange zu "warten".

    Zudem haben Sie Unrecht, wenn Sie glauben, dass die SPD die Hartz-Gesetze nicht aufgearbeitet hätte. Das hat sie, und sie ist der Meinung, dass das meiste schon richtig war und ist und Schröder doch alles gut gemacht hätte, sonst stünden "wir" heute ja nicht so gut da. Sie kennen das Gewäsch ja aus den Talkshows und Interviews.

    Alles im Allen ist es aber natürlich egal wer von den Strohmännern Vizekanzler wird. Letztlich wird die SPD natürlich als Juniorpartner die CDU an der Macht halten und damit das erreichen was sie erreichen will: Alles soll so bleiben wie es ist.

    Nicht schockierend. So ist sie eben. Genau wie die andere Volkspartei ist sie ein Macht-Erhaltungsverein.
    Das wirklich schockierende ist doch, dass das Wahlvolk es so will. Es wählt diese Parteien, die sich weigern mit dem Politischen Gegner zusammen zu arbeiten und die Rezepte auf Lager haben, die und den Spuk zb in der Finanzkrise eingebrockt haben.

    Wählt sie doch! Ich wähle nicht mehr. Macht keinen Sinn.

    Achso, sie meinen überhaupt nicht den Kanzler und die Koalition.

    Aber sie haben Recht, junge frische schlaue Köpfe gibt es nicht mehr in der Politik. Wahrscheinlich scheitern sie schon daran, an den Betonschädelfunktionären vorbei zu kommen.

    Hätte die SPD schon vor 3 Jahren einen Kanzerlkandidaten für `13 festgelegt hätte das Zwei Probleme ergeben.

    1. Man würde sie für dogmatisch und undynamisch erklären eine solche Entscheidung nach einer Wahlniederlage festzumeißeln oder eben Jahre bevor sich die Frage wirklich stellt.

    2. Hätte die übrige Opposition und die REgierung massig Zeit gehabt sich am Kandidaten abzuarbeiten, wodurch eine Beschädigung riskiert worden wäre.

    Es ist also klug so lange zu "warten".

    Zudem haben Sie Unrecht, wenn Sie glauben, dass die SPD die Hartz-Gesetze nicht aufgearbeitet hätte. Das hat sie, und sie ist der Meinung, dass das meiste schon richtig war und ist und Schröder doch alles gut gemacht hätte, sonst stünden "wir" heute ja nicht so gut da. Sie kennen das Gewäsch ja aus den Talkshows und Interviews.

    Alles im Allen ist es aber natürlich egal wer von den Strohmännern Vizekanzler wird. Letztlich wird die SPD natürlich als Juniorpartner die CDU an der Macht halten und damit das erreichen was sie erreichen will: Alles soll so bleiben wie es ist.

    Nicht schockierend. So ist sie eben. Genau wie die andere Volkspartei ist sie ein Macht-Erhaltungsverein.
    Das wirklich schockierende ist doch, dass das Wahlvolk es so will. Es wählt diese Parteien, die sich weigern mit dem Politischen Gegner zusammen zu arbeiten und die Rezepte auf Lager haben, die und den Spuk zb in der Finanzkrise eingebrockt haben.

    Wählt sie doch! Ich wähle nicht mehr. Macht keinen Sinn.

  2. was soll eigentlich das ganze spekulieren noch?

    die K-Frage ist doch bereits heute gelöst. irgendwie sonnenklar ist ab 2013 doch die GroKo mit frau merkel als K.

    wer von den drei von der tankstelle -öh SPD ,-))) - dann vize-kanzler wird, ist doch nur für das eigene ego der beiden 'stones' wichtig. der herr gabriele wird's wohl eh nicht.

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    Dann wird es wohl Steinbrück. Denn Herr Steinmeier hat sich soweit aus dem Fenster gelehnt das er nicht mehr im Rennen ist, sollte Er doch Vize-Kanzler werden dann nur noch als Lachnummer. Und der Herr Gabriel steht doch gar nicht zur Debatte.

    Dann wird es wohl Steinbrück. Denn Herr Steinmeier hat sich soweit aus dem Fenster gelehnt das er nicht mehr im Rennen ist, sollte Er doch Vize-Kanzler werden dann nur noch als Lachnummer. Und der Herr Gabriel steht doch gar nicht zur Debatte.

  3. hätte nach dem 23% Ergebnis einsetzen müssen. Zudem hatte die sPD gut 4 Jahre Zeit. Das Problem sind vielleicht nicht mal die Flügel, sondern die Dominanz der Seeheimer, dessen Vertreter die Partei für ihre persönlichen Interessen als Staffage mißbrauchen.
    Das Beispiel *Steinmeier und höhere Renten* macht deutlich, was da nicht zusammen passt. Spitzenfiguren, die mit den Werten der Partei nix anzufangen wissen.

    Eine Partei, die dem KK ein Programm überstülpt? Ja, wie entstehen denn solche Programme? Beim Würfeln oder in Gremien, die demokratisch funktionieren und durch Parteitage legitimiert?

    Wenn diese Herren die Grundsätze und Forderungen ihrer Partei nicht mehr glaubhaft vertreten wollen, sollten sie sich ihre politische Heimat vielleicht dort suchen, wo sie das können und nicht die gesamte Partei nach ihrem Gusto umkrempeln, wie es derzeit geschieht.
    Eine Basis, die das mit sich machen lässt hat wiederum nichts anderes verdient, als mit diesen Widersprüchen in der Zeríssenheit zu zerbröseln.

    9 Leserempfehlungen
    • ommel
    • 17.09.2012 um 20:05 Uhr
    4. Warum?

    wird die SPD nicht aufgelöst ?
    es gibt doch kaum unterschiede zur CDU !

    die sog. Troika ist doch ne alte "Mottenkiste"

    mit diesen personen werden sie mit sicherheit keine wahl gewinnen! wetten...!

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    "Warum? wird die SPD nicht aufgelöst ?"

    Das muss der Wähler nächstes Jahr besorgen. An der Wahlurne.

    Das ist ein großer Unterschied. Bürgen für andere, damit diese finanzpolitisch so weiter machen können, wie bisher, wäre ein großer Fehler.

    "Warum? wird die SPD nicht aufgelöst ?"

    Das muss der Wähler nächstes Jahr besorgen. An der Wahlurne.

    Das ist ein großer Unterschied. Bürgen für andere, damit diese finanzpolitisch so weiter machen können, wie bisher, wäre ein großer Fehler.

  4. Mit diesem Eng-Gestirn wird die SPD nicht mal einen Blumentopf gewinnen!!!!

    7 Leserempfehlungen
  5. die 3 Kanzlerkandidaten waren gute Minister, wobei ich bei Steinbrück nicht so sicher bin, er hat lediglich alles als alternativlos verkauft. Schlechter als das CDU/CSU/FDP Personal ist er aber auch nicht. Nur Kanzler und dann noch der Kanzler der SPD, das sehe ich wirklich nicht. Die anderen beiden in dieser Position natürlich auch nicht. Und solange das Dreigespann die Bestimmer (von eigenen Gnaden) sind, wird sich auch kein anderer Kanditat(in) herauskristallisieren können. Und dazu zu meiner Überschrift. Früher gab es mehr Talente in der SPD. Helmut Schmidt war eines davon.

  6. "Warum? wird die SPD nicht aufgelöst ?"

    Das muss der Wähler nächstes Jahr besorgen. An der Wahlurne.

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Warum?"
  7. Was heißt hier Selbstfindung. Übrig bleibt Peer Steinbrück, er hat als einziger das Format zum Kanzler. Das sollten der Langweiler Franz-Walter Steinmeier und der lustlose Sigmar Gabriel endlich einsehen und in die zweite Reihe zurücktreten.

    4 Leserempfehlungen
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    Das ist genau das Problem. Es geht um dumme Bilder und Vorstellungen und nicht um Inhalte. Und die Medien befeuern diese durch und durch amerikanische Tendenz. Wofür steht Steinmeier? Doch für das selbe wie Schröder. Wer Steinmeier zum Kandidaten macht, der sagt: Die SPD hat sich nicht wieterentwickelt, sondern hat sich in der Oppoistion nur kurz aus dem Schießfeuer genommen um 2013 wieder für die Wählbar zu sein, die ihre Faust in der Tasche wieder ein wenig entspannen konnten.

    haben Sie natürlich Recht.
    Steinmeier ist aus Formatsgründen wählbarer für die Masse. Die wählt nicht nach Inhalt.

    Das ist genau das Problem. Es geht um dumme Bilder und Vorstellungen und nicht um Inhalte. Und die Medien befeuern diese durch und durch amerikanische Tendenz. Wofür steht Steinmeier? Doch für das selbe wie Schröder. Wer Steinmeier zum Kandidaten macht, der sagt: Die SPD hat sich nicht wieterentwickelt, sondern hat sich in der Oppoistion nur kurz aus dem Schießfeuer genommen um 2013 wieder für die Wählbar zu sein, die ihre Faust in der Tasche wieder ein wenig entspannen konnten.

    haben Sie natürlich Recht.
    Steinmeier ist aus Formatsgründen wählbarer für die Masse. Die wählt nicht nach Inhalt.

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